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07.11.2017

Botsuanas Bergbau erweitert die Produktpalette

Energieprojekte sollen Kohleförderung ankurbeln / Vorhaben für Kupfer und Uran in der Pipeline / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (GTAI) - Für Bergbauunternehmen bietet Botsuana ein gutes Umfeld. Dennoch werden bislang fast nur Diamanten gefördert. In den kommenden Jahren könnten zahlreiche Minenprojekte dafür sorgen, dass der Rohstoffsektor breiter aufgestellt wird. Entwickler von Kohleminen hoffen auf Nachfrage durch regionale Kraftwerksprojekte. Im Kupferbergbau nehmen Unternehmen die Erschließung neuentdeckter Vorkommen in Angriff. Auch eine große Uranlagerstätte soll ausgebeutet werden.

In Botsuana befinden sich eine Reihe von Bergbauprojekten für den Abbau von Kohle, Kupfer und Uran in der Planung. Das Land zeichnet sich als attraktiver Investitionsstandort für Bergbauunternehmen aus. Im Annual Survey of Mining Companies 2016 des Fraser Institute belegt Botsuana hinsichtlich der regulatorischen Rahmenbedingungen den afrikanischen Spitzenplatz. Während die lokale Rohstoffindustrie bis dato vor allem durch die Förderung von Diamanten geprägt ist, dürften die neuen Vorhaben künftig für eine Diversifizierung sorgen und gleichzeitig die Nachfrage nach Bergbauausrüstung ankurbeln.

Im Mittelpunkt stehen insbesondere die großen, bisher noch nahezu unerschlossenen Kohlereserven von mehr als 200 Milliarden Tonnen. Gegenwärtig ist mit der Morupule Colliery der staatlichen Minerals Development Company Botswana (MDCB) jedoch erst eine Kohlemine aktiv. Sie versorgt das gleichnamige Morupule Kohlekraftwerk und will ihre Kapazität von derzeit rund 3 Millionen Tonnen pro Jahr auf insgesamt 4,4 Millionen Tonnen erweitern. Vorgesehen sind umfangreiche Ausbauarbeiten wie die Erneuerung der Förderbänder sowie der Neubau der Zerkleinerungs- und Siebanlagen.

Mit der zusätzlich geförderten Kohle sollen die geplanten Blöcke 5 und 6 (jeweils 150 Megawatt) des benachbarten Kraftwerks befeuert werden. Der Auftrag für den Ausbau des Kraftwerks ging an die japanische Marubeni Corporation, allerdings hängt die Realisierung des Gesamtvorhabens davon ab, ob die Regierung Botsuanas die erforderlichen Staatsgarantien geben kann.

Mangelnde Transportinfrastruktur behindert Kohleexport

Die weitergehende Erschließung der Kohlefelder scheiterte bislang am Fehlen einer ausreichenden Transportinfrastruktur für die Verschiffung in Abnehmermärkte. Über Schienentrassen durch Simbabwe nach Maputo sowie durch Südafrika nach Durban besteht derzeit nur eine Kapazität von etwa 2 bis 4 Millionen Tonnen pro Jahr. Der Bau neuer Schienentrassen für den Export ist seit vielen Jahren geplant. So soll die Trans-Kalahari Railway einen Anschluss an den Tiefseehafen im namibischen Walvis Bay schaffen (1.500 km). Eine weitere Strecke könnte über Simbabwe nach Ponto Techobanine in Mosambik führen, wo ein Verladeterminal geplant ist.

Allerdings gab es in den vergangenen Jahren wenig Fortschritte bei der Planung der Vorhaben. Für das Projekt in Porto Techobanine unterzeichneten die beteiligten Regierungen 2016 zwar eine neue Absichtserklärung, aufgrund der gewaltigen Investitionskosten ist die Umsetzung aber fraglich. So wird die Trans-Kalahari Railway mit rund 15 Milliarden US-Dollar (US$) veranschlagt, die Trasse nach Porto Techobanine soll rund 11 Milliarden US$ kosten. Die Entwickler botsuanischer Kohleminen setzen deshalb zunehmend auf regionale Energieprojekte als Abnehmer.

Projektentwickler hoffen auf lokale Kohleverstromung

Ein Vorreiter für dieses Modell ist das bereits weit fortgeschrittene Sese Joint Venture, bestehend aus der kanadischen First Quantum und der australischen African Energy Resources. Eine Minenlizenz für das Vorhaben konnte 2017 erteilt werden. Die Kohlemine soll rund 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr produzieren und ein angeschlossenes 450 Megawatt-Kraftwerk versorgen. Mit der von First Quantum betriebenen Kansanshi-Kupfermine in Sambia ist auch schon ein Stromabnehmer gefunden. Insgesamt verfügt das Sese-Vorhaben über Kohlereserven von 650 Millionen Tonnen und kann in mehreren Stufen ausgebaut werden.

Weitere Kohleprojekte in Botsuana
Name Entwickler Anmerkungen
Masama Coal Project Minergy Kapazität: 2,4 Mio. t pro Jahr; Realisierung geplant bis 2018; Fokus auf regionale Exportmärkte
Mmamantswe Coal Project African Energy Resources Maximal mögliche Kapazität: 10 Mio. t pro Jahr; angeschlossenes Kraftwerk mit zunächst 600 MW
Mmamabula West Coal Project African Energy Resources Untertagebau-Kohlemine; Kapazität: 4,4 Mio. t pro Jahr; angeschlossenes Kraftwerk mit zunächst 600 MW
Mabesekwa Coal Project Shumba Energy Kohlereserven von 1 Mrd. t; angeschlossenes Kraftwerk mit zunächst 600 MW
Sechaba Coal Project Shumba Energy Tagebau mit späterem Untertagebau; Kohlereserven von 1,1 Mrd. t; angeschlossenes Kraftwerk mit zunächst 300 MW
Morupule South Coal Project Shumba Energy Tage- und Untertagebau möglich; Kohlereserven von 2,4 Mrd. t
Mmamabula Coal Project Jindal Africa Kohlereserven von 2,4 Mrd. t; Minenlizenz bereits erteilt; Pläne für angeschlossenes Kraftwerk von bis zu 1.200 MW

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Shumba Energy konnte für die Vermarktung der anvisierten Kohleproduktion konnte eine Kooperation mit dem deutschen Rohstoffhändler HMS Bergbau AG vereinbaren. Die Vorhaben mit angeschlossenem Kohlekraftwerk hoffen zudem auf eine Initialzündung durch das südafrikanische Coal Baseload Cross Border Independent Power Producer (IPP) Procurement Programme. Hierüber will das Energieministerium Südafrikas insgesamt 3.750 Megawatt Kohlestrom von privaten Erzeugern in den Nachbarstaaten kaufen.

Botsuana befindet sich dabei in einer sehr guten Ausgangsposition, denn die Kohlefelder im Osten des Landes liegen in unmittelbarer Nähe zur südafrikanischen Grenze, sodass sich ein einfacher Netzanschluss herstellen lässt. Allerdings kommt es bei der Umsetzung des Programms zu zeitlichen Verzögerungen. Die Energieplanung Südafrikas wird derzeit kontrovers diskutiert, da Regierungskreise um Staatspräsident Jacob Zuma auf die Durchführung eines umstrittenen Nuklearprogramms pochen. Andere Energieträger wie Kohle oder Gas drohen ins Hintertreffen zu geraten.

Seitens der staatlichen Botswana Oil gibt es zudem Pläne für den Bau einer Coal-to-Liquids (CTL)-Anlage zur Herstellung von Kraftstoffen. Die Anlage soll 30.000 Barrel pro Tag produzieren und die lokale Kohlenachfrage ankurbeln. Die Investitionskosten werden mit 5 Milliarden US$ beziffert. Auf ein 2017 durchgeführtes Präqualifizierungsverfahren gingen elf Angebote ein.

Kupferbergbau im Aufschwung, Uranabbau soll starten

Neue Hoffnung gibt es für den Kupferbergbau Botsuanas. Aufgrund der niedrigen Weltmarktpreise zogen sich zuletzt einige Unternehmen aus dem Land zurück. Die einzige derzeit operative Abbaustätte ist die Mowana-Mine von Alecto Minerals. Der Betreiber plant, die derzeitige Kapazität bis Ende 2018 von 12.000 Tonnen auf 23.000 Tonnen pro Jahr zu erhöhen.

Zudem wird mit der Erschließung neuentdeckter Kupfervorkommen begonnen. Bereits in der 2. Jahreshälfte 2018 will Cupric Canyon Capital mit dem Bau der Zone 5 Kupfermine starten. Die Untergrundmine soll 350 Millionen US$ kosten und pro Jahr 50.000 Tonnen Kupfer und 1,4 Millionen Unzen Silber produzieren. Später soll ein Ausbau auf 120.000 Tonnen Kupfer und 3 Millionen Unzen Silber erfolgen. Das Vorhaben beinhaltet die Modernisierung der Boseto-Kupferschmelze. Hier soll das abgebaute Kupfererz veredelt werden.

MOD Resources erstellt Machbarkeitsstudien für das T3-Kupferprojekt, welches im Tagebau 21.000 Tonnen Kupfer und 665.000 Unzen Silber pro Jahr erzeugen könnte. Zudem exploriert das Unternehmen das aussichtsreiche Mahumo-Kupfervorkommen. Dieses lagert wie die anderen neuentdeckten Vorkommen im Kalahari-Kupfergürtel, der für die kommenden Jahre noch einige weitere Rohstofffunde bereithalten könnte.

Zu einem weiteren Standbein des Bergbausektors soll sich der Uranabbau entwickeln. Als erstes Vorhaben geht die Letlhakane-Mine der australischen A-Cap Resources an den Start. Mit Reserven von 366 Millionen Pfund gilt dieses als eine der weltweit größten noch unentwickelten Uranlagerstätten. Eine Minenlizenz liegt seit 2016 vor, der Baubeginn für die 351 Millionen US$ teure Abbaustätte ist 2020 vorgesehen. Jährlich könnten dann rund 3 Millionen Pfund im Tagebau produziert werden.

(He.St.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Botsuana Kohle, Erze, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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