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10.04.2019

China setzt Ausbau erneuerbarer Energieträger fort

Hochmoderne Anlagen im Offshorewindsektor in Bau / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Mit den weltgrößten Kapazitäten an Wind- und Sonnenstromgewinnung sieht sich China längst als "grüne" Supermacht und stockt den Anteil erneuerbarer Energieträger weiter auf.

China ist der weltweit größte Hersteller, Exporteur und Installateur von Windenergieanlagen und Solarmodulen. Etwa ein Drittel der weltweit installierten Kapazität von erneuerbaren Energieträgern befindet sich in der Volksrepublik. Trotzdem deckt diese erst 14,3 Prozent des Primärenergieverbrauchs. Deshalb soll es dabei nicht bleiben. Insgesamt verfügte China Ende 2018 laut der National Energy Agency über eine installierte Kapazität aus erneuerbarer Energie von 728 Gigawatt beziehungsweise 38,3 Prozent der Gesamtkapazitäten.

Installierte Stromerzeugungskapazität nach Energieträgern 2018 (in Gigawatt; Veränderung und Anteil in Prozent)
Energieträger Kapazität Veränd. 18/17 Anteil
.Kohle/Öl/Gas 1.144 3,0 60,2
.Wasserkraft 352 2,5 18,5
.Windenergie 184 12,4 9,7
.Solarenergie 175 33,9 9,2
.Kernenergie 45 24,7 2,4
Insgesamt 1.900 6,5 100,0

Quelle: China Electricity Council

Nach Informationen der China Energy Research Society wurde 2018 eine Solarkapazität von 40 Gigawatt neu installiert (nach 50 Gigawatt 2017). Darunter waren hochmoderne Anlagen wie das im Dezember 2018 in Dunhuang, Provinz Gansu in Betrieb genommene Salzschmelzesolarkraftwerk mit einer Kapazität von 100 Megawatt.

Abregelungsraten sinken

Ende 2018 besaß China eine installierte Fotovoltaikkapazität von 175 Gigawatt; 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Produziert wurden 178 Milliarden Kilowattstunden (40 Prozent mehr), so die National Energy Administration. Verloren gingen 5,5 Milliarden Kilowattstunden; die Abregelungsrate konnte um 2,8 Prozentpunkte auf 3 Prozent gesenkt werden. Zwischen 2020 und 2030 sollen jährlich zwischen 80 und 160 Gigawatt hinzukommen, war im China Renewable Energy Outlock 2018 zu lesen. Für 2019 ist allerdings ein Zuwachs zwischen 35 und 49 Gigawatt realistisch, so die China Photovoltaic Industry Association.

Ganze 1,8 Billionen Kilowattstunden Strom wurden 2018 mit erneuerbaren Energieträgern erzeugt, 156 Milliarden mehr als 2017. Das entsprach 25,4 Prozent der Gesamtstromerzeugung (0,3 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr). Hiervon trug Wasserkraft 1,2 Billionen Kilowattstunden bei (ein Plus von 3,2 Prozent); gefolgt von Windenergie mit 366 Milliarden (20 Prozent) sowie Fotovoltaik mit 178 Milliarden (50 Prozent).

Nicht verbraucht wurden bei Wasserkraft 5 Prozent (69 Milliarden Kilowattstunden). Bei Windstrom sank die Abregelungsquote um 5 Prozentpunkte auf 7 Prozent (28 Milliarden Kilowattstunden) und bei Solarenergie um 2,8 Prozentpunkte auf 3 Prozent (6 Milliarden Kilowattstunden).

Allerdings wird der grüne Strom vor allem in den wenig besiedelten Landesteilen im Norden und Nordwesten produziert, während die Nachfrage vor allem an der dicht bevölkerten Ostküste besteht. Um dieses Problem zu lösen, wurden und werden Tausende Kilometer an Ultrahochspannungsleitungen errichtet. Gebraucht werden aber nach wie vor sinnvolle Speichermöglichkeiten.

Doch damit ist das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. So sollen künftig jährlich etwa 70 bis 140 Gigawatt an Windkapazität neu hinzukommen. Insbesondere im Offshorewindbereich wird weiter kräftig investiert. Daran beteiligt sich neuerdings auch wieder die China National Offshore Oil Corp. Auch China Three Gorges hat 2018 neue Vorhaben ins Leben gerufen. Im Oktober 2018 begann CGN New Energy (zur China General Nuclear Power Corp. gehörig) mit der Errichtung des mit installierten 400 Megawatt chinaweit größten Offshorewindparks bei der Insel Nanpeng, Provinz Guangdong. Der Anschluss ans Netz ist für 2020 anvisiert.

Neue Kernkraftwerke genehmigt

Als grüne Energie gilt in China auch die Kernkraft. Im Januar 2019 besaß China eine Erzeugungskapazität von 46 Gigawatt, weitere 12 Gigawatt waren in Bau. Allerdings liegt eine Reihe von Projekten nicht nur zeitlich weit hinter dem Plan, sondern auch budgetmäßig darüber. Vor diesem Hintergrund gilt das selbstgesteckte Ziel von 58 Gigawatt bis 2020 als unrealistisch, zumal 2018 keine weiteren Projekte genehmigt wurden. Dessen ungeachtet geht der Aufbau voran, sodass die 88 Gigawatt bis 2025 tatsächlich erreicht werden könnten, zumal sich der Genehmigungsstau 2019 etwas aufzulösen scheint.

Am 30. Januar 2019 genehmigte der Staatsrat den Bau der Blöcke 1 und 2 des Atommeilers Fujian Zhangzhou (betrieben durch die China National Nuclear Corp.) sowie der Blöcke 1 und 2 (von sechs) von Guangdong Taipingling (China General Nuclear Power Group). Damit soll am 30. Juni mit dem Bau des für dieses Jahr ersten Atommeilers in Zhangzhou, Provinz Fujian, begonnen werden. Die Bauperiode ist auf fünf Jahre angesetzt. Zhangzhou besteht aus sechs Blöcken von insgesamt 7,4 Gigawatt. An beiden Standorten sollen die in China entwickelten Reaktoren der dritten Generation (Hualong-Technologie) zum Einsatz kommen.

Stromerzeugung nach Energieträgern (in Prozent)
Energieträger 2016 2017 2018
.Kohle/Öl/Gas 71,8 71,1 70,4
.Wasserkraft 19,5 18,5 17,6
.Windenergie 4,0 4,7 5,2
.Kernkraft 3,5 3,8 4,2
.Solarenergie 1,2 1,8 2,5
Insgesamt 100,0 100,0 100,0

Quellen: China Electricity Council, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

China alternative Energien, Strom-/ Energieerzeugung, Kernkraft

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