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11.07.2019

China fördert in Pakistan den Stromsektor

Schwerpunkt ist Kohle, aber auch Projekte in anderen Kraftwerksparten / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - Mit chinesischer Unterstützung arbeitet Pakistan an der Beseitigung der chronischen Engpässe in der Stromversorgung. Derzeit läuft ein starker Ausbau der Kraftwerkskapazitäten.

In Pakistan bildet die Stromversorgung den Schwerpunkt der chinesischen Seidenstraßenoffensive. Im Rahmen des CPEC-Programms (China Pakistan Economic Corridor) wird vor allem die Nutzung von Kohlekraft forciert, aber Wasserkraftwerke und erneuerbare Energien erhalten ebenfalls Förderung. Chinesische Investoren, Financiers und Kraftwerksbauer sind aber auch an zahlreichen Kraftwerksprojekten, die nicht zum CPEC-Programm gehören, beteiligt.

China macht Klimakiller zum "Energieträger der Zukunft"

Kohle spielte in Pakistans Kraftwerksektor vor Beginn des chinesischen Engagements keine große Rolle. Es gab nur das 1995 ans Netz gegangene 150 Megawatt Lakhra Braunkohlekraftwerk. Im Rahmen des CPEC-Programms konnten bereits drei große Kohlekraftwerke in Betrieb gehen: Port Qasim Karachi Power Plant (Importkohle; 2 x 660 Megawatt; Inbetriebnahme 2017/2018), die Sahiwal Coal Power Plant (Importkohle, 2 x 660 Megawatt; 2017) und die Engro Thar Block II Coal Power Plant (lokale Braunkohle; 2 x 330 Megawatt; 2019). Die HUBCO Coal Power Plant (Importkohle; 2 x 660 Megawatt) dürfte noch 2019 fertiggestellt werden.

Die von China forcierte Kohlenutzung hat die pakistanische Braunkohle zum "Energieträger der Zukunft" werden lassen. Das Kraftwerk Engro Thar Block II ist das erste Kohlekraftwerk in der Braunkohleregion Thar in der Provinz Sindh. Die gewaltigen Thar Lagerstätten verfügen über 175 Milliarden Tonnen Braunkohle. Derzeit gibt es Kraftwerksprojekte in vier von letztlich vermutlich neun Blöcken.

Allein im Block II sollen in fünf Ausbauphasen Kraftwerke mit insgesamt 5,3 Gigawatt errichtet werden, es würden dann jährlich 30,4 Millionen Tonnen Braunkokle abgebaut. Mit der zweiten Phase (2 x 330 Megawatt) ist schon begonnen worden. Die Flöze liegen in Tiefen ab 120 Metern. Das Essener Energieunternehmen RWE beteiligt sich seit 2013 am Thar Block II Projekt mit verschiedenen Engineering-Support-Leistungen. Im Thar Block I sollen 2023 zwei 660 Megawatt Kraftwerke fertiggestellt sein. Ähnliche Projekte sind in den Thar Blöcken III und VI in Vorbereitung.

Pakistan: Kraftwerksprojekte in Planung oder im Bau mit chinesischer Beteiligung (Auswahl)
Projektbezeichnung Investitions-summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektbetreiber
HUBCO Imported Coal Power Project 1.912 DU China Power Hub Generation Company
Shanghai Electric Thar I Power Plant 1.912 P Shanghai Electric Group Company
Oracle Thar VI Coal Power k.A. P Oracle Coal Fields PLC
Lucky Electric Coal Power Plant 957 DU Lucky Electric Power Company Ltd.
Thal II Nova Thar Coal Project 498 P Thal Nova Power Thar (Pvt) Ltd.
Thar II Energy Limited 498 DU Thar Limited Energy
Punjab Thermal Power Project (RLNG) 802 DU Punjab Thermal Power (Pvt.) Limited
Karachi Nuclear Power Plants 2 and 3 k.A. DU China National Nuclear Corporation
Chashma Nuclear Power 5 k.A. P China National Nuclear Corporation
Kohala Hydropower 2.365 P Kohala Hydro Company (China Three Gorges)
Suki Kinari Hydropower 1.956 DU SK Hydro (China Gezhouba Group)
Karot Hydropower 1.698 DU Karot Power Company (China Three Gorges)
Cacho 50 Megawatt Wind Power Plant Project k.A. P Cacho Wind Energy (Pvt.) Limited
Quaid-e-Azam 1 Gigawatt Solar Park k.A. DU Zonergy Company

*) P = Planung, DU = Durchführung

Quellen: Regierungsangaben, Pressemeldungen

Weitere Kraftwerke für Importkohle sollen in Pakistan ebenfalls gebaut werden oder sind bereits im Bau. Eine Tochter der Lucky Cement Company will in Karachi 2021 ein 660 Megawatt Importkohle-Kraftwerk in Betrieb nehmen. Der Bauauftrag ging an Chinas SEPCOIII, als Technologielieferant wurde das US-Unternehmen General Electric (GE) gewählt.

In der im Ausbau befindlichen Hafenstadt Gwadar will die in Shanghai ansässige CIHC Gruppe ein 300-Megawatt-Kohlekraftwerk bauen. Das Projekt wird aber von der Provinz-Regierung angesichts der hohen Umweltbelastung kritisiert.

Im April 2019 wurde zwischen K-Electric und der China Machinery Engineering Corporation der Bau eines weiteren Importkohle-Kraftwerks (2 x 350 Megawatt) im Port Qasim Karachi vereinbart. Dem Vernehmen nach will die Shanghai Electric Power im Oktober 2019 als Mehrheitsgesellschafter bei K-Electric einsteigen. K-Electric ist der 2005 privatisierte Stromversorger der Region Karachi. Das Unternehmen ist Netzbetreiber und verfügt über eigene Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 2,3 Gigawatt.

Ein von China in Rahimyar Khan geplantes 1.320-Megawatt-Kohlekraftwerk wird offensichtlich vorerst nicht realisiert. Die Planungen für die meisten anderen Kohlekraftprojekte müssten ebenfalls gestoppt werden, wenn die Regierung ihre Absicht umsetzt, bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien (Solar, Wind, Biomasse) von heute 5 auf 30 Prozent zu erhöhen und den Anteil der Wasserkraft von 25 auf ebenfalls 30 Prozent.

Pakistan: Chinesische Firmen im Kraftwerksektor (Auswahl)
Firmenname Aktivitäten
China SEPCOIII Electric Power Construction Kraftwerksbau
China Machinery Engineering Corporation Kraftwerksbau
Dongfang Electric Corporation Kraftwerksbau
Hebei Electric Power Design and Research Institute Kraftwerksbau
Harbin Electric Kraftwerksbau
China Gezhouba Group Kraftwerksbau
China National Nuclear Corp. Kernkraftwerksbau
China Three Gorges Wasserkraft, erneuerbare Energien
Zonergy Company Erneuerbare Energien
Shanghai Electric Power Stromerzeugung und -verteilung
Power China / Sinohydro Resources Stromerzeugung und -verteilung
Export Import Bank of China Finanzierungen
Industrial and Commercial Bank of China Finanzierungen

Gasturbinen tragen zum Energiemix bei

Drei mit RLNG (Regasified Liquefied Natural Gas) betriebene 1,2-Gigawatt-Kraftwerke wurden 2018 von chinesischen Firmen (Harbin Electric, SEPCOIII Electric Power Construction Company) fertiggestellt. Es handelt sich um die Projekte Balloki, Haveli Bahadur Shah und Bhikki. Als Turbinenlieferant kam GE zum Zuge.

Die staatliche Punjab Thermal Power Company lässt von der China Machinery Engineering Corporation in Jhang ein RLNG-betriebenes GuD-Kraftwerk mit 1,3 Gigawatt Leistung bauen. Siemens hat für 200 Millionen Euro die Turbinen geliefert und einen langfristigen Vertrag für die Wartung des Kraftwerks erhalten. Ein 900-Megawatt-Gaskraftwerk (BQPS III) ist im Port Qasim Karachi im Bau, Investor ist K-Electric.

Ausbau der Kernenergie läuft

Chinesische Unterstützung könnte auch den weiteren Ausbau der Kernenergie ermöglichen. Derzeit sind fünf Atomkraftwerke in Betrieb. Die Kapazitäten des Atomenergiesektors werden sich mit Fertigstellung von zwei laufenden Projekten um 2,2 auf 3,6 Gigawatt erhöhen. Die beiden im Bau befindlichen Atomkraftwerke sind KANUPP 2 und 3 (Karachi Nuclear Power Plant) mit jeweils 1,1 Gigawatt, die Fertigstellung ist für 2020 beziehungsweise 2021 geplant. Die Projekte werden von der China National Nuclear Corporation gebaut und zu 80 Prozent von der Export-Import Bank of China finanziert.

Im Chashma Nuclear Power Complex (Provinz Punjub) arbeiten vier Reaktoren (Chashma 1 bis 4), die zwischen 2000 und 2017 fertiggestellt wurden. Die Gesamtleistung beträgt 1,3 Gigawatt. Auch alle Chashma-Reaktoren sind mit chinesischer Hilfe errichtet worden. Als Chashma 5 ist ein 1,1-Gigawatt-Kraftwerk geplant, eine entsprechende Vereinbarung wurde mit China unterzeichnet, der Baubeginn ist für 2020 geplant, die Inbetriebnahme 2025.

China investiert auch in Wasserkraft

Als Teil des CPEC-Programms sind zwei große Wasserkraftwerke im Bau: Karot Hydropower (Laufwasserkraftwerk; 720 Megawatt) und Suki Kinari Hydropower (Laufwasserkraftwerk; 870 Megawatt). Mit der Fertigstellung beider Projekte ist frühestens 2022 zu rechnen. Das 2-Milliarden-US$-Suki-Kinari-Projekt wird von der SK Hydro, einem chinesischen Investor (China Gezhouba Group) gemeinsam mit einem lokalen Partner (Haseeb Khan Limited), realisiert. Die Finanzierung kommt von der Export Import Bank of China und der Industrial and Commercial Bank of China.

Das Karot-Hydropower-Kraftwerk wird mit 1,7 Milliarden US$ kalkuliert. Hauptinvestor ist China Three Gorges South Asia Investment. Neben Eigenkapital und chinesischen Finanzierungen hat auch die Weltbank Gelder bereitgestellt.

Mindestens fünf weitere chinesisch finanzierte Wasserkraftprojekte sind in der Planung: das Kohala Hydropower Projekt (1.124 Megawatt; geplante Fertigstellung: 2026), Mahl Hydropower (640 Megawatt; 2028), Gilgit KIU Hydropower (100 Megawatt), Phandar Hydropower (80 Megawatt) und Turtonas-Uzghor Hydropower (58 Megawatt). Die Vorbereitungen für das 2,4-Milliarden-US$-Kohala-Projekt sowie für das 1,5-Milliarden-US$-Mahl-Projekt sind bereits weit fortgeschritten. In beiden Fällen ist China Three Gorges der Investor. Die drei anderen Projekte befinden sich noch in der Prüfung.

Wind- und Solarenergie keine Priorität

China hat auch in den Bau von vier 50 Megawatt Wind-Projekten investiert (Dawood Wind Power, Sachal Wind, Three Gorges 2 und 3). Zwei weitere chinesisch geförderte 50-Megawatt-Wind-Anlagen sind in der Pipeline (Chacho Wind, Western Energy Wind).

Das erste große pakistanische Solarprojekt ist der Quaid-e-Azam Solar Park in Bahawalpur (Provinz Punjab). Der Park wird von chinesischen Firmen (Zonergy etc.) gebaut. Die Entwicklung des Solar-Parks verläuft deutlich langsamer als geplant. Eine erste 100 Megawatt Photovoltaik-Anlage wurde 2015 fertiggestellt. Im Sommer 2016 kamen 3 x 100 Megawatt hinzu. Nach ursprünglicher Planung sollte der Solar-Park bereits 2016 über eine Kapazität von 1.000 Megawatt verfügen. Wann die restlichen 600 Megawatt fertig werden sollen, ist unklar.

Unter http://www.gtai.de/seidenstrasse finden Sie zahlreiche weitere GTAI-Beiträge zum Thema neue Seidenstraße.

Dieser Artikel ist relevant für:

Pakistan, Gambia Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Kraftwerksbau, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien, Seidenstraße

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