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19.10.2017

Brasiliens Markt für Augenoptik kommt wieder in Gang

Vorkrisenniveau soll aber erst 2020 wieder erreicht werden / Große Optikketten erweitern Filialnetze / Von Edwin Schuh

São Paulo (GTAI) - Die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre hat das Einkommen vieler brasilianischen Haushalte gesenkt. Gespart wurde auch an Augenoptik, der Umsatz des Sektors fiel um über ein Viertel. Im Jahr 2017 haben sich die Verkäufe jedoch stabilisiert und ab 2018 wird wieder ein Aufschwung erwartet. Die großen Optikketten weiten ihre Filialnetze aus, und der Sektor konsolidiert sich. Luxottica stieg durch die Übernahme von Óticas Carol in Brasilien ein. (Kontaktadressen)

Brasiliens Wirtschaftskrise hat auch den Markt für Augenoptik geschwächt. Nach Angaben des Branchenverbandes Abióptica lag der Umsatz des Sektors 2016 bei 4,8 Milliarden US-Dollar (US$) und damit 27,5 Prozent unter dem Niveau von 2013. Zwischen 2000 und 2013 hatten sich die Verkäufe mehr als vervierfacht, seit 2013 waren sie jedoch wieder rückläufig. Neben der Wirtschaftskrise hat auch die deutliche Abwertung des brasilianischen Real Probleme bereitet, da rund 85 Prozent der verkauften Augenoptik importiert wird. Für 2017 erwartet Abióptica ein Umsatzwachstum von 7 Prozent, was sich in den ersten Monaten des Jahres bestätigt hat.

Ab 2018 soll der Sektor wieder zweistellig zulegen, angetrieben von einer besseren Wirtschaftslage und dem anziehenden Konsum der Haushalte. Das Vorkrisenniveau wird Prognosen zufolge jedoch erst wieder 2020 erreicht. Mittelfristig besteht für Augenoptik in Brasilien noch viel Wachstumspotenzial. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO brauchen rund 100 Millionen Brasilianer eine Sehhilfe, jedoch wird diese bislang nur von 36 Millionen Personen genutzt. Rund 60 Millionen Brasilianer wüssten gar nicht, dass sie Sehschwierigkeiten haben. Dank einer besseren Gesundheitsaufklärung durch die Regierung sowie obligatorischer Sehtests in den Schulen dürfte die Zahl der Brillenträger steigen.

Konzentration auf große Optikketten erwartet

Abióptica zufolge gibt es in Brasilien rund 23.000 Optikgeschäfte, wovon auf die fünf größten Ketten lediglich 13 Prozent entfallen. Branchenkennern zufolge kaufen jedoch die großen Ketten kleinere Einzelhändler auf. Das Kapital dafür kommt etwa bei Óticas Carol oder GrandVision aus dem Ausland. In einigen Jahren soll dadurch etwa die Hälfte des Marktes auf die fünf größten Optikketten entfallen.

Wichtigste Anbieter von Augenoptik in Brasilien
Name Anzahl Filialen Regionaler Schwerpunkt Internet
Óticas Carol Über 1.000 landesweit http://www.oticascarol.com.br
Óticas Diniz 950 landesweit http://www.oticasdiniz.com.br
Chilli Beans 755 landesweit http://loja.chillibeans.com.br
Mercadão dos Óculos 150 in 21 Bundesstaaten http://www.mercadaodosoculos.com.br
GrandVision by Fototica 105 in São Paulo und imNordosten http://www.grandvisionbyfototica.com.br

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Der italienische Brillenhersteller Luxottica kaufte Anfang 2017 die größte brasilianische Optikkette Óticas Carol für 110 Millionen Euro. Seitdem wird in die Modernisierung der Läden investiert und das Sortiment umstrukturiert. Das Netz von über 1.000 Filialen soll auf 2.000 bis 3.000 Läden ausgebaut werden. Erfolg hat Óticas Carol mit Brillen aus eigener Herstellung, die bereits 22 Prozent der Verkäufe ausmachen. Im 1. Quartal 2017 erzielte Óticas Carol das beste Ergebnis seit fünf Jahren mit 21 Prozent mehr Umsatz als im 1. Quartal 2016.

Optikketten bauen Filialnetze aus

Óticas Diniz will in den kommenden fünf Jahren die Anzahl seiner Läden auf 2.000 verdoppeln. Schwerpunkt ist der Südosten mit São Paulo und Rio de Janeiro. Geschäftsführer Arione Diniz erwartet für 2017 ein Umsatzplus von 16 Prozent auf 314 Millionen US$, nachdem die Verkäufe 2016 um 8 Prozent gefallen waren. Kunden geben bei Óticas Diniz im Schnitt 173 US$ für eine Brille aus.

Der brasilianische Brillenhersteller Chilli Beans will 2017 rund 100 neue Läden im Land eröffnen. Das vor allem für seine Sonnenbrillen bekannte Unternehmen möchte auch sein Geschäft mit "normalen" Brillen ausweiten. Dazu begann es 2016 mit dem Vertrieb über Handelsgeschäfte, die mehrere Marken verkaufen. Für 2017 erwartet Chilli Beans 12 Prozent mehr Umsatz.

Am schnellsten wächst die erst 2012 gegründete Optikkette Mercadão dos Óculos, die sich auf die Einkommensschichten C und D (untere Mittelschicht und "obere Unterschicht") fokussiert. Diese Schichten, in die viele Brasilianer zuletzt abgerutscht sind, umfassen etwa 60 Prozent der Bevölkerung. Brillen bei Mercadão dos Óculos kosten durchschnittlich 125 US$. Rund 90% der verkauften Brillengestelle und Sonnenbrillen sind Eigenmarken, die unter anderem in einer Fabrik in Manaus hergestellt werden. Im Jahr 2016 setzte Mercadão dos Óculos 15,7 Millionen US$ um, der 2017 um 50 Prozent steigen soll. Ziel bis Jahresende sind 200 Läden.

GrandVision will den vierten Platz der größten Optikketten, den das Unternehmen an Mercadão dos Óculos verloren hat, wieder zurückgewinnen, unterstützt durch das niederländische Mutterhaus. Durch die Übernahme kleinerer Optikerketten und den Ausbau des Franchise-Netzes will man 2022 auf 500 Läden kommen. GrandVision setzte 2016 rund 59,4 Millionen US$ um, für 2017 sind 82 Millionen US$ angepeilt.

Zeiss eröffnete im August 2017 sein zweites Vision Center in São Paulo im Stadtteil Santana, nach dem ersten von 2016 im Stadtteil Jardins. Weitere Läden hat Zeiss in Belo Horizonte, Brasília, Campinas, Chapecó, Fortaleza, Goiânia, Jundiaí und Santos (siehe (http://zeissvisioncenter.com.br). Damit ist Brasilien für die Firma einer der wichtigsten Märkte weltweit.

Einfuhr von Augenoptik und sonstigen optischen Geräten nach Brasilien (jeweils Januar bis September; in Mio. US$)
HS-Code Warenbezeichnung 2016 2017 Veränderung 2017/16 (in %) Einfuhr aus Deutschland (2017)
900130 Kontaktlinsen 10,4 13,0 25,0 0,2
900140 Brillengläser aus Glas 0,5 1,1 120,0 -
900150 Brillengläser aus anderen Stoffen 40,0 43,0 7,5 1,9
900311 Fassungen aus Kunststoff 29,2 28,1 -3,8 -
900319 Fassungen aus anderen Stoffen 10,5 11,0 4,8 -
900410 Sonnenbrillen 53,5 51,2 -4,3 0,04
900490 Korrektions- und Schutzbrillen 10,5 14,5 38,1 0,04
900510 Ferngläser 3,4 0,8 -76,5 0,02
900580 Andere astronomische Instrumente 0,3 0,5 66,7 -
901310 Zielfernrohre für Waffen, Periskope 1,1 7,0 536,4 0,01
901320 Laser, ausgenommen Laserdioden 4,7 4,6 -2,1 1,1
901850 Andere augenärztliche Instrumente, Apparate und Geräte 40,2 35,6 -11,4 6,2
Insgesamt 204,4 210,5 3,0 9,5

Quelle: Ministério da Indústria, Comércio Exterior e Serviços (MDIC)

E-Commerce bei Augenoptik noch am Anfang

E-Commerce ist bei Augenoptik noch nicht weit verbreitet, aber Óticas Carol und Mercadão dos Óculos kündigten an, im Onlinehandel tätig zu werden. Ein reiner Online-Shop ist http://www.oculosworld.com.br. Ein großes Problem sind in Brasilien Piraterieprodukte, vor allem gefälschte Sonnenbrillen. Allein 2015 stellte die Polizei 8,7 Millionen gefälschte Brillen sicher. Abióptica startete 2017 ein Programm zur Förderung von Brillen mit Echtheitszertifikat.

Sonnenbrillen sind in Brasilien aufgrund des Klimas und des Modebewusstseins sehr beliebt. Das Design spielt - wie auch bei Brillengestellen - eine wichtige Rolle. Kreative Unternehmen wie Zerezes (http://www.zerezes.com.br) aus Rio de Janeiro fertigen Sonnenbrillen mit Holzgestellen aus recyceltem Holz. Für die hippen Modeaccessoires werden Preise von 116 bis 157 US$ verlangt.

Augenoptische Laborausstattung wie etwa Messsysteme und Maschinen für die digitale Oberflächenbearbeitung werden größtenteils importiert. Einfuhrsteuern und die Bürokratie gelten als Hindernisse beim Import. Qualität und Technologie deutscher Produkte sind hoch angesehen.

Kontaktadressen

Associação Brasileira da Indústria Óptica (Abióptica, Verband der Optikindustrie)

comercial@abioptica.com.br

http://www.abiotica.com.br

Expoabióptica (Messe der Optikindustrie)

Nächste Durchführung: 15. bis 18. April 2018

autentica@expoabioptica.com.br

http://www.expoabioptica.com.br

(E.D.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien Augenoptik, Fototechnik u. Imaging

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Kontakt

Judith Illerhaus

‎+49 228 24 993 248

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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