Suche

21.06.2018

Bulgariens Nahrungsmittelverarbeitung nimmt Fahrt auf

Starker Preiswettbewerb und Premium-Nischen / Von Michael Marks (Juni 2018)

Sofia (GTAI) - Bulgariens Nahrungsmittelindustrie hat Rückenwind. Fördermittel der Europäischen Union sind stark gefragt und fast vergriffen. Der Markt ist noch nicht gesättigt, aber sehr fragmentiert. Premium-Nahrungsmittel profitieren von steigenden Einkommen und dem Tourismus. Das Massengeschäft bleibt zunächst eher preissensibel. Großunternehmen erweitern ihre Aktivitäten. Biolebensmittel legen bei Produktion und Verbrauch zu. Der Konsument wird anspruchsvoller.

Das Symbol der bulgarischen Nahrungsmittelindustrie hat eine weiße Farbe und wird normalerweise in kleinen zylindrischen Plastikbechern verkauft. Es ist das bulgarische Joghurt. Das Besondere daran ist der Lactobacillus bulgaricus, der die rechtsdrehende Milchsäure produziert und den leicht säuerlichen Geschmack erzeugt.

Die Bedeutung der Branche ist groß: Bulgariens Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie einschließlich Tabakwaren erwirtschaftet etwa 5 Milliarden Euro oder 3,5 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Sie beschäftigt etwa 111.000 Personen. Das sind rund 3,2 Prozent der Gesamtbeschäftigung. Ihr Anteil an der gesamten Industrieproduktion strebt gegen 20 Prozent. Die Nahrungsmittelproduzenten sind dynamisch und exportstark. Die interne und externe Konkurrenz ist hoch. Noch ist der Markt nicht gesättigt und stark fragmentiert. Dies eröffnet einheimischen wie ausländischen Unternehmen Wachstumschancen.

Angesichts Arbeitskräftemangel und steigender Lohnkosten suchen die Unternehmen nach neuen Technologien und Organisationslösungen. Immer mehr Agrarproduzenten beschäftigen sich mit der Verarbeitung. Steigende Einkommen und Tourismus tragen zur Entwicklung einer Nische für Premium-Nahrungsmittel bei. Generell bleibt der Markt jedoch von starker Preiskonkurrenz geprägt. Die Produktion von Keksen, anderen Backwaren sowie Obst und Gemüse wächst stabil bei positiver Außenhandelsbilanz. Negativ ist sie bei Milcherzeugnissen, Fleisch und verarbeiteten Kartoffelprodukten.

Fakten Bulgarien
2017
Einwohner (Millionen) Ist 2017: 7,1; Prognose 2025: 6,7
Anteil der Ausgaben für Nahrungsmittel am verfügbaren Geldeinkommen (in %) 30,4
Anteil der Nahrungsmittelverarbeitung am Produktionswert der verarbeitenden Industrie (in %) 22,4
Export von Nahrungsmitteln in Mrd. Euro 2,88
Anteil der Nahrungsmittelexporte an den Gesamtexporten (in %) 10,8

Quellen: Nationales Statistikamt (NSI); Eurostat

Entwicklungen in den wichtigsten Bereichen der Nahrungsmittelverarbeitung

Die Nahrungsmittelindustrie gewinnt an Bedeutung, unterstützt durch das Zusammenspiel mit Sektoren wie Landwirtschaft, Tourismus sowie auch Transport und Logistik. Nach dem Beitritt zur Europäischen Union (EU) 2007 hat sich das Umfeld erheblich verändert. Striktere Reglementierungen und stärkere Konkurrenz stehen neue Investitions- und Handelsmöglichkeiten gegenüber. Die Produktion von Obst und Gemüse wächst stetig. Drei Viertel der konservierten Produkte sind Gemüse mit steigendem Anteil. Fruchtkonserven bestreiten den Rest mit abnehmender Tendenz.

In der Milchwirtschaft bleibt Joghurt Symbol und Hauptprodukt. Gleich dahinter folgt der weiße Käse, den die Bulgaren täglich essen. Milch zum Trinken ist nicht so beliebt. Fettarme Milch hat Potenzial. Im Jahr 2016 gab es in Bulgarien 213 Unternehmen für Milch und Milchprodukte, die rund 544 Millionen Liter Milch verarbeiteten. Kuhmilch liegt bei nahe 94 Prozent. Die Top 25 Unternehmen haben einen Marktanteil von 68 Prozent. Die Top 5 sind United Milk Company, Tirbul, Dimitar Madjarov-2, Schreiber Foods Bulgaria und Meggle Bulgaria.

Die fleischverarbeitende Industrie zeigt sich stabil bei wachsenden Ausfuhren. Die Nahrungsmittelholding Bella Bulgaria hat Ende 2017 ihre vierte und zugleich die größte fleischverarbeitende Anlage auf dem Balkan eröffnet. Die Investition belief sich auf 6 Millionen Euro, die Anlage hat eine Fläche von 15.000 Quadratmetern.

Die Bulgaren trinken gerne Kaffee. Der Einzelhandel mit dem Heißgetränk wuchs laut italienischem Kaffeeröster Lavazza 2017 um 7 Prozent auf 105 Millionen Euro. Der durchschnittliche Bulgare verbraucht 3,3 Kilo Kaffee pro Jahr. Der Teemarkt ist von einheimischen Produzenten dominiert, beliebteste Sorten sind Früchte- und Kräutertees.

Die Bioproduktion hat Potenzial. Die Zahl der registrierten Biohersteller, -verarbeiter und -händler lag 2016 bei nahe 7.300. Der Bio-Markt ist zwar viel kleiner als in Westeuropa, folgt aber derselben Entwicklung. Wichtige Faktoren sind höhere Einkommen, Urbanisierung und das Interesse an gesundem Essen. Innovative und spezifische Technologien sind gefragt.

Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist sehr preissensibel. Bulgarien hat die niedrigsten Einkommen und auch Ausgaben für Nahrungsmittel in der EU. Der Preiswettbewerb ist intensiv. Ein Großteil der Massenproduktion basiert auf veralteten Technologien und zum Teil billigeren Ersatzzutaten. Zugleich entwickelt sich ein preislich und qualitativ anspruchsvollerer Markt, der von steigenden Einkommen profitiert.

Zu den Tendenzen gehört, dass die Großen größer werden. Bestehende Großunternehmen erweitern ihre Tätigkeitsfelder auf diverse Subsektoren und führen weitere Marken ein. Ein Beispiel ist die Holding Bella Bulgaria, die Fleisch, Teig- und Backwaren produziert. Bella Bulgaria verfügt über neun Produktionsstätten mit einer Tageskapazität von 350 Tonnen Nahrungsmitteln. Auch die Verkürzung von Lieferketten, also die Entstehung von Produktionsanlagen in Landwirtschaftsbetrieben, findet statt. Ein Beispiel sind die Dobrev-Milchprodukte, die innerhalb der eigenen Kette des Unternehmens verkauft werden.

Projekte in der Nahrungsmittelverarbeitung
Projekt Projektverantwortlicher Projektstand Anmerkung
Archer Daniels Midland Company (ADM) will 121 Mio. Euro in den Ausbau der Getreideverarbeitung in Razgrad Amilum Bulgaria investieren Teodor Georgiev, Vice President of Manufacturing Europe von ADM Realisierung: Spatenstich im April 2018 Amilum Bulgaria ist größter Einzelverbraucher von Mais in Bulgarien
Der türkische Bioethanol-Produzent Tarkim plant für 35 Mio. Euro eine Verarbeitung von Mais Ahmet Tüzün, General Manager von Tarkim Tarkim-Aktionäre sollen entscheiden Voraussichtlich Viehfutter und modifizierte Stärke
SMM Komers plant einen Schlachthof mit Fleischverarbeitung in Gorna Orjachowitza mit Kapazität von 320 Schweinen und 40 großen Wiederkäuern pro Tag Mario Goranov, Handelsdirektor von SSM Komers Baustart gegen Jahresende Die Firma hat sich um EU- Finanzierung beworben

Quellen: GTAI-Recherchen, Medienberichte

Staatliche Förderungen

Eine Hauptmöglichkeit zur EU-Projektfinanzierung in der Landwirtschaft ist das Programm für die Entwicklung des ländlichen Raumes, speziell die Untermaßnahme 4.2 für die Nahrungsmittelindustrie. Sie heißt "Investitionen in Verarbeitung und Marketing von Landwirtschaftsprodukten", gerichtet an große, KMU und Mikrounternehmen aus der Verarbeitungsindustrie und an Landwirtschaftsproduzenten, die nach bulgarischem Recht registriert sind. Das gesamte Budget der Maßnahme 4 betrug 776 Millionen Euro für die Förderperiode 2014 bis 2020. Die Mittel sind fast erschöpft.

Das Operationelle Programm "Innovation und Wettbewerbsfähigkeit" ist eine Möglichkeit für den Sektor mit dem Verfahren "Verbesserung der Produktionskapazität". Es ist an Hersteller jeglicher Technik gerichtet. Es dürfen sich nur bulgarische juristische Personen bewerben, die KMU sind. Das Budget für die Förderperiode 2014 bis 2020 beträgt 222 Millionen Euro. Im September 2018 wird die Öffnung der Bewerbung mit einem Budget im Wert von 77 Millionen Euro erwartet.

Wichtige Messen/Veranstaltungen im Jahr 2018

Messe Beschreibung Datum Internet
Salon du Vin Wein und Spirituosen 07.11. bis 10.11.2018 in Sofia http://iec.bg/index.php/en/events
The World of Milk Milchwirtschaft ebenso ebenso
Bulpek Bäckerei und Konditorei ebenso ebenso
Interfood & Drink Nahrungsmittelindustrie ebenso ebenso
Meatmania Fleischwirtschaft ebenso ebenso

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht Zoll und Ausschreibungen in Bulgarien sind unter http://www.gtai.de/bulgarien abrufbar.

Weitere Artikel zur Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie in Bulgarien, Rumänien, Russland, der Türkei und der Ukraine finden Sie unter: http://www.gtai.de/ernaehrung-gus-soe

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Messen und Ausstellungen

Funktionen

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 228 24 993 321

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche