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25.04.2019

China präsentiert Liste mit Kooperationsprojekten entlang der Seidenstraße

Vorgeschlagene Vorhaben eröffnen nur bedingt Beteiligungsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen / Von Stefanie Schmitt, Oliver Idem und Carsten Ehlers

Beijing/Kairo/Accra (GTAI) - China hat eine kurze Liste mit Projekten in Afrika herausgegeben, für die ausländische Partner gesucht werden. De facto sind die Möglichkeiten aber begrenzt.

Groß waren die Hoffnungen auf die 2013 vom chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping initiierte Initiative der neuen Seidenstraße. Von bis zu 1 Billion US-Dollar (US$) war die Rede, die als Infrastrukturausgaben in den sogenannten Seidenstraßenländern getätigt werden sollten. Mittlerweile ist die erste Euphorie jedoch abgeflaut und vielerorts Skepsis gewichen.

Mitunter problematisch sind die Folgen für vergleichsweise schwache Länder, deren Projektverträge höchst ungünstige Klauseln enthalten, die ihnen extrem schaden können oder bereits geschadet haben. Beispiele hierfür sind der Hafen von Hambantota oder die Autobahnstrecke vom Internationalen Flughafen ins Stadtzentrum von Colombo (beide in Sri Lanka) oder Bahnaufträge in Kenia. Böse Absichten weist China mit Nachdruck von sich.

Gerade auch deshalb pochen Länder wie Deutschland und andere EU-Staaten auf die Einhaltung internationaler Standards wie transparente Ausschreibungen oder die Beachtung sozialer und ökologischer Aspekte. Darüber hinaus soll die Seidenstraße keine Einbahnstraße bleiben, von der in erster Linie chinesische Firmen profitieren.

Nicht zuletzt, um dieser Kritik entgegenzutreten, denkt China wohl darüber nach, bei ausgewählten Projekten auch Drittstaaten als Investoren zu gewinnen. Im Gespräch sei beispielsweise Saudi-Arabien, so ein Vertreter des Mercator Institute of Chinese Studies (Merics). Auch Deutschland soll mit seinem Wissen und seiner Reputation mit ins Boot geholt werden. In diesem Sinne präsentierte die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) Anfang 2019 eine Liste mit sieben Vorhaben, davon drei Projekte in Ägypten, drei in Ghana und eines in Nigeria.

Allerdings sind auch bei diesen, wie eine Prüfung durch GTAI-Korrespondenten vor Ort ergab, die Beteiligungsmöglichkeiten eher begrenzt. Gesucht werden vor allem Investoren oder EPC-Kontraktoren (Engineering Procurement Construction).

Investoren für Seidenstraßenprojekte in Ägypten gesucht

So sucht China beispielsweise in Ägypten Investoren für ein durch Beiqi Foton geplantes Automobilmontagewerk für konventionell betriebene und Elektrofahrzeuge, für die geplante Erweiterung der bestehenden Teda Suez Economic Zone sowie für einen Textilindustriepark innerhalb dieser Zone. Alle drei Vorhaben gelten als ökonomisch tragfähig.

Ägypten: Vorgeschlagene Kooperationsprojekte der chinesischen Regierung
Projektname Investitionssumme (in Mio. US$) Beschreibung Ausländischer Eigentümer / genossenschaftliches Unternehmen
Beiqi Foton Automobile Factory Project Noch in Diskussion Investoren gesucht; Beiqi Foton Motor Co. Ltd. plant die Produktion, Vermarktung und Vertrieb von Fahrzeugen im Rahmen eines Joint Ventures, eine Marktstudie wurde bereits durchgeführt u.a. Tochtergesellschaft des Egyptian Military Production Department
China, Egypt, Teda Suez Economic Zone Cooperation Zone Project Phase I k.A. Investoren gesucht; Entwicklung, Bau und Betrieb der ersten Phase des Ausbaus der China-Egyptian Teda Suez Economic and Trade Cooperation Zone; die kommunale Infrastruktur der Zone ist bereits abgeschlossen China-Africa TEDA Investment Co. Ltd., Tianjin TEDA Investment Holdings Co. Ltd., Egypt TEDA Investment Co. Ltd.
Ruyi Taida Modern Textile Industrial Park Project 900 Investoren gesucht; China-Africa Teda verhandelt zurzeit mit dem EPC-Auftragnehmer Egypt Suez Special Economic Zone Authority, China Africa Teda Co. Ltd.

Quelle: NDRC

Auch wenn der ägyptische Binnenmarkt mit knapp 194.000 verkauften Kraftfahrzeugen (2018) klein ist, werden die Exportaussichten aufgrund zahlreicher Handelsabkommen Ägyptens mit anderen afrikanischen Staaten als gut eingestuft. Weitere Impulse könnte die 44 Länder umfassende afrikanische Freihandelszone bringen, die sich in der Ratifizierungsphase befindet.

Die geplante Erweiterung der bestehenden Teda Suez Economic Zone gilt wirtschaftlich angesichts des Erfolgs des bereits zwei Quadratkilometer großen Areals am Suez-Kanal und der wachsenden Präsenz chinesischer Firmen insgesamt als folgerichtig. Dort haben sich bereits 68 Firmen angesiedelt, davon 33 industrielle wie die Jushi Egypt Glass Fiber Company oder der Maschinenhersteller Famsun Egypt Company.

Beim dritten Vorhaben in Ägypten geht es um die Errichtung eines Textilindustrieparks zur Herstellung hochwertiger Fasern innerhalb der Teda Suez Economic Zone. Chinesischer Initiator des 900-Millionen-Dollar-"Ruyi Taida Modern Textile Industrial Projects" ist die Ruyi Group aus Shandong. Bei ihr handelt es sich um ein chinesisch-australisch-japanisches Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischer Mehrheitsbeteiligung. Insgesamt entwickelten sich die ägyptischen Branchenexporte in der Vergangenheit positiv. Dies spricht für ein günstiges Gesamtumfeld.

Für deutsche Unternehmen könnten die drei Projekte Lieferchancen hinsichtlich benötigter Maschinen und Anlagen für den Aufbau der beiden Werke beziehungsweise der Industriezone bereithalten. Inwiefern sich die neue Industriezone auch an Investoren aus anderen Ländern als China richtet, geht aus den verfügbaren Angaben nicht hervor.

Schwierige Sicherheitslage in Nigeria

Deutlich ungünstiger ist dagegen das Geschäftsumfeld des zweiten Projektes der Ruyi Group im nordnigerianischen Kano, für das ebenfalls Investoren gesucht werden. Zwar ist Kano bekannt für seine Lederindustrie, doch zählt die Stadt zum Einzugsgebiet von Boko Haram. Aufgrund der Sicherheitslage sind die wirtschaftlichen Aktivitäten schwach, und es gibt nur wenige Geschäftsleute, die die Reise dorthin wagen.

Nigeria: Vorgeschlagenes Kooperationsprojekt der chinesischen Regierung
Projektname Investitionssumme (in Mio. US$) Beschreibung Ausländischer Eigentümer / genossenschaftliches Unternehmen
Shandong Ruyi Group Kano Textile Park Project 200 Investoren gesucht; Projekt umfasst ein 70 ha großes Gebiet und soll die gesamte industrielle Wertschöpfungskette von Baumwollverarbeitung bis Endproduktverkauf abdecken -

Quelle: NDRC

Laut letzten Informationen von September 2018 wurde jedoch die zwischen der nigerianischen Regierung und der Shandong Ruyi Technology Group 2017 unterzeichnete Absichtserklärung zum Bau des Nigeria Shandong Ruyi Group Kano Textile Parks mit einem Investitionsvolumen von 200 Millionen US$ nochmals anlässlich des Besuchs von Präsident Muhammadu Buhari in Beijing bestätigt. Offensichtlich besteht - trotz der prekären Sicherheitslage - großes Interesse daran, das Vorhaben im Rahmen der chinesisch-nigerianischen Kooperation durchzuführen. Die geplante Textilfabrik soll Textilien für Nigeria und den westafrikanischen Markt produzieren.

Fehlendes Potenzial in Ghana

Anders als bei den zuvor genannten Vorhaben in Ägypten und Nigeria werden für die drei Projekte in Ghana - alle im Energiesektor angesiedelt - EPC-Kontraktoren gesucht. Allerdings sind in Ghana bereits heute Überkapazitäten bei der Stromerzeugung vorhanden. Unter der bis Ende 2016 amtierenden Regierung waren jede Menge Lizenzen für Stromproduzenten vergeben worden, von denen aber nur ein kleiner Teil genutzt wurde. Inzwischen ist die aktuelle Regierung, so die Auskunft der ghanaischen Energy Commission, dabei, die damals erteilten Vereinbarungen neu zu verhandeln beziehungsweise zu stornieren.

Ghana: Vorgeschlagene Kooperationsprojekte der chinesischen Regierung
Projektname Investitionssumme (in Mio. US$) Beschreibung Ausländischer Eigentümer / genossenschaftliches Unternehmen
Ghana 150MW Photovoltaic Power Plant 320 EPC gesucht; Entwicklung, Belieferung, Bau und Probebetrieb eines 150MW-Photovoltaikkraftwerks, unterstützende Boosterstation und Übertragungsleitungen Savanna Solar Ltd.
Ghana 400MW Heavy Oil Power Station 474 EPC gesucht; Entwicklung, Beschaffung und Bau eines 400MW-Schwerölkraftwerks und unterstützender Infrastruktur Modern Power Solution Ltd.
Ghana Inchaban 350MW Natural Gas Combined Cycle Power Plant 483 EPC gesucht; Entwicklung, Beschaffung und Bau einer mit Erdgas betriebenen 350MW-Kombianlage und unterstützender Infrastruktur Chrispod Power Ghana Ltd.

Quelle: NDRC

Alle drei Vorhaben hatten vor Jahren eine Lizenz erhalten, die aber inzwischen erloschen ist. Neue Lizenzen wurden nicht beantragt. Entsprechend wenig zukunftsträchtig erscheinen die drei vorgeschlagenen Projekte.

Hat China wirklich ein Interesse an ausländischer Beteiligung?

Insgesamt hinterlässt die Projektliste große Fragezeichen. "Wäre China wirklich ernsthaft an mehr internationaler Beteiligung und Transparenz gelegen, dann würde China den Weg der öffentlichen Ausschreibung gehen", so das Urteil eines Beobachters.

Tatsächlich ist China dabei, seine Position in Afrika deutlich zu stärken und hat in den vergangenen Jahren seinen Handel und seine Investitionen dort massiv ausgebaut.

Mehr zu Chinas Engagement in Afrika finden Sie auch unter: http://www.gtai.de/seidenstrasse-mena-ostafrika

MKT201904258006.14

Besuchen Sie auch die GTAI-Sonderseite zur neuen Seidenstraße: HYPERLINK "http://www.gtai.de/seidenstrasse"http://www.gtai.de/seidenstrasse

Dieser Artikel ist relevant für:

China, Afrika, Nordafrika, Westafrika Außenwirtschaftspolitik, allgemein, Seidenstraße

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