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17.05.2019

China steigert Anteil an Indonesiens Maschinenimporten

Volksrepublik verdoppelt Quote in nur zehn Jahren / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Maschinenbauer aus China beherrschen nahezu alle Industriebereiche Indonesiens - zumindest beim Produktwert. Das Nachsehen haben die traditionellen Technologielieferanten.

Indonesien hat 2018 Maschinen (HS-Position 84) im Wert von 27,2 Milliarden US-Dollar (US$) importiert. Das ist der höchste Wert seit 2013 und eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent. Weitaus wichtigster Lieferant war China mit einem entsprechenden Importanteil von 36 Prozent, gefolgt von Japan (18).

Diese Zahlen haben allerdings gewisse Unschärfen, denn es gibt Differenzen zwischen den Importwerten in der indonesischen Handelsstatistik und den spiegelbildlichen Exportzahlen der Lieferanten. Der Gesamtwert der Maschinenimporte Indonesiens zeigt aus beiden Perspektiven aber nur geringe Abweichungen.

Chinas Importanteil bei Maschinen hat sich laut indonesischer Statistik in zehn Jahren grob verdoppelt. Heute ist die Volksrepublik in fast allen Bereichen des Maschinenbaus Bezugsquelle Nummer eins. 2018 kamen knapp 56 Prozent der Fördertechnik und 45 Prozent aller Holzbearbeitungsmaschinen aus China. Allerdings beinhalten diese Zahlen auch die Lieferungen ausländischer Produzenten

in der Volksrepublik. Dieser Anteil lässt sich nur schwer bestimmen.

Deutschland lieferte laut Destatis im Jahr 2018 Maschinen im Wert von knapp 950 Millionen US$ nach Indonesien. Wichtigster Sektor waren Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen mit 73,8 Millionen US$. Deutsche Maschinen haben im Archipel einen exzellenten Ruf, chinesische werden aber oftmals aufgrund des erheblich günstigen Preises vorgezogen. Bisweilen sind diese Produkte um 75 Prozent billiger.

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Bau und Bergbau größte Abnehmerbranchen

Die größten Abnehmerbranchen für Maschinen in Indonesien dürften der Bergbau und die Bauwirtschaft sein, die jeweils rund 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Während der Bergbau seit Jahren stagniert, wächst die Bauwirtschaft zuverlässig mit Raten über denen der Gesamtwirtschaft. Die Landwirtschaft hat zwar eine noch größere gesamtwirtschaftliche Bedeutung als diese beiden Sektoren. Allerdings beruhen sie und der sie prägende Palmölanbau zu einem viel höheren Maße auf manueller Arbeit.

Innerhalb der verarbeitenden Industrie ist die Nahrungsmittelverarbeitung der mit Abstand größte Bereich mit einem Anteil von 30 Prozent - Tendenz steigend. Sie hat seit Jahren die mit Abstand höchsten Wachstumsraten im produzierenden Gewerbe. Die Branche ist fast genauso groß wie die Kohle- und Mineralölverarbeitung, Elektronik-, Chemie- und Automobilindustrie zusammengenommen.

Der größte Teil der arbeitsintensiven Leichtindustrie ist auf Java angesiedelt, wo zwei Drittel der Indonesier leben und 60 Prozent der Wirtschaftsleistung generiert werden. Dort ist die Infrastruktur am besten ausgebaut. Deshalb haben sich vor allem arbeitsintensive und exportorientierte Industriezweige wie etwa die Textil-, Schuh- oder Möbelbranche angesiedelt. Hier lohnt sich der Einsatz moderner Maschinen allerdings nur dann, wenn diese langfristig billiger sind als Arbeitskräfte.

Bergbau und Kohleminen gibt es vor allem auf Kalimantan, Sumatra und dem östlichen Papua. Palmölplantagen sind im größten Umfang ebenfalls auf Kalimantan und Sumatra zu finden. Die Elektronikindustrie hat ihr größtes Cluster auf der Singapur vorgelagerten Insel Batam, die als Freihandelszone fungiert. Hier werden Halbleiter, Handys und Haushaltsgeräte gefertigt.

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Schwierige Rahmenbedingungen für Lieferanten

Indonesien gehört zu den protektionistischsten Ländern Südostasiens. Die Politik oszilliert zwischen Abschottung und Öffnung. Zum einen werden heimische Interessensgruppen bedient, die vom mangelnden internationalen Wettbewerb profitieren. Andererseits setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass sich die indonesische Wirtschaft nur durch ausländische Direktinvestitionen und daraus resultierendem Technologietransfer weiterentwickeln kann.

Letzteres ist auch der Tenor einer Anfang 2019 erschienenen Studie der Asian Development Bank im Auftrag der indonesischen Planungsbehörde Bappenas. ("Policies to support the development of Indonesia's manufacturing sector during 2020-2024"). Sie empfiehlt dem Archipel als Strategie zur Stärkung der verarbeitenden Industrie eine Öffnung für ausländische Technologieunternehmen.

Beim Export von Maschinen nach Indonesien sind die Importzölle das geringste Problem. Sie liegen für die meisten Produkte bei 5 Prozent. Viel schwieriger wiegt die Behinderung von Einfuhren durch nichttarifäre Handelshemmnisse, Korruption, eine erratische Bürokratie und eine unklare Gesetzgebung. Um eine Maschine nach Indonesien einführen zu können, benötigt man eine entsprechende Importlizenz. Diese kann aber nur ein indonesisches Unternehmen erhalten, sodass ein Vertriebspartner eingeschaltet werden muss. Das verteuert die Einfuhren weiter, zusätzlich zu Zöllen, Steuern und Logistikkosten.

Ein weiteres Problem ist die seit einigen Jahren restriktive Visapolitik. Sie führt laut Unternehmen bisweilen dazu, dass Kunden eine gekaufte Maschine nicht in Betrieb nehmen können, weil das technische Personal aus dem Ausland keine Arbeitsgenehmigung erhält.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Außenwirtschaft, allgemein, Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Import, Außenhandel / Struktur, allgemein, Wirtschaftsstruktur, allgemein, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen, Außenwirtschaftspolitik, allgemein

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