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09.09.2019

Belgiens Seehäfen wachsen trotz erschwertem Umfeld für den Welthandel

Großprojekte eröffnen viele Geschäftschancen / Von Torsten Pauly

Brüssel (GTAI) - Belgiens Seehäfen haben ihren Umschlag 2018 um 5,1 Prozent auf 309,6 Millionen Tonnen gesteigert. Sie sind Logistikdrehkreuze in Nordwesteuropa und auch für deutsche Kunden wichtig.

Im ersten Halbjahr 2019 hat sich der Güterdurchlauf in Antwerpen, Zeebrugge, Gent und Ostende weiter um insgesamt 2,3 Prozent gegenüber demselben Zeitraum 2018 erhöht - trotz der internationalen Konjunkturtrübung durch Handelssanktionen, des im Raum stehenden Brexit und Zollerhebungen seitens der USA und Chinas.

Im August 2019 haben die Seehäfen Antwerpen und Zeebrugge zusammen mit den Flughäfen Brüssel und Lüttich die neue Zollplattform BE-Gate gestartet. Das Portal ermöglicht eine rasche Abwicklung und die Verarbeitung großer Datenmengen. Dies soll vor allem E-Commerce-Sendungen mit geringem Warenwert vereinfachen.

Antwerpen ist Europas zweitgrößter Hafen

Antwerpen ist der bei weitem bedeutendste belgische Hafen, auf den in den ersten sechs Monaten 2019 etwa 75 Prozent des Gesamtumschlags entfielen. In den letzten Jahrzehnten konnte Antwerpen dank neuer Großanlagen und vieler Investoren sehr stark vom Wachstum des Welthandels profitieren.

So war Antwerpens Umschlag 2018 mit 235,2 Millionen Tonnen größer als in Hamburg (135,1 Millionen Tonnen) und Bremen (74,4 Millionen Tonnen) zusammen und fast doppelt so hoch wie 1998 (+96,3 Prozent). Dabei ist der deutsche Markt sehr wichtig. Im Jahr 2017 hat Antwerpen laut neuesten Erhebungen 68 Millionen Tonnen oder 30 Prozent seines Gesamtumschlags für Kunden in Deutschland abgewickelt.

Trotz des zuletzt schwierigeren internationalen Konjunkturumfelds rechnet Antwerpen mit weiterem Wachstum. So erwartet der Hafen 2030 einen Umschlag von 300 Millionen Tonnen, davon sollen 90 Millionen Tonnen aus Deutschland kommen beziehungsweise dahin gehen.

Öffentliche Hand investieret mehrere Milliarden Euro

Um das Frachtaufkommen zu bewältigen, schließt Antwerpen seinen Straßenverkehrsring. Etwa 3,6 Milliarden Euro soll der Bau des fehlenden nordöstlichen Teilstücks "Oosterweel" kosten. Auf weitere 1,5 Milliarden Euro summieren sich bis 2030 die Entwicklung der Hafenzonen "Churchill" und "Saeftinghe" und andere öffentliche Investitionen.

Zudem investiert die Betreibergesellschaft des Hafens in Antwerpen in die Optimierung von Logistikabläufen und Nachhaltigkeit. Hierzu zählen die Bündelung und zeitliche Streckung von Verladungen ebenso wie Maßnahmen zur Verdopplung des Schienenvolumens oder Investitionen in Wasserstofftankstellen. Zur Verarbeitung großer Datenmengen hat der Hafen auch die Plattform NxtPort ins Leben gerufen.

Chemiecluster im Antwerpener Hafen

In den belgischen Seehäfen finden sich nicht nur Logistikunternehmen, sondern auch große Industrieanlagen. Antwerpens Areal hat sich dabei dank einer sehr erfolgreichen Investorenanwerbung in den letzten Jahrzehnten zu Europas größtem Chemiecluster entwickelt. Im Jahr 2018 zählte das Hafengelände 144.200 Arbeitsplätze, zugleich hat es 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet.

Der Standort Antwerpen zieht immer weitere Chemiefirmen an. So investieren die Konzerne Ineos und Borealis 3 Milliarden Euro beziehungsweise 1 Milliarde Euro in Anlagen zur Propandehydrogenierung und Total erweitert seine Raffineriekapazitäten für 1 Milliarde Euro.

Über Kanäle, Bahntrassen und Autobahnen ist Antwerpen gut an Deutschland, die Niederlande und Frankreich angebunden. Allerdings sind die Gleise nach Deutschland bereits stark ausgelastet. Ein Ausbau der Bahnstrecken von Düren nach Aachen sowie von Krefeld zur niederländischen Grenze hat im Bundesverkehrswegeplan bis 2030 aber nicht oberste Priorität, sondern ist als ein potenzieller Bedarf ausgewiesen. Nötig sind bei der Anbindung nach Krefeld auch Investitionen in den Niederlanden.

Zeebrugge wächst dynamisch, doch Brexit birgt große Unsicherheit

Zeebrugge ist Belgiens zweitgrößter Seehafen und konnte den Umschlag 2018 um 8,1 Prozent und im 1. Halbjahr 2019 um 12,5 Prozent steigern. Beim Fähr-, RoRo- und Passagieraufkommen liegt Zeebrugge in Belgien sogar an erster Stelle. Allerdings birgt der für Ende Oktober 2019 terminierte Brexit große Unwägbarkeiten, da die meisten Fähren zwischen Zeebrugge und dem Vereinigten Königreich verkehren.

Sollte der britische Außenhandel nach dem Austritt aus der Europäischen Union stark sinken, so hätte dies in Zeebrugge ein geringeres Frachtaufkommen zur Folge. Kommt es dagegen trotz Zollkontrollen zu keinem größeren Rückgang im britischen Warenverkehr, so könnte dies in Zeebrugge zu längeren Bearbeitungs- und Wartezeiten führen. Daher ist es sehr problematisch, dass zwei Monate vor dem anvisierten Austrittsdatum die Handelsbedingungen für die Zeit danach noch nicht feststehen. Dieses Problem haben alle belgischen Häfen, wobei der Anteil des britischen Geschäfts in Zeebrugge am höchsten ist.

Gent hat mit Häfen im niederländischen Zeeland fusioniert

Im Hafengelände von Gent ist der Güterumschlag 2018 um 0,2 Prozent gestiegen, in den ersten sechs Monaten 2019 dagegen um 1,4 Prozent gesunken. Auch im Genter Hafen befinden sich große Produktionsanlagen, vor allem ein Stahlwerk von Arcelormittal und eine Auto- sowie Nutzfahrzeugfertigung von Volvo.

Seit 2018 bildet Gent mit Vlissingen, Terneuzen und Borsele in der niederländischen Provinz Zeeland die neue Hafengesellschaft "North Sea Port". Diese gehört Kommunen und Regionen in beiden Ländern jeweils zur Hälfte. Der Seeumschlag hat an allen Standorten 2018 insgesamt 70,3 Millionen Tonnen erreicht, davon entfielen 46 Prozent auf Gent. In Gent und den niederländischen Hafenarealen haben 525 Unternehmen 2018 mit 100.000 Mitarbeitern eine Wertschöpfung von 14,5 Milliarden Euro erbracht.

Ostende ist das Logistikzentrum für Offshore-Windparks

Der Umschlag ist in Ostende 2018 um 13,7 Prozent und im 1. Halbjahr 2019 um 10,1 Prozent gestiegen. Das liegt vor allem daran, dass der Hafen zum Logistikzentrum für den Bau und die Wartung der belgischen Nordsee-Windparks geworden ist. Dennoch war der Umschlag 2018 um 81,6 Prozent geringer als zehn Jahre zuvor, da der einst wichtige Fährverkehr mit dem Vereinigten Königreich weggebrochen ist. Dies wiederum liegt auch am nur geringen Tiefgang von acht Metern.

Umschlag belgischer Seehäfen (in Mio. Tonnen, Veränderung in Prozent)
2018 Veränderung 2018/2017 Veränderung 2018/2008
Häfen insg., davon 309,6 5,1 16,0
.Antwerpen 235,3 5,2 24,2
.Zeebrugge 40,1 8,1 -4,6
.Gent 32,6 0,2 20,6
.Ostende 1,6 13,7 -81,6

Quelle: Flämische Hafenkommission

Belgische Seehäfen in Zahlen
Antwerpen Gent *) Zeebrugge Ostende
Containerumschlag (2018 in 1.000 TEU) 11.100 13 1.599 0
Ro-Ro-Umschlag (2018 in Mio. t) 5,3 2,3 15,9 0
Schüttgutumschlag (2018 in Mio. t) 13,1 20,8 1,2 1,4
Stückgutumschlag (2018 in Mio. t) 10,2 3,8 1,0 0,1
Flüssiggutumschlag (2018 in Mio. t) 75,8 5,4 6,7 0,03
Passagiere (Anzahl 2018) 3.358 1.424 1.070.485 7.211
Fläche (2019 in ha) 13.057 4.648 2.857 658
gezeitenunabhängiger Tiefgang (2019 in m) 13,1 12,5 14,0 8,0

*) seit 2018 bilden Gent und Häfen im niederländischen Zeeland eine Gesellschaft; Angaben nur für Standort Gent

Quelle: Flämische Hafenkommission

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Deutsch-Belgisch-Luxemburgische Handelskammer (Debelux) E-Mail: ahk@debelux.org; Internet: https://debelux.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Vlaamse Havencommissie E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.vlaamsehavencommissie.be Flämische Hafenkommission
Antwerp Port Authority E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.portofantwerp.be Hafen Antwerpen
Maatschappij van de Brugse Zeehaven nv E-Mail: siehe Internet; Internet: http://www.portofzeebrugge.be Hafen Zeebrugge
North Sea Port E-Mail: contactus@northseaport.com; Internet: http://www.northseaport.com Hafen Gent-Terneuzen
AG Haven Oostende E-Mail: info@portofoostende.be; Internet: http://www.portofoostende.be Hafen Ostende

Weitere Informationen zu Belgien finden Sie unter http://www.gtai.de/belgien

Dieser Artikel ist relevant für:

Belgien Wasser-, Hafenbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Chemische Industrie, allgemein, Schiffsverkehr / Häfen, Logistik / Speditionen

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