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13.12.2017

Brasiliens Zellstoffsektor wächst weiter

Inhalt

Hersteller setzen mehr auf Effizienz als auf Expansion / Von Gloria Rose (September 2017)

São Paulo (GTAI) - Die brasilianische Zellstoffindustrie hat die Wirtschaftskrise und den Einbruch der Weltmarktpreise 2016 gut verkraftet. Trotz der Preiserholung schieben die Konzerne Expansionsprojekte vorerst auf. Vorrang haben Investitionen in Effizienz und Logistik. Der schwache Inlandsverkauf bereitet den Papierherstellern Sorge. Selbst in den Bereichen Hygienepapier und Verpackungspapier bleiben Kapazitäten ungenutzt.

Allgemeine Markttrends

Zellstoff- und Papierindustrie: Zellstoffindustrie wächst nachhaltiger

Innerhalb eines Jahrzehnts stieg die Zellstoffproduktion um 56 Prozent auf 18,8 Millionen Tonnen im Jahr 2016 an. Damit ist Brasilien mittlerweile vor der VR China und Kanada der zweitwichtigste Hersteller nach den USA. Im internationalen Vergleich hat Brasilien die bei weitem produktivste Forstwirtschaft mit Eukalyptus und Kiefern. Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zieht die Investoren an. Entsprechend dem Wachstum der Weltnachfrage werden sowohl die inländischen Konzerne als auch internationale Player die Produktion in Brasilien zukünftig erweitern. Der Exportanteil von derzeit 69 Prozent wird folglich weiter steigen. Kurzfristig veranlassten die niedrigeren Weltmarktpreise Brasiliens Zellstoffkonzerne zu einem Aufschub großer Expansionsprojekte.

Mit steigenden Strompreisen setzen die Hersteller zunehmend auf Energieeffizienz und die eigene Erzeugung über Biomassekraftwerke. Große Produzenten wie Suzano, Klabin, Fibria, Eldorado und Lwarcel verkaufen überschüssigen Strom am freien Strommarkt. Eldorado gewann in der Versteigerung vom April 2016 den ersten langfristigen Lieferauftrag. Der Vertrag sieht die Einspeisung des Biomassekraftwerks Onça Pintada in das nationale Verbundnetz ab 2021 vor. Das Beratungsunternehmen Pöyry schätzt das aktuelle Potenzial der Zellstoffindustrie auf zwölf Terawattstunden pro Jahr. Sowohl Pöyry, als auch Siemens sehen in der brasilianischen Zellstoffindustrie zudem große Chancen für Industrie 4.0-Technologien.

Suzano investiert als Pionier in die Lignin-Gewinnung aus Schwarzlauge, die als Reststoff der Zellstoff- und Papierindustrie anfällt. Die Produktion am Standort Limeira (São Paulo) soll 2017 aufgenommen werden. Als Ersatz für erdölbasierte Produkte kann Lignin unter anderem zu Biokunststoffen weiterverarbeitet werden.

Die Produktionsmenge von Papier verändert sich seit 2010 kaum. Nach einem leichten Anstieg setzte 2013 setzte ein leichter Abwärtstrend ein. 80 Prozent der brasilianischen Papierproduktion wird im Inland verkauft. Die Kapazitäten werden aufgrund der Wirtschaftskrise selbst in Wachstumssegmenten wie Hygienepapier derzeit nicht ausgelastet. Investitionen in die Erweiterung der Produktion stehen nur vereinzelt an. Im Trend liegt stattdessen die Effizienzsteigerung in den logistischen Abläufen und in den Produktionsverfahren. Einer aktuellen Umfrage des Papier- und Zellstoffverbandes des Bundesstaates Paraná zufolge wollen 70 Prozent der rund 470 Unternehmen in den kommenden drei Jahren investieren.

Neben energieeffizienten Technologien sind auch Verfahren mit weniger Wasserverbrauch gefragt. Sowohl in der Forstwirtschaft als auch in der Verarbeitung zu Zellstoff und Papier setzen sich die großen Produzenten immer neue Ziele der Wassereinsparung. Suzano investiert derzeit 27 Millionen Euro in die Erweiterung und Modernisierung der Abwasseraufbereitung in Mucuri (Bahia).

Wellpappe- und Packmittelindustrie: Leichte Erholung, Klabin erwägt neue Investitionsprojekte

Der Verband der Wellpappehersteller ABPO (Associação Brasileira do Papelão Ondulado) registrierte im 1. Halbjahr eine Verkaufssteigerung um mehr als 3 Prozent auf 1,9 Millionen Tonnen. Somit wird sich der Sektor 2017 leicht erholen. ABPO erwartet für das Jahr insgesamt ein Wachstum um 2,7 Prozent. Mit einer Auslastung der Kapazitäten zu nur 74 Prozent besteht in der Wellpappeindustrie bislang jedoch wenig Anlass für neue Investitionsprojekte.

Dennoch rechnet Beratungsunternehmen Fisher International in den kommenden Jahren mit einer Erweiterung um weitere 200.000 Tonnen Wellpappe und Verpackungspapier. Im internationalen Vergleich ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Wellpappe in Brasilien sehr niedrig. Zudem spricht der zunehmende Versandhandel für einen steigenden Bedarf.

Marktführer Klabin arbeitet derzeit an einem neuen Investitionsplan im Umfang von voraussichtlich 1,9 Milliarden Euro. Untersucht wird ein möglicher Ausbau der Produktion von Getränkekarton LPB (Liquid Packaging Board), Kraftliner für den Verkauf oder die interne Weiterverarbeitung zu Wellpappe sowie von Zellstoffflocken (Fluff) für die Herstellung von Windeln und Einlagen. Auch die US-Gruppe Westrock erwägt neue Investitionen. Im Gespräch ist eine Erweiterung der Produktion um 42 Prozent auf 1.900 Tonnen Papier pro Tag am Standort Três Barras (Santa Catarina).

Papierverarbeitungsindustrie: Hersteller setzen auf Diversifizierung und Effizienz

Mit der zunehmenden Digitalisierung stellen sich die Hersteller auf einen rückläufigen Bedarf an Druck- und Schreibpapier sowie an Zeitungspapier ein. Suzano startet im 2. Halbjahr 2017 die Fertigung von Hygienepapier in Mucuri (Bahia) und Imperatriz (Bahia). Mit dem Markteinstieg sorgt der Zellstoff- und Schreibpapierhersteller für eine zusätzliche Risikostreuung. Ende 2015 hatte Suzano bereits die Produktion von Fluff aufgenommen.

Diversifizierung ist auch Teil der Strategie von BO Paper der chilenischen Holding BO/Pathfinder. Nach der Übernahme von Brasiliens einziger Zeitungspapierfabrik in Jaguariaíva (Paraná) erwarb BO Papers Anfang 2016 Brasiliens einzige LWC-Papierfabrik in Arapoti (Paraná). BO Paper setzt auf neue Produkte wie Spezialpapier für Haftetiketten. Zur Qualitäts- und Effizienzverbesserung investierte das Unternehmen in die Produktion von thermomechanischem Holzstoff. Auch durch die Integration der beiden Fabriken spart BO Papers Kosten.

Ahlstrom-Munksjö profitiert ebenfalls von der Fusion der beiden Produktionsstätten in Brasilien, die bis Anfang 2018 abgeschlossen sein soll. Der Spezialpapierhersteller investiert derzeit in eine verbesserte Haube und somit einen reduzierten Dampfbedarf der Papiermaschinen. Für das finnische Unternehmen ist Brasilien trotz der Krise eines der wichtigsten Investitionsziele.

Marktstruktur/Wettbewerb

Die exportorientierte Zellstoffproduktion gehört zu den am stärksten konsolidierten Industriesektoren Brasiliens. Dahingegen ist die Papierproduktion zu 80 Prozent auf den Inlandsmarkt ausgerichtet und insbesondere in den Wachstumssegmenten Verpackungs- und Hygienepapier relativ fragmentiert.

Das umsatzstärkste brasilianische Unternehmen des Papier- und Zellstoffsektors ist Suzano mit einem Jahresumsatz 2016 von 2,86 Milliarden US-Dollar (US$). Klabin erwirtschaftete 2,20 Milliarden US$, Fibria 1,58 Milliarden US$ und Eldorado 828 Millionen US$. Die größten multinationalen Hersteller in Brasilien sind die chilenische Gruppe CMPC, der US-Konzern International Paper (IP), das irische Unternehmen Smurfit Kappa, die chilenische Gruppe BO/Pathfinder und die US-Gruppe Westrock.

Eckdaten der Zellstoffindustrie (in Mio. t, Veränderung in %)
2014 2105 2016 Veränderung 2016/15
Produktion 16,47 17,37 18,77 8,1
Import 0,42 0,41 0,36 -12,5
Export 10,61 11,53 12,90 11,9
Inländischer Verbrauch 6,28 6,25 6,23 -0,3

Quelle: Verband für Holzwirtschaft IBÁ (Indústria Brasileira de Árvores)

Die Marktentwicklung des brasilianischen Zellstoffsektors der Vorjahre setzt sich 2017 fort. Die Produktion steigt deutlich, der Export noch stärker, der Import geht gegen Null und der Inlandsverbrauch nimmt weiter ab. Die Weltnachfrage nach Zellstoff wächst angetrieben durch den chinesischen Markt stärker als erwartet. Infolge des verhalteneren Ausbaus der Produktion und angekündigter Wartungsstopps wie beispielsweise in der Anlage Guaíba von CMPC im zweiten Halbjahr 2017 steigt der Preis am Weltmarkt. Damit nimmt der Umsatz im Export wieder zu. Die niedrigen Zellstoffpreise sowie die erneute Aufwertung des brasilianischen Real zum US-Dollar hatten den Umsatz der Zellstoffkonzerne 2016 deutlich geschmälert.

Ende August 2017 nahm Fibria den Betrieb der zweiten Anlage in Três Lagoas (Mato Grosso do Sul) auf. Mit zusätzlich 1,95 Millionen Tonnen auf insgesamt 7,25 Millionen Tonnen baut Fibria die Führung auf dem Weltmarkt für Eukalyptuszellstoff weiter aus.

Anfang September wurde Eldorado von der niederländischen Gruppe Paper Excellence übernommen. Paper Excellence wird die bisherigen Expansionspläne nicht unmittelbar fortführen, sondern sich zunächst auf die Zusammenführung konzentrieren. Für Eldorado hatten sich sowohl Fibria, Suzano und CMPC, als auch zahlreiche Konzerne, die bislang nicht in Brasilien produzieren, interessiert. Im Gespräch waren Arauco der chilenische Gruppe Copec, die indonesischen Gruppen APP und April sowie der chinesische Staatskonzern China Paper.

Ganz anders entwickelt sich der Markt für Brasiliens Papierindustrie, die im internationalen Vergleich mittlerweile den achten Rang hinter Kanda und knapp vor Finnland einnimmt. Bei fast konstanter Produktionsmenge sorgt der abnehmende Inlandsverbrauch für einen Einbruch der Importnachfrage. Im 1. Halbjahr 2017 stieg die Einfuhr von Papier erstmals wieder an.

Eckdaten der Papier- und Pappeindustrie (in Mio. t, Veränderung in %)
2014 2105 2016 Veränderung 2016/15
Produktion 10,40 10,36 10,34 -0,2
Import 1,26 0,87 0,69 -20,6
Export 1,85 2,06 2,10 2,2
Inländischer Verbrauch 9,81 9,17 8,92 -2,7

Quelle: IBÁ

Besonders stark sinkt der inländische Bedarf an Zeitungspapier. Der einzige Zeitungspapierfabrikant Brasiliens BO Paper spürt den Einbruch, konnte gleichzeitig jedoch seinen Marktanteil ausbauen. Der Import von Zeitungspapier geht drastisch zurück und der Export steigt.

Die mit Abstand wichtigsten Exportgüter der brasilianischen Papierindustrie sind Druck- und Schreibpapier sowie Verpackungspapier. Angesichts der schwachen Inlandsnachfrage stieg der Export von Druck- und Schreibpapier sowie von Hygienepapier.

Für Hygienepapier verzeichnete Iba 2016 bereits wieder ein leichtes Wachstum der Inlandsnachfrage. Der Bedarf an Toilettenpapier soll in Brasilien laut Beratungsunternehmen Pöyry 2017 um 2 Prozent und 2018 um 3,5 Prozent steigen.

Produktion ausgewählter Papierwaren (in 1.000 t, Veränderung in %)
Warengruppe 2016 Veränderung 2016/15
Verpackungspapier/Wellpappe 5.438 -0,6
Grafische Papiere 2.507 0,6
Hygienepapier 1.146 2,9
Karton 666 -3,6
Zeitungspapier 96 -2,0
andere 482 -1,8
Insgesamt 10.335 -0,2

Quelle: IBÁ

Brasiliens größter Verpackungspapierhersteller Klabin verfügt derzeit über eine Produktionskapazität für Kraftliner, Testliner und Wellenpapier (Fluting) von insgesamt 1 Million Tonnen pro Jahr. Dies entspricht fast einem Viertel der Produktionskapazität Brasiliens von 4,2 Millionen Tonnen pro Jahr. Weit hinter Klabin folgen die beiden US-Konzerne Westrock und IP, Celulose Irani, der irische Hersteller Smurfit Kappa und Trombini als wichtigste Produzenten. Papel Fernandez, Adami, Artvinco und Paraibuna auf Platz sechs bis zehn stellen ebenso wie Smurfit Kappa keinen Kraftliner her und konzentrieren sich auf die Produktion von Testliner und Fluting.

Die höchste Produktionskapazität von Haushaltspapier 2016 hatte Mili mit 240.000 Tonnen pro Jahr, gefolgt von Santher, CPMC, Sepac, Kimberly-Clark und der CVG-Gruppe. Carta Fabril, Indaial, Facepa und Canoinhas verfügten über eine Kapazität von unter 100.000 Tonnen pro Jahr. Pöyry berechnet die Gesamtkapazität Brasiliens 2016 auf 1,6 Millionen Tonnen Haushaltspapier pro Jahr.

Neue Regelungen im Arbeitsrecht und bei technischen Normen

Die neue Gesetzgebung zur Auslagerung von Dienstleistungen und die Reform des Arbeitsrechts ermöglichen dem Sektor zukünftig einen flexibleren Einsatz von Arbeitskräften. Andererseits läuft die Begünstigung verringerter Sozialversicherungsbeiträge aus. Ab 2018 führen die Arbeitsgeber der Papier- und Zellstoffindustrie wieder 20 Prozent des Bruttolohns ab.

Die Aktualisierungen der Vorschriften für Maschinen, Druckbehälter und Kessel sorgen für einen fortwährenden Bedarf an Anpassungen oder Neuanschaffungen. Relevant für die Papier- und Zellstoffindustrie sind die Normen NR-12 (Norma Regulamentadora nº 12) und NR-13. Informationen über konkrete Vorgaben und Änderungen können bei dem Verband für Zellstoff- und Papiertechnologie ABTCP eingeholt werden.

Die Zellstoffindustrie verfolgt mit Interesse die Debatten um einen Gesetzesvorschlag, der die Rechte ausländischer Konzerne im Erwerb und in der wirtschaftlichen Nutzung von Land stärkt. Derzeit können ausländische Unternehmen in Brasilien maximal 10.000 Hektar uneingeschränkt besitzen und bewirtschaften. Bei einer Neuregelung erwartet der Forstwirtschaftsverband Ibá umfangreiche Investitionen. Die Schaffung von Grundlagen für den brasilianischen Emissionrechtehandel ist ein weiteres Thema, das Ibá beschäftigt.

Internetadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/brasilien Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK Brasilien http://www.ahkbrasilien.com.br Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
ABPO http://www.abpo.org.br Verband der Wellpappehersteller
ABRE http://www.abre.org.br Verband der Verpackungsmittelindustrie
ABTCP http://www.abtcp.org.br Verband für Zellstoff- und Papiertechnologie
Andipa http://www.andipa.org.br Verband der Papierhändler
IBÁ http://iba.org Verband der Holzwirtschaft
Revista O Papel http://www.revistaopapel.org.br Onlinezeitschrift und -portal für Papiertechnik
Celulose Online http://celuloseonline.com.br Onlineportal der Zellstoffindustrie
ABTCP 2017 http://www.abtcp2017.org.br Internationaler Kongress in São Paulo, 23.-25. Oktober 2017

Dieser Artikel ist relevant für:

Brasilien Papier-, Pappe-Erzeugnisse, Druck- und Papiermaschinen

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Judith Illerhaus

‎+49 228 24 993 248

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