Suche

07.05.2019

China will Produktion von Ethylen ausweiten

Erstmals können sich ausländische Investoren stärker beteiligen / Von Corinne Abele

Shanghai (GTAI) - China braucht bald weniger Treib- und mehr Kunststoff. Neue Raffinerie- und Petrochemie- sowie COTC-Komplexe sollen Abhilfe schaffen und multinationale Konzerne mischen kräftig mit.

Chinas angestrebter radikaler Umbau seines Transport- und Mobilitätssektor hin zur Elektromobilität führt auch in der Petrochemiebranche zu Konsequenzen. Denn bislang sind die Naphtacracker auf eine optimale Treibstoffproduktion und nicht auf Ausgangsstoffe für die Kunststoffproduktion ausgelegt.

Während der Bedarf an Benzin und Diesel sinkt, wird er an Ausgangsstoffen wie Ethylen, Propylen, Benzol, Toluol und Xylol (BTX) oder Kohlenstoffintermediären steigen. Bis 2030 dürfte der Bedarf an raffinierten Treibstoffen nach Experteneinschätzung weltweit nur um 0,6 Prozent steigen, so berichtet die ICIS News.

Um die Produktion von Industriechemikalien zu steigern, gewinnen integrierte Raffinerie- und Petrochemiekomplexe an Attraktivität; noch können zahlreiche Synergieeffekte zwischen Raffinerien und der Petrochemie erzeugt werden. Moderne Verbundstandorte erfordern jedoch sehr viel Technologie- und Prozess-Knowhow. Es dürfte daher kaum Zufall sein, dass China erstmals Bau und Betrieb von Petrochemiekomplexen mit Naphtacrackern stärker für ausländische Firmen öffnet.

Auch zwei weitere ausländische Firmen, ExxonMobil (USA) sowie SABIC (Saudi Arabien) wollen ohne chinesische Partner in gewaltige Petrochemiekomplexe an Chinas Ostküste in Guangdong und Fujian investieren. Ebenfalls öffnet das Land den Sektor zunehmend für private chinesische Chemiefirmen. Damit möchte China den wachsenden Bedarf an hochwertigen Ausgangschemikalien für die Produktion von Kunststoff, Farben und Lacke oder die Spezialchemie verstärkt inländisch decken.

Noch ist China in diesem Bereich auf Importe angewiesen - bei Polypropylen beispielsweise aus den USA. Der Handelskonflikt mit den USA dürfte daher zusätzlich den Aufbau eigener inländischer Kapazitäten stärken. Allein bis 2023 sollen in China 15 neue Ethylenkomplexe gebaut werden und in Betrieb gehen. Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens GlobalData werden in Asien bis 2026 die meisten petrochemischen Kapazitäten aufgebaut werden: 244 Projekte sollen in Asien in der Pipeline sein, mehr als die Hälfte davon in China.

Ausgewählte Ethylenprojekte der chemischen Industrie in China

Unternehmen Standort Jahreskapazität (in Mio. jato) Betriebsaufnahme
Sinopec Corp Zhanjiang (Provinz Guangdong) 0,8 2020
Sinopec Corp Ningbo (Provinz Zhejiang) 1,2 2022
Sinopec Corp & Taiwan Xuteng Gulei (Provinz Fujian) 1,0 2022
Sinopec Corp* Nanjing (Provinz Jiangsu) 0,8 nach 2022
BASF-Sinopec* Nanjing (Provinz Jiangsu) 1,0 k.A
Hengli Petrochemcial Dalian (Provinz Liaoning) 1,5 2019
Zhejiang Petrochmical (Rongsheng) Zhoushan (Provinz Zhejiang) 1,4 2019
Exxon Mobil Huizhou (Provinz Guangdong) 1,2 2023
BASF Zhanjiang (Provinz Guangdong) 1,0 2023
Shenghong Petrochemical Lianyungang Zhanjiang (Provinz Jiangsu) 1,1 nach 2022
Sinochem Quanzhou (Provinz Fujian) 1,0 2023
Norinco/Aramco Panjin (Provinz Liaoning) 1,0 nach 2023
Wanhua Chemical Yantai (Provinz Shandong) 1,0 2023
SP Chemicals Taixing (Provinz Jiangsu) 0,7 2022
SABIC Provinz Fujian k.A k.A
Insgesamt 14,7

Quelle: Reuters, Oktober 2018

Zunehmend in den Fokus rücken jedoch moderne Petrochemiekomplexe, sogenannte COTC-Projekte (Crude Oil to Chemicals - Rohöl zu Chemikalien). Diese sind auf eine maximale Produktion von Industriechemikalien ausgerichtet. COTC-Projekte dürften mengenmäßig etwa zweimal so viele Chemikalien pro Barrel Öl erzeugen wie ein Raffinerie-Petrochemie-Verbundstandort auf neuestem Stand. Moderne Verbundstandorte sowie COTC-Projekte sind jedoch hoch komplex und erfordern viel Technologie- und Betriebsknowhow. Derzeit sind in Asien vier COTC-Projekte in Bau und Planung, die auf eine maximale Herstellung von Paraxylol (PX) ausgelegt sind.

Der Raffinerie-PX-Komplex von Hengli Petrochemical in Dalian in der Provinz Liaoning hat bereits den Probebetrieb aufgenommen. Er kann jährlich 20 Millionen Tonnen schweres und mittelschweres Rohöl verarbeiten und daraus allein 4,3 Millionen Tonnen PX sowie Benzol und andere Chemikalien herstellen. Insgesamt dürfte der Komplex damit eine Konversionsrate (Chemikalien zu Rohöl) von 42 Prozent realisieren können. In der 2. Hälfte 2019 soll der Normalbetrieb starten. Es dürfte damit die größte derartige Anlage weltweit sein.

Mehr zur chemischen Industrie in China unter: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche.html?formId=208256&searchTerm=&facets%5Bcountry%5D=CHINA&facets%5BmCode%5D=BCH&btnQuickSearchContent=Suche

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Chemische Industrie, allgemein, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie, Petrochemie

Funktionen

Christina Otte Christina Otte | © GTAI/Rheinfoto

Kontakt

Christina Otte

‎+49 (0)228 24 993-323

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche