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29.10.2018

China als Investor in Afrika immer wichtiger

Andere Branchen-Schwerpunkte als Deutschland / Von Frank Robaschik

Bonn (GTAI) - China hat etwa viermal so viel in Afrika investiert wie Deutschland. Besonders stark ist es im Infrastrukturbau und bei Rohstoffen. Die Investitionen sind regional breit gestreut.

Der Bestand ausländischer Direktinvestitionen in Afrika stieg laut UNCTAD von 2010 bis 2017 um 44,9 Prozent auf 887 Milliarden US-Dollar (US$). Damit blieb die Region leicht hinter der weltweiten Entwicklung zurück, wo die Werte um 55,5 Prozent auf 31,5 Billionen US$ zulegten. Ohne Südafrika sind die Wachstumsraten - auch wegen des geringen Niveaus - allerdings deutlich höher als im weltweiten Durchschnitt. Die wichtigsten Zielländer ausländischer Direktinvestitionen in Afrika sind Südafrika, Ägypten, Nigeria, die Maghreb-Staaten, Mosambik und Ghana.

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In den letzten Jahren hat insbesondere die Bedeutung Chinas als Investor zugenommen. Der Anteil des Landes am Bestand ausländischer Direktinvestition in Afrika stieg laut UNCTAD von 2,2 Prozent im Jahr 2010 auf 4,9 Prozent im Jahr 2016. Damit blieb er jedoch noch hinter dem Engagement der USA, des Vereinigten Königreichs und Frankreichs zurück. Der Anteil Afrikas an den gesamten chinesischen Investitionen im Ausland sank von 4,1 Prozent im Jahr 2010 auf 2,9 Prozent im Jahr 2016. Der Bestand deutscher Direktinvestitionen blieb laut Bundesbank in etwa unverändert. Der Anteil sank jedoch von 2,1 Prozent auf 1,4 Prozent.

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Mehr chinesische Investitionen im Bausektor als im Bergbau

Das Engagement Chinas in Afrika in Form von Direktinvestitionen ist nach jeweiligen nationalen Angaben weniger stark auf den Bergbau fixiert als jenes der USA, des Vereinigten Königreichs oder Frankreichs. Deutschland tätigte keine nennenswerten Investitionen in diesem Bereich. Dagegen fallen mit 11,3 Milliarden US$ per Ende 2016 sehr hohe Investitionen Chinas in den Bausektor in Afrika auf.

Im Verarbeitenden Gewerbe sind die Unterschiede im Bestand an Investitionen zwischen den führenden Nationen nicht groß. Frankreich lag Ende 2016 mit 6,0 Milliarden US$ vor China (5,1 Milliarden), Deutschland (4,2 Milliarden), den USA (4,1 Milliarden) und Japan (4,0 Milliarden). Allerdings entfallen mehr als drei Viertel der deutschen Investitionen in diesem Bereich auf Südafrika und dabei insbesondere auf die Kfz-Industrie. Bei Japan ist die Konzentration auf Südafrika noch stärker. China und Deutschland haben jeweils etwa 4,5 Milliarden US$ an Investitionen im Finanzsektor in Afrika. Diese Werte sind allerdings deutlich kleiner als die des Vereinigten Königreichs und Frankreichs.

Direktinvestitionen wichtiger Länder in Afrika 2016 nach Branchen (Bestand in Mrd. US$)
2016 Bergbau Bau Verarbeitendes Gewerbe Handel Finanz-sektor Beteili-gungsges.
USA 57,5 34,7 k.A. 4,1 (Chemie 1,3, Maschinenbau 0,5, Nahrungsmittel 0,4) 1,9 3,2 2,8
Vereinigtes Königreich *) 66,2 36,0 k.A. k.A. k.A. 22,7 k.A.
Frankreich 61,1 28,4 2,5 6,0 (Chemie 3,0, Kfz 1,0) 2,9 9,3 k.A.
VR China 39,9 10,4 11,3 5,1 k.A 4,6 k.A.
Deutschland 11,1 k.A. k.A. 4,2 (Kfz 2,2, Chemie 0,5) 0,1 4,3 1,1
Japan 10,0 0,7 0,0 4,0 (Maschinenbau 1,8, Fahrzeugbau 0,9, Chemie 0,3 0,3 1,2 k.A.

*) Angaben für 2014

Quellen: Bank of Japan; Banque de France; Deutsche Bundesbank; Ministry of Commerce Chinas; UK National Statistics Office; US Bureau of Economic Analysis; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Chinas Direktinvestitionen regional stark gestreut

Chinas Direktinvestitionen sind breit gestreut über den gesamten Kontinent. Wie für viele andere Länder ist das wichtigste Investitionsziel Südafrika. Vergleichsweise stark bei Summen und Anteilen an den ausländischen Investitionen ist das chinesische Engagement in DR Kongo, Sambia, Äthiopien, Algerien, Simbabwe, Angola, Kenia und Uganda. Darüber hinaus verzeichnet China hohe Anteile bei kleinem Gesamtbestand ausländischer Direktinvestitionen in Eritrea, Guinea-Bissau, Malawi und Sierra Leone. Ungewöhnlich im Vergleich zu anderen Ländern ist die sehr geringe Präsenz in Tunesien mit lediglich 16,3 Millionen US$ und in Marokko mit 163 Millionen US$.

Deutschland hat lediglich in Südafrika (6,9 Milliarden US$), Ägypten (1,4 Milliarden US$), Marokko (730 Millionen US$) und Tunesien (170 Millionen US$) einen höheren Bestand an Direktinvestitionen als China.

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China investiert viel in Rohstoffe

Von Germany Trade & Invest ausgewertete Erhebungen des American Enterprise Institute zeigen, dass China in Afrika stark in Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas sowie Kupfer, Eisen und Uran investiert. Die Hauptinvestoren sind chinesische Rohstofferschließungsfirmen und Abnehmer der Rohstoffe. Die Ankündigung der letzten großen chinesischen Projekte bei Erdöl und Erdgas liegt allerdings mit Ende 2013 und März 2014 mindestens dreieinhalb Jahre zurück.

Investitionsprojekte Chinas in Afrika 2005-2017 nach Branchen (in Mrd. US$)
Branche Summe Wichtige Länder Wichtige Firmen
Gesamt 83,0
Metalle 33,5
.Kupfer 13,3 DR Kongo (9,2), Südafrika, Sambia, Kongo China Molybdenum, MCC, Sinohydro, Minmetals, China Railways Engineering, Jinchuan
.Eisen *) 10,8 Sierra Leone, Guinea, Tansania, Kamerun Chinalco, Kingho Energy, Sinosteel, Sichuan Hanlong
.Uran 2,0 Namibia China General Nuclear
.Aluminium 0,9 Ägypten Citic, Chinalco
Energie 27,5
.Erdöl 17,9 Niger, Nigeria Uganda, Ägypten, Angola, Tschad CNPC, Sinopec, CNOOC
.Erdgas 5,0 Mosambik, Ägypten CNPC, Sinopec
.Kohle 0,9 Simbabwe Yunnan Investment
.Erneuerbare 0,7 Simbabwe, Guinea-Bissau Zhenfa New Energy Science, Shenyang Lan Sa
Immobilien 10,0 Guinea, Angola, Nigeria Dreal
Finanzwesen 5,9 Südafrika ICBC
Landwirtschaft 1,5 Uganda, Mosambik Guangzhou Dongsong, Wanbao Grains

*) zum Teil einschließlich Kohle

Quellen: China Global Investment Tracker des American Enterprise Institute (CGIT), Berechnungen von Germany Trade & Invest

China sehr stark in Afrikas Bausektor

Der Anteil chinesischer Baufirmen am Geschäft der größten internationalen Bauunternehmen in Afrika hat in den vergangenen Jahren von bereits sehr hohem Niveau weiter deutlich zugelegt. Nach Angaben von Engineering News-Record (ENR) stieg er von 38,7 Prozent im Jahr 2010 auf 56,2 Prozent im Jahr 2016.

Eine Auswertung der Projektlisten des American Enterprise Institute durch Germany Trade & Invest zeigt, dass chinesische Firmen in Afrika vor allem Eisenbahnen, Wasserkraftwerke, Straßen und Häfen bauen.

Top-Projekte chinesischer Baufirmen in Afrika 2005-2017 (in Mrd. US$)
Branche Summe Wichtige Länder
Gesamt, davon 258,7
Verkehr 111,1
.Eisenbahnen 52,9 Nigeria (20,0), Tschad, Kenia, Äthiopien, Ägypten, Libyen, Algerien, Sambia, Angola, Mali, Sudan, Tansania, Senegal
.Straßen 29,5 Algerien, Nigeria, Kongo, Sambia, Kenia, Senegal, Mosambik, Äthiopien, Kamerun, Gabun
.Häfen 17,8 Angola, Kongo, Algerien, Nigeria, Madagaskar, Côte d'Ivoire, Südsudan, Guinea, Mosambik, Ägypten, Benin, Kamerun
.Flughäfen 7,5 Sudan, Algerien, Tschad, Sambia, Nigeria, Dschibuti
Energie 69,2
.Wasserkraft 31,5 Äthiopien, Angola, Sambia, Kamerun, Uganda, Kenia, Sudan, Guinea, Nigeria, Simbabwe, Südsudan
.Kohle 8,9 Ägypten, Simbabwe, Kenia, Malawi, Marokko
.Erdgas 7,0 Nigeria, Tansania, Ghana, Angola, Côte d'Ivoire
.Erdöl 4,8 Ägypten, Kongo, Ghana, Algerien
.Erneuerbare 2,0 Äthiopien, Algerien, Kenia, Simbabwe
Wasser- und Energieversorgung 8,1 Angola, Ghana, Ägypten, Kamerun, Sambia, Äquatorialguinea
Telekommunikation 6,8 Äthiopien, Nigeria, Kamerun, Algerien, Südafrika
Landwirtschaft 5,8 Äthiopien, Sudan, Kenia, Sambia
Immobilien 27,1 Angola, Algerien, Nigeria, Tansania, Simbabwe, Ägypten, Äthiopien, Kongo
Unterhaltung, Tourismus 3,3 Algerien, Kongo, Äquatorialguinea, Kamerun

Quellen: CGIT; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Rund zwei Drittel des Projektvolumens von 258,7 Milliarden US$ in den Jahren von 2005 bis 2017 entfielen auf Nigeria, Algerien, Äthiopien, Angola, Kenia und Ägypten, Sambia, Kongo und Kamerun.

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Die aktivsten chinesischen Bauunternehmen in Afrika sind Rohstofferschließungsfirmen und Abnehmer der Rohstoffe, allen voran China Railway Construction, China Communications Construction, China National Machinery Industry Corporation (Sinomach) und State Construction Engineering. Diese sind oft in verschiedenen Bereichen aktiv, die China Railway Construction etwa vor allem im Eisenbahn- und im Straßenbau.

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Die gesamte Studie "China in Afrika - Perspektiven, Strategien und Kooperationspotenziale für deutsche Unternehmen" von DIHK, Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft und GTAI (Bestell-Nr. 21054, 32 Seiten) ist unter http://www.gtai.de/china-in-afrika abzurufen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Afrika können Sie unter http://www.gtai.de/afrika abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

China, Deutschland, Afrika Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Investitionen im Ausland / Joint Ventures, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen

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