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25.04.2016

Budapest wird für Hotelinvestoren wieder attraktiv

Zahlreiche Neu- und Modernisierungsprojekte in Ungarns Hauptstadt auf dem Weg / Von Waldemar Lichter

Budapest (GTAI) - Der Hotel- und Tourismussektor in Ungarn scheint für Investoren aus dem In- und Ausland wieder attraktiver zu werden. Besonders in der Hauptstadt Budapest nimmt die Zahl der Neu- und Modernisierungsprojekte zu. Es entstehen dabei nicht nur Luxusherbergen, wie etwa das Fünf-Sterne-Hotel Ritz-Carlton, sondern auch viele Objekte günstiger Preiskategorien. Die Stadt hat nach Einschätzung von Experten als Reiseziel in jüngster Zeit an Attraktivität gewonnen. (Kontaktanschrift)

Budapest erlebt derzeit einen starken Anstieg der Investitionen im Tourismussektor, insbesondere im Hotelbereich. Nach Einschätzung von Attila Radvanszki, Branchenexperte beim Consultingunternehmens Horwath HTL, ist bis zum Jahr 2019 mit mehr als 1.000 neuen Hotelzimmerkapazitäten in der ungarischen Hauptstadt zu rechnen.

Die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsfirma BDO Magyarorszag aus Budapest geht sogar für die nächsten Jahre von fast 3.000 neuen Hotelzimmern aller Qualitätsklassen aus. Davon würden 600 bis 800 auf Fünf-Sterne- und 1.000 bis 2.000 auf Hotels anderer Kategorien entfallen. Der Bestand in Budapest würde damit gegenüber heute um 5 bis 10% wachsen.

Stimmung in der Hotelbranche bessert sich

Den Grund für die stärkeren Aktivitäten sehen Marktbeobachter vor allem darin, dass sich die Stimmung in der Hotelbranche seit 2015 deutlich zu bessern begann. Die Nachfrage nach Hotelzimmern und touristischen Dienstleistungen steigt wieder. Alle relevanten Kennzeichen, wie die Zimmerauslastung, der durchschnittliche Zimmerpreis oder dessen Höhe im Verhältnis zur Belegung (RevPAR) zeigten wieder nach oben, so Radvanszki, und dürften inzwischen das Vorkrisenniveau von 2007 erreicht haben.

Das Vertrauen der Hotelbetreiber und Investoren in den Budapester Markt ist laut Radvanszki wiederhergestellt. Das werde daran deutlich, dass überall im Stadtzentrum neue Hotels wie Pilze aus dem Boden schießen. Das mittlere Segment von 4-Sterne-Hotels ist der steigenden Zahl von Freizeitreisenden und auch der langsam wieder verfügbaren Finanzierung lokaler Banken zu verdanken. Durch die Krise von 2007 haben sich in den Bilanzen einiger Finanzinstitute "schwierige" Hotelprojekte angesammelt, die erst einmal bereinigt werden mussten. Die Zurückhaltung der Banken bei der Finanzierung von Vorhaben in dem Sektor nimmt deshalb erst langsam ab.

Weniger durch Banken als vielmehr mit Hilfe von Investoren, darunter aus dem Nahen Osten, und angetrieben durch die steigende Nachfrage sind in Budapest in jüngster Zeit einige Neu- und Modernisierungsprojekte für Hotels höherer Kategorien realisiert oder auf den Weg gebracht worden. Zu den prominentesten zählt die im April 2016 eröffnete erste Luxusherberge von Ritz-Carlton (firmiert als Elisabeth Park Hotel; 170 Zimmer) in Budapest. Sie ist im umgebauten früheren Le Meridien Hotel (Starwood Hotels) untergebracht worden.

Investoren aus den VAE an Hotelprojekten in Budapest beteiligt

Zur Realisierung des Projekts haben Ritz-Carlton und die Investmentgruppe Al Habtoor Investment aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) eine Vereinbarung über Partnerschaft geschlossen. Al Habtoor Investment ist in der ungarischen Hauptstadt außerdem am Hotel InterContinental beteiligt.

Zu Vorhaben, die in ähnlicher Qualitätskategorie zwischen 2016 und 2018 verwirklicht werden, gehören ferner das Hotel di Verdi (Palermo Properties, 92 Zimmer), das Private Palace Hotel (200 Zimmer), das Projekt "Ballettinstitut" (früherer "Drechsler Palast", 100 bis 150 Zimmer, Investor aus Katar) und das Hotel Klotild II (südlicher Klotild-Palast; 156 Zimmer). Investor bei dem letztgenannten Projekt ist die türkische Ozyer Group, die das Objekt (11.000 qm) 2014 für insgesamt 2,69 Mrd. Forint (Ft; umgerechnet 8,65 Mio. Euro) erworben hatte. Die Investitionen in die Modernisierung des Gebäudes werden auf 6,5 Mrd. bis 7 Mrd. Ft geschätzt.

Für das Frühjahr 2018 ist in Budapest die Eröffnung eines Meiniger Hotels (Berlin; gehört der britischen Gruppe Cox&Kings) angekündigt worden. Das neu gebaute Hotel (184 Zimmer/751 Betten) wird von Meininger im Rahmen eines Pachtvertrages 20 Jahre lang betrieben. Partner der Berliner Gruppe bei dem Projekt ist die Bedori Investment Kft, Tochtergesellschaft eines großen ungarischen Bauunternehmens.

Eines der größeren Vorhaben in Budapest ist der Umbau des Pariser Hofs (Parizsi udvar) in eine Hotel- und Geschäftsanlage. Investor ist das Unternehmen Mellow Mood Group, dessen Eigentümer Sameer Hamdan und Zuhair Awad aus Jordanien stammen. Beide betreiben in Budapest unter anderem das Buddha Bar Hotel. Im Gespräch ist der ferner Bau eines neuen Hotels in der Nähe des internationalen Flughafens Budapest. Auch die geplante Errichtung eines neuen Kongresszentrums in der Nähe des Kulturzentrums Müpa dürfte nach Meinung von Fachleuten dem Hotelbau in der Hauptstadt weitere Impulse verleihen.

Zu den bereits realisierten Projekten in der 4-Sterne-Kategorie gehören das Small Grand Hotel (107 Zimmer) und das Hotel Moments (99) sowie in der 3-Sterne-Gruppe das Dorottya 8 Hotel (121). Bis Frühjahr 2017 soll das Three Corners Lifestyle Hotel mit 60 Zimmern (Investor: Three Corners&Resort) eröffnet werden. Renoviert wurde bereit 2010 die Spa-Anlage Racz Fürdö, an die sich ein Hotel (67 Zimmer; mehr als 8.000 qm Thermalspa) anschließt. Für die Anlage wird noch ein internationaler Betreiber gesucht.

Pläne zur Renovierung des in die Jahre gekommenen Gellert Hotels verfolgt der ungarische Eigentümer Danubius Hotels, eine der größten Hotelketten des Landes. Sie betriebt 23 Hotels mit mehr als 5.500 Zimmern sowie weitere in Tschechien, der Slowakei und Rumänien. Die Gruppe wird 2016 rund 7 Mrd. Ft für die Auffrischung des Hotels Hilton sowie von Spa-Anlagen auf der Margareteninsel und in Heviz aufwenden. Im vergangenen Jahr sollen sich die Investitionen auf 3,5 Mrd. Ft belaufen haben.

Hotelinvestitionen auch außerhalb von Budapest

Der größte Teil der Hotelinvestitionen findet zwar in Budapest statt. Es werden aber auch einige Vorhaben außerhalb der Hauptstadt realisiert. Dazu gehört etwa die Modernisierung des Hotels Füred in Balatonfüred am Balaton-See (400 Gäste). Die Investitionskosten werden mit 4,6 Mrd. Ft angegeben, EU-Fonds und die Regierung haben 1,6 Mrd. Ft beigesteuert. Ein neues Hotel im ostungarischen Nyiregyhaza hat für 1,5 Mrd. Ft die Speditionsgruppe Revesz gebaut. Mit Hilfe von EU-Geldern in Höhe von 1 Mrd. Ft (Gesamtkosten: 1,4 Mrd. Ft) wurde von der ungarischen Firma SH Fejlesztö Kft. im Frühjahr 2016 ein 3-Sterne-Hotel (50 Zimmer) in Siofok am Balaton errichtet.

Einige wenige Projekte in ausgewählten Regionen unterstützt die Regierung mit Mitteln aus dem staatlichen "Modern Cities Programme". So sind für die ostungarische Stadt Nyiregyhaza Hilfen für die Errichtung eines Hotels in Sosto sowie eines Sportkomplexes und Fahrradweges in das Tokaj-Weingebiet geplant. Ähnliches ist für den Bau eines 4-Sterne-Hotels in Szekszard vorgesehen.

Ausgaben ausländischer Touristen in Ungarn
Ausgaben der Besucher in Mrd. Ft Durchschnittliche Ausgaben pro Besucher und Tag (1.000 Ft)
2009 1.200,6 12,4
2010 1.189,8 12,4
2013 1.264,0 12,5
2014 1.459,5 13,3
2015 1.607,7 13,4

Quelle: Statistikamt Ungarn (KSH)

Hotelkapazitäten in Ungarn
Anzahl der Hotels davon Spa-Hotels Anzahl der Hotelbetten davon in Spa-Hotels
2001 736 24 104.232 8.568
2008 875 54 115.669 14.645
2010 900 62 123.518 14.953
2012 997 30 138.729 10.357
2013 1.031 31 142.193 10.755
2014 1.042 32 143.032 11.250

Quelle: Statistikamt Ungarn (KSH)

Kontaktanschrift:

Horwath HTL

Ansprechpartner: Attila Radvanszki (Senior Counsultant)

Szepvölgyi Business Park

Montevideo utca 16/B, 1037 Budapest, Ungarn

Tel.: 0036/1/2 25 70 86

E-Mail: aradvanszki@horwathhtl.com, Internet: http://www.horwathhtl.hu

(W.L.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Ungarn Gewerbebau, Tourismus / Hotels / Gastgewerbe, allg.

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