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09.04.2019

China baut Kohleflözgas-Förderung aus

Beijing treibt zudem massiv den Abbau von Schiefergas- und Schieferöl voran / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Gas statt Kohle: China will neben Erdgas zusätzlich Kohleflözgas und Schiefergas einsetzen, um den eigenen Energiebedarf zu decken. Umweltprobleme werden öffentlich nicht diskutiert.

China verfügt mit geschätzten 36,8 Billionen Kubikmetern über die drittgrößten Kohleflözgasreserven der Welt nach Russland und Kanada, so die National Energy Administration. Laut Bloomberg New Energy Finance produzierte China 2017 mehr als 9 Milliarden Kubikmeter Kohleflözgas. Allerdings hinkt die Förderung nach eigener Einschätzung, so die China Daily, dem Weltstandard deutlich hinterher. Doch dürfte sich dies bald ändern. Denn speziell Chinas Kohleprovinzen sehen hier eine Möglichkeit, sich energetisch breiter aufzustellen.

Für Shanxi beispielsweise genehmigte die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform NDRC (National Development and Reform Commission) im Oktober 2018 drei Kohleflözgas-Projekte mit einem Investitionsvolumen von 7,8 Milliarden Renminbi Yuan (RMB; umgerechnet fast 1,2 Milliarden US-Dollar; 1 US$ = circa 6,6114 RMB; Jahresdurchschnittskurs 2018) und einer geplanten Jahresförderkapazität von knapp 1,5 Milliarden Kubikmetern.

Bislang befinden sich etwa 90 Prozent der Bergbaurechte in der Hand von Staatsunternehmen. Allerdings ist die Provinzregierung gerade dabei, die Bestimmungen über ausgegebene Rechte zu verschärfen, um sicherzustellen, dass die vertraglich ausgewiesenen Gelder auch investiert werden. Nach Xinhua entfallen bisher über 90 Prozent der chinesischen Kohleflözmethanförderung auf Shanxi.

Bis 2020 soll die Erforschung potenzieller Lagerstätten weiter vorangetrieben werden und zwei bis drei Kohleflözgas-Förderstellen ihren Betrieb aufnehmen. Ziel bis dahin ist eine Förderung von 24 Milliarden Kubikmeter, 13 Prozent der landesweiten Gasproduktion. Um die Industrie zu unterstützen, hat das Finanzministerium den Import bestimmter Ausrüstungsgegenstände für die Exploration und Förderung des Gases bis 2020 von Importabgaben und Mehrwertsteuer befreit.

Die stärkere Förderung von Kohleflözgas soll China nicht zuletzt ein wenig unabhängiger von Gas- und Öleinfuhren aus dem Ausland machen. Gegenwärtig ist das Land größter Gas- und Ölimporteur der Welt mit einer Einfuhr von 440 Millionen Tonnen Erdöl im Jahr 2018 (+11 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und 125,4 Milliarden Kubikmetern Gas (+31,7 Prozent). Damit erreichte die Importabhängigkeit 69,8 beziehungsweise 45,3 Prozent - mit weiter steigender Tendenz.

Hohe Investitionen in die Schiefergasexploration

In die gleiche Richtung zielt die aggressive Förderung von Schiefergas. Tatsächlich ist China das dritte Land nach den USA und Kanada, in dem Schiefergas kommerziell gefördert wird. Schiefergas gilt in China als sauberer Energieträger. Die Problematiken für die Umwelt, die mit seiner Förderung einhergehen, werden nicht öffentlich diskutiert. Nach Einschätzung von Bloomberg Intelligence dürften etwa 9 Prozent des chinesischen Gasverbrauchs bis 2020 auf Schiefergas entfallen. Die Quote könnte weiter auf 15 bis 19 Prozent bis 2030 steigen, wenn China bis dahin die Fördermenge von Schiefergas auf 80 Milliarden bis 100 Milliarden Kubikmeter ausweitet.

Gegenwärtig betreiben die beiden großen staatlichen Erdölkonzerne China National Petroleum Corp. (CNPC oder PetroChina) und China Petroleum and Chemical Corp (Sinopec) fast 600 Bohrlöcher, bis 2020 sollen 700 weitere hinzukommen. Allein im Sichuan-Becken sollen beide Staatsriesen bislang insgesamt 5,5 Milliarden US$ in das Schiefergasgeschäft investiert haben.

CNPC soll 2018 knapp 4,3 Milliarden Kubikmeter Schiefergas in Sichuan gefördert haben - ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr - und will die Produktion bis 2020 auf 12 Milliarden sowie bis 2025 auf 22 Milliarden Kubikmeter hochfahren. Hierfür müssen 1.300 neue Bohrlöcher erschlossen werden. Für den Zeitraum 2026 bis 2030 sollen weitere 2.300 Bohrlöcher hinzukommen, um die Förderung auf 42 Milliarden Kubikmeter zu steigern. Um diese ehrgeizigen Ziel zu erreichen, arbeitet CNPC mit anderen Firmen zusammen - einschließlich des Wettbewerbers Sinopec, aber auch mit Privatfirmen wie der Anton Oilfield Services Group.

Nach den Vorgaben der National Energy Administration aus dem Jahr 2016 will China bis 2020 rund 30 Milliarden Kubikmeter Schiefergas aus dem Boden pumpen. Erschwert wird die Erreichung dieses Ziels dadurch, dass die meisten chinesischen Vorkommen in abgelegenen Regionen liegen - ohne die erforderliche Infrastruktur an Pipelines etc. Hinzu kommt Wasserknappheit. Diese Faktoren treiben die Kosten in die Höhe, was die Förderung von Schiefergas für Privatfirmen wenig attraktiv macht. Trotzdem gelten die Perspektiven angesichts der stark steigenden heimischen Nachfrage nach Gas (als Ersatz für Kohle) als gut.

Nach dem China Mineral Ressource Report 2018 verfügt China über mehr als 1 Billion Kubikmeter bestätigte Schiefergasreserven. Sinopec entwickelt gerade das größte Schiefergasfeld des Landes: Über 6 Milliarden Kubikmeter förderte Sinopec 2018 in Fuling bei Chongqing, verkauft wurden 5,8 Billionen Kubikmeter. Seit seiner Eröffnung 2014 wurden dort 21,5 Milliarden Kubikmeter aus dem Boden gepumpt. Mit bestätigten Reserven von 600 Milliarden Kubikmetern ist es das zweitgrößte Schiefergasfeld weltweit. Entsprechend soll es eine bedeutende Rolle bei der Umstrukturierung des chinesischen Energiemixes spielen.

Seit Beginn der Förderung, so die Bloomberg-Analyse, habe China die Fracking-Effizienz um 50 Prozent gesteigert und seine Bohrkosten halbiert. Allerdings muss China, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, die Bohrtiefen deutlich erhöhen, bislang arbeiten die Firmen nur in Tiefen bis zu 3.500 Metern.

China weitet ebenfalls Schieferölförderung aus

Neben Schiefergas steigert China die Förderung von Schieferöl. CNPC plant beispielsweise die Erhöhung der Fördermenge allein im Bohai-Becken von 50.000 Tonnen Ende 2019 auf 500.000 Tonnen bis 2025. Morgan Stanley erwartet eine Zunahme der Schieferölproduktion auf 100.000 bis 200.000 Barrel pro Tag bis 2025. Nach Informationen der International Energy Agency verfügt China über Schieferölvorkommen von 4,5 Milliarden Tonnen und steht damit hinter Russland und den USA an dritter Stelle.

Angesichts dieser Vielzahl an Aktivitäten wundert es wenig, dass Chinas Öl- und Gaswirtschaft trotz der allgemein weniger dynamischen Wirtschaftsentwicklung glänzende Geschäfte macht. Gegenüber dem Vorjahr vervierfachten sich die Gewinne des Sektors.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Öl, Gas, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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