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08.04.2019

China treibt Eisenbahnbau voran

China will weitere 212 Milliarden US-Dollar ins Schienennetz investieren / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - Chinas Bürger werden immer mobiler. Die Politik antwortet, indem sie den Schienenverkehr ausbaut. Ob sich dieser wirtschaftlich immer rechnet, ist aber umstritten.

In den letzten fünf Jahren haben sich die Fahrgastzahlen der chinesischen Eisenbahnen auf über 2 Milliarden Personen 2018 fast verdreifacht. Der Anteil der Bahn an der Personenbeförderung verdoppelte sich im gleichen Zeitraum von 30 auf 60 Prozent. Ein Grund für den Erfolg ist sicherlich das massiv gestiegene Angebot: Innerhalb von nur elf Jahren gelang es China zwischen 2008 und 2018 das mit 29.000 Kilometern bei Weitem größte Hochgeschwindigkeitsschienennetz weltweit zu errichten.

Mit anderen Worten: mehr als zwei Drittel aller weltweit vorhandenen Hochgeschwindigkeitsstrecken befinden sich in der Volksrepublik - und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Premierminister Li Keqiang kündigte auf dem Nationalen Volkskongress im März 2019 weitere Ausgaben für das Schienennetz in Höhe von 800 Milliarden Renminbi Yuan an (RMB; umgerechnet rund 212 Milliarden US-Dollar (US$), 1 US$ = 6,6114 RMB, Jahresdurchschnittskurs 2018).

Allein im Jahr 2019 sollen rund 6.800 Kilometer neue Schienen gelegt werden, darunter 3.200 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken. Im Jahr 2018 hatte China 803 Milliarden RMB (116,8 Milliarden US$) für Eisenbahnprojekte ausgegeben und 4.683 Kilometer neue Eisenbahnstrecken in Betrieb genommen, darunter 4.100 Kilometer Hochgeschwindigkeitsverbindungen. Trotz dieser beachtlichen Leistung bezweifeln Kritiker, ob sich der Ausbau ökonomisch rechnet - denn mit Ausnahme einiger stets gut gebuchter Schnellstrecken wie die Verbindung Beijing-Shanghai seien einige Verbindungen Richtung Westen eher politisch motiviert, heißt es.

Mit 350 Stundenkilometern ohne Lokführer

Zugleich forciert China die Technologie selbstfahrender Züge. Über mehrere Monate liefen Tests auf der Strecke Beijing-Shenyang. Schon automatisch werden die Strecken Dongguan-Huizhou und Foshan-Zhaoqing in Guangdong betrieben - mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Kilometern pro Stunde. Rechtzeitig zu den Olympischen Winterspielen 2022 soll das System für die Verbindung Beijing-Zhangjiakou einsatzfähig sein - bei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 350 Kilometern pro Stunde.

Entwicklung der Hochgeschwindigkeitsbahn in China 2014 bis 2018
2014 2015 2016 2017 2018
in Betrieb genommene Länge (km) 16.456 19.838 22.980 25.164 29.000
Anteil an der Gesamtlänge der Bahnstrecken (%) 14,7 16,4 18,5 19,8 22,1
Personenbeförderung (Mio.) 703,8 961,4 1.221,3 1.752,2 2.001,0
Anteil an der gesamten Personenbeförderung der Eisenbahn (%) 30,5 37,9 43,4 56,8 60,4

Quelle: National Bureau of Statistics of China (NBS); China Railway Corporation; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Innerstädtische Schienennetze wachsen ebenfalls

Für Shanghai und Wuhan genehmigte die Nationale Reform- und Entwicklungskommission NDRC (National Development and Reform Commission) neue U-Bahnstrecken. Ferner gibt es neben dem bereits geplanten Autobahnnetz eine Baustudie für eine Stadtbahn zwischen den Flughäfen von Guangzhou und Shenzhen, so der Präsident des Guangzhou Baiyun International Airport. In Beijing ist derweil eine 41 Kilometer lange U-Bahnlinie in Bau, die den neuen Hauptstadtflughafen in Daxing mit dem Zentrum verbinden soll. Des Weiteren befindet sich eine Hochgeschwindigkeitsbahn zwischen dem Flughafen und Tianjin im Bau.

Auch in Shanghai läuft der Metro-Ausbau auf Hochtouren. Laut dem im Dezember 2018 von der NDRC genehmigten Plan für 2018 bis 2023 ist der Neu- oder Ausbau von neun Linien geplant - insgesamt sollen 286 zusätzliche U-Bahnkilometer errichtet werden - einschließlich der Anbindung der Insel Chongming und der Airport-Linie. Gegenwärtig verfügt die Stadt laut Shanghai Metro über 16 Linien mit insgesamt 705 U-Bahn-Kilometern. Laut NDRC sollen es bis 2030 1.642 Kilometer und bis 2035 über 2.000 Kilometer sein.

Viele Städte, deren Verkehrssituation ebenfalls eine U-Bahn nötig hätte, müssen jedoch vorläufig auf diese verzichten. Um eine Überschuldung der Kommunen zu vermeiden, werden innenstädtische Schienenprojekte von der Zentralregierung in Beijing erst ab einer Einwohnerzahl im Zentrum von mindestens 3 Millionen und einer Wirtschaftsleistung ab umgerechnet circa 1,9 Milliarden US$ genehmigt. So haben viele Städte zwar U-Bahnpläne in der Schublade, an eine Realisierung ist aber derzeit nicht zu denken.

Straßenbahnen im Trend

Neben dem U-Bahnausbau gewinnen Straßenbahnen an Popularität. In Shanghai beispielsweise nahm eine Straßenbahn in Songjiang im Dezember 2018 auf einer knapp 14 Kilometer langen Strecke ihren Fahrbetrieb auf. Weitere sollen noch 2019 folgen. Bis 2020 sollen es sieben Linien sein. Auf dem Campus des Telekomausrüsters Huawei in Guangdong pendelt neuerdings eine Straßenbahn zwischen "Heidelberg" und "Paris" sowie den übrigen zehn Nachbauten europäischer Städte. Fast hätte der Schweizer Bauer der Jungfraubahn den Zuschlag erhalten, allerdings konnte er nicht schnell genug liefern, daher ging der Auftrag an eine lokale Firma.

Künftig könnte es überdies auch mehr Transrapid-Projekte mit selbstfahrenden Zügen mit einer Spitzengeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde geben, die der staatliche Hersteller CRRC Zhuzhou Locomotive bis 2020 auf den Markt bringen will. Gegenwärtige Modelle bringen es auf bis zu 100 und 160 Kilometer. Die staatlichen Medien weisen mit Stolz darauf hin, CRRC verwende ausschließlich lokale Technologien. Nicht nur die deutschen Entwickler der Magnetschwebetechnik hegen daran Zweifel.

Entwicklung des innerstädtischen Schienenverkehrs 2014 bis 2018 (Länge in km zum Jahresende)
2014 2015 2016 2017 2018
Strecken städtisches Schienenverkehrs 2.816 3.195 4.153 4.570 5.140

Quellen: China Statistical Yearbook 2015-2019; http://www.sohu.com

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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China Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Schienenfahrzeuge, Digitalisierung

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