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07.03.2019

Chile investiert in PPP-Projekte

Straßen, Krankenhäuser und Flughäfen geplant / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Chile zählt zu den Ländern Lateinamerikas, die für PPP-Projekte gut aufgestellt sind. Die Regierung plant dafür bis 2023 Investitionen in Höhe von 14,6 Milliarden US-Dollar (US$).

Chile schließt mit öffentlich-privaten Infrastrukturprojekten (Public Private Partnership - PPP) Investitionslücken, vor allem in den Bereichen Verkehr, Wasser und Energie. Das Ministerium für Öffentliche Arbeiten MOP (Ministerio de Obras Públicas) hebt die Bedeutung der PPP-Initiativen für die Infrastruktur und Wettbewerbsfähigkeit des Landes hervor.

PPP ist eine Kooperation zwischen mindestens einer Regierungsbehörde und Teilnehmern des privaten Sektors. Der Vertrag legt die Aufgaben der Parteien fest und regelt die Geschäftsbeziehungen während der Projektlaufzeit. Wenn die Regierungsstelle nach Analyse der Optionen PPP für den effizientesten Weg hält, führt sie eine öffentliche Ausschreibung durch.

Daneben gibt es unaufgeforderte Initiativen: Private Unternehmen legen der Behörde Projekt-Vorschläge vor. Die Regierung entscheidet auch in diesem Fall, ob PPP der optimale Weg ist und schreibt aus. Falls die Firma, die den Bedarf und die technischen Studien erhoben hat, die Ausschreibung nicht gewinnt, bekommt sie vom Gewinner die Kosten der Studien erstattet.

Chile ist für öffentlich-private Infrastrukturprojekte gut positioniert

Die Studie InfraScope 2017 bewertet die Rahmenbedingungen und die Fähigkeit der lateinamerikanischen Länder, durch PPP private Investitionen zu mobilisieren. Die Analysten der Economist Intelligence Unit haben 23 Indikatoren entwickelt, darunter Haushaltsplanung, Transparenz sowie neue Finanzierungsinstrumente. Das beste Umfeld finden Projektentwickler demnach in Chile und Kolumbien vor. Beide Länder haben mehr als 25 Jahre Erfahrung. In Chile findet sich ein starker regulatorischer und institutioneller Rahmen, ein solides Investment- und Geschäftsklima sowie eine Vielzahl von finanziellen Mechanismen.

Ministerium fördert 60 PPP-Projekte bis 2023

In Chile vergibt das Ministerium für Öffentliche Arbeiten PPP-Projekte zur Infrastruktur. Finanzierungsinstrumente sind unter anderem: garantierte Minimaleinnahmen; die Absicherung von öffentlichen Arbeiten durch die Vergabe von staatlichen Betriebskonzessionen; Maßnahmen zur Einkommensverteilung, um stabile und regelmäßige Einkünfte sicherzustellen; Wechselkursabsicherungen sowie Infrastrukturanleihen für private Anleger.

Die Generaldirektion für Konzessionen (Dirección General de Concessiones) des MOP erstellte ein Investitionsportfolio für 2018 bis 2023. Es handelt sich um 60 Projekte in Höhe von 14,6 Milliarden US-Dollar (US$), darunter 24 im Straßennetz, 18 Gesundheitszentren oder Krankenhäuser, 7 Flughäfen, 2 Staudämme, 3 Straßenbahnen und 1 Seilbahn. Für 2019 sind Ausschreibungen unter anderen für 11 Straßenprojekte, 6 Gesundheitszentren und 3 Flughafenprojekte geplant.

Windkraft-Projekt mit deutscher Beteiligung

Einen erfolgreichen Zuschlag für ein Projekt als öffentlich-private Partnerschaft kann die wpd Deutschland GmbH vorweisen: in Collipulli baut das Unternehmen mit 270 Megawatt (MW) den größten von drei Windparks. Der auf erneuerbare Energien spezialisierte Erzeuger mit Stammhaus in Bremen sicherte sich bei einer öffentlichen Stromausschreibung Lieferverträge über 20 Jahre für eine installierte Leistung von 350 MW. Ende März 2019 soll der Bau beginnen und bis Ende des Jahres bereits abgeschlossen sein. Die Stromlieferung muss 2021 beginnen.

Der Ort Collipulli in der Provinz Malleco gilt allerdings als Konfliktregion. Wpd hat daher Maßnahmen zur Minderung von Auseinandersetzungen mit den Anwohnern entwickelt.

Geldgeschenke oder auch Gewinnbeteiligungen für die Anwohner, wie in Deutschland üblich, sieht das Projekt nicht vor. Materielle Vorteile stellt wpd dennoch in Aussicht: In einer Großbestellung haben die Bremer zu einem günstigeren Preis Turbinen gekauft, um den Bau von eigenen Windparks der Mapuche (indigenes Volk) zu unterstützen. Finanzspritzen gibt es auch für produktive Projekte der Gemeinden.

Die Initiative ist Teil der öffentlich-privaten Kooperation der Bundesrepublik Deutschland DeveloPPP. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bietet Unternehmen Finanzierungsmöglichkeiten für Investitionsprojekte in Entwicklungs- oder Schwellenländern, im Rahmen einer maximal dreijährigen Entwicklungspartnerschaft mit dem develoPPP-Programm. Germany Trade and Invest berichtet darüber ("Sonnige Aussichten") unter https://www.gtai.de/GTAI/Content/DE/Trade/Service/Markets-International/2019/download-markets-international-2019-01.pdf?v=2.

Ausbau von Autobahn und Hauptflughafen verzögert sich

Nicht immer läuft alles rund: Beim Ausbau der Autobahn Camino de la Fruta verschiebt das MOP bereits zum fünften Mal den Ausschreibungsprozess auf Ende Mai 2019. Ursprünglich sollte dieser im Februar 2018 beginnen. Als Grund führt das Ministerium an, mehr Angebote von Unternehmen einholen zu wollen, weshalb es im Oktober 2018 bereits das notwendige Investitionsvolumen um 15,8 Prozent senkte. Die Autobahn soll den Transport von Lebensmittel unter anderem zum Hafen San Antonio erleichtern.

Der Konflikt um den Ausbau des Hauptstadt-Flughafens Arturo Merino Benitez eskalierte 2018: Der Konzessionär Nuevo Pudahuel beschuldigte das MOP, die Expansionspläne zu spät genehmigt zu haben. Dies habe zu erheblichen Verzögerungen und zu Kostenüberschreitungen geführt. Die Firma ist bereits über ein Jahr im Rückstand. Aufgrund fehlender Beweise lehnte das Schiedsgericht eine Aufschiebung der Frist zur Inbetriebnahme ab, erkannte jedoch 19 Prozent der geforderten Beträge als Ausgleich für die Kostenüberschreitungen an. Ein unabhängiges Schiedsgericht vermittelt über Diskrepanzen zwischen MOP und den Konzessionären.

Weitere Informationen

Das MOP listet Infrastrukturprojekte auf unter:

http://www.dirplan.cl/InformaciondePresupuestoMOP/contratosobraestudioyasesoria/Paginas/default.aspx

Einen ausführlichen Bericht zum Stand der relevantesten PPP-Vorhaben bis 2023 auf Spanisch und Englisch stellt MOP unter

http://www.concesiones.cl/Documents/2019/Cartera.pdf zur Verfügung.

Die EIU-Studie "Evaluating the Environment for Public-Private Partnerships in Latin America and the Caribbean" ist verfügbar unter https://infrascope.eiu.com/wp-content/uploads/2017/02/EIU_IDB_INFRASCOPE_2017-FINAL-1.pdf

Die Studie des Global Infrastructure Hub "Managing PPP Contracts After Financial Close Practical guidance for governments managing PPP contracts, informed by real-life project data" findet sich unter https://gihub-managingppp-tools.s3.amazonaws.com/live/media/1465/updated_full-document_art3_web.pdf.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Global Infrastructure Hub http://www.gihub.org Initiative der G20
CChC (Cámara Chilena de la Construcción) http://www.cchc.cl Verband der Baufirmen
Copsa(Concesionarios de Obras de Infraestrucutra Pública) http://www.copsa.cl Verband der öffentlichen Infrastrukturbetriebe
Ministerio de obras públicas (MOP) https://www.mop.cl Ministerium für öffentliches Bauwesen
Ministerio de Transportes y Telecomunicaciones (MTT) http://www.mtt.gob.cl Verkehrs- und Telekommunikationsministerium
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH https://www.giz.de Das deutsche Förderprogramm develoPPP wird u.a. von der GIZ betreut

Weitere Informationen zu Chile sind unter http://www.gtai.de/chile abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Bauwirtschaft, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Kraftwerksbau, BOT/PPP

Funktionen

Kontakt

Judith Illerhaus

‎+49 228 24 993 248

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