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30.10.2018

China ist wichtigster Wirtschaftspartner Algeriens

Geringe Chancen für deutsch-chinesische Kooperation / Von Fausi Najjar

Tunis (GTAI) - Algerien ist mit Abstand Chinas wichtigster Wirtschaftspartner im Maghreb. Vor allem im Bausektor sind chinesische Unternehmen mit vielen Projekten präsent.

China dominiert bei Warenlieferung und im Bausektor

Schwerpunkt des chinesischen Engagements in Algerien ist, wie anderswo in Afrika auch, der Absatz von chinesischen Waren und die Beteiligung bei Großprojekten in der Infrastruktur und im Wohnungsbau. Praktisch gar nicht aktiv sind übrigens chinesische Unternehmen in der für die algerische Wirtschaft zentralen Öl- und Gasförderung. Auch das ist für Gesamtafrika nicht unüblich: Konzerne aus anderen Ländern (USA, Vereinigtes Königreich) sind weitaus stärker in den Rohstoffabbau in Afrika involviert.

Algeriens Bausektor hat dank hoher Einkommen aus dem Öl und Gasexport 2010 bis 2015 enorm zugelegt. Hiervon konnten chinesische Unternehmen in besonderem Maße profitieren. Zu den Referenzen chinesischer Bauunternehmen gehören: Prestigebauten, wie die Große Moschee von Algier, Zugverbindungen, Flug- und Seehäfen, der Bau von Wohnsiedlungen und weite Strecken der 1.216 Kilometer langen Ost-West-Autobahn. Außerdem sind chinesische Unternehmen besonders beim Bau von Zementwerken und Raffinerien vertreten, ebenso bei den erneuerbaren Energien. In der Hochphase des Baubooms waren rund 40.000 Chinesen in Algerien beschäftigt.

Chinesisch-algerische Konstellation stimmt

Die algerische Regierung schätzt die Zusammenarbeit mit China vor allem, weil die chinesischen Partner nicht mit dem Anspruch auftreten, ihnen mit dem Geschäft eine Weltanschauung, ein bestimmtes Wirtschafts- oder Staatsmodell verkaufen zu wollen. Ziel der chinesischen Politik in Afrika ist es, den chinesischen Unternehmen einen privilegierten Zugang als Lieferant und Auftragnehmer zu verschaffen. Der algerischen Seite kommt zudem entgegen, dass chinesische Unternehmen, oftmals unter Abstrichen bei der Qualität, Projekte zügig umsetzen. Das trägt zum kurzfristen politischen Prestige bei und erlaubte dem bislang mit Petrodollars gut ausgestatteten Staat, Erfolge zügig zu vermarkten.

Zudem sind chinesische Unternehmen im Bausektor in der Regel Staatsunternehmen. Auftraggeber ist wiederum der algerische Staat. Es treffen demnach gleichgesinnte Akteure aufeinander. Trotz der eingebrochenen Öl- und Gaseinkommen und damit schwindender Aufträge dürfte die starke chinesische Präsenz in Algerien anhalten oder womöglich an Gewicht hinzugewinnen. Die Chinesen sind zahlungskräftig und können über zinsgünstige Kredite die Finanzierung für Projekte übernehmen. Auch bei Umsetzung für den Ende 2015 angekündigten Bau des Tiefseehafens in al Hamdania (100 Kilometer westlich von Algier) ist eine chinesische Finanzierung vorgesehen. Als Hafenbetreiberin ist ein Joint-Venture zwischen der Gnasp (51 Prozent) und Shanghai Ports (49 Prozent) in der Diskussion. Die Projektkosten sind auf rund 3,3 Milliarden US-Dollar (US$) veranschlagt.

Langsamer Wandel der Wirtschaftsbeziehungen

Seit dem Fall der Weltenergiepreise Mitte 2014 treten in Algerien Themen wie Beschäftigung, Industrialisierung und Diversifizierung wieder verstärkt in den Vordergrund. Schon seit längerem monieren die algerischen Presse und manchmal algerische Regierungsvertreter Qualitätsmängel bei den chinesischen Projekten. In der Kritik steht außerdem die fast ausschließliche Beschäftigung chinesischer Arbeiter auf den Baustellen.

Mittlerweile kommt eine weitere Belastung der algerisch-chinesischen Beziehungen hinzu. Die algerische Regierung will die Importe von Fertigprodukten verringern und zunehmend durch eine eigene Produktion ersetzen. Mit einem hohen Lieferanteil bei Endprodukten sind die Chinesen deswegen besonders von den auferlegten Importrestriktionen der algerischen Regierung betroffen. Auch den chinesischen Kleinhändlern, die vor allem im Viertel Bab Ezzouar in Algier angesiedelt sind, schlägt nunmehr ein schärferer Wind entgegen. Wegen einer schlechten Wirtschaftslage und ihrer zunehmend schwindenden Akzeptanz verlassen diese zunehmend das Land.

Deutsch-chinesische Kooperation kaum eine strategische Option

Folgt man Aussagen chinesischer Diplomaten im Land, wollen sich auch die Chinesen von dem skizzierten Geschäftsmodell verabschieden. Wie ernst das gemeint ist, sei dahingestellt. Jedenfalls ist der Unterbietungswettbewerb mit dem Ziel, eigene Unternehmen mit Projekten zu versorgen, kostspielig. Auch entspricht das chinesisch-algerische Modell kaum dem proklamierten Ziel Chinas, die eigene Wirtschaft grundlegend zu modernisieren. In China bietet dieser noch nicht abgeschlossene Modernisierungsprozess deutschen Unternehmen Beteiligungsmöglichkeiten. Deutsche Unternehmen finden einen riesigen Markt vor und beteiligen sich im Gegenzug an der Moderniserung der Wirtschaft mittels Technologietransfer.

Dass dieses Modell nicht ganz frei von Konflikten bleibt, wie die Diskussion über den Schutz des geistigen Eigentums zeigt, ändert nichts an seinem Erfolg. Dieses Problem ist aber bei einer ähnlich gelagerten Kooperation in der hauptsächlich auf Rohstoffeinkommen ausgerichteten algerischen Wirtschaft kaum zu erwarten. Diversifizierung und Industrialisierung haben in dem nordafrikanischen Flächenstaat noch einen weiten Weg vor sich. So wird es schwierig sein, die Fertigungstiefe etwa beim Pkw-Bau weit über die reine Montage hinaus auszubauen.

Nicht zuletzt fallen die bisherigen Erfahrungen einer deutsch-chinesischen Kooperation in Algerien negativ aus. Prominentes und wohl einziges Projekt einer solchen Zusammenarbeit in Algerien ist der Bau der Großen Moschee von Algier. Der Bau wird bei Fertigstellung - jetzt geplant für 2019 - die weltweit drittgrößte Moschee sein und über ein 265 Meter hohes Minarett verfügen. Die Zusammenarbeit hat sich bei dem Bauprojekt als sehr schwierig erwiesen und ist schließlich gescheitert. Den Zuschlag für die Bauausführung hatte 2008 das chinesische Staatsunternehmen China State Construction Engineering Corporation bekommen, während das deutsche Architektenbüro KSP Jürgen Engel den Ausschreibungswettbewerb gewonnen und den Zuschlag für den Entwurf erhalten hat. KSP hat darauf gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Krebs und Kiefer bis Oktober 2015 die technische Ausführungsplanung umgesetzt. Wohl wegen unterschiedlicher Vorstellungen vor allem im Hinblick auf erdbebensicheres Bauen ist der Vertrag während der Bauausführung nicht mehr verlängert worden. Offensichtlich hat die deutsche Seite "zu sehr" auf Qualität und Sicherheit gesetzt.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Algerien und Nordafrika können Sie unter http://www.gtai.de/afrika abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Algerien, China Bauwirtschaft, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen

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