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04.09.2017

Chile lebt vom Außenhandel

Deutschland bleibt fünfwichtigstes Lieferland / Von Anne Litzbarski (Mai 2017)

Santiago de Chile (GTAI) - Chile hat sich für den Weltmarkt geöffnet. Die Wirtschaftspolitik ist seit langem frei von protektionistischen Tendenzen, ganz unabhängig von der jeweiligen Regierung. Einige Branchen importieren fast ausschließlich. Deutschland bleibt der bedeutendste Handelspartner Chiles in der Europäischen Union und fünfwichtigstes Lieferland insgesamt.

Chiles Handelsbilanz fällt positiv aus. Doch die Exportabhängigkeit wurde dem Land in den letzten Jahren zum Verhängnis: Der Preisverfall für Rohstoffe hat die Konjunktur stark abgebremst. Die Regierungen tragen dieser Exportabhängigkeit mit ihrer Wirtschaftspolitik Rechnung. Chile zählt weltweit zu den Staaten mit der größten Anzahl an Freihandels- und Investitionsabkommen, darunter APEC (asiatisch-pazifische Wirtschaftskooperation) und die Pazifikallianz.

Chile ist auch Mitglied der "Trans-Pacific Partnership" (TPP), die zwölf Pazifikanrainerstaaten, darunter die USA, Japan, Kanada und Mexiko, und circa 40% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) vereint. Nachdem die US-Regierung unter Präsident Donald Trump im Januar 2017 aus dem Abkommen ausgestiegen ist, planen mehrere Pazifik-Anrainerstaaten einen Alternativvertrag. Mit dem Mercosur (Gemeinsamer Markt Südamerikas) ist Chile assoziiert.

Außenhandel Chiles (in Mio. US$; Veränderung in %)
2011 2016 Veränderung 2016/2011
Importe 74.693,5 58.804,2 -21,3
Exporte 81.437,6 59.884,4 -26,5
Handelsbilanzsaldo 6.744,1 1.080,2 -84,0

Quelle: UN Comtrade

Außenhandel nach Handelspartnern

China löst USA als wichtigsten Handelspartner ab

Den überwiegenden Teil seines Handels wickelt Chile mit den Ländern ab, mit denen es über Freihandelsabkommen verbunden ist. Als regionales Integrationsprojekt entlang der Pazifikküste gewinnt die Pazifikallianz seit 2011 an Bedeutung: Mit 217 Mio. Einwohnern in Chile, Peru, Mexiko und Kolumbien handelt es sich um den fünftgrößten Wirtschaftsraum der Welt. Weitere Informationen auf Englisch unter: https://alianzapacifico.net/en/

Das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union wurde 2002 unterzeichnet. Die EU ist neben den USA und zuletzt auch China eine relevante Importregion. Deutschland ist der wichtigste EU-Handelspartner. Deutsche Produkte sind - auf Augenhöhe mit denen aus den USA - am besten angesehen, weshalb immer wieder Klagen gegen Unternehmen erhoben werden, die sich fälschlicherweise mit dem Label "Made in Germany" schmücken. Deutsche Waren stehen jedoch auch in dem Ruf, sehr teuer zu sein.

Chile handelt außer mit den anderen amerikanischen Staaten und der EU vor allem mit dem pazifischen Asien. Eine Diversifizierung durch den Aufbau von Beziehungen zu anderen Nationen kommt nur langsam voran.

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Außenhandel nach Warengruppen

Positive Außenhandelsbilanz

Die Einfuhr nach Chile brach 2015 kräftig ein, nachdem schon in den beiden Jahren zuvor deutlich weniger importiert worden war. Als Energieimporteur profitierte das Land von den niedrigen Ölpreisen. Weitere Einfuhrgüter sind chemische Erzeugnisse, Maschinen, Kfz und Elektronik.

China hat 2015 die USA als wichtigstes Lieferland überholt. Die Importe aus Deutschland sanken 2016 laut UN Comtrade um 5% auf 2,26 Mrd. US$. Auf den vordersten Rängen liegen dabei Pkw, Lkw und Luftfahrzeuge, Maschinen für die Bergbau-, Bau- und Baustoffunternehmen sowie Mess-, Regelungs- und Elektrotechnik, Geräte zur Elektrizitätserzeugung und Arzneimittel.

Ein relativ neues Feld, das Interesse im Ausland weckt, ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Die Wirtschaftspolitik versucht, die Industrie zu diversifizieren, um der Konzentration auf Bergbau und Landwirtschaft entgegenzutreten. Auch Innovationen und Forschung sollen besser gefördert werden. Der Anteil ist im Vergleich zu Deutschland gering.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code 1) 2011 2) 2016 2)
Gesamt 74.693,5 58.804,2
Fertigerzeugnisse 8 7.234,6 7.687,3
Mineralische Brennstoffe 3 17.951,4 7.584,8
Vorerzeugnisse 6 8.206,3 7.105,4
Straßenfahrzeuge 78 9.024,4 6.927,5
Chemische Erzeugnisse 5 7.462,2 6.845,0
Maschinen 71-74 8.182,1 6.726,6
Elektronik 75, 76, 776 5.703,8 5.652,9
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 4.870,4 4.677,5
Elektrotechnik 77 minus 776 2.137,6 2.424,2
Rohstoffe 2 2.076,8 922,4
Tierische/pflanzliche Öle 4 263,3 409,1
Getränke/Tabak 1 258,3 405,9
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 1.324,9 1.433,8
Sonstiges 9 0,1 3,8

1) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

2) Abweichungen aufgrund unterschiedlicher Abfragezeitpunkte

Quelle: UN Comtrade

Diversifizierung der Exportstruktur ist noch Zukunftsmusik

Der Export ist der Motor der Wirtschaft mit Gütern wie Metallen, Erzen, Nahrungsmitteln (Frischobst, Zellulose, Wein und andere Getränke) sowie mineralischen Grundstoffen für die Chemiebranche. Der niedrige Kupferpreis drückt seit der Rohstoffkrise den Ausfuhrwert. Der ebenfalls gesunkene Preis für Öl und der schwache chilenische Peso konnten den Rückgang in anderen Zweigen wie dem verarbeitenden Gewerbe zumindest etwas ausgleichen.

Die Lieferungen in die EU (angeführt von Kupfer und Zellulose) sanken zwischen 2012 und 2015 deutlich stärker als jene in die USA und China. Die Lieferungen nach Deutschland stiegen mit Ausnahme von 2016.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code 1) 2011 2) 2016 2)
Gesamt 81.437,6 59.884,4
Rohstoffe 2 23.807,8 19.654,4
Vorerzeugnisse 6 34.090,9 17.581,5
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 12.225,9 13.557,4
Chemische Erzeugnisse 5 3.507,6 2.071,6
Getränke/Tabak 1 1.810,5 1.989,4
Fertigerzeugnisse 8 1.204,9 817,7
Straßenfahrzeuge 78 926,6 689,6
Maschinen 71-74 733,0 587,3
Mineralische Brennstoffe 3 825,5 420,9
Tierische/pflanzliche Öle 4 149,7 208,7
Elektronik 75, 76, 776 288,8 332,8
Elektrotechnik 77 minus 776 298,3 169,2
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 119,7 68,1
Sonstiges 9 1.447,9 835,8

1) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: https://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

2) Abweichungen aufgrund unterschiedlicher Abfragezeitpunkte

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Chile finden Sie unter http://www.gtai.de/chile.

(A.LI.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Außenhandel / Struktur, allgemein

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