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23.11.2017

China sucht im Mittleren Osten gute Kontakte zu allen Seiten

Wirtschaftsinteressen im MENA-Raum prioritär / Hohe Investitionen in Hafen- und Eisenbahnausbau / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Für China hat die MENA-Region (Middle East & North Africa) als Erdöl- und Gaslieferant sowie als Durchgangszone für Containerschiffe auf dem Weg nach Europa höchste Bedeutung. Folglich stehen Investitionen in Häfen an der Passage im Vordergrund. Überdies konnte China in Dschibuti die erste Marinebasis im Ausland etablieren. Generell pflegt China sowohl gute Beziehungen in die arabische Welt als auch in den Iran. Nordafrika ist vor allem als Tor ins Innere des Kontinents von Belang.

Die MENA-Region ist aus zweierlei Gründen für China existenziell: Erstens als Erdöl- und Gaslieferant. Im Jahr 2016 bezog China laut chinesischer Zollstatistik 68% seines Importöls aus der Region. Zweitens als Durchgangszone für Containerschiffe auf dem Weg nach Europa. Investitionen in Häfen in der Region zählen deshalb zu einem Schwerpunkt der 2013 durch den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping initiierten "Belt and Road Initiative" (BRI), durch welche China über den Land- und den Seeweg besser mit Europa, Nord- und Ostafrika sowie den dazwischenliegenden Staaten verbunden werden soll.

Entsprechend hält COSCO Shipping Anteile am Port Said East Port, dem Containerterminal des Suezkanals. Chinesische Baufirmen arbeiten am südlichen Ende des Suezkanals in Adabiya, und etwas weiter südlich entsteht als chinesisch-ägyptisches Gemeinschaftsvorhaben die Sonderwirtschaftszone Teda Egypt.

Generell ist der staatliche Schifffahrtsriese COSCO führender chinesischer Auslandsinvestor in Sachen Häfen und hält neben Anteilen am Port Said unter anderem eine Beteiligungen am griechischen Hafen Piräus. Ebenfalls stark im Hafengeschäft involviert ist die China Merchants Group. Sie besaß nach Recherchen von The Economist Intelligence Unit (EIU) Ende 2016 Anteile oder Betriebsrechte an 40 Häfen in 22 Ländern, darunter in Dschibuti.

In den meisten Fällen dürfte das Interesse vor allem wirtschaftlicher Natur sein, wobei sich das Engagement oft nicht auf den Bau und/oder Betrieb des Hafens beschränkt. Darüber hinaus geht es in vielen Fällen um die Errichtung von benachbarten Wirtschaftszonen. In Dschibuti begann China Merchants im Januar 2017 mit dem Aufbau einer Pilot-Freihandelszone. Dort birgt die Hafenbeteiligung für China überdies militärisches Potenzial. Denn das Land beherbergt seit August 2017 die erste chinesische Marinebasis außerhalb der Volksrepublik.

Saudi-Arabien Dreh- und Angelpunkt der Belt-and-Road-Initiative

Schon weitaus länger besteht eine militärische Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien. In Westchina gab es bereits gemeinsame Militärübungen unter dem Zeichen der Antiterrorbekämpfung. Die saudische Luftwaffe verwendet chinesische Angriffsdrohnen, und chinesische Kriegsschiffe haben im Zuge von Militärmanövern im Golf von Aden den saudischen Hafen von Jeddah besucht, berichtete Associated Press. Auch wirtschaftlich sind die Bande eng. Für China ist Saudi-Arabien nach Russland zweitwichtigster Öllieferant (von 2000 bis 2015 stand das Land an erster Stelle).

Vor diesem Hintergrund wundert es wenig, dass Beijing in dem Golfstaat einen regionalen Dreh- und Angelpunkt seiner BRI sieht. Im März 2017 unterzeichneten die Staatschefs beider Länder eine Absichtserklärung über Investitionsprojekte im Wert von 65 Milliarden US-Dollar (US$). Selbst wenn nur ein Teil der Vorhaben umgesetzt wird, so unterstreicht die Erklärung doch die Bedeutung, die China dem Königreich zumisst.

Darin enthalten ist beispielsweise ein Deal zwischen Sinopec, einer der großen Erdölgesellschaften der Volksrepublik und der Saudi Basic Industries Corp. (SABIC) über gemeinsame Petrochemievorhaben in beiden Ländern. Bereits heute betreibt die saudische staatliche Erdölgesellschaft Aramco gemeinsam mit dem chinesischen Staatskonzern China Petroleum & Chemical Corp. zwei Raffinerien in der ostchinesischen Küstenprovinz Fujian.

Größter Empfänger für chinesische Direktinvestitionen in der Region sind allerdings nach Bestandszahlen des chinesischen Handelsministeriums die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Die Hauptberührungspunkte zwischen beiden Ländern bilden Öl und Gas, Finanzwirtschaft und Infrastrukturaufbau.

Investitionen ins iranische Eisenbahnnetz

Die Kooperation mit Saudi-Arabien und den VAE hindert China indessen nicht daran, dem Iran innerhalb der BRI eine hohe Bedeutung als Transport- und Logistikdrehscheibe beizumessen. China unterstützt das Land beim Aufbau seiner Eisenbahnverbindungen in die Nachbarländer und stellt laut Eurasianet.org rund 1,5 Milliarden US$ zur Elektrifizierung der Strecke Teheran-Mashad sowie 1,8 Milliarden US$ zum Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse Teheran-Qom-Isfahan bereit.

Die Modernisierung der iranischen Bahn gilt als Voraussetzung für Chinas Ziele, den Handel mit der Türkei auszuweiten und chinesischen Gütern den Marktzugang über iranische Häfen zu öffnen. Generell treibt China den Wirtschaftsaufbau in der MENA-Region über Infrastrukturprojekte voran. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, vereinbarten zum Beispiel das ägyptische Transportministerium und eine Gruppe chinesischer Firmen, darunter die China Railway Group und die staatliche Luftfahrtgesellschaft AVIC International, den Bau einer 66 Kilometer langen Stadtbahn im Großraum Kairo mit einem Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden US$.

Derweil entsteht seit März 2017 im marokkanischen Tanger ein Industriepark, wo sich in den nächsten zehn Jahren 200 chinesische Firmen angesiedelt haben sollen aus den Bereichen Kfz, Luftfahrt, Elektronik, Textil und Maschinenbau. Generell ist China innerhalb weniger Jahre zum bei Weitem wichtigsten Investor und Handelspartner des afrikanischen Kontinents aufgestiegen.

(G.S.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China, Ägypten, Iran, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien Wirtschaftspolitik, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen

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