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12.07.2019

China ist für Rumänien ein komplizierter Wirtschaftspartner

Strategische Interessen im Energiesektor und der Verkehrsinfrastruktur / Von Guenter Maier

Bukarest (GTAI) - Chinesische Unternehmen wollen ihre Präsenz in Rumänien stärken. Ihr langatmiges, oft intransparentes Vorgehen zielt auf Infrastrukturprojekte ab.

Die rumänisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen wachsen. Von 2013 bis 2018 legte der gesamte wertmäßige jährliche Außenhandel um 105 Prozent auf 5,05 Milliarden Euro zu. Die Importe aus der VR China erhöhten sich sogar um 123 Prozent auf 4,41 Milliarden Euro. Dagegen schwankte der Export Rumäniens nach China. Er nahm um 29 Prozent zu.

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Hauptanreiz für Rumänien ist die Kapitalstärke der potenziellen Investoren aus China. Für chinesische Unternehmen eröffnet ein Markteintritt in Rumänien auch Wege zum Markteinstieg in andere Absatzmärkte in der Europäischen Union (EU).

Die Verhandlungen zwischen den chinesischen Unternehmen und den rumänischen Behörden verlaufen jedoch langsam, meist über Jahre hinweg und oft ohne sichtbare Ergebnisse. Es treffen sehr unterschiedliche Kulturen aufeinander. Die rumänischen Behörden erscheinen eher skeptisch und resistent gegen nachteilige Forderungen. Einerseits verlaufen die Entscheidungsprozesse in Rumänien sehr bürokratisch. Andererseits bleibt, was hinter den Kulissen geschieht, intransparent.

Ausbau der Energieinfrastruktur im Fokus

Strategisch bedeutend erscheint eine Beteiligung Chinas am beabsichtigten Erweiterungsprojekt des Kernkraftwerkes (KKW) im südrumänischen Cernavoda (Kreis Constanta). Die rumänische Nuclearelectrica, Betreiberin des KKW Cernavoda, unterzeichnete im Mai 2019 mit der China General Nuclear Power Corporation (Shenzhen) und China General Nuclear Power Group (CGN) Central and Eastern Europe Investment eine vorläufige Investorenvereinbarung: Diese beinhaltet den Bau der Blöcke 3 und 4 in Cernavoda zu geschätzten Investitionskosten von etwa 6 Milliarden Euro. Vorgesehen sei die Gründung eines Joint Venture als technische und operative Plattform für die Fertigstellung von Cernavoda 3 und 4.

Der Zusammenschluss ist insofern problematisch, da die beiden neuen 700 Megawatt-Atommeiler die gleiche Technologie wie die bestehenden kanadischen Candu 6 (Canada Deuterium Uranium) Reaktoren einsetzen sollen. Nuclearelectrica und CGN hatten schon 2015 ein Memorandum über die Entwicklung, Bau, Betrieb und Stilllegung von Cernavoda 3 und 4 unterzeichnet. Es wäre das größte Kooperationsprojekt in der Energiewirtschaft von chinesischen Unternehmen in Südost- und Zentraleuropa.

Ein chinesisches Interesse besteht an einer öffentlich-privaten Partnerschaft beim Bau eines neuen Blocks für das Kohlekraftwerk Rovinari (Kreis Gorj). Der rumänische Energieerzeuger Complexul Energetic Oltenia (https://ceoltenia.ro) und die China Huadian Engineering Co. Ltd (Beijing) beschlossen im April 2019 die Gründung der Projektgesellschaft Huadian Oltenia Energy SA mit Sitz in Rovinari.

Der chinesische Partner soll eine Mehrheitsbeteiligung erhalten. Die Investition in das 600 Megawatt-Braunkohlekraftwerk wird auf 1 Milliarde Euro beziffert. Als Bauzeit werden 36 Monate ab Erteilung der Baugenehmigungen angestrebt. Es müssen neue technische Ausrüstungen beschafft werden. Energieexperten geben diesem Projekt reale Umsetzungschancen.

Das staatliche Projekt des Pumpspeicherkraftwerkes Tarnita-Lapusesti im Kreis Cluj (Nordwest-Rumänien) besteht seit etwa 40 Jahren auf dem Papier. Rumänische Behörden konnten es weder vor, noch nach der Wende umsetzen. Der Projektwert beträgt circa eine Milliarde Euro (http://www.hidrotarnita.ro). Seit etwa acht Jahren bekunden chinesische Unternehmen Interesse, sich an der Planung und den Bauarbeiten zu beteiligen. Der rumänische Staat konnte von 2015 bis 2017 die Verhandlungen mit drei präqualifizierten chinesischen Konsortien nicht erfolgreich abschließen.

Engagement am Schwarzen Meer angekündigt

Bei Hafenkapazitäten haben chinesische Unternehmen ein Engagement angekündigt. Um die europäische Präsenz entlang der maritimen Seidenstraße zu verstärken, hatte der chinesische Großhafen Ningbo-Zhoushan 2017 eine Vereinbarung mit dem Hafen Constanta am Schwarzen Meer geschlossen. Ziel war, zunächst die Anzahl der chinesischen Container zu erhöhen, die über Constanta transportiert werden. Als nächster Schritt wurde der Bau eines neuen Containerterminals benannt.

Straßenbau im Schneckentempo

Erhebliche Verzögerungen beim Ausbau des Fernstraßennetzes bilden die Achillesferse der rumänischen Infrastruktur. Chinesische Anbieter klopfen hier bereits an die Tür: Die rumänische Regierung teilte im Mai 2019 mit, dass die China Communication Construction Company (CCCC, Beijing) mit dem türkischen Partner Makyol Insaat Sanayi Turizm ein Konsortium für den Autobahnbau Ploiesti-Brasov (Kronstadt) als öffentlich-private Partnerschaft gebildet hat. Vorgesehen sei der Vertragsabschluss über Planung und Bau im Projektwert von 1,36 Milliarden Euro. Die Bauzeit soll vier Jahre dauern.

In der Vergangenheit hatte sich CCCC um den Bauauftrag der Autobahnteilstrecke Comarnic-Brasov (ein Teilstück der Autobahn Ploiesti-Brasov) bemüht. Medien berichteten, dass die damaligen Bedingungen des chinesischen Unternehmens vom staatlichen rumänischen Straßenbauunternehmen nicht akzeptiert wurden. Die Forderung, ausschließlich chinesische Arbeitskräfte zu beschäftigen und Baumaterialien ohne Importgebühren einführen zu können, stieß auf ein Veto.

Chinesische Bauunternehmen haben Interesse an weiteren Infrastrukturprojektenbekundet. Das betrifft die Ausschreibung für Planung und Bau des Los 5 Curtea de Arges-Pitesti, ein Teil der bedeutenden Autobahnverbindung Sibiu-Pitesti. Das interessierte Gemeinschaftsunternehmen besteht aus China Railway 14-th Bureau Co Ltd, Viaponte Rom und Viaponte Projetos e Consultoria de Engenharia.

Gegen das chinesische Unternehmen läuft seit April 2019 gerichtliches Beschwerdeverfahren, das der italienische Konkurrent Astaldi angestrengt hat. Experten des Verbandes Pro Infrastructura schätzen, dass das Joint Venture mit chinesischer Leitung jedoch gute Chancen bei der Vertragsvergabe habe, sofern die Konkurrentenklage zurückgewiesen wird.

Smart City: Abkommen zur modernen Stadtentwicklung vereinbart

Die staatliche China National Electric Engineering Co., Ltd. (CNEEC), die international in den Bereichen Energie, Umwelt und Abfallmanagement tätig ist, vereinbarte im April 2019 mit dem rumänischen Verband für Smart City und Mobilität ein Abkommen. Demzufolge soll China die Entwicklung der Smart City-Projekte des Verbandes in Rumänien in den nächsten zehn Jahren mit 500 Millionen Euro fördern.

Kooperation mit Technischer Universität in Iasi

Im November 2018 gründete der Huawei Konzern in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Gheorghe Asachi in Iasi (Ostrumänien) das Ausbildungszentrum Huawei Authorized Information and Network Academy (HAINA). Dieses bietet Online-Kurse zu den von Huawei verwendeten Technologien an. Die Lehrkräfte der technischen Universität wurden kostenlos von Huawei geschult. Nach Abschluss der Kurse sollen die besten Studenten von Huawei in Rumänien Praktika und Jobs erhalten.

Weitere Informationen zu Rumänien sind unter http://www.gtai.de/rumaenien abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Rumänien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Kraftwerksbau, Seidenstraße

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