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21.07.2017

Chile erleichtert Vorhaben für erneuerbare Energien

Flexiblere Regelungen für die Nutzung öffentlichen Bodens / Frist für die Anträge läuft bis August 2017 / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Das chilenische Ministerium für öffentliche Liegenschaften hat neue Regelungen für die Nutzung staatlichen Bodens veröffentlicht. Sie gelten für die Entwicklung von Projekten mit erneuerbaren Energien. Die Realisierung neuer Bauvorhaben wird leichter und planbarer. Auch bereits genehmigte Projekte profitieren davon, wenn die Anträge bis zum 9.8.17 gestellt werden. Die Förderung alternativer Quellen steht im Vordergrund der chilenischen Energiegesetzgebung. (Kontaktanschriften)

Solar- und zunehmend auch Windparks stehen in Chile hauptsächlich auf staatlichem Grund und Boden. Die bisherigen Regelungen für Bauprojekte auf Flächen der öffentlichen Hand sahen hohe Strafen vor, wenn das Zeitfenster für den Bau der Anlagen von maximal 24 Monaten überschritten wurde. Ein neu eingeführtes Instrument verlängert diesen Zeitraum jetzt auf ein Maximum von zehn Jahren ab dem Abschluss des Konzessionsvertrages. Die genaue Frist legt die Genehmigungsbehörde im Einzelfall fest.

Auch die maximal gewährte Nutzungsdauer verlängert sich, von bisher 30 auf 35 Jahre. Außerdem müssen die Unternehmen gegenüber dem Staat weniger Sicherheiten für die einzelnen Bauabschnitte erbringen. Die Regelungen gelten für Auktions- und Direktkonzessionen und erstrecken sich auf den gesamten Bereich der erneuerbaren Energien (Solar (PV und CSP), Wind, Geothermie, Biomasse, Wasserkraft mit einer Gesamtleistung von bis 20 MW.

Das Ministerium für öffentliche Liegenschaften (Ministerio de Bienes Nacionales) veröffentlichte den Ministererlass (Orden Ministerial No. 1/2017) am 11.5.17 im chilenischen Amtsblatt. Von diesem Datum an haben alle Projektentwickler 90 Tage Zeit, um die Anträge beim Ministerium einzureichen, also bis spätestens zum 9.8.17. Je nachdem wie weit das Konzessionsverfahren fortgeschritten ist, können auch bereits genehmigte Projekte von den neuen Regelungen profitieren. Für sie gilt die gleiche Frist. Die neuen Regeln gelten also ab jetzt für alle Arten der Vergabe öffentlichen Landes für derartige Projekte. Auf die Vorhaben aller Interessierten und Konzessionäre, die keinen Antrag stellen, wird der vorherige Ministererlass vom 28.8.13 angewendet.

Planungssicherheit und Flexibilität für Investitionen

Im Vorfeld hatte das Ministerium den Verband erneuerbarer Energien Acera und weitere Akteure zur Beratung eingebunden. Einer davon ist Enrique Cortesi aus dem Bereich Geschäftsentwicklung des italienischen Unternehmens Enel Green Power. Er koordiniert die Verhandlungen mit Behörden wie dem Ministerium für öffentliche Liegenschaften. Meistens geht es dabei um den Erwerb und die Entwicklung von Flächen für die Installation von Photovoltaikanlagen, Windkraft und anderen Quellen sowie um die kommunalen und sektoralen Umweltgenehmigungen.

Laut Cortesi erfüllt das Instrument größtenteils die zuvor festgelegten Ziele: Impulse für weitere Investitionen, eine neue Struktur und Vorgehensweise nach dem Solarboom, mehr Planungssicherheit und Flexibilität für neue und bestehende Projekte. Ein weiteres Anliegen war es, die Attraktivität der nächsten Energieauktionen zu steigern und den Markt mehr Wettbewerbern zu öffnen.

Gesetzliche Rahmenbedingungen und Ausschreibungsverfahren

Der Energiesektor ist in Chile komplett privatisiert. Chile schafft die Rahmenbedingungen nicht mit Subventionen, sondern lediglich mit gesetzlichen Weichen wie Ausbauzielen und einer Einspeiseregelung. Der Staat agiert als Aufsichts- und Kontrollorgan.

Das Gesetz zur Förderung nichtkonventioneller erneuerbarer Energien (Ley de Impulso a las Energías Renovables No Convencionales, Ley 20/25) sieht bis 2025 einen 20-prozentigen Anteil von Erneuerbaren an der Stromerzeugungskapazität vor. Dieses Ziel wird aller Voraussicht nach schon früher erreicht. Die nächsten Schritte, auf die sich auch der Ministererlass beruft, sind die Gewinnung von 60% des kommerzialisierten Stroms aus erneuerbaren bis zum Jahr 2035 sowie 70% bis 2050.

Das Ministerio de Energía (Energieministerium) legt jeweils etwa drei bis vier Jahre im Voraus neue Einspeisequoten fest und setzt maximal zwei Mal pro Jahr Ausschreibungen an, die dazu dienen, die jeweilige neue Quote zu erfüllen. Ein spezieller Vergütungsmechanismus stabilisiert die Einnahmen der Anlagen. Die Anbieter bewerben sich unter Angabe einer Strommenge und eines -preises. Die Projekte mit den niedrigsten Preisen erhalten den Zuschlag und führen ihn so lange aus, bis die Energiemenge erfüllt ist, die auf drei Jahre ausgelegt ist. Die Vergütung erfolgt variabel nach Marktmechanismen.

Windmessung mit deutscher Unterstützung

Mauricio Garcia, Project Manager beim Global Player Enel Green Power, bezeichnete die jetzt veröffentliche Regelung gegenüber Germany Trade & Invest als Teil eines Prozesses, den das BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktor. nukleare Sicherheit) miteingeleitet hatte: Die GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) führte seit 2008 in Zusammenarbeit mit der chilenischen Nationalen Energiekommission (CNE) Kampagnen zur Windmessung durch. Weite Gebiete im Norden Chiles sind neben dem Bau von Solar- auch für Windparks gut geeignet. Die Identifizierung und Bewertung von Gebieten für die Nutzung floss in eine technische und wirtschaftliche Studie zur Realisierbarkeit zukünftiger Anlagen ein. Diese Zonen sind bis heute Grundlage der Verhandlungen bei neuen Projekten.

Eine Neuordnung der Regularien war nötig geworden, nachdem einige private Unternehmen dem chilenischen Staat mehr Territorien abgekauft hatten, als sie wirklich für konkrete Projekte vorgesehen hatten, um damit zu spekulieren. Mit Beginn des Solarbooms verschärfte sich die Situation. Wegen der Kombination aus hoher Sonneneinstrahlung und niedrigen Modulpreisen wurde Photovoltaik in vielen Teilen Südamerikas zur günstigsten Form der Stromerzeugung. Chile als Vorreiter in der Region bekam auch die Nebeneffekte wie Spekulation schnell zu spüren.

Ein Indiz dafür, wie sehr die Energiebranche die ansonsten zurzeit lahmende chilenische Konjunktur beflügelt, ist der Jahresvergleich der Investitionen: Obwohl der Sektor 2017 mit geschätzten 4,7 Mrd. US$ um 15% unter den Wert von 5,5 Mrd. US$ von 2016 fällt, ist er zum dritten Mal in Folge der dynamischste der Gesamtwirtschaft. CBC (Corporación de Bienes de Capital, Kooperation für Gesellschaftskapital) führt diesen Erfolg ausschließlich auf die alternativen Quellen zurück, die 65% der für 2017 geplanten Energieinvestitionen ausmachen.

Kontaktanschriften

Ministererlass (Orden Ministerial No. 1/2017, Ministerio de Bienes Nacionales)

Internet: https://www.leychile.cl/Navegar?idNorma=1102638

Acera (Verband erneuerbarer Energien)

Internet: http://www.acera.cl

Comisión Nacional de Energía (CNE, Regulierungsbehörde für den Energiemarkt)

Internet: http://www.cne

Ministerio de Energía (Energieministerium)

Internet: http://www.energia.gob.cl

Ministerio de Bienes Nacionales (Ministerium für öffentliche Liegenschaften)

Internet: http://www.bienesnacionales.cl

Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)

E-Mail: giz-chile@giz.de, Internet: http://www.giz.de

Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer (AHK Chile)

Ansprechpartner: Stefan Fritz, Project Manager Energy & Environment,

Christoph Meyer, Project Assistant Energy & Environment

Tel.: 0056/222 03 53 20, Durchwahl 43 und 49, Fax: - 5

E-Mail: sfritz@camchal.cl, cmeyer@camchal.cl, Internet: http://www.chile.ahk.de

A.LI.

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, alternative Energien

Jenny Eberhardt Jenny Eberhardt | © GTAI

Kontakt

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‎+49 (0)228 24 993-248

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