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14.04.2017

Baustart für georgischen Tiefseehafen Anaklia in Sicht

Arbeiten sollen im Herbst 2017 beginnen / Erste Ausbauphase kostet 600 Mio. US$ / Von Uwe Strohbach

Tiflis (GTAI) - Der maritimen Wirtschaft in der kleinen Kaukasusrepublik Georgien steht ein Investitionsschub bevor. Unter den geplanten Vorhaben ragt die Errichtung eines neuen Tiefseehafens hervor. Der offizielle Baustart soll im Spätherbst 2017 erfolgen. Die Investitionen für die erste Projektphase werden auf 586 Mio. US$ veranschlagt. Langfristig soll der Hafen über eine Umschlagkapazität von bis zu 100 Mio. t Gütern verfügen. (Kontaktanschriften)

Die Modernisierung und der Ausbau der Hafenwirtschaft sind in Georgien ein Schlüsselelement beim angestrebten Ausbau des internationalen Transport- und Logistikgeschäfts. Wichtigstes Projekt ist zurzeit der Bau des ersten Tiefseehafens des Landes, der in Anaklia entstehen wird. Der offizielle Baustart für die erste Etappe soll im Spätherbst 2017 erfolgen; die Vorbereitungen einschließlich der Erstellung des Umweltverträglichkeitsgutachtens sind weit fortgeschritten. Zurzeit werden die Ausschreibungen für die Beschaffung von Ausrüstungen und die Bauausführung vorbereitet.

Hafeninfrastruktur, Containerhafen und Lkw-Gate entstehen in der ersten Phase

Zentrale Elemente der ersten Etappe sind zum einen die Errichtung der marinen Hafeninfrastruktur. Dazu zählen Wellenbrecher, Fahrrinne, Kaimauer/Anlegeplätze für Containerschiffe und die Küstenwache, Containerbrücken und Straßenzugänge zu den Liegeplätzen, die für Schiffe mit einer Ladungskapazität von bis zu 10.000 TEU ausgerichtet sind. Zum anderen ist der Bau eines Containerterminals auf einer Fläche von 30 ha (Stapellager mit einer Hochstapelung von bis zu sieben Containern) vorgesehen. Des Weiteren sollen innerhalb der ersten Etappe ein Lkw-Gate und ein intermodaler Umschlagbahnhof für Frachtumladungen entstehen.

Nach Abschluss der ersten Bauphase Ende 2020 wird der neue Hafen über eine jährliche Umschlagkapazität von etwa 8 Mio. t Containerfrachten verfügen, was 790.000 TEU entspricht. Dieser Durchsatz soll im Jahr 2028 erreicht werden, so die Planungen der Projektverantwortlichen.

Im Februar 2016 gab die Regierung den Sieger der Ausschreibung für die Projektierung, den Bau und den Betrieb des Tiefseehafens in Anaklia bekannt: das Anaklia Development Consortium (ADC). Zum Konsortium gehören die US-amerikanische Gesellschaft Conti International und die georgische TBC Holding. Der Konzessionsvertrag läuft über 52 Jahre.

Weitere bedeutende Projektpartner sind der Infrastruktur-Berater und -Planer Moffatt & Nichol (M&N), das Beratungsunternehmen Maritime & Transport Business Solutions (MTBS) sowie die Anwaltskanzlei BLC Law Office. Mit der Ausführung der Bauvorbereitungsarbeiten hat ADC das niederländische Unternehmen für Wasserbau und Ingenieurdienstleistungen für die maritime Wirtschaft beauftragt.

Das Konsortium ist auf der Suche nach weiteren Investoren für den Seehafen, nach Betreibern des künftigen Containerterminals und Kapitalanalegern, die sich in der geplanten Freihandelszone (600 ha) unmittelbar neben dem Hafen engagieren wollen.

Bau erfolgt in neun Etappen

Der Hafen entsteht auf einer Gesamtfläche von 339 ha. Der Projektwert aller neun Ausbauphasen beträgt 2,5 Mrd. $. Die zweite Ausbauetappe soll etwa 2027 abgeschlossen werden. Sie sieht eine Ausweitung der jährlichen Kapazität für den Güterumschlag auf 14 Mio. t vor.

Langfristig soll der Hafen über zwei Wellenbrecher, sieben Liegeplätze für Containerschiffe (Gesamtlänge: 2.490 m) und drei Liegeplätze für den Umschlag von Trockengutfrachten oder/und Flüssigladungen mit einer Umschlagkapazität von insgesamt bis zu 100 Mio. t verfügen.

Erwarteter jährlicher Containerumschlag im Tiefseehafen Anaklia (in TEU)
2020 2024 2028
Containerumschlag 299.300 569.600 787.000
.Verladung von beladenen Containern auf Schiffe 56.900 119.300 161.300
.Verladung von Leercontainern auf Schiffe 92.800 179.000 232.200
.Entladungen von Containern von Schiffen 149.600 298.300 393.500

Quelle: Anaklia Development Consortium

Bestehende Seehäfen wenig ausgelastet

Inwieweit sich das Gesamtprojekt in der geplanten Größe als wirtschaftlich erweist, lässt sich heute schwer einschätzen. Kritische Stimmen verweisen auf die Konkurrenz der anderen beiden bisher nur zu weniger als 50% ausgelasteten Seehäfen in Poti und Batumi. Allerdings könnte das Transitaufkommen in Zukunft deutlich zunehmen mit dem geplanten Ausbau des Transportkorridors VR China - Türkei/Europa via Georgien.

APM Terminals will im Hafen Poti Containerumschlag verdreifachen

In Poti, knapp 30 km weiter südlich von Anaklia, befindet sich der wichtigste georgische Seehafen. APM Terminals Poti verabschiedete 2016 einen Plan für die Modernisierung und den Ausbau des Hafens. Die in einer ersten Projektphase 2016/17 bis 2018/19 geplanten Investitionen von 250 Mio. $ sollen vorrangig in zwei 300 m lange Tiefseeliegeplätze für Containerschiffe mit einer Ladungskapazität von jeweils 9.000 TEU fließen. Die Container-Umschlagkapazität des Hafens steigt damit auf 1 Mio. TEU. Langfristig soll sie 2 Mio. TEU erreichen. Für den gesamten Frachtumschlag in Poti ist langfristig ein Kapazitätsausbau auf 50 Mio. t avisiert.

US-amerikanische OPIC will neuen Hafenkomplex in Poti mitfinanzieren

Den Masterplan für das Ausbauprojekt hat die niederländische Gesellschaft Royal Haskoning DHV erstellt. Die staatliche US-amerikanische Förderagentur Overseas Private Investment Corporation (OPIC) gab Ende 2016 Pläne für die Mitfinanzierung eines neuen Hafenkomplexes auf dem Gelände eines von der PACE Group of Company betriebenen Terminals bekannt (http://www.pacetransport.com; E-Mail: itateishvili@pace.ge). Die OPIC will sich mit 50 Mio. $ an dem auf insgesamt 100 Mio. $ veranschlagten Vorhaben beteiligen.

Der Seehafen in Poti verfügt über eine Wassertiefe von 8 bis 11 m und 15 Liegeplätze. Er kann jährlich bis 5,6 Mio. t Trockengüter, 4,5 Mio. t Containerfracht und 2,0 Mio. t Flüssiggüter umschlagen. Die Gesellschaft APM Terminals Poti (Teil der dänischen A.P. Moeller-Maersk Group) ist seit 2011 Mehrheitseigner des Hafens (Aktienanteil: 80%) und Betreiber der Hafengesellschaft Poti Sea Port Corporation. Der Seehafen ist dank der RoRo-Linie Burgas/Bulgarien - Poti - Noworossijsk/Russland - Burgas der bedeutendste Containerumschlagplatz Georgiens. Die jährliche Umschlagkapazität beträgt aktuell 600.000 TEU.

Der vorwiegend auf Flüssigladungen ausgerichtete Hafen in Batumi (Hauptstadt der Autonomen Republik Adscharien) verfügt über eine Wassertiefe von 9 bis 14 Metern, acht Liegeplätze und eine jährliche Kapazität für den Umschlag von 14 Mio. t Flüssig- und 2 Mio. t Massengütern sowie 1,0 Mio. t Containerfrachten. Der Manager des Hafens beziehungsweise der Hafengesellschaft Batumi Sea Trading Port (http://www.batumiport.com), das kasachische Mineralölunternehmen KazMunayGas, ist im Besitz von drei Terminals für Mineralölprodukte und eines Terminals für Flüssiggas. Die Batumi International Container Terminal LLC, Teil der ICTSI Inc., Philippinen, betreibt einen Containerterminal mit drei Standplätzen für den Containerumschlag (jährliche Kapazität: 100.000 TEU) und einen Umschlagplatz für Fährdienste.

An der Schwarzmeerküste des Landes gibt es insgesamt zwei Seehäfen in Poti und Batumi sowie zwei Ölterminals in Kulevi (Mingrelien und Oberswanetien) und Supsa (Gurien).

Kontaktanschriften

Anaklia Development Consortium

6 Marjanishvili Str., 0105 Tbilisi/Georgien

Ansprechpartner: Levan Akhvlediani, Geschäftsführer

Tel.: 00995 32/295 99 10, Fax: 00995 32/295 99 10

E-Mail: info@anakliadevelopment.ge, Internet: http://www.anakliadevelopment.com

Poti Sea Port Corporation / APM Terminals Poti (A.P. Moeller-Maersk Group, Dänemark)

52 Agmashenebeli Str., 4401 Poti/Georgien

Ansprechpartner: Klaus Holm Laursen, Geschäftsführer, Joseph Crowley, stellvertretender Geschäftsführer

Tel.: 00995 27/51 01, Fax: 00995 32/25 32 22

E-Mail: administrationpoti@apmterminals.com, Internet: http://www.apmterminals.com/en/operations/africa-middle-east/poti, http://apmterminals.com/europe/poti

(U.S.)

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Georgien Wasser-, Hafenbau

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Katrin Kossorz

‎+49 228 24 993 268

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