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30.03.2017

Bulgariens Pharmamarkt wächst moderat

Nationale Krankenkasse setzt verstärkt auf Generika / Markt bietet Spielraum für klinische Tests / Von Michael Marks

Sofia (GTAI) - Der bulgarische Pharmamarkt legte 2016 voraussichtlich um 6% zu. Experten sehen weiteres Wachstumspotenzial. Um Kosten zu senken, werden Generika in der Verschreibung favorisiert. Es herrscht starke Konkurrenz und der Kampf um den Kunden verschärft sich weiter. Die Apotheken vollziehen einen Konsolidierungsprozess zugunsten von Ketten. Der Großhandel konzentriert sich auf wenige Anbieter. Von Bedeutung sind Parallelexporte. Der Markt für klinische Tests ist ausbaufähig. (Internetadressen)

Bulgariens Pharmamarkt gehört zu den kleinen in der EU. Das Wachstum schwächt sich tendenziell ab. Nach 8,2 (7,6)% in den Jahren 2014 (2015) wird der Zuwachs für 2016 auf 6% veranschlagt. In den ersten drei Quartalen 2016 wuchs der bulgarische Pharmamarkt um 5,6% und erreichte nach Angaben von QuintilesIMS etwa 2,4 Mrd. Lewa (1,2 Mrd. Euro). Der Anbieter von IKT-Diensten im Gesundheitswesen schätzt, dass die Verkäufe von Nahrungsergänzungsmitteln um 12% gestiegen sind. Experten erwarten für den Pharmamarkt bis 2020 einen jährlichen Zuwachs von 3% bis 6%.

Auf Einsparungen zielt das angewendete Referenzpreissystem. Zudem sollen Originalpräparate verstärkt durch Generika ersetzt werden. Die nationale Krankenkasse ist durchweg im Defizit. Seit 2015 gibt es deshalb eine Verpflichtung der Hersteller zur Rabattgewährung. Der Wert dürfte 2016 bei etwa 100 Mio. Lewa gelegen haben. Pflichtrabatte an die Nationale Krankenkasse liegen bei durchschnittlich 5%. Zudem gibt es eine obligatorische Rückzahlung für die Produzenten von Originalpräparaten (mindestens 10%). Auch soll der Preis für das erste Generikum bei höchstens 80% des referierten Originalprodukts liegen.

Lebensstilveränderungen und demografischer Wandel bestimmen das Profil der Krankheiten und die Nachfrage nach Arzneimitteln. Die Medikation gegen Bluthochdruck erfolgt seit Jahresbeginn ohne Zuzahlung der Versicherten. Neue Präparate kommen mit Verspätung auf den Markt. Jährlich gelangen etwa 45 neue Arzneimittel in Umlauf. Offenbar landen nicht alle Chargen bei bulgarischen Apothekern. Ein Teil fließt wegen höherer Erträge ins Ausland: Parallelexporte von Medikamenten betragen 10% bis 12% oder rund 300 Mio. Lewa im Jahr. Gleichzeitig gibt es eine chronische Unterversorgung mit Arzneimitteln, etwa für Krebsbehandlung.

Die Schaffung von mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen kommt bisher nicht recht voran. So wurde etwa Einführung einer kostensenkenden elektronischen Plattform für die Beschaffung von Arzneimitteln durch die Krankenhäuser im Wege der Auktionierung gestartet, dann jedoch gestoppt. Erst die aus den Wahlen im März hervorgehende Regierung dürfte sich des Themas, das Teil des Gesamtkonzepts E-Health ist, wieder annehmen. Hingegen soll 2017 die Testphase zur Einführung von elektronischen Rezepten in den Apothekenvertrieb unter Einsatz entsprechender Barcode Scanner starten.

Originalpräparate verzeichneten in den ersten drei Quartalen 2016 einen Zuwachs um 90 Mio. Lewa oder 6,1%. Hierzu trugen besonders die Verkäufe von vier Gruppen von Ebene 1 des Anatomisch-Therapeutisch-Chemischen Klassifikationssystems ATC1 bei: A -Alimentäres System und Stoffwechsel; B - Blut und blutbildende Organe; J - Antiinfektiva für systemische Gabe und L - Antineoplastische und immunmodulierende Substanzen. Ursache sind gestiegene Verkäufe von Dipeptidylpeptidase 4 (DPP-IV), des Peptidhormons Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1), neue Thrombosemedikamente, Medikamente gegen den Hepatitis C Virus sowie von Tumornekrosefaktor-hemmenden Wirkstoffen (TNF-Blocker). Generika verbuchten im Zeitraum Januar bis September einen Anstieg um 3,4%.

Der Vertrieb über die Apotheken stieg im Beobachtungszeitraum um 102 Mio. Lewa mit Anstieg um 64 Mio. Lewa für rezeptpflichtige Präparate. Die rezeptpflichtigen Arzneimittel haben verschiedene Preise in den unterschiedlichen Apotheken. Die Gewinnspanne für die Apotheken reicht dabei von 6% bis 13%. Bei rezeptfreien, sogenannten OTC-Arzneimitteln (OTC-3 Klassen) ist die Gewinnspanne höher.

Dynamik bei den Apotheken

Im Jahr 2016 war die Dynamik bei den individuellen Apotheken und den großen Apothekenketten (über 50 Verkaufspunkte) hoch. Die Anzahl der individuellen Apotheken sinkt, während ihre Umsätze steigen. Die Zahl der Apotheken in Ketten erhöht sich schneller als der Zuwachs des durchschnittlichen Umsatzes. Fünf von insgesamt 200 registrierten Großhändlern von Arzneimitteln halten Anteile von über 85% am Pharma-, 90% am Apotheken- und 84% am Krankenhausmarkt in Bulgarien.

Die Apothekendichte ist hoch. Auf eine Apotheke kamen 2015 rund 2.000 Einwohner. Insgesamt gibt es knapp 3.800 Apotheken im Land. Der durchschnittliche Umsatz der Apotheken lag 2015 bei 0,39 Mio. Euro. In Rumänien war er mit 0,40 Mio. Euro nur unwesentlich größer. In Bulgarien ist der Online-Verkauf von rezeptpflichtigen Arzneimitteln verboten. Erlaubt ist nur der Vertrieb von OTC Arzneimitteln durch virtuelle Apotheken.

Pharmamarkt Januar bis September 2016 nach Vertriebskanälen/Segmenten (Wert in Mio. Lewa; Änderung zum Vorjahr und Marktanteil in %)
Kanal/Segment Wert 1) Veränderung Marktanteil
Gesamtmarkt 2.399 5,63 100%
. Apotheken 2.036 5,29 85%
..Rezeptpflichtig 1.796 5,25 75%
..OTC R 2) 317 2,62 13%
..OTC NR 3) 286 11,73 12%
.Krankenhäuser 362 7,59 15%

1) zu Apotheken-Anschaffungspreisen; Lewa-Fixkurs (1Lew = 1,96 Euro); 2) Arzneimittel ohne Rezept; 3) Andere Produkte ohne Rezept, zum Beispiel Kosmetika

Quelle: QuintilesIMS

Verifikationssystem für Arzneimittel

Nach Information der Weltgesundheitsorganisation sind 100 Mio. Verpackungen von Arzneimitteln in den Industrieländern wie auch 50% der verkauften Arzneimittel im Internet gefälscht. Nach der EU-Fälschungsrichtlinie ist bis 9.2.19 ein System zum Schutz vor Arzneimittelfälschungen zu errichten. Am 14.3.16 wurde in Bulgarien eine Bulgarische Organisation für die Verifizierung der Arzneimittel gegründet.

Bulgarien gehört zu den etwa zehn EU-Mitgliedern, die sich um den neuen Sitz der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA European Medicines Agency) bemühen. Der bisherige Sitz befindet sich in London und wird mit dem anstehenden Brexit obsolet. Die staatlichen Aufwendungen für Gesundheit belaufen sich laut EU-Angaben für 2013 in Bulgarien auf etwa 4,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Gesundheitsausgaben insgesamt auf 7,6% des BIP. Mit fast 40% der Ausgaben ist der private Anteil vergleichsweise hoch.

Rangfolge der umsatzstärksten Pharmaunternehmen 2016 in Bulgarien
Rang Unternehmen
1 Novartis
2 Teva(Actavis)
3 Roche
4 GlaxoSmithKline
5 Sanofi
6 Sopharma
7 Servier
8 Pfizer
9 AstraZeneca
10 Bayer

Quelle: QuintilesIMS

Bulgarien ist auch für klinische Tests interessant, bleibt aber im EU-Vergleich noch deutlich zurück. Die klinische Forschung liegt bei einem Volumen von 150 Mio. Lewa. Bis 2018 sollen ausländische Pharmaunternehmen 190 Mio. Lewa in den Bereich investieren. Rund 60% entfallen auf vier Segmente, so Psychiatrie und Neurologie (Anteil 20%), Onkologie (16%), Endokrinologie (11%) und Lungenheilkunde (11%). Im Jahr 2015 wurden etwa 240 klinische Tests eingereicht, 2016 liefen etwa 130. Zur nationalen Gesundheitsstrategie gehört der Aufbau einer Online-Datenbank für das Testen neuer Arzneimittel und der Testpersonen.

Kontaktanschriften

Gesundheitsministerium

Internet: http://www.mh.government.bg

Bulgarian Drug Agency

Internet: http://www.bda.bg/index.php?lang=en

Nationale Krankenkasse

Internet: http://www.nhif.bg/web/guest/home

Bulgarischer Verband der internationalen Medikamentenproduzenten / Association of the Research-Based Pharmaceutical Manufacturers in Bulgaria (ARPHARM)

Internet: http://www.arpharm.org/en

Bulgarischer Verband der Generika-Produzenten

Internet: http://www.bgpharma.bg

Marktforschungsunternehmen Cegedim

Internet: http://www.cegedim.com

Marktforschungsunternehmen QuintilesIMS

Internet: http://www.quintilesims.com

Nationale Apothekerkammer in Bulgarien

Internet: http://www.nphc-bg.eu

(M.M.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Bulgarien Handel, allgemein, Gesundheitswesen allgemein, Arzneimittel, Diagnostika

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Christian Overhoff

‎+49 228 24 993 321

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