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24.04.2017

Chile erweitert die Breitbandverbindung in den Süden

Wichtiger Bestandteil der staatlichen Digitalen Agenda / Ausschreibung für ein Glasfasernetz in Patagonien / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Die Internetabdeckung in Chile ist angesichts der geografischen Dimensionen oft schon überraschend gut. Bald zieht auch die Südspitze nach, die bisher nur begrenzten Zugang hat. Das Glasfasernetz soll 3.000 km lang werden. Nachdem sich im ersten Bieterwettbewerb kein Unternehmen beworben hatte, soll die zweite Ausschreibung attraktiver werden. Presseberichten zufolge sind noch keine deutschen Firmen unter den Interessenten. (Kontaktanschriften)

Ein Projekt der chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet soll dem Süden eine Breitbandkonnektivität zum gut angebunden Zentralteil bringen. In der ersten Jahreshälfte 2017 kommt es zur zweiten Ausschreibung. Das geplante Glasfaserkabel erstreckt sich über die abgelegenen Regionen in Patagonien: Puerto Williams, Punta Arenas, Porvenir, Puerto Natales, Caleta Tortel und Puerto Montt sowie in Magallanes und der chilenischen Antarktis, Aysén und der Seenregion Los Lagos.

Das Vorhaben ist ein wichtiger Bestandteil der Digitalen Agenda der chilenischen Regierung und gilt als Modell für die Entwicklung der Infrastruktur in der Telekommunikation. Der Fonds zur Entwicklung der Telekommunikation (Fondo de Desarrollo de las Telecomunicaciones, FDT) gehört zum Fördervorhaben Plan Especial de Zonas Extremas (Spezialplan für die abgelegenen Regionen). Das Ministerium für Transport und Telekommunikation stellt dafür ein Budget von 62,28 Mrd. Pesos (etwa 100 Mio. US$) bereit.

Das Hauptziel der Regionalisierungsinitiative ist eine ausgewogene Raumentwicklung, die den dortigen Bewohnern einen ähnlichen Zugang zu Kommunikationsnetzen gewährleisten soll wie in anderen Landesteilen. Regionalpolitiker gehen von einer gesteigerten Produktivität in allen Branchen sowie positiven Auswirkungen auf den Tourismus aus. Dieser ist längst zur Haupteinnahmequelle geworden, vor allem aufgrund der vielen internationalen Reisenden.

Die Förderung erhalten Unternehmen für den Bau und Betrieb von insgesamt vier Leitungen, von denen drei über der Erde und eine unter dem Meer geplant sind. Mit der Bereitstellung der vorgesehenen rund 3.000 Kilometer würde sich die Internetverbindung in etwa 33% des Landes erheblich verbessern. Puerto Williams hatte sich dem Vorhaben erst später angeschlossen, wird aber wegen seiner Insellage voraussichtlich am stärksten profitieren. Die Stadt (etwa 2.300 Einwohner) gilt manchen Quellen zufolge als südlichste der Welt, auch wenn die Bezeichnung mangels einheitlicher Definition des Begriffes Stadt umstritten ist. Sie liegt auf der Insel Navarino (Inselgruppe Feuerland). Auch hier keimt der internationale Tourismus auf, unter anderem als Zwischenstopp bei Kreuzfahrten und als Ausgangspunkt für Reisen in das chilenische Antarktisterritorium.

Zweiter Anlauf für die Ausschreibung

Im Oktober 2016 hatte die erste öffentliche Ausschreibung kein Interesse in der Geschäftswelt geweckt. Wie die nationale Telekommunikationsbehörde erklärte, werde die neue Ausschreibung in mehreren technischen Aspekten verbessert. Die Auftragnehmer sollten idealerweise Konsortien bilden. In der Konsultationsphase hatte die Abteilung für Telekommunikation (Subtel) 844 Anfragen und Wünsche zur Klärung der Regelungen des Projektes beantwortet.

Im Vorfeld des zweiten Aufrufs, der für das erste Halbjahr 2017 erwartet wird, zeigten zu Jahresbeginn fünf internationale Telekommunikationsriesen und neun chilenische Firmen Interesse an der Teilnahme. Dem Gesetz zur Transparenz entsprechend gab Subtel die bisherigen Treffen mit Unternehmen bekannt. Diese drehten sich hauptsächlich um Meilensteine, die geschätzte Zeit bis zur Formulierung des neuen Bieterverfahrens sowie um technische, finanzielle und rechtliche Aspekte. Laut Recherchen der Tageszeitung La Tercera informierten sich unter anderem ein Projektmanager der britischen Firma Alcatel Submarine Networks, der Corporate Affairs Manager von Huawei sowie Vertreter des US-Marktführers General Cable und des schwedischen Multis Ericsson.

Kontaktanschriften

Ministerio de Transportes y Telecomunicaciones, Ministerium für Transport und Telekommunikation

Tel.: 0056 2/24 21 30 00

Informationen zum Projekt unter http://foa.subtel.cl/reformulacion-foa/

Bei Investitionen in entlegene Gebiete des Landes (wie etwa in den Regionen Aysén und Magallanes) werden Anreize für inländische und ausländische Unternehmen gewährt. Informationen dazu erteilen CORFO und Invest Chile:

CORFO (Corporación de Fomento de la Producción, Verband zur Produktionsförderung)

Ansprechpartner: Guillermo Vásquez, Koordinator der Investitionsabteilung

Moneda 921, Santiago de Chile

Tel.: 0056 2/26 31 82 00

E-Mail: guillermo.vasquez@corfo.cl, Internet: http://www.corfo.cl

Invest Chile (Agentur zur Förderung von Auslandsinvestitionen)

Ahumada 11, Santiago de Chile

Tel.: 0056 2/26 63 92 00

E-Mail: info@ciechile.gob.cl, Internet: http://www.investchile.gob.cl/en (auf Englisch)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Chile finden Sie unter http://www.gtai.de/chile.

(A.LI.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Telekommunikationsdienste, Internetdienste, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk), Digitalisierung

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