Suche

22.08.2019

Belgien legt neuen E-Health-Aktionsplan auf

Fokus auf internationaler Kooperation / Von Torsten Pauly

Brüssel (GTAI) - Belgien hat Anfang 2019 einen neuen, bis 2021 gültigen E-Health-Aktionsplan verabschiedet, der die erste Version von 2013 bis 2018 fortschreibt.

In den kommenden Jahren kommt es zum einen darauf an, die seit 2013 für die E-Health entwickelten belgischen Normen, Regeln und Protokolle an die inzwischen auf europäischer Ebene entstandenen Strukturen anzupassen. Belgien will sich auch am Programm der Europäischen Union (EU) zum grenzüberschreitenden Austausch von Patientendaten, CEF eHDSI (Connecting Europe Facility und eHealth Digital Services Infrastructure), beteiligen. Unter anderem können belgische Medikamentenverschreibungen dann auch von Apotheken in Deutschland und 20 weiteren EU-Staaten bedient werden. Ein genauer Termin für den belgischen Beitritt steht jedoch noch nicht fest.

Zentrale Plattform soll sprachliche und strukturelle Heterogenität bündeln

Die drei belgischen Sprachgruppen (Niederländisch, Französisch und Deutsch) verkomplizieren die Sammlung, Analyse und Weiterleitung gesundheitlicher Daten. So lauten die gängigen Fachbegriffe für E-Health auf Niederländisch e-gezondheit und auf Französisch e-santé. Teilweise kommt auch das englische e-health vor.

Zudem gliedert sich das Königreich mit seinen 11,4 Millionen Einwohnern in drei Regionen mit einem hohen Grad an Autonomie: das niederländischsprachige Flandern, das frankophone Wallonien samt der deutschsprachigen Gemeinschaft im Osten sowie die bilinguale Hauptstadtregion Brüssel. In der belgischen Gesundheitspolitik ist der Gesamtstaat für legislative und regulierende Verfahren zuständig, während den Regionen und Kommunen die konkrete Umsetzung vor Ort, auch in Finanzierungsfragen, obliegt.

Daher gibt es zuständige Ministerien, Portale und Austauschplattformen zur E-Health sowohl auf föderaler Ebene wie auch in jeder einzelnen Region und diese nutzen teilweise nur ihre jeweilige Amtssprache. Eine sich in der Weiterentwicklung befindliche föderale digitale E-Health-Plattform soll die landesweiten Gesundheitsdaten zusammentragen.

Aktionsplan mit 44 Projekten

Der Aktionsplan strukturiert die Maßnahmen und Schwerpunkte bis 2021 in 44 Projekte, welche sich wiederum auf sieben übergeordnete Cluster verteilen. Diese Cluster behandeln

- Grundlagen wie Zugangsmatrizen,

- Programmkontrollen und andere Interdisziplinaritäten,

- die technische Unterstützung,

- die operationelle Exzellenz, wozu auch ein Helpdesk und Schulungen der Bevölkerung zählen,

- die Erbringer von Gesundheitsleistungen,

- den Patienten als Kopiloten, worunter etwa Personalisierungen von Gesundheitsportalen fallen sowie

- die Krankenversicherer.

Ein Überblick über den belgischen Aktionsplan von 2019 bis 2021 findet sich auf dem föderalen Portal zur E-Health auf Französisch unter http://www.ehealth.fgov.be/fr/esante/roadmap-30/roadmap-30 und auf Niederländisch unter http://www.ehealth.fgov.be/nl/egezondheid/roadmap-30.

Forschung in künstlicher Intelligenz und Biotechnologie

Ein Vorteil Belgiens bei der E-Health-Implementierung ist seine Stärke als Forschungsstandort. Dies gilt zum einen für die Analyse großer Datenmengen mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Hierfür hat das Forschungsinstitut Sirris 2018 ein spezielles Kompetenzzentrum eingerichtet.

Zudem offeriert die Katholische Universität Leuven einen Masterstudiengang zu diesem Thema. Ferner gibt es in Westflandern die AI (Artificial Intelligence) Academy und in Brüssel die Plattform Brussels AI als Teil des internationalen Netzwerks City AI. Wallonien listet 68 Unternehmen, Institute und sonstige Akteure zur künstlichen Intelligenz auf. Auch der Technologieverband Agoria organisiert Arbeitsgruppen und Veranstaltungen zum Thema.

Darüber hinaus ist Belgien seit Jahrzehnten ein führendes europäisches Biotechnologiezentrum. Der Wert der Branchenunternehmen ist 2018 um 12,5 Prozent auf 27 Milliarden Euro gestiegen, dies entspricht 23 Prozent der gesamten europäischen Marktkapitalisierung. Damit liegt Belgien vor Dänemark auf Platz eins. Es existieren auch zwei starke Cluster: FlandersBio mit Sitz in Gent und BioWin mit Sitz in Charleroi.

Gesundheitsausgaben steigen

Die belgischen Aufwendungen für das Gesundheitswesen haben 2018 etwa 10,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausgemacht, dies entspricht unter allen 38 OECD-Staaten der neunthöchsten Rate. Pro Kopf haben sich die Ausgaben 2018 in Belgien auf 4.099 Euro summiert, das waren 2,7 Prozent mehr als 2017.

Belgisches Gesundheitswesen in Zahlen
Indikator Wert
Ausgaben pro Kopf (2018 in Euro) 4.099
Ausgaben in Prozent des BIP (2018) 10,4
Krankenhausbetten (Anzahl pro 100.000 Einwohner 2016) 569
Allgemeinmedizinische Ärzte (Anzahl pro 100.000 Einwohner 2016) 114
Fachärzte (Anzahl pro 100.000 Einwohner 2016) 189

Quellen: OECD; Eurostat

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer (Debelux) E-Mail: ahk@debelux.org; Internet: https://debelux.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Föderaler öffentlicher Dienst Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.health.belgium.be/de Föderales Gesundheitsministerium
Agentschap Zorg en Gezondheit E-Mail: info@zorg-en-gezondheid.be; Internet: http://www.zorg-en-gezondheid.be Flämische Gesundheitsagentur
Agence pour une Vie de Qualité E-Mail: info@aviq.be; Internet: http://sante.wallonie.be Wallonische Gesundheitsagentur
Iriscare E-Mail: siehe Internet; Internet: www.iriscare.brussels Brüsseler Gesundheitsagentur
Föderales Portal zur E-Health E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.ehealth.fgov.be auf Niederländisch und Französisch
Föderale Plattform zur E-Health E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.ehealth.fgov.be/ehealthplatform im Aufbau; auf Niederländisch und Französisch
Flämisches Portal zur E-Health E-Mail: info@eenlijn.be; Internet: http://www.eenlijn.be auf Niederländisch
Wallonisches Portal zur E-Health E-Mail: contact@e-santewallonie.be; Internet: https://e-santewallonie.be auf Französisch
Wallonisches Gesundheitsnetz E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.reseausantewallon.be/de Gesundheitsregister; auf Französisch, Niederländisch, Deutsch und Englisch
Brüsseler Portal zur E-Health E-Mail: mthai@hub.brussels.be; Internet: https://ehealth.brussels/ auf Französisch, Niederländisch und Englisch
Brüsseler Gesundheitsnetz E-Mail: siehe Internet; Internet: https://brusselshealthnetwork.be Gesundheitsregister; auf Französisch, Niederländisch und Englisch
E-Health-Academy E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.ehealthacademy.be in Brüssel

Weitere Informationen zu Belgien finden Sie unter http://www.gtai.de/belgien

Dieser Artikel ist relevant für:

Belgien Gesundheitswesen allgemein, Digitalisierung

Funktionen

Kontakt

Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche