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04.05.2018

Chilenische Recyclingbranche braucht neue Technologien

Impulse durch Gesetz zur Produzentenverantwortung / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - In Chile erfordert das Gesetz zur Produzentenverantwortung neue Technologien in der Recyclingbranche. Deutschen Anbietern von grünen Technologien und Dienstleistungen bieten sich verschiedene Handlungsfelder, darunter die Beratung bei der Abfallaufbereitung, intelligente Verpackungstechnik sowie Etikettierung. Doch die Branche ist hoch kompetitiv und birgt Herausforderungen, eine gute Vorbereitung auf den Markteintritt ist unabdingbar.

In Chiles Recyclingbranche bietet die erstmalige Umsetzung eines Gesetzes zur erweiterten Produzentenverantwortung Chancen für deutsche Unternehmen. Das Gesetz gilt als umfassender Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft mit Signalwirkung auf weitere Staaten der Region (GTAI berichtet unter http://www.gtai.de/MKT201605138001). In der aktuellen Phase der Ausgestaltung des Gesetzes sind nationale Akteure besonders sensibilisiert für die Thematik.

Regierung will Recyclingquote verdreifachen

Chile möchte die Recyclingrate von 10 auf 30 Prozent erhöhen, jedoch fehlt es dem Andenstaat an Technologien zur Mülltrennung und -sammlung, Abfallbehandlung und energetischen Nutzung. Die Abfallentsorgung erfolgt überwiegend auf Halden, ein Viertel der Menge unsachgemäß. Auch Sortieranlagen gibt es noch nicht. Bei verschiedenen Materialarten, wie etwa Plastik, ist noch kein hochwertiges Recycling möglich. Als bisher einziges Unternehmen stellt Greenplast Pellets aus Kunststoff her.

Im Zuge der geplanten höheren Recyclingquote müssen die Produzenten bald Alternativen suchen oder ihr Design umstellen. Chilenischen Firmen verfügen nicht über die notwendigen technischen Voraussetzungen, um Kunststoffverpackungen ausreichend zu reinigen und für die Verwendung von Lebensmitteln aufzubereiten. Hinweise zur fachgerechten Entsorgung oder Wiederverwendung finden sich nur auf wenigen Produkten.

Trotz der vielen Defizite sei sein Land im Bereich Industrieabfall im regionalen Vergleich weit fortgeschritten, sagt Isidro Pereda Soto, Geschäftsführer des Recyclingunternehmens RECUPAC S.A., im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Die besten Chancen für deutsche Firmen sieht er beim Hausmüll, der zu lediglich 5 Prozent recycelt wird. Er setze sich zu 50 Prozent aus organischem Abfall zusammen. Weitere rund 30 Prozent seien nur für die Deponie geeignet. Die restlichen 20 Prozent könnten Pereda Soto zufolge recycelt werden.

Weitere Marktchancen bieten sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dazu zählen die Verringerung von Verpackungen, die Herstellung nachhaltiger Verpackungen samt Etikettierung und die Nutzung von Sekundärmaterialien, später zudem die Haldenrenaturierung, das Entsorgungsmanagement, Recycling oder die energetische Verwertung. Auch Dienstleistungen sind gefragt, etwa bei der Ausbildung von Fachpersonal oder Zertifizierungen. Deutsche Unternehmen können Erfahrungen aus der Umsetzung der Kreislaufwirtschaft und dem Aufbau der Infrastruktur zur Getrenntsammlung von Abfall einbringen. Das Gleiche gilt für ihr Know-how bei der Materialrückgewinnung und dem Aufbau von Rücknahmesystemen in Supermärkten.

Weiterhin gesetzliche und finanzielle Hürden

Einige Gesetze wie das Verbot des Einsatzes recycelter Baustoffe oder die Wiederverwendung von Plastikflaschen für Getränke stehen dem Recycling im Weg. Als Herausforderung gilt auch die Finanzierung. Selbst wenn sich die Hersteller zukünftig am Abfallmanagement beteiligen, werden nicht alle Kosten gedeckt.

Mit der Entsorgung von Siedlungsabfällen auf Müllhalden und -deponien sind bislang niedrige Kosten verbunden. Finanzielle Anreize oder Verpflichtungen könnten zu höheren Rückholraten beitragen. Die Chilenen bezahlen wenig oder gar nichts für die Müllabholung, sodass eine zusätzliche Finanzierung auf diesem Wege schwer durchzusetzen wäre - vor allem in Verbindung zum angestrebten kulturellen Wandel im Umgang mit Abfall.

Markteintritt erfordert gute Vorbereitung

Die Abfallwirtschaft ist wie die meisten Branchen in Chile kompetitiv, insbesondere für Neueinsteiger. Oft befinden sich zahlreiche Unternehmen unterschiedlicher Sektoren in den Händen einer einzigen Familie. Das bringt zwar auf der einen Seite Markteintrittsbarrieren mit sich. Auf der anderen Seite hat es den Vorteil, dass die relevanten Kontaktpersonen schnell ausfindig gemacht sind. Vom umfangreichen Vertriebsnetz der Handelspartner profitieren auch ausländische Firmen.

Doch für den Markteintritt in Chile sind Geduld und finanzielle Rücklagen erforderlich. Die Produktivität ist gering und viele Verwaltungsprozesse ineffizient. Zudem herrscht ein Mangel an Fachkräften. Unternehmen müssen daher intensives Anlernen und Schulungen einplanen. Außerdem ist das Anwerben von gutem Fachpersonal herausfordernd. Mit den Gehältern, die Bergbaukonzerne versprechen, können andere Branchen kaum mithalten. Zum Einstieg empfiehlt Isidro Pereda Soto von RECUPAC S.A. deutschen Firmen die Präsentation auf Messen.

Weitere Informationen Chile finden Sie unter http://www.gtai.de/chile.

Dieser Artikel ist relevant für:

Chile Abfallentsorgung, Recycling, Deponie und Abfallaufbereitungsbau

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