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19.05.2017

China setzt bei Elektroautos auf Subventionsabbau und mehr Qualität

Neues Zulassungsverfahren soll Markteintritt erschweren / Ausländische Hersteller hoffen auf Genehmigung neuer Joint Ventures / Von Corinne Abele

Shanghai (GTAI) - Im Bereich Elektromobilität möchte China mittelfristig international in Führung gehen. Eine unübersichtliche Subventionslandschaft hat zu über 200 Herstellern geführt - zumindest auf dem Papier. Nun sollen Zuschüsse gekürzt und die Markteintrittsanforderungen erschwert werden. Ziel ist, die Konzentration und Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu erhöhen. Ausländische Automobilbauer hoffen auf die Möglichkeit zusätzlicher Joint Ventures für den Bau von Elektrofahrzeugen.

Chinas Elektrofahrzeuge scheinen den Durchbruch geschafft zu haben. Immer mehr internationale Brancheninsider sehen das Land bei der E-Mobilität in der weltweiten Spitzengruppe mitfahren - oder diese gar anzuführen. Erstmals wurden 2016 mehr als eine halbe Million Elektro- und Hybridfahrzeuge, darunter 336.000 Pkw, produziert und verkauft - ein Anstieg von 53% zum Vorjahr.

Auch 2017 wird trotz schrittweiser Senkung von Subventionen und erschwerten Markteintrittsbedingungen mit deutlichen Steigerungsraten gerechnet. Oberstes Ziel der Regierung ist eine nachhaltige Entwicklung der Branche. Ausländische Hersteller wollen dazu beitragen - wenn sie dürfen.

Das Segment der Fahrzeuge mit alternativer Antriebstechnik (New Energy Vehicle - NEV) ist für die Kfz-Branche von strategischer Wichtigkeit. Im Industriemodernisierungsprogramm "Made in China 2025" visiert das Land bis 2020 einen Anteil chinesischer Hersteller bei Elektroautos von 70% an; 2025 soll er 80% erreichen.

Doch mit finanziellen Anreizen allein ist dies nicht zu schaffen. Die unübersichtliche Subventionslandschaft trug bislang zu einem erheblichen Wildwuchs an NEV-Herstellern und einer beständig steigenden Modellanzahl bei. Über 200 Firmen stellten Ende 2016 NEV her beziehungsweise rüsteten Fahrzeuge mit Elektromotoren aus, so die National Development and Reform Commission (NDRC). Von über 4.000 genehmigten NEV-Modellen sollen jedoch bislang nur rund ein Viertel jemals produziert worden sein.

Kürzung von Subventionen

Seit 2009 gewährt die Regierung auf nationaler Ebene finanzielle Unterstützung an NEV-Hersteller, ergänzt durch regionale Zuschüsse. Allein 2016 wurden rund 2.200 Elektromodelle auf diese Weise subventioniert. Und 2017 wurden bis Anfang Mai allein 1.473 Fahrzeugmodelle als subventionsfähig befunden. Die Branche wurde vor allem im Bussegment von einigen Skandalen erfasst.

Pro Elektro- beziehungsweise Hybrid-Pkw gibt die Zentralregierung (je nach technischen Anforderungen) zwischen 20.000 und 44.000 RMB (etwa 2.900 bis 6.400 US$; 1 US$ = 6,89 RMB) dazu. Die Regionen stocken den Betrag weiter auf - seit 1.1.17 jedoch höchstens um 50% der nationalen Subventionen. So will es die neue Vorschrift. Gleichzeitig hat das Finanzministerium seit Jahresbeginn mit der jährlichen Verringerung der Subventionen um 20% (in Bezug auf das Niveau von 2016) begonnen. Bis 2021 sollen die Zuschüsse schrittweise auslaufen.

Tatsächlich war das bisherige System nicht nur unübersichtlich, sondern auch Spielball regionaler Interessen. Beispielsweise halbierte Shanghai seit April 2016 seine Zuschüsse pro Elektroauto bei mehr als 40.000 in der Stadt verkauften Stück. Ab 60.000 Einheiten wird die Unterstützung ganz eingestellt. Betroffen von dieser Regelung ist das Modell Qin PHEV von BYD, von dem bereits mehr als 40.000 in der Stadt abgesetzt wurden. Die Förderung des in Shenzhen ansässigen Elektroautoproduzenten ist Shanghai ein Dorn im Auge.

Marktzugang wird erschwert

Die Subventionen haben zwar ernstzunehmende Automobilbauer angezogen, aber auch ambitionierte Visionäre oder reine Trittbrettfahrer. Nahezu monatlich wurde 2016 ein neues NEV- oder Smart-NEV-Unternehmen gegründet - wie Future Mobility, CHJ Automotive, NextEV, Qiantu Motor, Harmony Auto, Weltmeister (WM Motors), LeSee oder Faraday Future. Hinter einigen stehen die Internetgiganten Baidu, Alibaba oder Tencent. Für die meisten der inzwischen über 200 (Smart-)NEV-Produzenten dürfte die Fahrt in den kommenden Jahren zu Ende gehen. Denn letztlich möchte die Regierung nur etwa zehn wettbewerbsstarke Hersteller haben.

Um Preisgefüge, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der neuen Branche zu fördern, traten daher zum 1.7.17 neue Zulassungsanforderungen für NEV-Hersteller und -Modelle in Kraft. Durch sie werden sich die Markteintrittsbarrieren durch strengere Anforderungen unter anderem an die notwendige Technologie erhöhen. Die insgesamt 32 Punkte umfassende Neuregelung kann in chinesischer Sprache eingesehen werden unter http://www.miit.gov.cn/n1146285/n1146352/n3054355/n3057585/n3057592/c5466177/content.html

Einige Unternehmen haben daher zum Endspurt angesetzt, um noch auf Basis der alten Regelungen eine Produktionslizenz zu erhalten. So verkündete LeEco im August 2016, in Huzhou seine LeSee Fabrik mit einer angestrebten Jahreskapazität von 400.000 Fahrzeugen zu bauen. Die Wangxiang Group soll Pressemeldungen zufolge in Hangzhou die Produktion von 50.000 NEV-Einheiten jährlich planen. Bereits im Bau ist die Fertigungsanlage von CHJ Automotive in Changzhou. Noch 2016 erhielten BAIC BJEV, Changjiang Auto, CH-Auto sowie Chery New Energy Automobile Technology entsprechende Lizenzen zur Produktion von NEVs.

Weitere Joint Ventures für Bau von Elektroautos erhofft

Für ausländische Hersteller dürften die neuen Zulassungsbedingungen unkritisch sein. Angesichts bevorstehender Herstellerquoten für Elektroautos bereiten einige eine lokale Produktion vor, die nur im Rahmen von Joint Ventures möglich ist. Bislang ist allerdings offen, ob sie für die lokale NEV-Produktion zusätzlich zu den bislang maximal möglichen zwei Gemeinschaftsunternehmen ein weiteres gründen dürfen.

Ein solches hat beispielsweise VW mit der Unterzeichnung einer Grundsatzvereinbarung mit Anhui Jianghuai Auotmobile (JAC) Anfang September 2016 im Visier. Im Rahmen bereits bestehender Joint Ventures produzieren Daimler mit BYD und BMW mit Brilliance erste E- und Hybridmodelle; die Absatzzahlen lassen bislang allerdings zu wünschen übrig.

Ausländische Automobilbauer können E-Fahrzeuge bislang nur unter der Auflage erheblichen Know-how-Transfers sowie als eigenständige Marke ihrer gesetzlich erzwungenen Joint Ventures produzieren. Allerdings genehmigte der Staatsrat am 19.7.16 ausländischen Unternehmen in bis dato ausgewiesenen Pilot Free Trade Zones in Shanghai, Guangdong, Tianjin und Fujian die Herstellung unter anderem von Batterien, elektrischer Getriebe (Electric Power Steering System) sowie "Controller Area Network-(CAN-)BUS-Systemen ohne Joint-Venture-Zwang.

Ausländische Branchenkenner hoffen auf Änderung der bisherigen industriepolitischen Marschrichtung und auf eine generelle Aufhebung der Joint-Venture-Vorschriften. In der Branche hat die Diskussion seit längerem eingesetzt, jedoch bislang nur langsam an Fahrt gewonnen.

(C.A.)

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