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11.01.2017

Briten planen den Bau neuer Städte und Gemeinden

Wohnungsnot ist groß / In England sollen 17 Ortschaften entstehen / Von Annika Pattberg

London (GTAI) - Zum Jahresanfang überraschte die britische Regierung mit der Ankündigung, den Bau 14 neuer Dörfer und drei neuer Städte zu unterstützen. Die Regierung will so die Wohnungsnot mindern, die Wirtschaft beleben und Jobs schaffen. Die Planung der neuen Orte übernehmen die jeweiligen lokalen Verwaltungen. Zusammen mit sieben ebenfalls neuen, aber bereits geplanten Städten sollen in den jetzt genehmigten 17 Orten insgesamt 200.000 Häuser gebaut werden. (Internetadressen)

In Zeiten extrem knapper Kassen will die britische Regierung mit sehr wenig Geld möglichst viel erreichen. Sie plant den Bau von 14 neuen Dörfern, dies wird mit 6 Mio. £ unterstützt, umgerechnet rund 7,03 Mio. Euro (1 £ = 1,1719 Euro, Wechselkurs vom 5.1.17). Ferner sollen drei neue Städte entstehen, hierfür will London umgerechnet rund 1,64 Mio. Euro (1,4 Mio. £) zur Verfügung stellen.

Außerdem können sich die neuen Ortschaften um Gelder aus Infrastrukturfördertöpfen bemühen, heißt es in einer Pressemitteilung der Regierung vom 2.1.17. Finanzminister Philip Hammond hatte in seinem jüngsten Haushaltsplan (Autumn Statement) im November 2016 einen Housing Infrastructure Fund angekündigt. Dabei handelt es sich um ein sehr kleines Fördertöpfchen: Der Housing Infrastructure Fund sieht insgesamt 2,3 Mio. £ (umgerechnet knapp 2,7 Mio. Euro) unter anderem für neue Straßen, Wasser-, Strom- und Internetanschlüsse im gesamten Vereinigten Königreich vor.

Mehrere Fördertöpfe stehen bereit

Die 14 neuen Dörfer und drei neuen Städte sollen alle in England entstehen, wo die Wohnungsnot deutlich größer ist als in Wales, Schottland oder Nordirland. Dabei sind die Projekte über ganz England verteilt, von Cornwall im äußersten Südwesten bis Cumbria im äußersten Nordwesten und Essex im Südosten. In ihrer Pressemitteilung hat die Regierung neben den Standorten auch die Namen der Ortschaften veröffentlicht. Das zuständige Ministerium für Gemeinden und lokale Verwaltung (Department for Communities and Local Government) hebt hervor, dass es sich vor allem um neue Entwicklungsprojekte handelt und nicht um Erweiterungen von bereits bestehenden Gemeinden. In einigen Fällen dürften aber durchaus bereits bestehende Siedlungen zu größeren Ortschaften ausgebaut werden.

Weitere Ausschreibung für 2017 erwartet

Nach Angaben der Regierung ist das Interesse der lokalen Verwaltungen an neuen beziehungsweise größeren Ortschaften sehr groß. Daher sei gut möglich, dass 2017 ein weiteres Ausschreibungsverfahren für neue Ortschaften starten wird, heißt es in der Pressemitteilung. Unter Städten (towns) versteht das zuständige Ministerium für Gemeinden und lokale Verwaltung Ortschaften mit über 10.000 Häusern. Orte mit 1.500 bis 10.000 Häusern gelten als Dörfer (villages).

Bevölkerung Vereinigtes Königreich*): Entwicklung und Prognosen (in Mio., gerundet)
2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024
65,1 65,6 66,0 66,5 66,9 67,4 67,8 68,2 68,6 69,0

*) England, Wales, Schottland, Nordirland

Quelle: Office for National Statistics (ONS; National Population Projections); Stand: 29.10.15

Milton Keynes wurde bereits in den 60er-Jahren auf dem Reißbrett geplant

Die Idee, aufgrund der wachsenden Bevölkerung und des steigenden Wohnungsmangels neue Ortschaften mehr oder weniger "auf der grünen Wiese" zu erschaffen, ist für die Briten nicht neu. Das bekannteste Beispiel für eine geplante Ortschaft ist die gut 72 km nordwestlich von London gelegene Stadt Milton Keynes, die bereits in den 60er-Jahren geplant und gebaut wurde.

Besucher der schachbrettmäßig angelegten Stadt kritisieren oft, dass die Straßen und zahlreichen Kreisverkehre alle gleich aussehen. Die Bewohner von Milton Keynes schwärmen hingegen von ihrer hochmodernen Stadt, in der ein riesiges Einkaufszentrum steht und in der beispielsweise auch autonome Fahrzeuge getestet werden.

Mit rund 230.000 Einwohnern ist Milton Keynes deutlich größer als die jetzt geplanten Ortschaften. Die Stadt ist auch architektonisch kein Vorbild für die neuen Projekte: In den Erläuterungen zu den Ausschreibungsverfahren für die neuen Ortschaften wird klargestellt, dass jedes Dorf und jede Stadt einen ganz eigenen Charakter haben soll und nicht nach einem Muster gebaut werden soll.

Internetadressen

Presseerklärung der Regierung vom 2.1.17

Internet: https://www.gov.uk/government/news/first-ever-garden-villages-named-with-government-support

Informationen zu Bedingungen und zum Auswahlprozess für neue Dörfer und Städte

Internet: https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/508205/Locally-led_garden_villages__towns_and_cities.pdf

(A.P.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigtes Königreich Wirtschaftspolitik, allgemein, Wohnungsbau, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Brexit

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