Suche

28.03.2019

Chile muss Straßen und Telekommunikation ausbauen

Flächendeckendes Glasfasernetzwerk geplant / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - Chiles Frachtverkehr nimmt stark zu. Auch der Boom des E-Commerce stellt den Logistiksektor vor Herausforderungen.

Chile sollte 2018 bis 2027 für die gesamte Infrastruktur 175 Milliarden US-Dollar (US$) private und öffentliche Mittel bereitstellen. Dies fordert die chilenische Baukammer (Cámara Chilena de la Construcción) in ihrem Bericht "Infraestructura Crítica para el Desarrollo" vom Juni 2018. Der Rat für Infrastrukturpolitik (Consejo de Políticas de Infraestructura) erwartet, dass 2019 und 2020 je 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für öffentliche Investitionen in die Infrastruktur aufgewendet wird. Seit 2010 lag der Wert durchgehend bei etwa 2 Prozent.

Straßen und Telekom brauchen viele Milliarden

Investitionen erfordern laut Baukammer vor allem Straßen und das Telekommunikationsnetz. Es fehlt insbesondere an Autobahnen. Das größte Defizit erwartet die Kammer im städtischen Straßennetz, wofür 67 Milliarden US$ notwendig seien. Bis 2025 soll sich der Fahrzeugpark in Santiago verdoppeln.

Als zweitgrößten Posten identifiziert die Baukammer den flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes und einen verbesserten Zugang zu Breitband, wofür 25 Milliarden US$ nötig seien. Der Präsident des Verbandes für öffentliche Baukonzessionen Copsa, Leonardo Daneri, sagte dazu: "In fünf oder zehn Jahren müssen die Autobahnen mit 5G ausgestattet sein, damit autonome Pkw und Lkw sie nutzen können."

Häfen erreichen Kapazitätsgrenze

Die Häfen, über die Chile 94 Prozent des Außenhandels abwickelt, stoßen nach Einschätzung von Experten bis 2026 an ihre Kapazitätsgrenzen. In den beiden führenden Häfen Valparaíso und San Antonio zeigt sich eine Überlastung bereits an langen Wartezeiten der Schiffe.

In San Antonio planen Behörden einen weitreichenden Ausbau für 3,4 Milliarden US$, der auch die Logistik- und Zugangsinfrastruktur umfasst. Wann dies erfolgen soll, ist noch nicht bekannt. Eine Hochgeschwindigkeitsbahn für Passagiere und Fracht soll die wichtige Strecke von der Hauptstadt Santiago nach Valparaíso auf nur 50 Minuten verkürzen. Derzeit benötigen Bus und Bahn 1 Stunde und 40 Minuten. Das Ministerium für öffentliche Arbeiten (MOP) vergibt den Auftrag zum Bau voraussichtlich noch 2019.

Das US-amerikanische Unternehmen Uber gab 2018 bekannt, mit Uber Freight in den lateinamerikanischen Markt einzusteigen, voraussichtlich zunächst in Mexiko. Nach dem Prinzip der bekannten App können Logistiker ihre Fracht von selbständigen Lkw-Fahrern transportieren lassen. Ob und wann die Technologiefirma nach Chile expandiert, ist bisher nicht bekannt.

Logistik und Güterverkehr wachsen

Für den gesamten Logistiksektor prognostiziert der Branchenverband Alog (Asociación Logística) 2019 und 2020 rund 5 Prozent Wachstum. Bedarf schafft der Straßengüterverkehr. Er legte nach einem schwachen Vorjahr 2018 bisherigen Schätzungen zufolge wieder um 6,3 Prozent zu, der Schienen-Güterverkehr nur um 2,6 Prozent. Der Luftfrachtverkehr stieg 2018 um 14,3 Prozent, womit er zwischen 2016 und 2018 ein Plus von insgesamt 33 Prozent verzeichnete.

Für den E-Commerce prognostiziert der Vorsitzende der Abteilung für digitale Wirtschaft der Handelskammer Santiago (Cámara de Comercio de Santiago), George Lever, einen Aufschwung für 2019 um 25 Prozent auf dann 6,5 Milliarden US$. Der Onlinehandel ist nach Einkaufszentren mit einem Anteil von 28,3 Prozent der größte Vertriebskanal Chiles.

Chile schneidet im Logistics Perfomance Index der Weltbank 2018 in Lateinamerika am besten ab. Das Land liegt an 34. Stelle (Deutschland an erster), insbesondere das Straßennetz wird als gut bewertet. Das Branchenministerium (Ministerio de Transportes y Telecomunicaciones) will den Frachtverkehr in Häfen in dem Land mit seiner 4.000 Kilometer langen Küste beschleunigen, mit Hilfe von Apps und Zugang zu Informationen in Echtzeit. Die Branchenvereinigung Camport (Cámara Marítima y Portuaria) will die Digitalisierung der Behördenprozesse und Zollformalitäten vorantreiben.

Zu öffentlich-privaten Partnerschaften in der Infrastruktur siehe auch https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=chile-investiert-in-pppprojekte,did=2234626.html, zur Logistik https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/transport-und-logistik,t=logistik-in-chile,did=2208466.html.

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Cámara Chilena de la Construcción (CChC) http://www.cchc.cl Verband der Baufirmen
Concesionarios de Obras de Infraestrucutra Pública (Copsa) http://www.copsa.cl Verband der öffentlichen Infrastrukturbetriebe
Ministerio de Obras Públicas (MOP) https:/http://www.mop.cl Ministerium für öffentliches Bauwesen
Ministerio de Transportes y Telecomunicaciones (MTT) http://www.mtt.gob.cl Verkehrs- und Telekommunikationsministerium
Junta de Aeronáutica Civil (JAC) http://www.jac.gob.cl Behörde für zivile Luftfahrt
Confederación Nacional del Transporte de Carga (CNTC) http://www.cntcchile.cl Dachverband für Gütertransporte
Cámara de Comercio de Santiago (CCS) http://www.ccs.cl Handelskammer Santiago

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Chile sind unter http://www.gtai.de/chile abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk), Logistik / Speditionen

Funktionen

Kontakt

Judith Illerhaus

‎+49 228 24 993 248

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche