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01.10.2019

China treibt Entwicklung von Wirtschaftsräumen voran

Infrastrukturinvestitionen als Wirtschaftsstabilisator / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) -. Chinas Wirtschaftsdynamik schwächt sich ab. Mit Hilfe gezielter Einzelinvestitionen, aber auch durch die Entwicklung großer geografischer Räume hält die Regierung in Beijing dagegen.

Die chinesische Wirtschaft entwickelt sich nicht mehr so dynamisch wie in den letzten Jahren. Der erwartete Trend wird verstärkt durch den eskalierenden Handelskonflikt mit den USA. Erst Anfang September reduzierte deshalb beispielsweise die Schweizer Bankengruppe UBS ihre Wachstumserwartungen für China auf 6 Prozent für 2019 und auf 5,5 Prozent für 2020. Um den Wirtschaftsabschwung abzufedern, ist daher mit zusätzlichen Infrastrukturausgaben seitens des Staates zu rechnen.

Zu den künftigen Kernbereichen dürften der Ausbau der innerstädtischen Transportsysteme zählen, städtische Versorgungseinrichtungen, Stromübertragung, Umweltvorhaben, Logistik, 5G sowie ländliche Infrastrukturprojekte. Speziell sollen Investitionen in künstliche Intelligenz und Internet der Dinge als neue Infrastrukturaufgaben gefördert werden. Darüber hinaus wird der klassische Ausbau von Straße, Schiene und Luftfahrt fortgesetzt.

Vernetzung großer geografischer Räume im Vordergrund

Doch es geht Beijing nicht nur um Einzelprojekte, sondern auch immer wieder um die Vernetzung großer geografischer Räume (welche sich zum Teil mit der Seidenstraßen-Initiative überlappen). Schon länger im Werden begriffen sind neben der Greater Bay Area im Süden des Landes der Großraum Beijing-Tianjin-Hebei ("Jing-Jin-Ji-Area") und die Jangtse-Region.

Ein Riesenprojekt für das Jangtse-Delta ist etwa die im Sommer 2019 begonnene 25 Kilometer lange Eisenbahnbrücke über die Hangzhou Bay. Nach ihrer Fertigstellung in fünf Jahren halbiert sich die Reisezeit von Shanghai in die Hafenstadt Ningbo auf eine Stunde.

Ein Meilenstein für die Entwicklung der "Jing-Jin-Ji-Area" ist der neue internationale Flughafen Daxing im Süden der Hauptstadt an der Grenze zu Hebei. Bis 2021 sollen hier 45 Millionen Fahrgäste abgefertigt werden und 72 Millionen bis 2025. Langfristig dürfte Daxing sich zum größten Flughafenkreuz der Welt entwickeln.

Die Verantwortlichen sind nicht nur stolz auf die pünktliche Eröffnung am 25. September 2019 und das hervorragende, sondern auch auf die Umsetzung einer Reihe grüner Konzepte, wobei auch ausländische Lieferanten zum Zuge kamen. So stammt beispielweise das Regenwassersystem von Geberit.

Pläne zur Xiongan New Area konkretisieren sich

Inzwischen konkretisieren sich auch die Ausbaupläne für die 100 Kilometer von Beijing und Tianjin entfernt liegende, 2017 initiierte Xiongan New Area (Provinz Hebei). So fand mittlerweile ein internationaler Stadtplanungswettbewerb statt. Zwölf Firmen, darunter auch deutsche, kamen in die Shortlist; den ersten Preis erhielt ein Konsortium aus chinesischen Unternehmen. Allerdings dürfte auch dessen Entwurf nicht zu 100 Prozent realisiert werden. Meist dienten solche Wettbewerbe der Ideensammlung. Letztlich wird wohl eine Mischung aus allen Vorschlägen umgesetzt werden. Genaues ist jedoch bislang nicht nach außen gedrungen, denn alle Wettbewerbsteilnehmer wurden zu Stillschweigen verpflichtet.

Generell soll sich Xiongan zur Smart City für zunächst sieben Millionen Menschen entwickeln, wo sich in erster Linie High-Tech-Firmen und -Einrichtungen ansiedeln sollen - bevorzugt Big Data, künstliche Intelligenz oder Biotechnologie. Die Planungsfläche der ersten Phase beträgt 100 Quadratkilometer; mittelfristig ist eine Ausweitung auf rund 200 und langfristig auf 2.000 Quadratkilometer vorgesehen.

Von Xiongan erhoffen sich die Stadtplaner eine ähnliche Initialzündung, wie sie einst für Shanghai von Wirtschaftszone Pudong ausging. Deshalb könnte mit Xiongan einst der Name von Staatspräsident Xi Jinping genauso positiv verknüpft sein wie derjenige des Reformers Deng Xiaoping mit der Sonderwirtschaftszone Shenzhen oder der Jiang Zemins mit Pudong.

Außerdem soll die unter Staus und Umweltverschmutzung leidende Hauptstadt entlastet werden. Xiongan soll mit vorbildlicher "grüner" Infrastruktur ausgestattet und exzellent an die Hauptstadt angebunden werden. Bislang erreicht man Xiongan allerdings am besten über die Autobahn. Die Fahrt endet auf einem Parkplatz, wo von konventionell betriebenen Fahrzeugen in E-Mobile umgestiegen werden muss. Nur diese dürfen in Xiongan fahren.

Innovationen scheitern oft in der Realisierungsphase

In einer Ausstellungshalle wird die künftige städtische Planung Xiongans vorgestellt. Die Stadt entwickelt sich im Wesentlichen entlang zweier gewaltiger, sich im rechten Winkel kreuzender Achsen ähnlich der Stadtplanung Beijings. Auf diesen liegt im "Achsenkreuz" ein Viereck.

Fachleute fragen sich, was an diesem Stadtplan innovativ sein soll - und fühlen sich an die unzähligen chinesischen Neustädte erinnert, deren Planung vorgibt, "umweltgerecht" oder "grün" zu sein, und die dann doch nur durch sechs- und noch mehr spurigen Straßennetzen in Blöcke aufgeteilt werden. Der individuelle Autoverkehr hat in China weiterhin eindeutig Priorität - "grün" bedeutet oft nur, dass zusätzlich eine weitere Spur für Fahrräder und E-Bikes gebaut wird.

Insgesamt ist es immer wieder erstaunlich, wie offen in Ausschreibungen mit innovativen Lösungen umgegangen wird - und diese auch gefordert werden. Leider wird dann bei der Umsetzung von Ausnahmen abgesehen dann doch wieder auf Konventionelles zurückgegriffen. Scheitern zum Beispiel regelmäßig Versuche, den Verkehr kleinteiliger zu organisieren; gebaut werden letztlich immer wieder riesige Straßenwüsten. "Die Planungsbüros haben ihre Standards und halten beharrlich an ihnen fest; Änderungen sind nur möglich, wenn sie von ganz oben angeordnet werden," heißt es.

Neuer Land-Meer-Korridor

Neu sind hingegen die Planungen zu einem "Land-Meer-Korridor", der das Hinterland und den Westen Chinas besser mit den Häfen im Süden verknüpfen soll. Hierfür unterzeichneten Chongqing, Guangxi, Guizhou, Gansu, Qinghai, Xinjiang, Yunnan, Ningxia und Shaanxi im Mai eine Erklärung ("New International Land-Sea Trade Corridor", wobei Chengdu und Chongqing die Rolle der logistischen Schlüsseldrehscheiben übernehmen sollen.

Der Korridor soll die Idee von der "Neuen Seidenstraße" des Landwegs ("Belt") mit der des Seewegs ("Road") besser verbinden. Damit einhergehen dürfte der Ausbau der Hafenstädte im Beipu-Golf in Guangxi und des Yangpu Hafens auf der Insel Hainan.

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Luftverkehr / Flughäfen, Schienenverkehr, Straßenverkehr

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