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24.07.2019

Chemieindustrie in den VAE bleibt auf Expansionskurs

Investitionsschwerpunkt ist das Chemie-Cluster in Ruwais / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - In den Vereinigten Arabischen Emiraten gehören Ausbau und Diversifizierung der petrochemischen Produktion zu den Entwicklungsschwerpunkten. ADNOC ist der wichtigste Investor.

Die Gulf Petrochemicals and Chemicals Association (GPCA) prognostiziert im Zeitraum 2017 bis 2027 für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) einen Anstieg der Kapazitäten der chemischen Industrie um 50 Prozent beziehungsweise 7,3 Millionen auf 20,9 Millionen Tonnen/Jahr. Zwischen 2007 und 2017 wurden die Kapazitäten von 3,5 Millionen auf 13,6 Millionen Tonnen erweitert. Der Anteil der chemischen Industrie (ohne Raffinerien) an der Wertschöpfung der verarbeitenden Industrie lag in VAE 2017 bei 24 Prozent, so die GPCA-Schätzung.

Abu Dhabi Polymers Company arbeitet an nächster Ausbauphase

Die Abu Dhabi Polymers Company (Borouge) in Ruwais (250 Kilometer westlich von Abu Dhabi City) ist der größte VAE Petrochemie-Produzent. Das Unternehmen ist ein Joint Venture aus der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) und der in Wien ansässigen Borealis Group. Borealis ist mehrheitlich (64 Prozent) im Besitz von Abu Dhabis staatlicher Mubadala Investment Company. Die restlich 36 Prozent hält Österreichs OMV, an der Mubadala mit 25 Prozent beteiligt ist.

Borouge hat mit dem 2016 fertiggestellten, über 4 Milliarden US-Dollar (US$) teuren Phase-3-Komplex seine Produktionskapazitäten mehr als verdoppelt. In der Phase 3 wurden unter anderem ein 1,1 Milliarden US$ Ethan-Cracker (Jahreskapazität: 1,5 Millionen Tonnen Ethylen), eine 1,3 Milliarden US$ Polyolefin-Anlage (1,1 Millionen Tonnen Polyethylen/PE; 1,0 Millionen Tonnen Polypropylen/PP) sowie ein 0,4 Milliarden US$ LDPE-Werk (Low Density Polyethylene; 0,4 Millionen Tonnen) errichtet. Borouge hatte bereits 2001 seinen Phase 1 Komplex fertiggestellt, die Phase 2 ging 2010 in Betrieb.

Borouge verfügt aktuell über eine Produktionskapazität von etwa 4,5 Millionen Tonnen pro Jahr und ist damit der weltweit größte integrierte Polyolefine-Komplex. Die Kapazitäten verteilen sich auf 2,30 Millionen Tonnen PE, 1,76 Millionen Tonnen PP, 0,35 Millionen Tonnen LDPE und 0,08 Millionen Tonnen verschiedene andere Produkte. Borouge will bis 2030 seine Produktionskapazitäten auf 9 Millionen Tonnen ausbauen.

Vereinigte Arabische Emirate: Projekte in der chemischen Industrie in Planung und im Bau (Auswahl)
Projektbezeichnung Investitions-summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektträger
New Refinery 15.000 ST ADNOC Refining / ENI / OMV
Borouge 4 Petrochemical Complex 4.500 FEED Borouge (Abu Dhabi Polymers Company)
Ruwais Refinery Upgrade: Crude Flexibility Project 2.480 DU ADNOC Refining
Linear Alkyl Benzene Lab Complex 600 FEED Cepsa / ADNOC
Chemical Complex in KIZAD: Phase 1 540 AP Shaheen Chem Investments
Fujairah Oil Refinery (250.000 bpd) 500 FEED Brooge Petroleum & Gas Investment / Sahara Energy Resource Company
Polypropylene 5 Project 440 DU Borouge (Abu Dhabi Polymers Company)
Fujairah Bitumen Refinery 300 FEED Gulf Petrochem
Lubricants Manufacturing Plant in KIZAD 200 ST ADNOC Distribution
Petroleum Regeneration and Recycling Facility in Fujairah 160 DU Ecomar
Polyethylene Unit 3 Revamp Project 120 DU Borouge (Abu Dhabi Polymers Company)
Anteo Production Plant in Ruwais 80 DU Borouge (Abu Dhabi Polymers Company)
Sulphur Recovery Unit 1106 at Ruwais 80 DU ADNOC Refining
Ruwais Sulphur Production Plant Expansion 75 ST ADNOC / OCP (Office Cherifien des Phosphates)

*) ST = Studie, FEED = Front End Engineering & Design, DU = Durchführung, AP = Angebotsprüfung, PQ = Präqualifizierung

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, MEED Projects

Mitte 2018 hat Borouge einen 440 Millionen US$ Auftrag zum Bau eines fünften PP-Werks mit einer Kapazität von 0,48 Millionen Tonnen/Jahr vergeben. Der EPC-Auftrag (Engineering, Procurement, Construction) ging an Italiens Maire Tecnimont. Die Bauarbeiten haben begonnen, mit der Fertigstellung wird 2022 gerechnet. Die Anlage ist eine Erweiterung des Phase 3 Komplexes. Derzeit lässt Borough auch ein altes PE-Werk für 120 Millionen US$ von der lokalen Firma Target Engineering modernisieren.

Borouge hat 2017 mit den Planungen für den Phase 4 Komplex begonnen, die Investitionen werden mit 4,5 Milliarden US$ veranschlagt. Der FEED-Auftrag (Front End Engineering Design) ist im Februar (2019) an Maire Tecnimont vergeben worden. Die Ausschreibung des EPC-Auftrages wird im Frühjahr/Sommer 2020 erwartet. WorleyParsons ist als Projetmanager engagiert worden.

In der Phase 4 soll ein Mixed-Feed Cracker gebaut werden, der mit Ethan, Butan und Naphtha arbeiten kann. Der Cracker wird jährlich 1,8 Millionen Tonnen Ethylen erzeugen können. Die Phase 4 soll über eine Kapazität von 3,3 Millionen Tonnen/Jahr Polyolefine und Aromaten (Benzol, Butadien etc.) verfügen. Borouge hat auch angekündigt, in eine neue Anlage für Pre-Compounded Black Polyethylene, das zur Herstellung von Druckrohren eingesetzt wird, zu investieren.

Ein Joint Venture aus ADNOC und dem zu Mubadala gehörenden spanischen Ölkonzern Cespa will in Ruwais für 600 Millionen US$ eine Anlage zur Produktion von Normal-Paraffinen (Jahreskapazität: 225.000 Tonnen) und LAB (Linear Alkyl Benzene; 150.000 Tonnen) bauen. ADNOC hat bereits 2013 mit der Projektplanung begonnen. Ende 2018 ist der FEED-Auftrag an Tecnicas Reunidas gegangen, Informationen über den weiteren Zeitplan gibt es derzeit nicht.

Chemieprojekt in der KIZAD mit Fragezeichen

Die in Abu Dhabi ansässige private Shaheen Chem Investment Company hat 2017 mit dem großen staatlichen emiratischen Aluminiumproduzenten EGA (Emirates Global Aluminium) eine Vereinbarung über die Belieferung der Al Taweelah Alumina Refinery in der Khalifa Industrial Zone Abu Dhabi (KIZAD) unterzeichnet. Das im April 2019 fertiggestellte EGA Werk benötigt Ätznatron zur Herstellung von Aluminiumoxid.

Die erste Phase des Chemieprojekts soll jährlich etwa 130.000 Tonnen Ätznatron und 160.000 Tonnen Ethylendichlorid produzieren. In einer zweiten Phase sollten VC (Vinylchlorid) und PVC (Polyvinylchlorid) hinzukommen. Die Planungen für die Phase 2 sind allerdings mittlerweile eingestellt worden.

Auch die weitere Entwicklung der 540 Millionen US$ teuren Phase 1 ist unklar. Ein Grundstück wurde in der KIZAD bereits reserviert. Angebote für den Bau des Chemiewerks liegen seit Sommer 2018 vor, darunter eine Offerte von ThyssenKrupp. Informationen zum aktuellen Projektstand fehlen.

Neue Kooperationen im Düngemittelsektor

ADNOC Fertilizer (vormals: Ruwais Fertilizer Industries/FERTIL) wurde 1980 gegründet und war bis Ende 2018 ein Joint Venture aus ADNOC und Frankreichs Total, derzeit ist ADNOC alleiniger Shareholder. Das Unternehmen hat 1983 mit der Produktion von Ammoniak und Harnstoff (Urea) begonnen. Ein Ausbauprojekt (Fertil 2) wurde 2013 fertiggestellt, der 1,2 Milliarden US$ EPC-Auftrag ging an Uhde und Samsung. Aktuell summieren sich die Jahreskapazitäten auf 1,2 Millionen Tonnen Ammoniak und 2,1 Millionen Tonnen Harnstoffgranulat.

Mitte 2019 haben ADNOC Fertilizer und die in den Niederlanden ansässige OCI angekündigt, ihre Düngemittelaktivitäten in der MENA-Region zusammenzuführen und dafür ein Joint Venture zu gründen, ADNOC Fertilizer wird eine Beteiligung von 42 Prozent halten. Das Gemeinschaftsunternehmen soll noch 2019 etabliert werden.

ADNOC und der staatliche marokkanische Düngemittelhersteller OCP (Office Cherifien des Phosphates) haben 2018 eine Vereinbarung über eine mögliche Gründung eines Joint Venture unter anderem zur Erweiterung einer in Ruwais existierenden Schwefelproduktion unterzeichnet. Die Investitionen werden mit 75 Millionen US$ veranschlagt.

Raffineriekapazitäten werden flexibilisiert und erweitert

ADNOC Refining (vormals: Takreer) betreibt in Ruwais einen Raffineriekomplex mit einer Gesamtkapazität von 0,9 Millionen bpd (barrel per day), der neben Kraftstoffen auch zahlreiche Vorerzeugnisse für die chemische Industrie (Naphtha, Propylen etc.) liefert. Derzeit wird ein Teil der Raffineriekapazitäten (Refinery West: 0,42 Millionen bpd) für 2,5 Milliarden US$ auf die flexible Nutzung unterschiedlicher Ölsorten umgerüstet (Crude Flexibility Project). Der EPC-Auftrag wurde Anfang 2018 an ein Konsortium aus Samsung Engineering und CB&I vergeben. Siemens ist als Unterauftragnehmer beteiligt. Die Fertigstellung wird 2023 erwartet.

An den Planungen für eine weitere Großraffinerie (0,6 Millionen bpd) arbeitet ADNOC Refining gemeinsam mit Italiens ENI und OMV. Im April 2019 wurde das deutsch-österreichische Unternehmen ILF Consulting Engineers als Projektmanager engagiert. Die britische Wood Group hat im Februar 2019 einen Pre-FEED-Auftrag erhalten.

Für über 3 Milliarden US$ plant ADNOC Refining seit 2016 ein Benzin- und Aromaten-Werk (Gasoline and Aromatics Plant). Nach Vorlage der EPC-Angebote ist das Vorhaben aber Mitte 2019 zum Stillstand gekommen. Die niedrigste Offerte kam von einem Konsortium aus Larsen & Toubro und Maire Tecnimont. Dem Vernehmen nach soll nun das Projekt-Design überarbeitet und neu ausgeschrieben werden.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/vereinigte-arabische-emirate abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Chemische Industrie, allgemein, Kunststoffe und Gummi, Petrochemie, Agrarchemikalien

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