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04.03.2019

Belarussische Pharmaunternehmen investieren

EAWU-Markt lockt Investoren aus Indien und China an / Von Fabian Nemitz

Kiew (GTAI) - Belarus will mehr Importsubstitution im Pharmasektor. Vermehrt richten Firmen aus Indien und China ihren Blick auf das Land - auch dank des gemeinsamen Arzneimittelmarkts der EAWU.

Die belarussische Regierung möchte die Selbstversorgung mit Arzneimitteln erhöhen. Ein Ende 2015 verabschiedetes Programm zur Entwicklung der Pharmaindustrie sieht vor, dass bis 2020 rund 55 Prozent des Bedarfs an Medikamenten aus eigener Produktion gedeckt werden sollen.

In den vergangenen Jahren ist die Selbstversorgung bereits schrittweise gestiegen. Hierzu beigetragen haben Investitionen in die Modernisierung und Erweiterung von Produktionsanlagen und die Aufnahme der Herstellung neuer Präparate. Laut Angaben des Statistikamts Belstat flossen zwischen 2011 und 2016 rund 100 Millionen US-Dollar (US$) pro Jahr in die Branche. Auch aktuell investieren belarussische Unternehmen, teils mit ausländischen Partnern, in ihre Werke.

Das staatliche Unternehmen Belmedpreparaty (https://belmedpreparaty.com) will bis 2020 mit der Herstellung von oralen Krebsmedikamenten beginnen. Die Investitionen hierfür belaufen sich laut Firmenangaben auf rund 14,8 Millionen US$. Belmedpreparaty hat in den vergangenen Jahren größere Summen in die Modernisierung der Anlagen, die GMP-Zertifizierung (GMP: Good Manufacturing Practice) und die Produktion neuer Wirkstoffe investiert

Borimed will Antibiotika in die USA liefern

Das Unternehmen Borimed (https://borimed.com) will zwischen 2015 und 2020 insgesamt 26 Millionen US$ in die Erneuerung der Ampullen- und Tablettenfertigung investieren. Im staatlichen Programm zur Entwicklung der Pharmaindustrie ist zudem die Aufnahme der Produktion zahlreicher neuer Generikawirkstoffe durch Borimed vorgesehen. Das Unternehmen bemüht sich um den Erhalt der US-amerikanischen FDA-Zertifizierung, um künftig Antibiotika in die USA liefern zu können.

Investitionen tätigt auch das Unternehmen Ekzon (https://www.ekzon.by). Laut Aussage von Unternehmenschef Walerij Waskewitsch gegenüber dem Portal drogichin.by erweitert Ekzon gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Belalek (http://www.belalek.by) bis Sommer 2020 das Werk in Drogitschin (belarussisch: Drahitschyn).

Das Unternehmen Grinbiovet (http://www.estos-m.by) ist seit Anfang 2018 Resident der Freien Wirtschaftszone Minsk (https://www.fezminsk.by) und will dort künftig Desinfektionsmittel für die Tiermedizin produzieren. Die Investitionssumme beläuft sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Belta auf 0,6 Millionen US$. Die Aufnahme der Fertigung ist für das 3. Quartal 2021 vorgesehen.

Vorteile des EAWU-Marktes locken Investoren aus Indien und China an

Gemeinsam mit Partnern aus Indien werden in Belarus drei Projekte durchgeführt. In Minsk errichtet die zur belarussischen Akademie der Wissenschaften gehörende Academpharm (https://academpharm.by) gemeinsam mit Cipla Limited (https://www.cipla.com) ein Forschungs- und Produktionszentrum mit den Schwerpunkten Mikronisierung, Trockengranulierung und Mehrschichttabletten. Laut Firmenchef Yusuf Hamied stellt Cipla hierfür 1 Million US$ bereit. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für Frühjahr 2020 geplant.

Anfang 2019 hat die Firma OOO Novalok in Skidel (belarussisch: Skidsel, Gebiet Grodno) am Werk von Belmedpreparaty eine neue Anlage fertiggestellt, in der ab dem 2. Halbjahr 2019 Präparate zur Behandlung unter anderem von HIV, Tuberkulose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hergestellt werden sollen. Novalok ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Belmedpreparaty und der indischen Lok-Beta Pharmaceuticals (https://www.lokbeta.in), wobei letztere 75 Prozent der Anteile hält. Die Investitionssumme bezifferte sich laut vorläufigen Angaben auf 3,5 Millionen US$.

Beim dritten Projekt handelt es sich um den Bau des Werks "Dzhiva Pharm" zur Produktion von Krebsmitteln und antiretroviraren Präparaten durch die indische Firma Hetero (http://www.heteroworld.com) im Minsker Industriegebiet Koljaditschi (belarussisch: Kaljadsitschy). Die Bauarbeiten hatten im August 2016 begonnen und sollten laut Angaben von Belta Ende 2018 abgeschlossen sein.

Auch die chinesische Firma Humanwell (http://en.humanwell.com.cn) will ein Werks in Belarus errichten. Wie Belta berichtet will das Unternehmen die Vorteile des gemeinsamen Arzneimittelmarktes der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) nutzen. Im Jahr 2015 hatte das Unternehmen bereits ein Memorandum über die Zusammenarbeit mit dem Industriepark Great Stone (http://www.industrialpark.by) rund 25 Kilometer außerhalb von Minsk geschlossen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Belarus sind unter http://www.gtai.de/belarus abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Weißrussland, Belarus Arzneimittel, Diagnostika

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