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21.12.2017

Brasiliens Bergbau investiert in umweltschonende Verfahren

Ohne neue Großprojekte liegt der Fokus auf Sicherheit und Effizienz / Von Gloria Rose (Dezember 2017)

São Paulo (GTAI) - Neue Technologien zur Entsorgung von Bergematerial sowie Messtechnik gewinnen nach dem Bruch eines Rückhaltebeckens 2015 an Bedeutung. Großprojekte werden derzeit nicht angekündigt. Branchengigant Vale verkleinert sich und multinationale Investoren scheuen die erschwerte Lizenzvergabe. Der neue Rechtsrahmen verbessert die Investitionssicherheit, doch es bleiben Fragen offen. (Kontaktadressen)

Ausgaben für Sicherheit und Umweltschutz steigen

Am 5. November 2015 brach das Rückhaltebecken der Eisenerzmine des Bergbaukonzerns Samarco. Die Todesfälle und Zerstörungen in der Gemeinde Mariana (Minas Gerais) sowie die folgenreichen Umweltschäden insbesondere für den Fluss Rio Doce sensibilisierten die Bevölkerung und auch die Umweltbehörden nachhaltig.

Rückhaltebecken, die wie in Mariana nach der unsichersten Konstruktionsweise "upstream" errichtet werden, sollen verboten werden. Die Umweltbehörden verschärften bereits die Kontrollen und das Lizenzverfahren ist nun noch komplexer und langwieriger. Anglo American setzt bei dem aktuellen Projekt Minas-Rio auf den Bau nach der sichersten, aber auch teuersten Konstruktionsweise "downstream". Dennoch wartet der britische Konzern bereits ein halbes Jahr länger als vorgesehen auf die Genehmigung.

Die Unternehmen richten ihre Geschäftskonzepte entsprechend aus. Zum einen gilt es den Imageschaden der Branche zu beheben. Andererseits investieren die Konzerne verstärkt in neue Technologien, um negative Umweltauswirkungen zu minimieren und die Produktivität zu steigern. Samarco entschied sich in Mariana für eine unkonventionelle Entsorgung von Bergematerial, das vorab in Sand und Wasser sowie zu etwa 20 Prozent in Minenschlamm getrennt wird. Das Wasser soll wiederverwendet werden. Eine effizientere Wassernutzung liegt allgemein im Trend.

Gefragt ist zudem Messtechnik im Bereich Baugrunduntersuchung, Charakterisierung der Bodenbeschaffenheit und Bestimmung der Bodenrisikofaktoren. Anders als Zulieferer und Dienstleister des Bergbausektors aus anderen Bereichen verzeichnete der niederländische Dienstleister Fugro 2017 eine steigende Nachfrage. Darüber hinaus kann sich zukünftig eine steigende Nachfrage für Versicherungen ergeben. Die Einführung einer Pflichtversicherung für Bergeteiche wird diskutiert.

Bergbaustandort Brasilien ist bedeutend - aber unattraktiv

Der Preisverfall von Eisenerz sowie die mangelhafte Investitionssicherheit beeinträchtigte Brasiliens Bergbau stark. Der Rohstoffsektor erwirtschaftet mittlerweile nur noch einen halb so hohen Umsatz wie im Jahr 2011 mit einem Rekordumsatz von 53 Milliarden US-Dollar (US$). 2017 soll der Umsatz um etwa 4 Prozent auf 25 Milliarden US$ ansteigen. Dennoch ist Brasilien nach wie vor einer der bedeutendsten Bergbaustandorte weltweit. In dem Länderranking 2017 sieht die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) Brasilien auf Platz zwei direkt hinter der VR China und noch vor Australien.

Während die Nachbarländer Chile und Peru relativ gute Rahmenbedingungen bieten, schrecken in Brasilien unter anderem das langwierige Lizenzverfahren und die strengen Umweltauflagen die Investoren ab. In dem internationalen Vergleich der Investitionsattraktivität Survey of Mining Companies des kanadischen Fraser Instituts fiel Brasilien seit 2014 von Rang 40 auf den 61. Platz im Jahr 2016 zurück.

Top 10 des Rohstoffsektors in Brasilien, 2016
Unternehmen 1) Nettoumsatz (in Mio. US$) Investitionen (in Mio. US$) Anmerkung
Vale 2) 14.551,1 2.993,7 Fertigstellung von SD11 in Carajás (Pará)
Salobo Metais 1.112,5 84,7 Kupfermine von Vale in Pará
Nexa Resources (vormals: Votorantim Metais) 742,7 93,3 Investition in Mina de Vazante (Minas Gerais)
Kinross Brasil(CAN) 630,6 k.A. Minas Gerais
Anglo Gold Ashanti (SA) 543,7 84,7 Minas Gerais
Copebrás (CH) 504,0 84,7 Übernahme durch CMOC 2016: Aufteilung in Copebras und Niobras
Alcoa World Alumina - AWA Brasil (USA) 489,3 84,7 3 Minen (Pará, Minas Gerais und Maranhão)
Anglo American (UK) 439,9 84,7 2 Minen in Goiás und Projekt Minas-Rio
MRN 423,9 78,6 Investition in Behandlung von Bergematerial in Oriximiná (Pará)
Hydro Paragominas (NOR) 375,9 131,5 Norsk Hydro

1) ohne Samarco (Betrieb musste nach dem Dammbruch eingestellt werden, Genehmigungsverfahren für Wiederaufnahme läuft); 2) Vale verkaufte 2016 Aktiva im Bereich Agrarmineralien an die kanadische Mosaic-Gruppe und die norwegische Gruppe Yara, die auch Galvani kontrolliert. Galvani investierte 2016 fast 150 Millionen US$ in die Verdreifachung der Produktion in Serra do Salitre (Minas Gerais).

Quelle: Zeitschrift Exame

Effizienz statt neue Großinvestitionen

Vor wenigen Jahren durchlief Brasiliens Bergbau eine Phase starken Wachstums. Laut einer Erhebung des Branchenverbandes Instituto Brasileiro de Mineração (IBRAM) planten die Unternehmen 2012 innerhalb eines Vierjahreszeitraumes Rekordinvestitionen von 75 Milliarden US$. Für 2017 bis 2021 sehen die Unternehmen nur noch 18 Milliarden US$ vor. Der Investitionsrückgang und die Rezession führten zu hohen Verlusten für die Maschinenhersteller. Derzeit werden Anschaffungen fast nur für den Austausch veralteter Ausrüstung getätigt.

Großprojekte wie zuletzt vom Branchengigant Vale im Tagebaugebiet S11D auf der Hochebene von Carajás (Pará) sind derzeit nicht in Sicht. Statt in neue Projekte investieren die Großkonzerne in Kosteneinsparungen. Zum einen über Energieeffizienz und eine eigene Stromversorgung, zum anderen auch über zunehmende Automatisierung und Technologie 4.0. Als Vorreiter gelten Vale mit Pilotprojekten in Salobo und Votorantim Metais mit 15 Pilotprojekten.

Die Branchenstruktur spricht für die Entwicklung kleiner und mittelgroßer Projekte. Über 82 Prozent der 8.400 Unternehmen sind kleine und Kleinstunternehmen. Bei etwa 15 Prozent handelt es sich um mittelgroße, bei nur knapp 2 Prozent um große Unternehmen. Die größten Chancen sieht Alessandro Colucci des Kompetenzzentrums für Bergbau und Rohstoffe im Bereich der Mineralien für die Landwirtschaft (Phosphat, Kali, Düngekalk, aber auch Mangan) sowie Projekte zur Gewinnung von Gold, Kupfer, Bauxit (Norsk Hydro) und Zinn.

Neuer Gesetzesrahmen erhöht Investitionssicherheit, aber auch die Royaltys

Seit der Aufnahme der Diskussionen um eine Modernisierung des Gesetzesrahmens vor fünf Jahren wartet der Sektor auf Entscheidungen, die für die Zukunft des Bergbaus essenziell sind. Die damit verbundene Unsicherheit ist mitverantwortlich für den starken Rückgang der Investitionen. Zum Teil wurde nun mit der Verabschiedung von zwei der ursprünglich drei Gesetzesänderungen Investitionssicherheit geschaffen.

Die neuen Regelungen zur Berechnung der Royaltys stehen endlich fest. Allerdings befürchten die Bergbaukonzerne gerade bei Eisenerz eine starke Beeinträchtigung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Für Brasiliens meist gefördertes Mineral entrichten die Unternehmen zukünftig statt den bisherigen 2 Prozent auf den Nettoumsatz Abgaben von 3,5 Prozent auf den Bruttoumsatz. Die Abgaben erhöhen sich also sowohl infolge der höheren Sätze, als auch infolge der Einbeziehung der Transportkosten in die Berechnungsgrundlage. Dabei ist Brasilien bereits das Land unter den fünf weltweit führenden Bergbaunationen mit der höchsten Besteuerung.

Die zweite Änderung ist die Einrichtung einer eigenständigen Regulierungsbehörde Agência Nacional de Mineração (ANM), die zukünftig unabhängig und somit auch agiler die Branche betreuen soll als es die bislang zuständige Abteilung des Ministeriums für Bergbau und Energie konnte. Die dritte Gesetzesänderung, die 23 veraltete Vorschriften aktualisieren sollte, wurde nicht verabschiedet. Somit wurde das Ziel der Investitionssicherheit nicht vollständig umgesetzt. Auch die anstehenden Präsidentschaftswahlen im Oktober 2018 zögern Investitionsentscheidungen weiter heraus.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/brasilien Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK Brasilien http://www.ahkbrasilien.com.br Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe (AHK São Paulo) http://www.ahkbrasilien.com.br/pt/a-camara/departamentos/mineracao/ German Mining Network, Ansprechpartner: Alessandro Colucci
Instituto Brasileiro de Mineração (IBRAM) http://www.ibram.org.br Brasilianisches Bergbauinstitut und Branchenverband

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Brasilien finden Sie unter http://www.gtai.de/brasilien.

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

Funktionen

Kontakt

Judith Illerhaus

‎+49 228 24 993 248

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