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01.06.2016

Chancen für Bioenergieprojekte in Mexiko

Elektrizitätsgewinnung aus Bioenergie bietet interessante Perspektiven / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Aus biologischen Quellen gewonnener Strom ist in Mexiko noch selten, doch im Zuge der Energiereform und des geplanten Ausbaus erneuerbarer Energien bieten sich neue Perspektiven. Vor allem die Nutzung landwirtschaftlicher und städtischer Abfälle sowie von Klärschlamm ist aussichtsreich. Um der Branche zum Durchbruch zu verhelfen, sind jedoch ein klarer Rechtsrahmen und ausgereiftere Finanzierungsmöglichkeiten nötig. Auch fehlt oft das Vertrauen in die Umsetzbarkeit. (Internetadressen)

Die Stromgewinnung aus Biomasse fristet in Mexiko noch ein Nischendasein. Im 1. Halbjahr 2015 wurden 0,2% der Elektrizität aus Zuckerrohrbagasse generiert (362,4 GWh), 0,1% stammten aus der Verstromung von Biogas (85,9 GWh). Die installierte Leistung betrug rund 208,4 MW bei Bagasse- und 62,1 MW bei Biogasanlagen. Laut Prognosen des mexikanischen Energieministeriums soll die Bioenergie im Zuge des allgemeinen Ausbaus erneuerbarer Energien in den kommenden Jahren stark zulegen. Die Regierung hat sich beim Wandel hin zu erneuerbaren Energieträgern ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2024 sollen 35% des Stroms aus nicht-fossilen Quellen stammen, 2050 bereits 50%. Zudem verbessert die Liberalisierung des Strommarkts im Rahmen der Energiereform die Absatzmöglichkeiten von Stromerzeugern.

Prognose über zusätzliche Kapazitäten erneuerbarer Energien 2018 bis 2028 (in MW)
Energieträger 2018 2024 2028 Anteil 2028 (in %)
Wind 7.608 10.260 11.585 58,6
Geothermie 178 258 338 1,7
Bioenergie 92 494 671 3,4
Solar 543 1.941 3.121 15,8
Wasserkraft 1.340 3.369 4.046 20,5
Gesamt 9.761 16.322 19.761 100,0

Quelle: Energieministerium SENER

Für den zukünftigen Ausbau spricht, dass Mexiko durch die expandierende Landwirtschaft sowie durch städtische Abfälle über ein riesiges Potenzial an verwertbaren Stoffen verfügt. Laut einer Studie des mexikanischen Energieministeriums und PriceWaterhouseCoopers von 2012 bieten die fünf Bereiche landwirtschaftliche, städtische und industrielle Abfälle, Forstwirtschaft und Energiepflanzen zusammen eine theoretische Erzeugungskapazität von 3.642 MW. Davon wären 1.515 MW wirtschaftlich nutzbar. Der gesamte landwirtschaftliche Bereich ist mit 2.638 MW die mit Abstand wichtigste potenzielle Quelle.

Bis das volle Potenzial ausgenutzt werden kann, sind jedoch noch zahlreiche Hindernisse zu überwinden. Laut Jorge Bécares García, Geschäftsführer des Bioanlagenvertreibers Trimex in Mexiko, sei es insbesondere schwierig, Großanlagen zu planen, da noch wenig Erfahrung bestünde und der Genehmigungsprozess langwierig sei. "Investoren halten sich bislang zurück, da es an funktionierenden Beispielprojekten fehlt, die Vertrauen in die Technologie schaffen. Auch die Wartung ist schwierig zu organisieren - ein Schwachpunkt, der den Betrieb der existierenden Anlage beeinträchtigt", so Bécares García weiter.

Landwirtschaft, städtische Abfälle und Abwasser bieten Geschäftsmöglichkeiten

Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zufolge existieren im Agrarsektor Mexikos etwa 700 bis 900 Biogasanlagen. Dabei handelt es sich vorwiegend um kleine Einheiten, die bis 2012 vor dem Hintergrund des Handels mit CO2-Zertifikaten errichtet wurden. Der Zubau ist allerdings mit dem Preisverfall der CO2-Zertifikate zum Erliegen gekommen. Heute sollen rund die Hälfte der Anlagen vor allem wegen fehlender Wartung und dem Mangel an Ausgangsmaterial nicht im Betrieb sein. Zukünftig sind im landwirtschaftlichen Bereich vor allem Großprojekte für die Tequila-, Zucker- und Mastindustrie interessant für Anbieter von hochwertigen Anlagen.

Die energetische Nutzung von Haushaltsabfällen ist schon seit längerem ein Thema in Mexiko. Bislang erfolgt diese überwiegend über Deponiegasanlagen. Andere Technologien wie die anaerobe Vergärung, Co-Processing und thermische Verfahren bilden eher die Ausnahmen. Die bislang größte Deponiegasanlage auf der Deponie Salinas Victoria in Monterrey ist mit einer Leistung von 17 MW bereits seit 1990 im Betrieb. Daneben gibt es rund zehn weitere Deponien, auf denen aus Deponiegas Elektrizität gewonnen wird. In einigen Fällen, wie der 2015 fertiggestellten Anlage mit anaerober Vergärung in Atlacomulco, ist der Betrieb durch ungenügende oder ungeeignet aufbereitete Abfälle beeinträchtigt. Das Interesse an der energetischen Nutzung stätischer Abfälle ist jedoch vorhanden und weitere Projekte im Abfallbereich sind geplant.

Projekte zur Elektrizitätserzeugung aus Deponiegasen (Stand: April 2015)
Projektentwickler Kapazität (MW) Stadt Deponiebetreiber
Resa 8,2 Puebla Resa
Energreen Energía 1,0 Zinancatepec Empresa- Mantenimiento y Servicios Ambientales
Pasa 0,8 León Pasa
Energreen Energía 0,6 Isla Mujeres Grupo empresarial Abarmar

Quelle: GIZ

Ein weiterer interessanter Bereich ist die energetische Nutzung von Klärschlämmen. Nicole Glorian, Consultant für die energetische Nutzung städtischer Abfälle bei der GIZ, erklärt: "Bislang existieren landesweit rund sieben Kläranlagen, die für die energetische Nutzung zugelassen sind. Bei weiteren etwa 15 Anlagen sehen wir großes Potenzial." Ein Konsortium angeführt von den Unternehmen Conoisa, Atlatec und Servicios de Agua Trident errichtete 2014 die größte laufende Anlage im Klärwerk Agua Prieta in Guadalajara. Das angeschlossene Gas-/Dampfkraftwerk verfügt dank acht Turbinen von GE Jenbacher über eine Gesamtkapazität von 11,4 MW. Im Klärwerk Atotonilco in Tula hat das Konsortium Aguas Tratadas del Valle de México ebenfalls ein Kombikraftwerk mit einer Kapazität von 32,6 MW errichtet. Der Betrieb wurde aber wegen Unklarheiten, unter anderem bei der Baugenehmigung, noch nicht freigegeben.

Viel Überzeugungsarbeit vor dem Geschäftsabschluss

Trotz der zahlreichen Möglichkeiten betont Abel Clemente Reyes, Präsident des mexikanischen Bioenergieverbandes AMBB, dass Entwickler von Bioenergieprojekten für die Technologie werben müssen: "Es handelt sich in Mexiko trotz der bestehenden Anlagen noch um einen jungen Geschäftszweig. Für Technologieanbieter ist es wichtig, Anpassungen an den Anlagen vorzunehmen, um der Preissensibilität und der geringeren Verfügbarkeit von Ausgangsmaterial Rechnung zu tragen." Daneben rät er den Herstellern, von Anfang an mit spezialisierten heimischen Bauunternehmen zu kooperieren.

Für Jorge Bécares von Trimex ist die Finanzierung ein zentrales Verkaufsargument: "Kunden erwarten, dass ihnen Finanzierungsmöglichkeiten geboten werden. Vor allem US-amerikanische Anbieter sind hierbei stark." Von öffentlicher Seite halten das Umweltministerium SEMARNAT, das Landwirtschaftsministerium SAGARPA sowie die Entwicklungsbanken Banobras (Programm Prodesol) und Nacional Financiera Kreditlinien vor, die für einschlägige Vorhaben infrage kommen. Häufig sind die Programme jedoch nicht eindeutig genug auf Bioenergieprojekte ausgelegt - Beantragung und Genehmigung laufen entsprechend zäh.

Deutsches Engagement

Die GIZ ist in Mexiko in dem Sektor durch das Programm zur energetischen Nutzung städtischer Abfälle aktiv, welches von 2014 bis 2018 läuft. Ziele sind unter anderem die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu verbessern sowie Kompetenzen privater und öffentlicher Akteure bei der Projektplanung und -durchführung zu fördern, Finanzierungsmöglichkeiten effektiver zu gestalten und Pilotprojekte anzubahnen. Die Deutsch-Mexikanische Industrie- und Handelskammer bietet Unternehmen ebenfalls Unterstützung im Bereich der Bioenergie, unter anderem durch eine Infoveranstaltung am 13.9.16 in Berlin und eine mexikanische Unternehmerdelegation auf der Umweltmesse IFAT in München. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) stellt über mexikanische Partner Finanzierungen für Erneuerbare-Energie-Projekte bereit.

Internetadressen

Secretaría de Energía (Mexikanisches Energieministerium, SENER)

Internet: http://www.sener.gob.mx

Secretaría de Medio Ambiente y Recursos Naturales (Mexikanisches Umweltministerium, SEMARNAT)

Internet: HYPERLINK "http://www.semarnat.gob.mx" http://www.semarnat.gob.mx

Secretaría de Agricultura, Ganadería, Desarrollo Rural, Pesca y Alimentación (Mexikanisches Landwirtschaftsministerium, SAGARPA)

Internet: HYPERLINK "http://www.sagarpa.gob.mx" http://www.sagarpa.gob.mx

GIZ-Programm "Energetische Nutzung städtischer Abfälle" im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Internet: http://www.giz.de/de/weltweit/29020.html

Ansprechpartner: Alvaro Zurita (alvaro.zurita@giz.de)

Deutsch-Mexikanische Industrie und Handelskammer (AHK Mexiko)

Internet: http://www.camexa.com.mx

Ansprechpartnerin: Eugenia Kolb (eugenia.kolb@deinternational.com.mx)

Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

Internet: http://www.kfw.de

Ansprechpartner: Emiliano Detta (emiliano.detta@kfw.de)

(FST)

Dieser Artikel ist relevant für:

Mexiko Strom-/ Energieerzeugung, Bioenergie, alternative Energien

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