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16.03.2018

Burundi setzt auf Bergbau

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Erste Goldmine nimmt Betrieb auf / Westliche Geber drehen Geldhahn zu, VR China dreht ihn auf / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Die Republik Burundi findet in der VR China einen neuen Finanzgeber, der nach und nach westliche Geber ersetzen soll. Das Land hat gefragte Rohstoffe zu bieten, die Landwirtschaft erholt sich langsam. Für deutsche Außenhändler hingegen ist Burundi kaum interessant - und für Reisen auch zu gefährlich.

Nach drei Jahren Rezession hat die burundische Wirtschaft 2018 gute Chancen, wieder ein bescheidenes Wachstum zu erreichen. Der Grund hierfür liegt in einer sich langsam normalisierenden landwirtschaftlichen Produktion, die unter dem Putschversuch im Jahr 2015 schwer gelitten hat. Mithilfe eines Kredits in Höhe von 24,9 Millionen US-Dollar (US$) vom International Fund for Agricultural Development sollen landwirtschaftliche Betriebe finanziert werden. Die Kombination finanzieller Ertüchtigung und besserer internationaler Kaffeepreise sollte vor allem die bescheidene landwirtschaftliche Exportproduktion des Landes wieder in Schwung bringen.

Burundische Rohstoffe gefragt

Davon einmal abgesehen leidet das Land weiterhin unter einem Mangel an Devisen und damit an allem, was importiert werden muss. Sollte es gelingen, dem Bergbau genügend Treibstoff für Fahrzeuge und Generatoren zur Verfügung zu stellen, sollte dieser - nicht zuletzt auch wegen der steigenden politischen Stabilität - wieder auf die Beine kommen und Devisen erwirtschaften. Auf der Produktionsliste stehen international gefragte Rohstoffe wie Nickel, Lanthan, Cerium, Neodym, Gold und Seltene Erden.

Die erste kommerzielle Goldmine des Landes hat Anfang November 2017 ihren Betrieb aufgenommen und das britische Unternehmen Rainbow Rare Earths investiert in eine neue Verarbeitungsanlage. Eine verbesserte Stromversorgung sollte das industrielle Wachstum begünstigen. Ein im August 2017 ans Netz gegangenes neues 30-Megawatt-Wärmekraftwerk leistet dabei einen wertvollen Beitrag, reicht aber bei Weitem nicht aus. Damit bleibt Burundi für ausländische Investitionen weiterhin wenig attraktiv. Wann die bestehenden Devisenrestriktionen zu Ende gehen, lässt sich noch nicht vorhersehen.

Wirtschaftliche Entwicklung 2016 bis 2018 (Veränderungen in %)
2016 2017 1) 2018 2)
BIP, real -0,6 -1,5 1,1
Wareneinfuhr (fob, in Mio. US$) 527,2 1) 564,4 630,5
Warenausfuhr (fob, in Mio. US$) 109,4 1) 111,5 125,1
Verbraucherinflation, real 5,5 15,5 20,0

1) Schätzung; 2) Prognose

Quelle: Economist Intelligence Unit (EIU)

Wirtschaftliche Eckdaten
Indikator 2016 2017 *) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 3,0 3,4 3.686,7
BIP pro Kopf (US$) 286 318 44.595
Bevölkerung (Mio.) 10,5 10,7 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt: 1 US$ = x Burundi Franc) 1.655 1.729 -

*) Schätzung

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Referendum soll weitere Amtszeit ermöglichen

Auf der politischen Bühne kann das Regime von Präsident Pierre Nkurunziza seine Macht weiter festigen. Denn im Mai 2018 soll ein Referendum den Weg für eine vierte und fünfte Amtszeit von Nkurunziza freimachen. Angesichts dieser Entwicklung kann es nicht verwundern, dass die Beziehungen zur westlichen Gebergemeinschaft denkbar schlecht sind. Aktuell gibt es westliche Sanktionen, die bis 31. Oktober 2018 gelten und aller Voraussicht nach verlängert werden dürften.

Beobachter gehen davon aus, dass sich die Beziehungen zur EU und den USA eher weiter verschlechtern, denn stabilisieren dürften. Russland und die VR China fahren derweil einen deutlich weicheren Kurs. So hat die VR China offen die finanzielle Unterstützung des Regimes versprochen, weshalb dieses nun erst Recht keinen Grund sieht, auf die Forderungen westlicher Geber einzugehen. Seit Jahrzehnten leidet Burundi unter Armut, Gewalt und einer politischen Elite, die nur dem Eigenwohl verpflichtet ist.

Schlechte Plätze in internationalen Rankings

In den einschlägigen internationalen Rankings macht Burundi eine schlechte Figur: Im "Ease of Doing Business Ranking" der Weltbank von 2018 liegt das Land auf einem 164. Platz (von insgesamt 190). Im "Economic Freedom Index" der Heritage Organisation reicht es nur für Platz 157 in der Gruppe "mostly unfree" (bewertet wurden 180 Länder). Im "Fragile State Index" des Fund for Peace gehört Burundi mit Platz 17 zu den instabilsten Staaten der Welt. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International liegt Burundi auf Rang 157 (von 180) und im "Ranking of Happiness" der UN reicht es nur für den vorletzten, 154. Platz.

Hohes Handelsdefizit

Burundi importiert in der Regel fünf Mal so viel wie es exportiert - ein Handelsungleichgewicht, das selbst im afrikanischen Kontext sehr hoch ist. Wegen der angespannten politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Lage war der Außenhandel 2015 und 2016 stark rückläufig, erholt sich nun aber wieder. Für 2018 werden Importe in Höhe von 631 Millionen US$ erwartet, dem Exporte für 125 Millionen US$ gegenüberstehen. Steigende Einfuhren gehen vornehmlich auf das Konto von Dieselimporten für das neue Wärmekraftwerk, während in der Bevölkerung kaum Kaufkraft für ausländische Waren vorhanden ist. Wichtigster regionaler Handelspartner ist Tansania, auf das das Binnenland Burundi wegen des Zugangs zu Häfen angewiesen ist. Die Beziehungen zum Nachbarn Ruanda, der das Gros burundischer Flüchtlinge aufgenommen hat, bleibt angespannt.

Die zehn führenden Lieferländer Burundis (in Mio. US$)
Länder 2014 2015 2016
Gesamt 672,6 560,6 625,3
..VR China 72,5 70,5 103,6
..Indien 75,2 67,1 88,4
..Tansania 56,3 44,0 51,6
..Kenia 37,4 36,2 47,8
..Uganda 23,9 27,5 45,2
..VAE 28,3 27,7 42,0
..Belgien 41,8 34,5 28,3
..Frankreich 36,4 20,1 27,8
..Japan 33,0 15,3 19,9
..Saudi-Arabien 73,5 35,5 18,3

Quelle: Comtrade

Außenhandel mit Deutschland marginal

Nach vorläufigen Erhebungen des Statistischen Bundesamts lieferte Deutschland 2017 für 10,4 Millionen Euro Waren nach Burundi im Vergleich zu 12,3 Millionen Euro im Vorjahr. Geliefert wurden vornehmlich Straßenfahrzeuge (SITC-78: 2,1 Millionen Euro), sonstige chemische Enderzeugnisse und Waren (SITC-59: 1,2 Millionen Euro), Getreide und Getreideerzeugnisse (SITC-04: 1,3 Millionen Euro), Rohstoffe tierischen und pflanzlichen Ursprungs (vornehmlich Hopfen; SITC-29: 0,9 Millionen Euro) sowie Maschinen, Apparate und Geräte für verschiedene Zwecke (SITC-74: 0,7 Millionen Euro). Die deutschen Importe erreichten 2017 lediglich 7 Millionen Euro, davon entfielen 6,9 Millionen Euro auf Kaffee. Im Jahr zuvor importierte Deutschland noch für 12 Millionen Euro.

Deutsche Unternehmen, die mit Burundi Geschäftsbeziehungen unterhalten, betreuen das Land oft vom nahen Kenia, dem logistisch gut vernetzten Dubai oder - wegen der Sprache - von Belgien oder Frankreich aus. Für besondere Verkaufsanstrengungen vor Ort ist das Land derweil nicht wichtig genug und für Reisen auch zu gefährlich.

Dieser Artikel ist relevant für:

Burundi Außenwirtschaft, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein

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