Suche

15.05.2019

Brasiliens Wirtschaft wächst auch 2019 nur zögerlich

Prognosen fallen erneut niedriger aus / Von Gloria Rose

São Paulo (GTAI) - Die Wirtschaftsdaten des 1. Quartals 2019 in Brasilien enttäuschen. Verbesserungen im Geschäftsumfeld zeigen keine kurzfristige Wirkung.

Schwache Industrieproduktion bremst den Aufschwung

In der aktuellen Umfrage der brasilianischen Zentralbank senkten die Finanzanalysten ihre Wachstumsprognosen erneut. Zurückzuführen ist dies unter anderem auf die schlechten Ergebnisse des 1. Quartals. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 12,7 Prozent, wodurch sich die Erholung der Kaufkraft und somit des privaten Konsums verzögert. Darüber hinaus verzeichnete die Industrie einen deutlichen Einbruch. Betroffen waren im März insbesondere der Nahrungsmittelsektor, die Kfz-Industrie und der Bergbau.

Auf das Wirtschaftswachstum wirken viele Negativfaktoren wie die Verschlechterung der globalen Konjunktur, die Rezession in Argentinien oder auch ungünstige Klimaverhältnisse. Die Krise im Staatshaushalt lähmt die öffentlichen Investitionen und führt in einigen Bundesstaaten und Gemeinden zu Zahlungsschwierigkeiten. Aufgrund der geringen Auslastung vorhandener Kapazitäten und der Verunsicherung über die Rentenreform stocken auch die privaten Investitionen.

Prognosen (reale Veränderung in %)
Indikator 2019 2020
BIP 1,6 2,6
Inflation 4,1 4,0
Import (auf US$-Basis) 7,7 8,9
Export (auf US$-Basis) 2,7 5,0
Industrieproduktion 1,6 2,5
Privatkonsum 2,0 2,5
Investitionen 4,3 5,5
Wechselkurs (R$/US$, zum Jahresende) 3,8 3,8

Quellen: Banco Central do Brasil; Bradesco

Regierung strebt verbesserte Rahmenbedingungen für Unternehmen an

Durch konkrete Maßnahmen zur Entbürokratisierung und den direkten Austausch mit Unternehmen verbessert die Regierung das Geschäftsumfeld. Der Gesetzesvorschlag MP 881 ebnet Kleinstunternehmern, Start-ups und kleinen und mittleren Unternehmen den Weg und schafft einen Rechtsrahmen für Investmentfonds. Nichtsdestotrotz steht die Rentenreform weiter im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Mit dem Ziel der Marktöffnung soll die Bevorzugung nationaler Produkte in öffentlichen Ausschreibungen zurückgefahren werden. Darüber hinaus rechnen Maschinenimporteure bereits ab Juni mit Zollerleichterungen, die im Laufe der nächsten vier Jahre nach und nach erweitert werden. Zudem wird das Verfahren zur Eröffnung eines Tochterunternehmens in Brasilien vereinfacht. Brasilien strebt die OECD-Vollmitgliedschaft an. Dafür erklärte sich die Regierung bereit, auf den Sonderstatus in der Welthandelsorganisation zu verzichten.

Branchenmeldungen
Kfz Im 1. Quartal 2019 stieg der Verkauf um 11,4%; aufgrund der Exportschwäche (-42%) fiel die Produktion jedoch um 0,6% niedriger aus als im 1. Quartal 2018.
Maschinenbau Verkauf von Agrarmaschinen soll 2019 um 10,9% zulegen; Kreditvolumen des Förderprogramms Moderfrota wird um 500 Mio. R$ erweitert.
Chemie Wichtige Abnehmerbranchen wie Kunststoff und Düngemittel wachsen 2019 voraussichtlich um bis zu 2%; Handelsbilanz steuert 2019 auf neues Rekorddefizit zu.
Bau Vertrauen der Bauunternehmer bleibt niedrig; staatliche Mittel für das Wohnungsbauprogramm Minha Casa Minha Vida (MCMV) reichen nur bis Juni; Verkauf von Baumaterial nahm im 1. Quartal um 2,9% zu.
Pharma Niedrige Kaufkraft stimuliert Generikaverkauf: Umsatz stieg im 1.Quartal um 13,4%, während der Markt insgesamt um 9% wuchs.
IKT Software soll 2019 neuen Rekordumsatz erzielen (+7,4%); Vivo investiert 2019 rund 9 Mrd. R$ hauptsächlich in den Ausbau des Glasfasernetzes.
Elektronik Verkauf von Mobiltelefonen sinkt im 1. Quartal um 6,6%; Vertrauen der Elektronikindustrie ging zurück, bleibt für 2019 jedoch insgesamt positiv.
Energie Solatio will in Pernambuco für 3,5 Mrd. R$ den größten Solarpark Brasiliens bauen; AES Tietê übernimmt Windpark von Renova.
Öl und Gas Befürchteter Eingriff in Dieselpreisbildung entwertet Petrobras vorübergehend; der Staatskonzern analysiert nun den Verkauf von Anteilen an 6 der 14 Raffinerien und an BR Distribuidora sowie von 3 Gaspipelines.
Mobilität/Logistik Infolge der Dieselpreiserhöhung drohten Lkw-Fahrer mit Streik; ANTT passte die Mindestfrachttarife an; STF zögert Entscheidung über die Verfassungsmäßigkeit der Tariftabelle heraus.
Bergbau/Stahl Wegen Absatzschwäche, als auch wegen hoher Rohstoffkosten verzeichneten Brasiliens Stahlkonzerne Usiminas, Gerdau und CSN ein schlechtes 1. Quartal.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Brasilien finden Sie unter http://www.gtai.de/brasilien.

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein, Sozialversicherung

Funktionen

Kontakt

Lennart Claßen

‎+49 228 24 993 311

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche