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04.04.2019

China strukturiert Energiemix weiter um

Weg von der Kohle - hin zum Gas / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Chinas bereits heute enormer Energieverbrauch steigt weiter. Um diesen decken zu können, stellt sich das Land in allen Energiesparten breiter auf.

Ganze 4,64 Milliarden Tonnen Standardkohleeinheiten Energie verbrauchte China 2018 und damit 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr (Deutschland verbrauchte 2017 laut Statistischem Bundesamt 13.594 Petajoule; der chinesische Wert umgerechnet entspricht etwa dem Zehnfachen: 131.600 Petajoule).

Primärenergieverbrauch von 2000 bis 2018 (in Milliarden Tonnen Standardkohleeinheiten)
Jahr 2000 2005 2010 2015 2016 2017 2018
Verbrauch 1,47 2,61 3,61 4,30 4,36 4,49 4,64

Quelle: National Bureau of Statistics (NBS)

Kohleanteil erstmals unter 60 Prozent

Nach wie vor bildet Kohle das Rückgrat der chinesischen Energieversorgung. Trotz erheblicher Anstrengungen, den Anteil zurückzufahren, steigt der Konsum weiter: 2018 um 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Reihe von Kohlekraftwerken befindet sich in Bau. Allerdings dürften diese deutlich effizienter und umweltfreundlicher sein als die älteren Anlagen. Zugleich werden alte und kleinere Kohlekraftwerke geschlossen, andere modernisiert. Vor allem im Südwesten, wo besonders viel stark schwefelhaltige Kohle verbrannt wird, ist der Modernisierungsbedarf noch hoch.

Allerdings legt die Kohlenachfrage weniger zu, als die Verbräuche anderer Energiequellen wachsen. Entsprechend sank der Kohleanteil am Energiemix 2018 auf 59 Prozent; 2010 waren es noch 80 Prozent, so die Zahlen des National Bureau of Statistics. Bis 2040 sollen es sogar nur noch rund 50 Prozent sein.

Primärenergieverbrauch nach Energieträgern (in Prozent)
Energieträger 2015 2016 2017 2018 2020 *)
.Kohle 63,7 62,0 60,4 59,0 58,0
.Erdöl 18,3 18,5 18,8 18,9 17,0
.nicht fossile Energieträger 12,1 13,3 13,8 14,3 15,0
.Erdgas 5,9 6,2 7,0 7,8 10,0
Insgesamt 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0

*) Prognose

Quelle: NBS, 13. Fünfjahresplan für Energie (Nengyuan Fazhan Shisanwu Guihua)

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt China vor allem auf die Substitution mit dem saubereren Gas, fährt aber letztlich - angesichts der Dimensionen zurecht - "mehrspurig". So befindet sich zwar mittlerweile etwa ein Drittel der weltweit installierten Kapazität von erneuerbaren Energieträgern in der Volksrepublik - trotzdem deckt diese bislang erst 14,3 Prozent des Primärenergieverbrauchs.

Fast ein Drittel der Stromerzeugung aus "grünen" Energieträgern

Für 2019 hat sich China vorgenommen, den Kohleverbrauch im Energiemix auf 58,5 Prozent herunterzudrücken, während nicht fossile Energieträger einschließlich Wind und Solar auf 14,6 Prozent zulegen sollen, so die National Energy Administration im Dezember 2018. Zur Unterstützung der Solarbranche gab sie gemeinsam mit der National Development and Reform Commission am 7. Januar 2019 eine Richtlinie zur Netzparität für nicht subventionierten Solarstrom heraus.

Stimmen die Prognosen des staatlichen CNPC Research Institute of Economics and Technology, dann sollen nicht fossile Energieträger und Gas ab 2045 mehr als die Hälfte des Primärenergiemixes ausmachen. In seinem Outlook 2018 erwartet das Institut, dass um 2050 je etwa ein Drittel des Primärenergieverbrauchs auf Kohle, nicht fossile Energieträger sowie auf Öl und Gas entfällt.

Die Elektrizitätserzeugung betrug 2018 rund 6,8 Billionen Kilowattstunden; 6,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Hiervon wurden rund 30 Prozent mit "grünen" Energieträgern produziert, zu denen in China auch die Kernenergie zählt. Letztere legte um 18,7 Prozent zu, Wind um 16,6 Prozent und Solar um 19,6 Prozent. Trotz nachlassender Wirtschaftsdynamik steigt der Stromverbrauch weiter an und soll bis 2030 zwischen 8,5 Billionen und 10,5 Billionen Kilowattstunden betragen, hieß es auf dem Nationalen Volkskongress im März 2019. Hiervon sollen mehr als 45 Prozent aus sauberen Energieträgern kommen.

Gas als wichtigstes Kohlesubstitut

Wichtigstes Substitut für Kohle ist Erdgas - entsprechend steil zeigt die Nachfrage nach oben. Groß war deshalb im Februar 2019 die Freude über den größten bestätigten Gasfund im Bohai-Becken der letzten 50 Jahre. Über 100 Milliarden Kubikmeter Gas soll das Feld Bozhong 19-6 enthalten. Weitere Funde werden erwartet. Die China National Offshore Oil Corporation, die das Feld ausbeuten wird, will hierfür zehn Bohrlöcher setzen, die mindesten 4.000 Meter in die Tiefe reichen.

Trotz forcierter Ausbeutung der lokalen Gasreserven (2018 wurde die Rekordmenge von 161 Milliarden Kubikmeter gefördert, 7,5 Prozent mehr als 2017) gehen die Importe sprunghaft in die Höhe: 2017 auf 95 Milliarden Kubikmeter (ein Plus von 26,9 Prozent) und 2018 auf 125 Milliarden Kubikmeter (31,7 Prozent).

In der Folge ist China inzwischen nach Japan und vor Südkorea zum zweitgrößten Importeur von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) avanciert: 2018 kaufte das Land mit 54 Millionen Tonnen 41,2 Prozent mehr LNG im Ausland als im Vorjahr. Gelöscht werden die LNG-Tanker an den 17 Importterminals an der Ost- und Südküste. Die Nachfrage dürfte infolge des Umstiegs zur Gasheizung weiter wachsen, zumal die heimische Gasförderung mit dem Nachfrageanstieg nicht Schritt hält.

Gasspeicherkapazitäten werden ausgebaut

Ein strukturelles Problem bleibt der Mangel an Gasspeichern. Um Engpässe, wie sie im Winter 2017/18 auftraten, künftig zu unterbinden, erweitert China deshalb seine Lagerkapazitäten für Gas. Wie die National Development and Reform Commission im Oktober 2018 bekannt gab, sind gegenwärtig rund 100 Gasspeicher in Bau, die die Lagerkapazitäten um knapp 4 Milliarden Kubikmeter aufstocken. Nach dem 13. Fünfjahresplan sollte die tatsächliche Aufnahmekapazität bis 2030 mindestens 35 Milliarden Kubikmeter erreichen.

Darüber hinaus sind die Behörden angewiesen, Privathaushalte prioritär mit Gas zu versorgen. Tatsächlich war diesen Winter nichts von vergleichbaren Missständen, wie sie im letzten Winter aufgetreten waren, zu hören.

Blomberg Intelligence geht von einer Erhöhung der Speicherkapazitäten auf 4,1 Prozent der Gasnachfrage bis 2020 aus (von 2,8 Prozent der Gasnachfrage 2015). Wie die China Daily berichtete, verfügte China Ende 2018 über 26 Gasspeicherstätten mit einer kumulierten Lagerkapazität von 8 Milliarden Kubikmeter (rund 3 Prozent des inländischen Gasverbrauchs).

Hiervon profitieren auch deutsche Unternehmen. So erhielt die Linde AG einer Dow-Jones-Meldung zufolge im November 2018 den Auftrag zur Lieferung einer LNG-Anlage. Auftraggeber ist das Chemie- und Energieunternehmen Inner Mongolia Huineng Coal Chemical. Die Anlage werde über eine Kapazität von 750.000 Tonnen LNG pro Jahr verfügen und wäre dann die größte des Landes. Darüber hinaus hat Exxon Mobile im September 2018 eine Absichtserklärung mit Guangdong unterschrieben für eine Beteiligung zum Bau eines LNG-Terminals ab 2020.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

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China Strom-, Energieerzeugung, allgemein

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