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02.04.2019

China treibt neue Seidenstraße in Indonesien voran

Anbieter mit Produktion vor Ort haben bei Infrastrukturprojekten größere Chancen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Der Ausbau der Infrastruktur steht ganz oben auf Indonesiens politischer Agenda. Insgesamt 28 ausgewählte Projekte wurden nun chinesischen Investoren vorgestellt.

Indonesien und China prüfen die Zusammenarbeit beim Ausbau der Infrastruktur des Archipels. Vertreter von Regierungen und Staatsunternehmen beider Seiten haben sich Ende März auf Bali zu Verhandlungen über die Vergabe von 28 Projekten im Wert von 91,1 Milliarden US-Dollar (US$) getroffen. Für sieben weitere Projekte werden laut indonesischen Regierungskreisen gerade Machbarkeitsstudien erstellt. Ursprünglich waren 50 Projekte in der Auswahl gewesen. Chinesische Infrastrukturprojekte im Ausland gelten, vor allem wenn sie dem Handel dienen, als Teil der sogenannten neuen Seidenstraße.

Bei den Projekten in Indonesien handelt es sich um Vorhaben aus allen Bereichen der Infrastruktur, inklusive Industrieparks, Hütten- und Kraftwerke sowie Tourismusanlagen. Bisher gibt es keine offiziellen Verlautbarungen über Vereinbarungen. Nach Angaben des indonesischen Wirtschaftsministeriums wird zunächst mit Abkommen über zwei bis drei Projekte gerechnet. Von Beteiligten verlautete, dass sich erst ein einziges Projekt - der Bau einer Hafenanlage auf Kalimantan - in einer konkreteren Verhandlungsphase befindet.

Die indonesische Investitionsbehörde BKPM hat unter anderem Nordsumatra, Nordkalimantan, Nordsulawesi und Bali - den sogenannten Regional Comprehensive Economic Corridor - als Projektstandorte benannt. Nordsumatra liegt an der Handelsroute der Straße von Malakka, Nordkalimantan eignet sich durch sein großes Potenzial für Wasserkraft für den Bau von energiehungrigen Hüttenwerken.

Indonesien benötigt dringend privates und ausländisches Kapital zur Finanzierung seiner landesweiten Infrastrukturoffensive. Lediglich etwa 30 Milliarden US$ sind im Staatshaushalt 2019 dafür eingeplant. Eine deutlich größere Summe muss aus anderen Quellen eingeworben werden. Mittel aus China oder von internationalen Entwicklungsbanken sind da nur recht. Inwieweit letztere bei den aktuellen Projekten eingebunden sind, ist noch nicht klar.

Siemens sucht Zugang zu Kraftwerksprojekten

Indonesien will die Projektvergabe an Bedingungen knüpfen. Dazu gehören höchste technologische Standards und der Einsatz indonesischer Arbeitskräfte (ständige Gerüchte über chinesische Arbeitstrupps bei Großprojekten schüren Ressentiments in der Bevölkerung). Wichtigste Anforderung ist aber das von der Regierung oft beschworene National Capacity Building - der Auf- und Ausbau technologischer Potenziale der im regionalen Vergleich rückständigen indonesischen Industrie. Demnach sollen die Projektnehmer Know-how an indonesische Firmen transferieren und - wo möglich - im Land produzierte Komponenten einsetzen.

Hier hat sich die Kraftwerkssparte von Siemens ins Spiel gebracht, die zum ersten Joint Steering Committee in Bali eingeladen war. Um als Lieferant Zugang zu Projekten zu bekommen, hat das Unternehmen zahlreiche Kooperationen in Indonesien aufgebaut. So wurde ein Werk in Cilegon, das seit Jahrzehnten Großkomponenten für Kraftwerke herstellt, 2018 an das Staatsunternehmen Barata verkauft, das nun weiterhin im Auftrag von Siemens lokal Komponenten fertigt. Darüber hinaus arbeitet Siemens mit anderen Staatsunternehmen wie Pindad oder PAL bei der Herstellung von Generatoren oder der Montage von importierten Siemens-Komponenten vor Ort zusammen.

Gerade im Kraftwerksbau sind chinesische Firmen in Indonesien in Verruf geraten. Sie haben schlechte Qualität abgeliefert und werden seit einiger Zeit in Ausschreibungen über sogenannte OECD-Anforderungen systematisch ausgeschlossen. Wollen sie Zugang zum indonesischen Markt, müssen sie andere Technologieanbieter einbinden. Gasturbinen können chinesische Unternehmen noch nicht herstellen.

China will Handelsrouten nach Europa stärken

Für welche der angebotenen Infrastrukturprojekte letztlich chinesische Generalunternehmer den Zuschlag bekommen, ist noch unklar. Das chinesische Interesse ist laut Beobachtern vor allem auf Projekte an den Handelsrouten nach Europa gerichtet. Sie seien dort auf ein möglichst großes Stück vom Kuchen aus. Allerdings scheint die indonesische Seite selbstbewusst die eigenen Interessen zu vertreten und auch auf die Entwicklung anderer Landesteile zu bestehen.

Der wachsende wirtschaftliche Einfluss aus China, von wo mittlerweile ein Viertel aller Importe kommt, wird in Indonesien mit Skepsis gesehen. Auch im Nachbarland Malaysia wächst der Wiederstand: Dort hat die Regierung den Bau einer Schnellbahnstrecke durch ein chinesisches Unternehmen gestoppt und die Nachverhandlung des Preises erzwungen.

In Indonesien sind chinesische Unternehmen an zahlreichen Infrastrukturvorhaben beteiligt. Vorzeigeprojekt ist die erste Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke, die von Jakarta in das 150 Kilometer entfernte Bandung führt und auf deren Bau sich auch japanische Unternehmen beworben hatten. Sie soll 5,6 Milliarden US$ kosten und spätestens 2022 fertiggestellt werden.

Ausgewählte chinesische Infrastrukturprojekte in Indonesien
Projekt/Ort Kosten in Mrd. US$ Projektstand/Fertigstellung Auftragnehmer
Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke Jakarta-Bandung 5,6 2021/2022 Beijing Yawan HSR
Weda Bay Industrial Park, Halmahera/Molukken 7,8-10 Memorandum of Understanding Tsingshan, Huayou, Zhenshi
Stahlwerk in Konawe/Südsulawesi 2 Memorandum of Understanding Shandong Xinhai
Stahl- und Kohlekraftwerk, Morowali Industrial Park/Zentralsulawesi 1,6 Memorandum of Understanding Tsingshan Group, Delong Group

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Indonesien Bauwirtschaft, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein, Seidenstraße

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