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17.10.2018

Chemische Industrie in Jordanien basiert auf lokalen Rohstoffen

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Spezialitäten aus dem Toten Meer / Von Christian Glosauer

Bonn (GTAI) - Die chemische Industrie in Jordanien wird von der Phosphat- und Kaliproduktion dominiert.

Im Gegensatz zu den meisten seiner Nachbarländer verfügt Jordanien nicht über nennenswerte Ressourcen von Öl und Gas. Der Wüstenstaat kann dafür mit Bodenschätzen aufwarten, die für die chemische Industrie von großer Bedeutung sind: Phosphat und Kali. Die Produktion speist sich aus landesweit großen Vorkommen von Phosphat und dem Kaliabbau am Toten Meer. Phosphorsäure und Phosphaterz sowie Pottasche (Kaliumcarbonat) werden als Dünger im großen Stil exportiert und erwirtschaften einen wichtigen Beitrag zu den jordanischen Exporterlösen. Gut ein Drittel der jordanischen Exporte entfallen auf Chemikalien und Düngemittel.

Lange Zeit war der Abbau in der Hand staatlicher Bergbauunternehmen. Die Teilprivatisierung der Jordan Phosphates Mines Company und der Arab Potash Company vor einem Jahrzehnt haben im Rückblick nicht zu den damals erhofften Wertschöpfungsgewinnen geführt. Folgeinvestitionen sind ausgeblieben, mit Ausnahme einer großen Schwefelsäureproduktion zum Aufschluss des Phosphaterzes. Im Jahr 2016 produzierte Jordanien 8 Millionen Tonnen Phosphaterz. Die Kalierzeugung lag bei 2 Millionen Tonnen. Jordanisches Phosphat weist Kadmiumverunreinigungen auf, die es auf dem Weltmarkt zum Beispiel gegenüber russischem Phosphat zusehends benachteiligen.

Ausfuhr von Mineralien (in Tonnen)
Rohstoff 2011 2013 2015 2017
Phosphat 7.441.000 5.097.000 8.300.000 k.A.
Formsteine 222.358 247.011 341.693 333.038
Marmor 24.066 9.340 9.056 19.425
Marmoraggregat 4.169 3.884 7.221 1.046
Tuffstein 20.382 30.426 15.910 444.049
Schlamm aus dem Toten Meer 185 218 115 203
Kalziumkarbonat 359.220 322.385 411.751 335.472
Sand 75.056 79.000 233.515 771.958
Aggregat 12.590 4.326 886 9.568
Salz aus dem Toten Meer 56.972 3.261 2.962 1.048
Travertin 4.845 8.914 4.526 2.623
Gips 20 k.A. 30 0
Granitblöcke 1.770 2.182 2.929 3.773
Ton 21.531 2.720 581 2.840
Siliziumsand 38.761 9.416 5.233 22.758
Marmorblöcke 1.770 k.A. 50 0
Basalt 42 478 k.A. 13.684
Salz 1.800 k.A. 3.707 2.359

Quelle: EMRC

Produktion für den lokalen Markt

Weitere Mineralien mit Potenzial sind unter anderem hochreiner Quarzsand, Magnesium, Kupfer, Uran und Zeolith. Das Land verfügt auch über eine umfangreiche Bromproduktion aus dem Toten Meer (Jordan Bromine Company). Die ebenfalls großen Vorkommen an Schiefersandöl sollen ab 2020 in einem von chinesischen Investoren gebauten Kraftwerk mit 500 Megawatt Leistung verwertet werden.

Neben den Schwergewichten, die Phosphat und Kali verarbeiten, existiert eine Reihe kleinerer Chemieunternehmen. Sie produzieren vor allem für den lokalen Markt, etwa Waschmittel oder Färbe- und Gerbstoffe. Teilweise werden diese auch in einem nennenswerten Umfang exportiert. So führte Jordanien 2017 Waschmittel im Wert von 70 Millionen Jordanischen Dinar (JD; 1 Euro = 0,83 JD, 87 Millionen Euro) aus. Die Jordanische Industrie- und Handelskammer beziffert die Zahl der Unternehmen der Chemiebranche in Jordanien mit etwa 600. Davon sind jedoch rund zwei Drittel handwerklich arbeitende Kleinbetriebe.

Produktion der chemischen Industrie in Jordanien 2016 (Mio. Euro)
Produktgruppe Produktion Export
Basischemikalien 273,2 113,3
Düngemittel und Stickstoffverbindungen 534,2 186,9
Kunststoff und synthetischer Kautschuk in Primärform 24,8 1,5
Pestizide und andere Agrochemikalien 53,9 22,2
Lacke und Farben 294,9 66,2
Reinigungsmittel, Kosmetik 304,7 96,0
Andere chemische Erzeugnisse 74,6 14,1
Pharmazeutika, medizinische Basisstoffe 1.318,0 950,0
Reifen 3,0 0,0
Andere Gummiprodukte 4,1 0,0
Kunststoffwaren 839,0 223,5

Quelle: Department of Statistics, Amman

Eine Sonderstellung in der Chemie konnte sich in den letzten Jahrzehnten die jordanische pharmazeutische Industrie herausarbeiten. Die rund 20 Unternehmen produzieren Generika für den Weltmarkt. Dabei hat sich die Branche besonders auf die arabischen Märkte und Afrika spezialisiert. Arabische Abnehmer sind für 90 Prozent der Ausfuhren verantwortlich. Der Exportwert der Branche lag 2016 bei bemerkenswerten 510 Millionen JD (627 Millionen Euro).

An der gesamten Industrieproduktion hatten Chemikalien 2015 einen Anteil von 21,3 Prozent. Die chemische Industrie war damit noch vor der Lebensmittelverarbeitung (20,1 Prozent) der nach der industriellen Wertschöpfung wichtigste Industriezweig des Landes. Bei der Beschäftigung liegt die kapitalintensive Chemie mit 28.926 Mitarbeitern (2015) erst an vierter Stelle nach Nahrungsmitteln (38.163), Konfektion/Textilien (28.926) und nichtmetallischen Mineralien. Nimmt man allerdings den Bergbau mit Phosphat und Kali zur Chemie hinzu, liegt dieser Bereich auch bei der Beschäftigung auf Rang zwei.

Jordanien: Ausfuhr ausgewählter Chemikalien (in Mio. JD)
2015 2016 2017 *)
Fluorsalze 6,4 2,5 2,0
Schwefelsäure, konzentriert 1,8 0,8 1,3
Karbonate 23,3 19,7 17,4
Phosphorsäure 127,8 59,3 109,2
Färbe-/Gerbstoffe 38,1 35,0 37,1
Pharmazeutika 398,9 467,7 447,0
Reinigungsmittel,Parfüme 98,4 88,7 91,5
Kunststoffe, Kunststofferzeugnisse 76,2 53,2 48,8
Düngemittel 151,5 137,9 148,4
Summe Chemikalien 1.038,2 1.052,3 1.091,7

*) vorläufig

Quelle: Department of Statistics

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Jordanien können Sie unter http://www.gtai.de/jordanien abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Jordanien Chemische Industrie, allgemein, Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika

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