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18.10.2019

Chemische Industrie der Philippinen rechnet mit Wachstum

Bauboom und Mittelschicht kurbeln Nachfrage an / Von Alexander Hirschle

Taipei (GTAI) - Die philippinische Chemie dürfte in den kommenden Jahren stabil wachsen. Die junge Bevölkerung und der florierende Bausektor befördern die Nachfrage in mehreren Segmenten.

Nach Einschätzung des American Institute of Chemical Engineering (AIChE) weist der philippinische Chemiesektor ein hohes Wachstumspotenzial auf. Auch Vertreter deutscher Firmen vor Ort gehen davon aus, dass der Bereich seine Umsätze in den kommenden Jahren um durchschnittlich 5 Prozent ausdehnen kann.

Die wichtigsten Triebfedern für das erwartete Wachstum dürften in der jungen Bevölkerung und der expandierenden Mittelschicht liegen, die vom dynamischen BPO-Sektor (Business Process Outsourcing) angekurbelt wird. Dies wird etwa den Bedarf im Bereich Gesundheitswesen und Kosmetika künftig hochhalten. Auch bei Nahrungsmitteln und Verpackungen sehen Branchenvertreter gute Absatzchancen, wie unter anderem bei der Lieferung von Vitaminen oder Lebensmittelfarbstoffen.

Darüber hinaus erlebt der Bausektor eine Boomphase, die noch einige Jahre anhalten dürfte. Ebenfalls abzusehen ist, dass sich die Nachfrage nach chemischen Vorprodukten in vielen Bereichen wie Homecare, Möbel, Isolierungen, Bauchemikalien sowie Lacke und Farben erhöht.

Chemie drittgrößte Industrie

Die Datenlage zum chemischen Sektor im Land ist dürftig und nicht auf dem neuesten Stand. Nach aktuellsten Informationen aus dem Jahr 2017 ist die Chemie der drittgrößte Sektor der verarbeitenden Industrie mit einem Anteil am Output von 12,5 Prozent. Der jährliche Umsatz beläuft sich auf rund 7 Milliarden US-Dollar (US$), etwa 1.400 Firmen sind im Sektor tätig.

Branchenexperten stufen die Basis der heimischen Chemie allerdings als relativ schwach entwickelt ein. Spezialchemikalien müssen fast vollständig importiert werden. Neben lokalen Firmen wie Petron Corporation, JG Summit Petrochemicals und Chemrez Technologies sind auch mehrere internationale Firmen wie Dow Chemical, DuPont, Bayer und BASF im Land aktiv.

Exporte mit starken Verlusten

Die Exporte von chemischen Erzeugnissen gingen 2018 mit 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nur noch 1,3 Milliarden US$ deutlich zurück. Bis auf das Segment Lacke und Farben, das um mehr als 50 Prozent zulegen konnte, zeigten alle anderen Bereiche nach unten. Besonders stark brachen die Ausfuhren von organischen und anorganischen Chemikalien - gleichzeitig die beiden größten Lieferpositionen - mit einem Minus in Höhe von 36 beziehungsweise 56 Prozent ein. Im ersten Halbjahr 2019 setzte sich der Negativtrend im Bereich Industriechemikalien mit einem Rückgang in Höhe von knapp 7 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode in abgeschwächter Form fort.

Importe weisen gemischte Resultate auf

Die Einfuhren von chemischen Erzeugnissen stiegen 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 Prozent auf 10,7 Milliarden US$, woraus sich ein hohes Handelsbilanzdefizit von rund 9,4 Milliarden US$ ergibt. Importe aus Deutschland stiegen im gleichen Zeitraum unterdurchschnittlich um 3 Prozent. Besonders positiv entwickelten sich Einfuhren "Made in Germany" von Lacken und Farben mit einem Plus von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sowie von Düngemitteln (+18 Prozent) und Kunststoffen in Primärform (+8 Prozent).

Im ersten Halbjahr 2019 mussten einige Branchenimporte allerdings wieder Federn lassen. So gingen die Einfuhren von Industriechemikalien bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 10 Prozent zurück, Importe von Kunststoffen verzeichneten ein Minus von 5,2 Prozent. Einen Positivtrend wiesen hingegen Lieferungen von Arzneimitteln mit 7,8 Prozent auf.

Impulse durch ASEAN erhofft

Als Stärken sieht AIChE die Nähe zu den wachsenden Volkswirtschaften der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN), hohe Steigerungsraten des Bruttoinlandsprodukts sowie gut ausgebildete Arbeitnehmer, Zugang zu Technologie und hohe Produktqualität. Das südostasiatische Land verfügt über eine breite Basis an Rohstoffen, die in der chemischen Industrie als Vorprodukte verwendet werden können, wie landwirtschaftliche Güter und Bergbauprodukte.

Als Wachstumshemmnisse nennt das Institut hohe Logistik- und Energiekosten, eine relativ geringe Differenzierung der Produktpalette sowie bisher relativ niedrige Investitionen in die Modernisierung des Maschinenparks. Dennoch dürften sich in einigen Segmenten künftig gute Geschäftschancen für ausländische Anbieter ergeben.

Kunststoffindustrie erwartet kontinuierliches Wachstum

So erwartet die Kunststoffindustrie zwischen 2019 und 2024 ein respektables Wachstum von 5 Prozent pro Jahr. Als wichtiger Antriebsfaktor für Kunststoffe gilt die Baubranche, die in den kommenden Jahren von zahlreichen Infrastrukturprojekten sowie einem hohen Bedarf an Wohn- und Gewerbeimmobilien profitieren wird.

Die lokale Kunststoffindustrie gilt als hoch konzentriert, nur fünf Unternehmen dominieren den Großteil der Produktion: JG Summit Petrochemicals, Chemrez Technologies, NPC Alliance Corporation, Petron Corporation und Philippine Resins Industres Inc. Sie sind vertikal gut integriert und weisen ein relativ umfangreiches Produktportfolio für Verpackungsmaterialien und Baustoffe auf.

Kosmetika und Medikamente wachsen kontinuierlich

Auch bei Vorprodukten für Medikamente können sich Geschäftschancen für ausländische Lieferanten ergeben. Die Philippinen gelten als der viertgrößte Arzneimittelmarkt in ASEAN. In den nächsten fünf Jahren soll das Segment aufgrund demographischer Faktoren und des Ausbaus der allgemeinen Krankenversicherungsleistungen im Schnitt um knapp 5 Prozent wachsen. Ähnlich hohe Steigerungsraten verspricht der Markt für Kosmetika.

Agrarchemikalien weisen begrenztes Potenzial auf

Im Segment Agrarchemikalien bilden die Philippinen hinter Indonesien, Vietnam und Thailand den viertgrößten Markt in Südostasien. Das Marktvolumen wird auf rund 330 Millionen US$ pro Jahr geschätzt. 2019 werden Branchenergebnisse aufgrund klimatischer Faktoren und der Öffnung des philippinischen Reismarktes für günstigere Importe deutlich nach unten zeigen. Aus diesem Grund halten sich viele Bauern derzeit mit Neuinvestitionen zurück.

Für die kommenden Jahre sehen Branchenvertreter ein stabiles, aber nicht exponentielles Wachstum beim Absatz von Agrarchemikalien in einer Größenordnung von 2 bis 3 Prozent pro Jahr. Um höhere Steigerungsraten erzielen zu können, müsste in größerem Umfang von Reis auf andere Produkte umgestellt werden - was allerdings derzeit nicht absehbar ist. Darüber hinaus drücken die im regionalen Vergleich hohen Produktionskosten auf die Rentabilität der Landwirtschaft.

"Made in Germany" genießt guten Ruf

Nach Aussage von Firmenvertretern verfügen chemische Produkte "Made in Germany" bei lokalen Abnehmern über einen sehr guten Ruf, der hohe Erwartungen an die Qualität der Produkte impliziert. Die Herkunft der wichtigsten Wettbewerber variiert je nach Segment. Die stärkste Konkurrenz für deutsche Firmen kommt aber im Regelfall von Firmen aus Deutschland selbst, der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich sowie vor allem im Kfz-Bereich auch aus Japan und zum Teil den Philippinen selbst.

Importe von Chemikalien (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
SITC-Pos. Warengruppe 2018 Veränd.
5 Insgesamt 10.743 7,1
.51 Organische Chemikalien 1.487 3,5
.52 Anorganische Chemikalien 625 -1,2
.53 Lacke, Farben 519 20,0
.54 Arzneimittel 1.799 -0,8
.55 Waschmittel, Kosmetika 1.306 16,5
.56 Düngemittel 616 -3,2
.57 Kunststoffe (Primärform) 1.855 18,1
.58 Kunststoffe (Halbwaren) 918 6,1
.59 Sonstige chemische Erzeugnisse 1.617 6,2

Quelle: Philippine Statistics Authority (PSA)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in den Philippinen können Sie unter http://www.gtai.de/philippinen abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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Philippinen Chemische Industrie, allgemein, Körperpflegemittel und Kosmetika, Kunststoffe und Gummi, Industriechemikalien, Agrarchemikalien, Farben u. Lacke, Pigmente

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