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21.06.2018

Bulgariens Markt für Nahrungsmittelmaschinen wächst

Starke deutsche Präsenz / Von Michael Marks (Juni 2018)

Sofia (GTAI) - Der bulgarische Markt für Nahrungsmittelmaschinen ist relativ klein. Ausrüstungen werden sowohl im Inland produziert als auch importiert. Deutsche und italienische Anbieter führen. Einige deutsche Hersteller fertigen vor Ort. Die Europäische Union (EU) und der bulgarische Staat fördern die Beschaffung von Produktionsanlagen.

Trotz aller bestehenden Strukturprobleme wird sich Bulgariens Landwirtschaft voraussichtlich weiter positiv entwickeln. Dies strahlt auf die Nahrungsmittelindustrie und die Nachfrage nach Nahrungsmittelmaschinen aus. Die meisten importierten Marken werden von bulgarischen Händlern angeboten, wobei Deutschland und Italien um den ersten Platz konkurrieren.

Brancheninformationen fließen nur spärlich. Es existiert kein Verband der Hersteller oder Händler von Nahrungsmittelmaschinen, so dass ein Marktüberblick erschwert ist. Schlussfolgerungen über die Situation im Sektor beruhen auf qualitativen Einschätzungen der Nahrungsmittelverarbeiter und der Maschinenbaubranche.

Die führenden bulgarischen Unternehmen im Bereich sind Hraninvest-HMC (Stara Zagora), Biomachin (Plovdiv), Index 6 (Plovdiv), Tomika-Metal (Plovdiv), Donido (Haskovo), Beta-Fest (Sofia), Bonner (Karlovo).

Biomachin ist zum Beispiel einer der größten europäischen Wärmetauscher- und Gefäßeproduzenten für die Chemie-, Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie. Das Unternehmen erzielte 2017 einen Umsatz von rund 11 Millionen Euro, die Produktion ging fast ausschließlich in den Export. Bis 2022 soll sie sich auf 25 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Der Hersteller liefert Ausrüstungen an Branchengrößen wie Tetra Pak, Nestle, PepsiCo, Coca-Cola und Danon?. Biomachin hat Anfang 2018 ein Investitionsprogramm über sechs Jahre im Wert von 10 Millionen Euro angekündigt.

Ein weiteres Beispiel ist Dilkom in Varna. Das Unternehmen produziert Etiketten und ist der offizielle Vertreter von Citizen Systems in Bulgarien. Mava Industrial in Sofia und Sigma Bulgaria vertreten Kaeser Kompressoren.

Deutsche Präsenz bei Maschinen für Fleischverarbeitung sehr stark

Die große Nahrungsmittelholding Bella Bulgaria hat Ende 2017 die größte fleischverarbeitende Anlage auf dem Balkan eröffnet. Es ist die vierte dieser Art des Unternehmens. Die Investition betrug 6 Millionen Euro. Die Maschinen und Ausrüstungen stammen von führenden Marken in der Branche, so CFS, Novicki, Handmann und Seydelmann.

Die fleisch- und milchverarbeitenden Unternehmen unterstreichen besonders bei Verpackungsmaschinen die Rolle von Multivac. Kiril Vatev, Gründer der fleischverarbeitenden Firma Tandem-B, betont, dass besonders in diesem Segment die deutsche Präsenz sehr stark ist. Eher selten könne man auf ein paar Namen spanischer Unternehmen stoßen wie etwa Ulma.

Konstantin Lambrev ist Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Obst- und Gemüseverarbeiter und erklärt, dass in diesem Segment die italienischen Maschinen die stärkste Präsenz in Bulgarien haben, unter anderem aufgrund der längeren Tradition der italienischen Gastronomie. Lambrev gibt ein Beispiel mit dem Unternehmen Datra. Die bulgarischen Firmen, die im Bereich der Obst- und Gemüseverarbeitung Maschinen produzieren, seien eher bei den Sterilisatoren und bei gasdicht verschließbaren Druckbehältern stark.

Der Sektor ist im Vergleich zu Bulgarien in Westeuropa, so auch Italien, weiter fortgeschritten. In Deutschland gibt es zum Beispiel eine größere Rohstoffbasis, weshalb die dort hergestellten Maschinen für eine größere und schnellere Produktion geeignet sind. Die Kapazität einer deutschen Maschine pro Stunde entspreche zum Beispiel in Bulgarien einer Menge, die normalerweise pro Schicht bearbeitet wird. "Deswegen haben sich nicht so viele Hightech-Maschinen durchgesetzt", so Lambrev. "Was die Tiefkühlung angeht, muss man mit Hightech arbeiten. Bei den Siegelmaschinen dagegen braucht man keine Hightech-Ausstattung", erklärt er.

Italienische Maschinen oft passender und mit niedrigerem Preis

Zudem ist die Obst- und Gemüsekonservenindustrie nach der Wende erheblich geschrumpft - mit Folgen für die Nachfrage nach Maschinen. Mit Blick auf das Klima und den Boden in Bulgarien ist es verständlich, dass Maschinen vor allem aus Italien importiert werden. Die Klimabedingungen sind ähnlich wie auch die Küche in den beiden Ländern. "In Bulgarien werden am häufigsten Tomaten, Paprika und Auberginen angebaut und die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass man eine Maschine, die die Paprikasamen entfernt, aus Italien importiert und nicht aus Deutschland", sagt Lambrev.

Die italienischen Maschinen sind in der Regel billiger. Auch die Firmengrößen sind ein wichtiger Faktor. Die italienischen Klein- und Mittelunternehmen entsprechen oft bulgarischen Großunternehmen und haben daher auch passendere Maschinen.

Unter den ausländischen Produzenten von Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie, die sich in Bulgarien angesiedelt haben, werden von der Verarbeitungsbranche die deutschen Unternehmen Multivac und Intrama erwähnt. Die Verpackungsfirma Intrama wurde als Familienunternehmen von Bulgaren vor mehr als 20 Jahren in Deutschland gegründet. Kurz danach entstand die Tochtergesellschaft in Bulgarien mit Hauptaktivitäten nahe Plovdiv. Multivac hat im Juni 2018 eine neue Produktionsstätte in der Industriezone Bozhurishte in der Nähe der Hauptstadt Sofia eingeweiht.

Die Sofioter Firma Brüder Tschitschicklewi plant die Herstellung einer Smart-Tiefkühlvitrine, die eine Innovation auf dem europäischen Markt sein soll. Die Investition beläuft sich auf rund 320.000 Euro, von denen etwa 250.000 Euro vom Operationellen Programm (OP) "Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit" bereitgestellt werden. Die Vitrine wird mehrere Funktionen haben. So soll ein System das Gewicht in Echtzeit messen und das Erreichen eines Minimums signalisieren.

Es gibt Förderprogramme im Bereich der Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen. Zu nennen ist die Untermaßnahme 4.2 "Investitionen in Verarbeitung und Marketing von Landwirtschaftsprodukten" innerhalb des EU-Programms für die Entwicklung des ländlichen Raums. Finanziert werden unter anderem neue Maschinen und Ausrüstungen zur Verbesserung der Verarbeitungsprozesse, darunter für Verarbeitung, Verpackung, (Tief-) Kühlung, Trocknung und Lagerung. Das Gesamtbudget der Maßnahme 4 betrug 776 Mio Euro für die EU-Förderperiode 2014 bis 2020. Die Mittel sind fast erschöpft.

Das OP Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit bietet auch eine Möglichkeit für den Sektor mit dem Verfahren "Verbesserung der Produktionskapazität". Es ist an Hersteller jeglicher Technik gerichtet, darunter auch Landwirtschafts- und Verarbeitungstechnik. Das Budget beträgt für die EU-Förderperiode 2014 bis 2020 rund 222 Millionen Euro. Für September 2018 wird die Öffnung für Bewerbungen mit einem Budget von 77 Millionen Euro erwartet.

Importe von Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie Bulgarien (in Mio. Euro)
Nahrungsmittelmaschinen 2008 2014 2017
Gesamt SITC 74527+727 81,5 70,2 87,8
.Deutschland 24,5 19,8 22,1
.Italien 20,9 15,6 17,7
.Türkei 4,7 6,0 9,7

Quelle: Eurostat

Geschäftspraxis

Deutsche Unternehmen sind gut auf dem bulgarischen Markt vertreten, besonders im Bereich der Fleisch- und Milchverarbeitung. Laut Kiril Vatev haben deutsche Firmen bereits eine sehr starke Präsenz, die durch die deutschen Supermarktketten, die schon länger in Bulgarien tätig sind, verstärkt wird.

Die verbandsmäßige Zersplitterung ist typisch für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie. So gibt es beispielhaft zwei konkurrierende Molkereiverbände, den Verband der Milchverarbeiter Bulgariens (http://www.milkbg.org) und den Nationalen Verband der Milchverarbeiter (http://www.milkprocessors.org). Erster ist stärker und an Diskussionen zu Gesetzgebungsthemen aktiv beteiligt.

Weitere Artikel zur Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie in Bulgarien, Rumänien, Russland, der Türkei und der Ukraine finden Sie unter: http://www.gtai.de/ernaehrung-gus-soe

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Bulgarien Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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