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20.07.2016

China lässt in der allgemeinen Luftfahrt Potenziale ungenutzt

Regierung veröffentlicht neuen Plan für Öffnung und Ausbau des Sektors / Ausländisches Know-how könnte beim Aufbau helfen / Von Lisa Flatten

Hongkong (GTAI) - Die allgemeine Luftfahrt in China steht noch am Anfang ihrer Entwicklung. Auch wenn der Staat kürzlich eine neue Richtlinie veröffentlichte, in der die Erweiterung des niedrigen Luftraums sowie der Infrastrukturausbau für die allgemeine Luftfahrt angekündigt wurden, ist deren Umsetzung noch nicht abzusehen. Das Potenzial der Branche ist riesig. Chinesische wie auch westliche Firmen stehen in den Startlöchern, um den Markt zu erschließen.

Nachdem in der VR China die Regierung Ende 2013 den ersten Schritt zur Entwicklung des allgemeinen Luftfahrtsektors unternommen hatte, veröffentlichte der Staatsrat am 17. Mai 2016 eine neue Richtlinie. Diese kündigt die Öffnung des Luftraums für die allgemeine Luftfahrt von derzeit 1.000 auf 3.000 Meter (m) an. Der allgemeine Luftverkehr umfasst das zivile Flugwesen mit Ausnahme des Linien- und Charterverkehrs, also beispielsweise Leicht- und Sportflugzeuge oder Privatjets von Geschäftsreisenden.

Des Weiteren sollen die Verfahren, die kleine Flugzeuge vor ihrem Abflug durchlaufen müssen, vereinfacht und verkürzt werden. Luftraumbehörden müssten laut der Guideline schneller auf die Einreichung von Flugplänen reagieren. Ferner sollen Forschung und Fertigung in dem Sektor gefördert werden.

Die Richtlinie könnte eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der allgemeinen Luftfahrt in China darstellen. Denn bisher ist der untere Luftraum immer noch stark durch das Militär kontrolliert. So sind in der Praxis auch nach Öffnung des Luftraums auf 1.000 m im Jahr 2013 zahlreiche Zonen beispielsweise in Grenzgebieten und rund um Militäreinrichtungen von der Regelung ausgenommen.

Die Zahl der allgemeinen Luftfahrtzeuge wie Helikopter und Starrflügelflugzeuge soll laut der Regierungsvorlage auf mehr als 5.000 Stück bis Ende 2020 anwachsen. Dafür verpflichtet sich der Staat, bis 2020 mindestens 500 Flugplätze für diesen Zweck bereitzustellen. Zudem soll die Branche auf einen Gesamtmarktwert von 1 Bill. Renminbi Yuan (RMB; rund 136 Mrd. Euro; 1 Euro = 7,33 RMB, Wechselkurs Mai 2016) ansteigen. Sollte die Regierung wie angekündigt private Investitionen zulassen, könnten in China bis 2030 laut Branchenanalysten bis zu 2.000 Flugplätze für die allgemeine Luftfahrt existieren.

Ende 2015 umfasste Chinas allgemeiner Luftfahrtsektor mehr als 300 Flughäfen, 1.874 Flugzeuge und 281 Unternehmen, so der Staatsrat. Branchenkenner gehen dagegen eher von 300 bis 400 Fliegern aus. Im gleichen Jahr summierte sich die Flugzeit der Branche auf 730.000 Stunden. Die Regierung möchte diesen Wert auf 2 Mio. Stunden bis 2020 anheben.

Mehr Details zum Marktpotenzial von Business Jets und Helikoptern in China finden Sie unter: http://www.gtai.de/MKT201607288006 beziehungsweise http://www.gtai.de/MKT201607278002

Weiterführende Informationen zu Flughafenprojekten und Produktionsparks für allgemeine Luftfahrttechnik in der VR China finden Sie unter: http://www.gtai.de/MKT201607258004

Unsicherheit über die Umsetzung der Pläne bleibt größter Hemmschuh

Ein Zeitrahmen für die Öffnung wurde dagegen bisher nicht genannt. Doch genau das ist laut Andreas Timmermann, geschäftsführender Vorstand der Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz, das größte Problem der Branche. Ankündigungen wurden in den letzten Jahren viele gemacht, doch ist in der Realität bisher nicht viel passiert. "Das größte Hemmnis für die Entwicklung liegt im Fehlen von verlässlichen Aussagen zum Zeitplan für die Öffnung der allgemeinen Luftfahrt", so Timmermann.

Es ist möglich, dass die Regelung - wie in China üblich - zuerst in wenigen Regionen getestet und erst danach auf weitere Teile des Landes ausgeweitet wird. Doch wann und in welchem Rahmen das passieren wird, wurde nicht offiziell kommuniziert. Kenner der Guideline wollen laut Zeitungsberichten wissen, dass die Öffnung des Luftraums in den Provinzen Guangdong und Hainan später im Jahr 2016 getestet werden könnte. Wichtig ist jedoch, dass der Richtlinie staatliche Unterstützungsmaßnahmen und eine schnelle Umsetzung folgen.

Infrastruktur muss ausgebaut werden - internationale Expertise hilfreich

Kurzfristig halten die globalen und nationalen Unsicherheiten das Wachstum besonders im Geschäftsflugzeugmarkt niedrig, doch langfristig dürfte die Nachfrage deutlich steigen. So wird 2018 wieder mit einem kräftigen Anstieg der Verkäufe von Business Jets gerechnet. Der Hauptgrund für die derzeitige Abkühlung ist jedochdie staatlich angeordnete Anti-Korruptionskampagne. Diese hält, um kein Aufsehen zu erregen, besonders Beamte und Geschäftsleute vom Flugzeugkauf ab.

Außerdem belasten die unzureichende Infrastruktur sowie die strikten und zeitintensiven Vorschriften den Markt für allgemeine Luftfahrt. Landesweit existieren zu wenige Stellplätze für private Flugzeuge. Zudem müssen Business Jets häufig lange Wartezeiten in Kauf nehmen, da gewerblichen oder öffentlichen Flugzeugen Vorrang eingeräumt wird. Zusätzlich dauert die Erteilung von Fluggenehmigungen häufig lange. Dies schmälert für Geschäftsflugzeugbesitzer, die nicht selten unter Zeitdruck stehen, die Attraktivität eines durch hohe Betriebs- und Instandhaltungskosten teuren Flugzeugbesitzes.

Ferner fehlen dem Sektor Flughafenbetreiber (Fixed Base Operator, FBO), um einen reibungslosen Ablauf am Boden und in der Luft zu ermöglichen. Deshalb ist der Aufbau von speziellen, Geschäftsreiseflugzeugen gewidmeten Flugplätzen umso wichtiger. Im Bereich Wartung und anderen Dienstleistungen für kleine Flugzeuge fehlen dem Sektor Kapazitäten. Auch die Ausbildung von Piloten kann durch die wenigen vorhandenen Flugschulen nur unzureichend gemeistert werden.

Internationales Know-how ist hier gefragt. Sollte die allgemeine Luftfahrt in China wirklich in naher Zukunft vollständig geöffnet werden, dürften die globalen Produktions- und Dienstleistungskapazitäten nicht ausreichen, um die Nachfrage zu decken. Der Kapazitäts- und Infrastrukturausbau würde einige Jahre benötigen und ausländische Technik wie auch Erfahrung erfordern. In Europa und auch in China selbst warten Unternehmen deshalb gespannt auf die Weiterentwicklung des Marktes.

(LIF)

Dieser Artikel ist relevant für:

China Luftverkehr / Flughäfen, Luftfahrzeuge

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