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29.01.2018

Berlin entwickelt sich zur europäischen Gründer-City

Wirtschaftswachstum liegt über dem Bundesdurchschnitt / Öffentliche und private Investitionen ziehen Unternehmen an / Von Ullrich Umann

Berlin (GTAI) - Berlin hat gewaltige urbane und wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern. Doch erwachsen daraus auch enorme Geschäftschancen für Unternehmen unterschiedlichster Sparten. Als Wachstumsmotor hat der Berliner Senat eine zukunftsfähige, moderne und saubere Ökonomie definiert, wie der industriepolitischen Stadtplanung zu entnehmen ist. Diese wird seit 2010 fortgeschrieben. Produktionsrückbau und Firmensterben bekämpft die Kommunal- und Landespolitik seither vehement; mit Erfolg.

Die deutsche Hauptstadt wächst und wächst, vorrangig aber nach innen. Denn die administrativen Grenzen mit Brandenburg lassen eine Expansion nach außen einfach nicht mehr zu. Bei der anhaltenden Verdichtung projekt- und baugebundener Maßnahmen liegen erhöhte Anforderungen an Planungs- und Genehmigungsverfahren auf der Hand. Für Architektur- und Ingenieurbüros sowie Baufirmen bedeutet das anspruchsvolle, aber auch lohnende Geschäfte.

Eine besondere sozialpolitische und wirtschaftliche Planung erfordert gleichfalls das Bevölkerungswachstum: Spätestens in zehn Jahren wird die Einwohnerzahl um 500.000 auf 4 Millionen gestiegen sein. Im Ergebnis expandieren die Märkte sowohl für Kapitalgüter zum Ausbau moderner Industrien und Infrastrukturen als auch für Verbrauchswaren.

Berlin bietet Investoren eine Zukunft

Berlin verkörpert Zukunft: die Stadt avancierte zu einem europaweiten Anziehungspunkt, vor allem für junge Leute. Dabei stammen die Neuberliner nicht allein aus Deutschland, sondern aus vielen Ländern. In einigen Straßen wird vorrangig Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch, Polnisch, Türkisch oder auch Arabisch gesprochen und weniger Deutsch. Im 21. Jahrhundert ist Berlin dort angekommen, wo es in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vermisst wurde, nämlich in der globalen Liga innovativer und weltoffener Metropolen.

Basisdaten Berlin
Indikator 2016
Einwohner (Mio.) 3.520.031
Fläche (qkm) 891,68
BIP/Kopf (Euro) 35.627
Bevölkerungsdichte (Einwohner/qkm) 3.948
Elektrizitätsverbrauch pro Kopf (kWh/Jahr) 7.140
Länge des ÖPNV 146 km U-Bahn, 331 km S-Bahn, 194 km Tram
Abfall pro Einwohner (kg/Jahr) 454
Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu Trinkwasser (%) 100
Wasserverbrauch pro Kopf (Liter/Tag) 127

Quellen: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, BVG, Berliner Wasserwerke

Berlin setzt nach zwei Jahrzehnten des Produktionsrückbaus erneut auf Industrien als Wachstumsmotor. Allerdings geschieht dies nicht beliebig. Ausdrücklich wird Wert auf zukunftsfähige, moderne und saubere Technologien gelegt. Und die Strategie scheint aufzugehen, zumindest in Teilen: So rangiert die deutsche Hauptstadt inzwischen als Tech Hub für Startups im europäischen Vergleich auf Platz zwei, gleich nach London.

Startups gehen vorrangig in die Dienstleistungen

Startups wurden zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor: Aktuell, das heißt in den ersten neun Monaten 2017, wurden in Berlin 31.000 Unternehmen gegründet. Bis Jahresende dürfte die Zahl auf 40.000 gestiegen sein. Und ein Großteil der Jungfirmen sind Dienstleister.

Unternehmensgründungen (Zeitraum Januar bis einschl. September 2017)
Branche Firmenzahl
Baugewerbe 6.712
Handel 5.289
Sonstige Dienstleistungen 3.847
Wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 3.521
Sonstige persönliche Dienstleistungen 2.990
Gastgewerbe 2.089
Information und Kommunikation 1.879
Erziehung, Bildung, Gesundheit, Soziales 1.664

Quelle: Berliner Senat. 2017

Der Berliner Senat, auch wenn er generell wenig in der Öffentlichkeit in Erscheinung tritt, scheint ökonomisch ambitioniert und ehrgeizig. So wird seit Jahren auf ein Wirtschaftswachstum über dem Bundesdurchschnitt gesetzt, mit Erfolg. Das Berliner Bruttoinlandsprodukt (BIP) expandierte 2016 um 2,7 Prozent, in Deutschland lag Referenzwert bei 1,9 Prozent. Bei anderen Wirtschaftsindikatoren wie BIP pro Kopf der Bevölkerung muss aber noch aufgeholt werden, um an den landesweiten Durchschnitt anzuschließen.

Beratungs- und Planungsbedarf für Wachstum und Wandel

Strukturwandel und Wachstum erfordern neuartige Problemlösungen. Auf junge Beratungs- und Planungsunternehmen mit frischen Ideen und intelligenten Verfahren wirkt Berlin wie ein Magnet, unter anderem auf das Beratungs- und Planungsbüro inno2grid.

Das Büro rückt integrierte und IT-gesteuerte Energie- und Mobilitätssysteme in den Vordergrund der Stadtentwicklung: Energie soll spartenübergreifend (Strom, Wärme und Kälte) dezentral erzeugt und auch gespeichert werden; smart Grids würden für eine kosten- und bedarfsgerechte Steuerung der Energieversorgung sorgen; erste Projekte wurden übergeben.

Öffentlicher Transport wird Innovationslokomotive

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) adaptiert in kürzester Zeit alternative Ansätze, darunter Carsharing, Pooling-Services, autonome Shuttle und Fahrzeuge sowie Zweiräder zum Mieten, vorzugsweise mit Elektroantrieb. Für die deutsche Industrie nicht uninteressant ist zudem die Modernisierung des althergebrachten Schienen- und Busverkehrs. Unabhängig von der Flottenmodernisierung sehen moderne Konzepte aber auch vor, den Verkehr zu beruhigen oder ganz still zu legen, wo immer das möglich ist.

Geld kostet aber auch das, und nicht wenig. Denn dazu müssen Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeitgestaltung enger zusammen rücken. Bau- und Sanierungsvorhaben werden bereits darauf abgestimmt. Ohne eine zügige Digitalisierung wirtschaftlicher Abläufe und des Alltagslebens sind jedoch selbst die modernsten Konzepte schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt. Hier legt die Berliner Wirtschaft derzeit nach.

Der Senat treibt mit Netzbetreibern, der Wohnungswirtschaft und den Landesunternehmen den Glasfaserausbau voran. Dabei wird auf Partnerschaften zwischen privaten Anbietern von Breitbandinfrastruktur und landeseigenen Unternehmen gesetzt. Als eins von vielen Beispielen kann der CleanTech Businesspark Berlin-Marzahn herhalten. Hier verlegt das Unternehmen DNS:NET Internet Service mit Unterstützung des Breitbandförderprogramms des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur ein glasfaserbasiertes NGA (Next Generation Access)-Breitbandnetz. Bis zum Endkunden sollen Datenübertragungsraten von 1 Gigabit pro Sekunde ermöglicht werden. Wird die gesamte Hightech-Offensive eines Tages einmal abgeschlossen sein, will sich Berlin neben Gründer-City einen zweiten Titel anheften: "Smart-City".

Ausgewählte Großprojekte Berlin
Projektbezeichnung Investitionssumme Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
50 Schulneubauten für 26.400 Schüler Noch nicht bekannt Schnelle Architekturwettbewerbe, einfache Planungsverfahren, vorgefertigte Wandelemente vorgesehen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, http://www.stadtentwicklung.berlin.de/download/beschleunigter-schulbau/
Bau von 570 Wohnungen in Johannisthal/Adlershof Hängt vom Ergebnis des Bieterverfahrens ab Bebauungsplan XV-55a-1-2 vom Stadtparlament gebilligt, Bauherrin ist die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Howoge Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, http://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung.652724.php
Baumaßnahmen für die Charité 1,4 Mrd. Euro Bau und Sanierung an vier Berliner Standorten der Charité Senatskanzlei Wissenschaft und Forschung, http://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2017/pressemitteilung.652715.php
Kauf von Schienenfahrzeugen (U-Bahn, Tram) für die BVG 3,1 Mrd. Euro Investitionen zwischen 2020 und 2035 mit Senatszuschüssen, 80% Modernisierung und 20% Erweiterung der Flotte BVG https://unternehmen.bvg.de/de/Unternehmen/Medien/Presse , http://www.tagesspiegel.de/berlin/milliarden-investition-in-berlin-die-flotte-der-bvg-ist-zu-alt-jetzt-wird-geshoppt/12804348.html,

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

(U.U.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Deutschland Öffentlicher-Personen-Nahverkehr (ÖPNV), Digitalisierung, Start-up, Urbanisierung, Stadtentwicklung

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