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27.06.2018

China sichert sich Rohstoffe für Batterieproduktion

Elektroautoboom sorgt für Rohstoffengpässe / Preise für Lithium und Kobalt steigen / Von Achim Haug

Bonn (GTAI) - Die Elektromobilität weltweit boomt, soweit die gute Nachricht. Dafür müssen aber auch Rohstoffe in großer Menge gewonnen werden, oft mit unsicherer Versorgungslage. China sichert sich weltweit den direkten Zugriff auf diese Schlüsselelemente, die für die Batterieproduktion unerlässlich sind. So vereinbaren Unternehmen aus der Gewinnung von Batteriechemikalien oder Zellfertigung langfristige Lieferverträge. Die Konzentration der Batterieindustrie auf Asien dürfte sich dadurch weiter festigen.

Chinesische Unternehmen zeigen sich besonders vorausschauend, wenn es um die Sicherung der Lieferkette für Mineralien für die Batterieproduktion geht. Denn die Versorgung mit diesen stellt einen kritischen Engpass für die Entwicklung der Elektroautoindustrie dar. Die Versorgungslage und Preisvolatilitäten verunsichern auch die deutsche Industrie. Im Jahr 2017 stellte Torsten Brandenburg von der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) gegenüber der Zeitung Welt am Sonntag die Situation dar: "Bei den Rohstoffen, überwiegend Metallen, die man für den Bau von Batterien für Elektroautos benötigt, ist die deutsche Wirtschaft völlig auf Importe angewiesen".

Lithium könnte für die Elektromobilität werden, was Erdöl für die Ära der Verbrennungsmotoren war, so lautet ein beliebter Vergleich. Und in der Tat veranlassen die steigenden Verkaufszahlen für Elektroautos eine weltweit fieberhafte Jagd nach dem "Weißen Gold". In den vergangenen zwei Jahren hat sich der Preis für Lithium mehr als verdoppelt. Während große Batteriefabriken in gut zwei Jahren betriebsbereit sein können, benötigen neue Lithium-Minen eher über sieben Jahre - bei günstigen politischen Bedingungen im Land.

Im Grunde ist das Leichtmetall nicht selten, doch nur an wenigen Standorten lohnt eine Exploration. Australien und Chile stehen aktuell für 80 Prozent der Bergwerksförderung. Bis zum Jahr 2025 wird sich laut DERA die Förderung auf Australien, Argentinien und Kanada konzentrieren, Chile soll Anteile verlieren und das Lithium-reiche Bolivien harrt noch der großangelegten Exploration.

China forciert strategische Kooperationen und Beteiligungen

Ein Paukenschlag in der Lithium-Versorgung ist Tianqi gelungen, als das Unternehmen aus chinesischen Provinz Sichuan im Mai 2018 Anteile am chilenischen Minenbetreiber SQM erwarb. Zusammen mit der Beteiligung an dem Minenbetreiber Greenbushes kontrolliert Tianqi damit rund die Hälft des weltweit Lithium-Outputs; und mit der Raffination in China einen wichtigen Teil der Lieferkette für die Batteriefertigung. Die chinesische Regierung habe im Vorfeld Druck auf Chile ausgeübt, den Deal nicht zu blockieren, so Medienberichte. Dies zeigt die strategische Bedeutung für China.

Ganfeng, der größte Lithium-Verarbeiter in China, plant derweil einen Börsengang in Hongkong (SVR). Der Konzern hofft, dadurch mindestens 130 Millionen US-Dollar (US$) zur Finanzierung weiterer Expansionen, darunter auch in Minenprojekte, einzunehmen. Weltweit gilt das Unternehmen aus Shanghai als Nummer drei in der Lithium-Förderung, nach Albermarle aus USA und SQM aus Chile. Ganfeng entwickelt zum Beispiel in Argentinien ein Projekt, zusammen mit Lithium Americas.

Auch der chinesische Autohersteller Great Wall Motors kaufte sich kürzlich beim australischen Konzern Pilbara Minerals ein, der über große Lithium-Minen verfügt. Chemphys Chengdu aus Westchina ist außerdem zum größten Anteilseigner an NRG Metals avanciert. NRG ist auf die Exploration von Lithium-Vorkommen in Argentinien spezialisiert. Chemphys produziert Materialien für die Batteriezellenproduktion.

Machtverschiebungen in der Autobranche möglich

China ist seit 2017 der größte Markt für Elektroautos und der Schwenk von Verbrennungsmotoren zu batteriebetriebenen Fahrzeugen könnte eine Machtverschiebung in der Automobilindustrie einläuten, spekulieren Analysten. Beijing setzt alles daran, in dieser neuen Phase eine entscheidende Rolle zu spielen. So setzt die industriepolitische Strategie "Made in China 2025" für Kfz mit alternativen Antrieben äußerst ambitionierte Ziele: Bis 2020 sollen im chinesischen Markt einheimische Produkte einen Anteil von 70 Prozent erreichen, bis 2025 sogar 80 Prozent. Akkus wurden als Schlüsseltechnologie zur Erreichung des Ziels identifiziert.

Von ähnlicher Relevanz ist das Metall Kobalt: Rund die Hälfte der Weltproduktion wird derzeit in Batterien als Kathodenmaterial verbaut, gegenüber nur 20 Prozent im Jahr 2006. Laut DERA stieg die weltweite Nachfrage nach Kobalt in den vergangenen Jahren kräftig: Im Jahr 2015 lag sie bei 90.000 Tonnen, 2010 waren es noch 65.000 Tonnen pro Jahr. Bis 2025 soll sie sich auf 155.000 Tonnen erhöhen. Das Metall hilft, die Energiedichte von Akkus zu erhöhen. Analysten erwarteten weiter anziehende Preise für Kobalt durch Chinas Absicherungsaktivitäten. Der Preis pro Tonne lag im Frühjahr 2018 bei über 90.000 US$.

Kobalt-Lieferkette reicht von Afrika bis China

Die weitaus bedeutendsten Abbauregionen liegen in der DR Kongo, rund 60 Prozent des geförderten Minerals stammen aus dem politisch wie wirtschaftlich instabilen Staat. Der Rest kommt aus China, Kanada und Australien. Die Reserven weltweit sind reichlich, aber nur wenige Länder sind bereit, das Mineral abzubauen.

Die Handelsströme für Kobalt-Rohprodukte beziehungsweise verarbeitete Formen sind schwer zu erfassen. Relativ klar ist, das China deren weitaus größter Importeur ist und dieses in raffinierter Form exportiert beziehungsweise selbst in Hightechprodukten verarbeitet. Die Firma Jinchuan betreibt etwa eine Kobalt-Mine in China, hat daneben auch Projekte in Afrika und Indonesien.

Zum Teil lassen die Abbaubedingungen in der DR Kongo stark zu wünschen übrig. Glencore, der weltgrößte Kobalt-Förderer bestimmt das Geschehen mit großen Projekten. Sorgen bereiten vor allem kleine, kaum überwachte Minen, aus denen laut Schätzungen 10 Prozent bis 20 Prozent des Kobalts stammen. Berichten zufolge kaufen vor allem kleine chinesische Handelsunternehmen aus diesen Quellen und liefern dann nach China. Die Lieferketten des Metalls sind aber sehr intransparent und die Trennung von "sauberen" und problematischen Kobalt-Strömen schwierig.

GEM, eine an der Shenzhener Börse notierte Firma, die Batteriechemikalien vertreibt, sicherte sich im März 2018 einen direkten Kobalt-Zugang: Glencore erklärte, rund ein Drittel seiner Produktion in den kommenden drei Jahren exklusiv an GEM zu liefern. Damit geht ein Großteil der Weltproduktion an die chinesische Firma. Ein wichtiger vertraglicher Abnehmer für die GEM-Produkte ist CATL, der größte Batteriezellen-Hersteller in China. CATL sicherte sich 2016 aber auch einen Direktliefervertrag für Kobalt mit Glencore: über vier Jahre sollen 20.000 Tonnen geliefert werden.

Huayou Cobalt aus China hat mit den Batteriespezialisten von LG Chem aus Südkorea eine Partnerschaft für zwei Werke in China vereinbart, zusammen wollen sie über 440 Millionen US$ investieren. Wie Benchmark Mineral Intelligence analysiert, dürfte die Allianz die Landschaft für die Kathoden-Herstellung verändern. Denn sie gilt als bislang größter Deal zwischen einem Batteriehersteller und einem Rohstoffunternehmen. Damit kontrollieren die Firmen die komplette Lieferkette, von der Rohstoffförderung in der DR Kongo, die von Huayou erbracht wird, bis zur Auslieferung fertiger Batterien an die Elektroautohersteller.

DERA-Studie offenbart Konzentration von Seltenen Erden in China

Neben Lithium und Kobalt spielen auch Metalle wie Nickel und Platin sowie Graphit und Seltene Erden (SE) eine Schlüsselrolle für die Batteriezellenproduktion. Während bei Nickel und Platin keine Engpässe drohen, ist die weltweite Versorgung mit Seltenen Erden von China dominiert. Laut einer Studie der DERA beherrscht China mit einem Marktanteil von über 80 Prozent die weltweite Produktion von Seltenen Erden. Die Preissituation hat sich nach einem Höhepunkt 2011 wieder deutlich entspannt, derzeit wird der Sektor konsolidiert und Umweltauflagen werden schärfer durchgesetzt.

Für die Zukunft plant die chinesische Regierung, mehr Wertschöpfung in der Verarbeitung ins Land zu holen: Der globale Marktanteil von SE-basierten Materialien soll bis 2020 auf um 25 Prozent steigen. Gleichzeitig soll der Export von primären SE-Rohstoffen um 27 Prozent reduziert werden. Das Signal ist eindeutig: China will nicht nur als primärer Rohstofflieferant dienen, sondern sich als Hersteller höherwertiger SE-Produkte etablieren. Die Analyse "Chinas Rohstoffpolitik für Seltene Erden" kann online eingesehen werden: https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/Commodity_Top_News/Rohstoffwirtschaft/57_china_seltene_erden.pdf;jsessionid=D7FA84102F9F55B4CCE9D6DB36E8E722.1_cid284?__blob=publicationFile&v=2

Weitere Informationen zu Chinas Batterieindustrie unter "Chinas Batterieindustrie setzt zum Überholen an", http://www.gtai.de/MKT201803298002

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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