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14.02.2019

Brasilien aktuell (1/19): Neue Regierung bekräftigt Reformagenda

Für eine neue Rentenpolitik fehlen aber noch Mehrheiten / Von Gloria Rose (Februar 2019)

São Paulo (GTAI) - In Brasilien sind etliche Branchen optimistisch ins neue Jahr gestartet und der Finanzmarkt frohlockt. Die Umsetzbarkeit von Reformen bleibt aber fraglich.

Im ersten Monat seiner Amtszeit trat Jair Bolsonaro seine erste Auslandsreise als Präsident an. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bekräftigte Wirtschaftsminister Paulo Guedes die vier wirtschaftspolitischen Säulen der neuen Regierung: Reform der Renten- und Sozialversicherung, Privatisierungen, Verwaltungsreformen und Marktöffnung. Die Rentenreform gehört nicht zu den 35 Zielen der ersten 100 Regierungstage. Um die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen, muss sich die Regierung im Kongress vorab eine Mehrheit dafür sichern.

Regierungsvertreter begrüßten die Wahl des Wunschkandidaten Davi Alcolumbre zum Vorsitzenden des Senats. Alcolumbre erklärte in seiner Antrittsrede, dass die Rentenreform Priorität habe. Auch der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer Rodrigo Maia betonte sein Bestreben, den Dialog für eine Reform voranzutreiben. Bis Ende Februar soll die Abgeordnetenkammer den Regierungsvorschlag erhalten.

Gemischte Entwicklungen begleiten Regierungsauftakt

Der Finanzmarkt zeigt sich optimistisch. Der Börsenindex Ibovespa legte im Januar um fast 11 Prozent zu. Der Real wertete zum US-Dollar um fast 6 Prozent auf. Doch die Polemik des Wahlkampfes setzt sich fort und droht die politische Basis der neuen Regierung zu untergraben. Die Lockerung des Waffenbesitzrechts sorgte weder bei Befürwortern noch bei Waffengegnern für Begeisterung. Zudem häufen sich die Indizien gegen Flávio Bolsonaro. Der älteste Sohn des Präsidenten wird der Korruption und Verbindungen zu kriminellen Vereinigungen bezichtigt.

Nur drei Jahre nach der Tragödie in Mariana brach am 25. Januar in Brumadinho der Damm eines Rückhaltebeckens des Bergbaukonzerns Vale. Geborgen wurden bislang 165 Tote. Weitere 160 Menschen werden vermisst. Forderungen nach Strafen und besseren Sicherheitsvorkehrungen werden immer lauter. Die Regierungsagenda zur Lockerung von Umweltschutzbestimmungen dürfte somit vorerst auf Eis liegen.

Prognosen (reale Veränderung in %)
Indikator 2019 2020
BIP 2,6 2,7
Inflation (%) 3,9 4,0
Import (auf US$-Basis) 7,9 8,2
Export (auf US$-Basis) 3,0 5,4
Industrieproduktion 3,0 3,0
Privatkonsum 2,8 3,0
Investitionen 6,5 6,0
Wechselkurs (R$/US$, zum Jahresende) 3,7 3,8

Quellen: Banco Central do Brasil; Bradesco

Branchenmeldungen
Kfz Produktion stieg 2018 um 6,7% auf 2,88 Mio. Fahrzeuge. Für 2019 rechnet der Herstellerverband Anfavea mit einem Wachstum um 9%.
Maschinenbau 2019 soll den Herstellern einen Umsatzzuwachs um 5 bis 6% einbringen. Der Branchenumsatz legte 2018 um 7% auf 78,1 Mrd. R$ zu.
Chemie Umsatz in US-Dollar stieg 2018 um 5,4%. Die Investitionen gehen jedoch deutlich zurück. Für 2019 rechnet Abiquim nur noch mit Investitionen von 600 Mio. US$.
Bau 2018 brachte dem Sektor einen erneuten Rückgang um 0,6%. 2019 soll die Branche erstmals wieder wachsen. Das Vertrauen der Bauunternehmer steigt.
Pharma Brasiliens Pharmaindustrie steigerte 2018 den Absatz um 6,6% und den Umsatz um 9,8%. Der Einzelhandel wächst weiter, als problematisch gilt die Budgetkürzung in der öffentlichen Versorgung.
Elektronik Verband Abinee verzeichnete für 2018 eine Steigerung der Produktion und des Umsatzes (real) um 2%. 2019 soll der Umsatz real um 3 bis 4% und die Produktion um bis zu 7% steigen.
IKT Netzbetreiber steigern Investitionen. Rechtsrahmen für die neue Datenschutzbehörde ANPD muss noch vom Kongress verabschiedet werden.
Energie Privatisierung von Eletrobras-Firmen ist abgeschlossen: Die Stromversorger Ceal und Amazonas Energia wurden im Dezember erfolgreich versteigert. Energisa kündigte für 2019 Investitionen von 2,8 Mrd. R$ an.
Öl und Gas Für 2019 wurden 2 Versteigerungsrunden von Explorationslizenzen genehmigt. Petrobras plant die Inbetriebnahme von 5 Ölplattformen.
Mobilität/Logistik Regierung will in den ersten 100 Tagen 23 Infrastrukturprojekte vergeben, darunter 12 Flughäfen, 4 Hafenterminals und die Schienenstrecke Norte-Sul.
Bergbau/Stahl Um 10 Rückhaltebecken in Minas Gerais zu sichern, setzt Vale 10% der Eisenerzproduktion aus. Die Maßnahmen dauern 1 bis max. 3 Jahre.

Weitere Informationen zu Brasilien finden Sie unter http://www.gtai.de/brasilien.

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein, Konjunktur, allgemein

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