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06.12.2018

Chile unterhält Handelsabkommen mit 64 Ländern

Fokus des Außenhandels auf Asien und Amerika / Von Anne Litzbarski (November 2018)

Santiago de Chile (GTAI) - Chile zählt zu den Ländern mit den meisten Verträgen für zoll- und steuerfreien Handel weltweit. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner in Europa.

Chile ist ein offenes Land: Über 26 Freihandelsabkommen mit 64 Partnerländern ist der kleine Binnenmarkt mit der globalen Wirtschaft verbunden. Durch die Abkommen hat Chile Zugang zu 4,5 Milliarden Konsumenten (64,1 Prozent der Weltbevölkerung) und 86 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Nach wie vor sind Rohstoffe der Exportschlager Chiles. Sinkende Preise von Rohstoffen bereiten dem Andenstaat jedoch Probleme. Daher weiten Produzenten ihr Angebot aus und setzen nicht mehr ausschließlich auf den Bergbau, sondern auf Sektoren wie die Landwirtschaft. Bis 2024 will Chile beispielsweise die Ausfuhr von Agrarprodukten nach China verdoppeln.

Seit 2014 hat China die USA als größten Handelspartner abgelöst. Deutschland ist der wichtigste Partner des Landes innerhalb Europas mit 3,7 Milliarden US-Dollar (US$) Handelsvolumen für 2017.

Außenhandel Chiles (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 58.808 65.062 11,0
Exporte 60.597 69.229 14,0
Handelsbilanzsaldo 1.789 4.167 -

Quelle: UN Comtrade

Außenhandel nach Handelspartnern

Amerika und Asien im Fokus

Chile ist eines der Länder mit den meisten Verträgen für zoll- und steuerfreien Handel. Das Freihandelsabkommen mit China hat die Regierung 2018 neu aufgelegt. Im November 2018 wurden auch mit Brasilien und Neuseeland neue Abkommen unterzeichnet. Präsident Piñera plant außerdem Gespräche mit Argentinien und Indonesien. Wenn Großbritannien aus der Europäischen Union austritt, will Chile auch mit den Briten ein Abkommen schließen. Über die Verhandlungen zwischen Chile und der EU zur Modernisierung des Abkommens berichtet Germany Trade and Invest unter http://www.gtai.de/MKT201801118003

China und die USA sind die bedeutendsten Liefer- und Abnehmerländer. Angesichts der protektionistischen Tendenzen aus den USA hat die chilenische Regierung vorerst ohne den nordamerikanischen Partner das Transpazifische Partnerschaftsabkommen CPTPP (ehemals TPP) abgeschlossen. Die Mitglieder Kanada, Peru, Mexiko, Australien, Neuseeland, Japan, Vietnam, Brunei, Malaysia, Singapur und Chile stehen für 13 Prozent der globalen Wertschöpfung. Ein späterer Eintritt der USA ist im Gespräch.

MKT201812058008.15

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Außenhandel nach Warengruppen

Mehr langlebige Güter, weniger Zwischenprodukte

Bei den Importen erwartet die Zentralbank 2019 und 2020 einen Zuwachs von 4,2 beziehungsweise 2,8 Prozent in Veränderung zum Vorjahr. Zwischen 2012 und 2017 sank der Wert der Einfuhr um 18,7 Prozent. Deutliche Rückgänge verzeichneten dabei Zwischenprodukte, von 43,2 Milliarden US$ im Jahr 2012 auf 31,3 Milliarden US$ 2017. Eine gestiegene Nachfrage ist dagegen bei langlebigen Gütern erkennbar, die in den fünf Jahren bis 2017 um 15,1 Prozent zulegte. Die Importe kurzlebiger Produkte stiegen um 17,7 Prozent.

Die meisten Güter kamen 2017 aus China und den USA, gefolgt von Brasilien und der EU mit einer Summe von 10,2 Milliarden US$. Chile führt im großen Stil Kfz, Maschinen und Elektronik, insbesondere Handys, ein. Auch Nahrungsmittel und Textilien importieren die Chilenen. Elektronik wie Handys, aber auch Pkw, kommen vorwiegend aus Asien.

Deutschland lieferte 2017 Waren im Wert von 2,7 Milliarden US$ nach Chile und liegt damit nach Argentinien an fünfter Stelle der wichtigsten Zulieferer. Deutsche Produkte stehen in Chile für Qualität und einen relativ hohen Preis. Importiert werden Luft-, Wasser- und Schienenfahrzeuge, Anlagen- und Maschinenbauprodukte (insbesondere für den Bergbau), Geräte zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung, elektrotechnische, medizinische und fotografische Geräte sowie Mess- und Regeltechnik, chemische Erzeugnisse und Waren aus unedlen Metallen. Von 2016 auf 2017 nahmen die Einfuhren aus Deutschland um 15,8 Prozent zu. Zum Image von "Made in Germany" in Chile berichtet GTAI unter: http://www.gtai.de/MKT201808078021.

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code *) 2012 2017
Gesamt 80.085,8 65.061,7
Mineralische Brennstoffe 3 17.997,8 9.586,3
Straßenfahrzeuge 78 9.455,9 8.750,9
Fertigerzeugnisse 8 7.958,5 8.713,1
Vorerzeugnisse 6 9.035,2 7.640,9
Chemische Erzeugnisse 5 8.088,4 7.492,9
Maschinen 71-74 8.793,3 7.029,4
Elektronik 75,76,776 6.030,2 5.724,2
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 5.170,4 5.469,6
Elektrotechnik 77 minus 776 2.341,6 2.297,2
Rohstoffe 2 1.641,6 935,2
Tierische/pflanzliche Öle 4 329,4 507,7
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 2.932,6 466,5
Getränke/Tabak 1 320,8 440,8
Sonstiges 9 0,1 5,9

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: http://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: UN Comtrade

Exporte des Agrarsektors nehmen zu

Bei der Ausfuhr aus Chile überwiegen Rohstoffe und Mineralien, insbesondere Kupfer. Im Jahr 2017 machte der Bergbau 52 Prozent der chilenischen Exporte (38 Milliarden US$) aus. Auf den Nahrungsmittelsektor entfielen 20,2 Prozent. Bei Gütern aus der Land- und Forstwirtschaft ist Chile oft der wichtigste Produzent, zum Beispiel der größte Lachsversorger für die USA und Hauptlieferant für Kirschen in China.

Die Zusammensetzung der chilenischen Produktpalette spiegelt sich auch im Export nach Deutschland wider: Kupfer ist nach wie vor das wichtigste Produkt. Die EU war 2017 mit 12,6 Prozent der gesamten chilenischen Ausfuhr in Höhe von 8,7 Milliarden US$ drittwichtigstes Exportziel. Insgesamt haben die chilenischen Exporte allerdings seit 2012 um 11,3 Prozent abgenommen.

Laut der Generaldirektion der internationalen Wirtschaftsbeziehungen Direcon (Dirección General de Relaciones Económicas Internacionales) sind in Chile mehr als 8.000 Exportfirmen angesiedelt, die 1,2 Millionen Arbeitsplätze schaffen.

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. US$)
Warengruppe SITC-Code *) 2012 2017
Gesamt 78.063,0 69.229,3
Rohstoffe 2 24.234,9 24.816,1
Vorerzeugnisse 6 29.850,0 20.526,2
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 12.106,6 14.021,7
Chemische Erzeugnisse 5 3.811,0 3.330,4
Getränke/Tabak 1 1.936,6 2.152,0
Fertigerzeugnisse 8 1.255,6 907,5
Straßenfahrzeuge 78 819,1 862,2
Maschinen 71-74 739,1 640,1
Mineralische Brennstoffe 3 773,4 598,8
Elektronik 75, 76, 776 306,8 246,5
Tierische/pflanzliche Öle 4 186,4 219,5
Elektrotechnik 77 minus 776 282,1 191,4
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 122,3 53,0
Sonstiges 9 1.639,0 663,4

*) das Internationale Warenverzeichnis für den Außenhandel (Standard International Trade Classification) können Sie auf der Seite des Statistischen Bundesamtes herunterladen: http://www.destatis.de/DE/Methoden/Klassifikationen/Aussenhandel/InternationalesWarenverzeichnis.html

Quelle: UN Comtrade

Weitere Informationen zu Chile finden Sie unter http://www.gtai.de/chile.

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Chile Außenhandel / Struktur, allgemein

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