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12.10.2018

China engagiert sich in Israel

Technologie, Infrastruktur und Weltmarktpräsenz im Blick / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Chinas Investitionen in Israel reichen von Start-ups bis hin zu Großübernahmen. Bei Infrastrukturprojekten mischen chinesische Unternehmen kräftig mit.

China und Israel unterhalten enge Wirtschaftsbeziehungen. Laut der israelischen Außenhandelsstatistik lagen die israelischen Warenexporte nach China 2017 bei knapp 3,3 Milliarden US-Dollar (US$), während die Wareneinfuhr aus der Volksrepublik mit mehr als 6,5 Milliarden US$ fast doppelt so hoch war. China ist für Israel das zweitwichtigste Lieferland. Die Hauptkategorie der chinesischen Lieferungen sind Produkte des Maschinenbaus und der Elektroindustrie.

Bei Investitionen in die israelische Wirtschaft spielt China keine ähnlich führende Rolle, doch zeigen chinesische Unternehmen in bestimmten Fällen durchaus Interesse sowohl am Hightechsektor als auch an weniger technologieintensiven Objekten. Wie die Marktforschungsfirma IVC Research in einer im Februar 2018 veröffentlichten Analyse feststellte, konzentrieren sich chinesische Firmenkäufer auf innovative israelische Technologie.

Dieses Bestreben macht gezielte Investitionen in relevante israelische Start-ups für chinesische Investoren attraktiv. In den Jahren 2015 bis 2017 entfielen, so IVC Research, 12 Prozent aller ausländischen Investitionen in israelische Start-ups auf chinesische Unternehmen. Dagegen betrage der chinesische Anteil am Gesamtwert ausländischer Firmenübernahmen im Hightechbereich - also nicht nur junger Firmen - im Mehrjahresdurchschnitt höchstens 5 Prozent.

Großübernahmen in Chemie, Nahrungsmittelindustrie und Gaming

Das bedeutet allerdings nicht, dass chinesische Unternehmen Großübernahmen in Israel grundsätzlich meiden würden. So übernahm die China National Agrochemical Corporation, eine Tochtergesellschaft der China National Chemical Corporation (ChemChina) 2011 einen 60-Prozent-Anteil an dem israelischen Pflanzenschutzmittelhersteller Adama. Für 2,4 Milliarden US$. wurde Adama in die Struktur des chinesischen Konzerns integriert und wird seit 2014 nicht mehr als separates Unternehmen gelistet. Im Jahr 2016 erwarb ChemChina die restlichen 40 Prozent an Adama. Dank der Technologie und der Produktpalette von Adama wollte ChemChina seine Position auf dem großen chinesischen Markt für Pflanzenschutzmittel verbessern, erhielt aber auch Zugang zu Adamas Exportmärkten.

Im Jahr 2014 erwarb der chinesische Nahrungsmittelkonzern Bright Food für 2,5 Milliarden US$ einen Anteil von 56 Prozent an Tnuva, dem größten israelischen Produzenten von Milch und Milcherzeugnissen. Mit dem Erwerb erlangte Bright Food nicht nur einen erheblichen Anteil am israelischen Nahrungsmittelmarkt, sondern bekam auch Zugang zu Tnuvas hochmoderner Technologie für die Milchwirtschaft.

2016 wurde der israelische Anbieter von Online-Spielen Playtika durch ein chinesisches Konsortium für 4,4 Mrd. US$ erworben. Der Verkäufer war die US-amerikanische Caesars Interactive Entertainment, die die israelische Firma 2011 für rund 170 Mio. US$ erworben, ihre Tätigkeit aber in Israel belassen hatte. Daher wurde der Weiterverkauf in Israel von seiner ökonomischen Bedeutung her als eine Investition in Israels Gaming-Branche eingestuft.

Massive Infrastrukturprojekte

Wichtig ist auch das kräftige chinesische Engagement beim Ausbau der israelischen Infrastruktur. Bereits Ende des vergangenen Jahrhunderts führte die China Civil Engineering Construction Corporation (CCECC) als Subunternehmer eines israelischen Baukonsortiums die Bohrarbeiten zur Untertunnelung des Carmel-Berges in Haifa im Rahmen eines großen Verkehrsprojekts durch. Die CCECC war auch Teil des internationalen MTS-Konsortiums, das 2006 ursprünglich mit dem Bau der ersten Tel Aviver S-Bahn-/U-Bahnstrecke beauftragt wurde, dessen Projektlizenz aber wegen Verzögerungen wieder entzogen wurde.

Chinesische Unternehmen sind ferner an den beiden in Ashdod und in Haifa entstehenden israelischen Privathäfen beteiligt, die den bestehenden staatseigenen Häfen Konkurrenz machen sollen. Der neue Hafen in Ashdod wird von der Pan Mediterranean Engineering Company, Teil der China Harbor Engineering Company gebaut. Der Haifaer Hafen wiederum soll nach seiner für 2021 geplanten Fertigstellung 25 Jahre lang von der Shanghai International Port Group betrieben werden.

Es wird damit gerechnet, dass eine chinesische Teilnahme an Infrastrukturprojekten auch in den kommenden Jahren anhalten wird. Nicht zuletzt ist der Bau einer Bahnverbindung zum Roten Meer durch chinesische Firmen im Gespräch. Ein solcher Anschluss würde auch den Bahntransport von Gütern zwischen dem Rotmeerhafen in Eilat und dem Hafen von Ashdod ermöglichen. Damit könnte Israel als "Landbrücke" für Frachtbeförderung zwischen dem Fernen Osten und dem Westen dienen und sich damit in das chinesische Projekt der "Neuen Seidenstraße" einfügen. Beschlossen sind bisher jedoch weder der Bau der Strecke noch deren etwaige Nutzung als "Landbrücke". Chinesische Firmen sind auch in begrenztem Umfang, in dem für ausländische Firmen schwer zugänglichen israelischen Wohnungsbau tätig.

Chancen für Zulieferer gestalten sich schwierig

Für westliche, darunter auch deutsche Unternehmen, können sich aus Infrastrukturprojekten, die von chinesischen Unternehmen realisiert werden, Zulieferchancen ergeben, wie es sie bei allen Großprojekten gibt. Allerdings verweisen israelische Geschäftskreise darauf, dass chinesische Auftragnehmer oft bemüht sind, einen möglichst großen Teil der für Projekte benötigten Komponenten selbst bereitzustellen.

Eine Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern bei Infrastrukturprojekten. So war Siemens an dem MTS-Konsortium beteiligt, das zunächst den Zuschlag für die Tel Aviver Stadtbahnstrecke erhielt. Hochgezogene Augenbrauen gab es in der westlichen Geschäftswelt dagegen, als israelische Medien 2015 berichteten, die israelische Regierung plane eine Vergabe des Baus der Eilat-Bahnstrecke an chinesische Unternehmen im Rahmen eines Regierungsabkommens mit Beijing - also ohne eine internationale Ausschreibung.

Die israelische Regierung misst einer Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen zu China große Bedeutung bei, doch wird im Lande auch Kritik geäußert. Bei der Veräußerung von Tnuva bemängelte eine Oppositionspolitikerin etwa, es sei bedenklich, einen großen Teil der Nahrungsmittelversorgung "in fremde Hände zu legen". IVC Research wiederum bemängelte im Februar 2018, die israelische Hoffnung, die engen Technologie-Verbindungen zu China würden vielen israelischen Hightech-Firmen zum Durchbruch auf dem chinesischen Markt verhelfen, hätten sich kaum erfüllt. Es gibt zudem geopolitische Bedenken. Nicht zuletzt befürchten Kritiker, Israel könnte sich bei zu großer wirtschaftlicher Nähe politischem und wirtschaftlichem Druck durch China aussetzen und den strategischen Partner USA vor den Kopf stoßen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Israel können Sie unter http://www.gtai.de/israel abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel, China Infrastruktur, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen

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