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03.10.2018

Besseres Umfeld für Investitionen in Nigerias Landwirtschaft

Ausbau der Nahrungsmittelindustrie schreitet fort / Von Carsten Ehlers

Lagos (GTAI) - Erstmals seit vielen Jahren erlebt die nigerianische Landwirtschaft einen Aufschwung. Produziert wird vor allem für den lokalen Markt, um die hohen Nahrungsmittelimporte zu verringern.

"Es geht in die richtige Richtung", ist Marc Chardet, Country Head West & Central Africa von Bayer Cropscience überzeugt. Chardet reist regelmäßig nach Nigeria und kennt die Landwirtschaft des Landes gut. Er sieht eine Menge neuer Aktivitäten. Investiert wird vor allem in den Anbau und die Weiterverarbeitung von Mais, Kassava, Reis, Zuckerrohr, Palmöl, Hühnerfleisch, Fisch und Tomaten. Viel Potenzial wird auch dem Anbau von Sojabohnen für Tierfutter sowie Yams zugesprochen.

Neben nigerianischen Unternehmen wie Dangote (Reis, Tomaten), Stallion, Wicklow (beide Reis), PZ Wilmar oder Presco (beide Palmöl) kommen auch vermehrt ausländische Agrar-Investoren wie die US-amerikanische Kellogg's ins Land, die in den Maisanbau investiert oder Olam aus Singapur, die in Kaduna eine Großproduktion von Eintagsküken und Hühnerfutter startet. Auch Geberorganisationen wie die Weltbank, die britische DFID (Department for International Development) oder aus Deutschland das BMZ mit seinem Durchführer GIZ investieren. Die Geberorganisationen unterstützen in erster Linie Kleinbauern bei der Anwendung effizienterer Anbaumethoden.

Versorgung des heimischen Marktes steht im Mittelpunkt

Nigerias Bevölkerung von derzeit etwa 190 Millionen wächst jedes Jahr um weitere etwa fünf Millionen Menschen an. Dementsprechend groß ist der wachsende Bedarf nach Nahrungsmitteln. Das Land hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der größten Importeure von Nahrungsmitteln weltweit entwickelt und versucht nun wieder eine eigene Landwirtschaft ans Laufen zu bringen. Es dürften gleichwohl Investitionen in Höhe von jährlich mehreren Milliarden-US-Dollar nötig sein, um den steigenden Bedarf einigermaßen decken zu können. Auch das Umfeld für die Landwirtschaft scheint sich zu verbessern. So werden bewässerte Flächen von staatlicher Seite angelegt und auch Agrar-Dienstleistungen werden vermehrt angeboten. Vor allem Finanzierungen für Landwirte sind nun leichter zu bekommen.

Anbau von ausgewählten Rohstoffen in Nigeria*)
Anbausorte Jahresproduktion 2016/17 (in Tonnen) Bemerkung
Kakao 225.000 Weltweit viertgrößter Anbauer von Kakao, Tendenz: seit 2016 steigend.
Kautschuk 55.000 Tendenz: seit über zehn Jahren stagnierend trotz großen Potenzials.
Baumwolle 235.000 Tendenz: steigend.
Palmöl 970.000 Nummer 1 in Afrika, Tendenz: steigend.
Cashewnüsse 220.000 In Afrika die Nummer vier hinter Côte d'Ivoire, Guinea-Bissau und Tansania. Tendenz: steigend.
Zuckerrohr 80.000 Tendenz: zuletzt stagnierend.
Kassava 52.000.000 Weltweit größter Produzent (circa 20% der Weltproduktion).

*) Verlässliche beziehungsweise aktuelle Statistiken zur landwirtschaftlichen Produktion in Nigeria existieren kaum. Auch schwanken die Angaben zum Teil stark. Es handelt sich bei den Zahlen daher nur um grobe Anhaltspunkte.

Quelle: Nigerian National Bureau of Statistics

Die zunehmenden Investitionen in die Landwirtschaft steigern auch die Nachfrage nach Landtechnik in Nigeria. Größere lokale Distributoren von Traktoren sind Scoa (New Holland), Dizengoff (Massey Ferguson) und Tata (John Deere). Größere staatliche Bestellungen werden jedoch oft direkt mit den Zentralen der Landmaschinenproduzenten abgewickelt. In guten Jahren konnten in Nigeria bis zu 3.000 Traktoren abgesetzt werden. In den letzten schwierigen Jahren waren es gerade einmal 500 Einheiten.

Bei weiterem Gerät wie Hänger, Pflug oder Egge dominieren nach Angaben von Marktkennern Hersteller aus Indien, Pakistan oder der Türkei den Markt. Deutsche Landtechnik spielt in dem westafrikanischen Land eine untergeordnete Rolle. Im Jahr 2017 lag der Lieferwert laut Statistischem Bundesamt bei etwa 5,5 Millionen Euro. Nur der Ausstatter von Geflügelfarmen Big Dutchman ist in Nigeria selber präsent.

Eine gute Anlaufstation für Unternehmen, die sich in der nigerianischen Landwirtschaft engagieren möchten, ist das International Institute of Tropical Agriculture (IITA) in Ibadan, etwa 100 Kilometer nördlich von Lagos. Dort arbeiten Landwirtschaftsexperten aus aller Welt, die nicht nur über einen guten Überblick über die sehr fragmentierte nigerianische Landwirtschaft verfügen, sondern auch beim Herstellen von Kontakten behilflich sind. Die 1967 gegründete Non-Profit-Organisation befindet sich zudem auf einem sehr sicheren Gelände mit einem eigenen Hotel. Unternehmen empfiehlt sich insbesondere der Kontakt mit der IITA-Business Incubation Platform (https://iitabip.org), welche von dem niederländischen Agrarexperten Frederick Schreurs (f.schreurs@cgiar.org) geleitet wird.

Ebenfalls eine gute Kontaktplattform für Anbieter von Landtechnik ist die vom deutschen Messeveranstalter Fairtrade ausgerichtete Agrofood in Lagos (http://www.agrofood-nigeria.com/agrofood-nigeria.html). Sie wird das nächste Mal voraussichtlich vom 27. bis 29. März 2019 ausgetragen. Die seit dem Jahr 2015 jährlich stattfindende Messe hat sich längst etabliert und wurde in das Auslandsmesseprogramm des BMWi aufgenommen, sodass es auch 2019 wieder einen deutschen Stand geben wird.

Nahrungsmittelindustrie investiert trotz Krise

Erst kürzlich verkündeten die Tolaram Group sowie Flour Mills of Nigeria größere Vorhaben. Vor allem das hohe Bevölkerungswachstum sorgt dafür, dass der Nahrungsmittelbedarf weiter wächst. Bei Reis, Weizen und Zucker ist Nigeria einer der größten Nahrungsmittelimporteure weltweit. Da sich das Land diese Importe nur leisten kann, solange auch die Öleinnahmen sprudeln, legt die Regierung inzwischen großen Wert auf Investitionen in Landwirtschaft und Nahrungsmittelverarbeitung.

Trotz des zuletzt wieder gestiegenen Ölpreises bleiben die wirtschaftlichen Aussichten für das westafrikanische Land weiterhin vorerst schlecht. Für die Jahre 2018 und 2019 prognostiziert Economist Intelligence Unit gerade einmal 2,2 beziehungsweise 2,3 Prozent BIP-Wachstum. Die gesunkene Kaufkraft wirkt sich natürlich auf den Absatz einiger Nahrungsmittel aus. So berichten Marktkenner von einem Nachfragerückgang zum Beispiel bei Hühnerfleisch, das sich in Krisenzeiten nicht jeder leisten kann. Hingegen erweisen sich Mehlwaren (unter anderem Brot und Nudeln) als weiterhin sehr gefragt, sodass nach wie vor in Großbäckereien investiert wird.

Eingeschränkt bleibt auch die Verfügbarkeit von Devisen, auch wenn das Problem deutlich an Schärfe verloren hat. Nigerianische Unternehmen kommen nun wieder leichter und günstiger an Devisen, was ihnen unter anderem erlaubt, Modernisierungen in ihrem Maschinenpark vorzunehmen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Nigeria können Sie unter http://www.gtai.de/nigeria abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Nigeria Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Messen und Ausstellungen, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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