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03.06.2016

Chinas Chemieindustrie blickt wenig optimistisch ins Jahr 2016

Chinas Chemieindustrie blickt wenig optimistisch ins Jahr 2016

Konsolidierungsdruck für Unternehmen steigt / Von Corinne Abele (April 2016)

Shanghai (GTAI) - Chinas Chemiebranche ist wenig optimistisch. Der niedrige Rohölpreis setzt der petrochemischen Sparte weiter zu. Insgesamt herrschen vor allem im Bereich Basischemikalien sowie Agrarchemie Überkapazitäten. Der Sektor steht daher mit im Fokus von Staatspräsident Xi Jinpings "angebotsseitiger" Reformpolitik während des 13. Fünfjahresprogramms 2016 bis 2020. Hinzu kommen die strengere Kontrolle von Umweltschutzauflagen sowie die Verlagerung von Produktionsanlagen in Chemieparks.

Für die Chemiebranche bleibt die Lage 2016 in China wie auch international alles andere als rosig. Der Ölpreis ist weiterhin niedrig, der Preisdruck auf viele Chemieprodukte hoch. Die Nachfrage wächst sowohl im In- wie im Ausland nur moderat. Die über Jahre entstandenen Überkapazitäten können nicht weiter ignoriert werden. Der Druck auf die Unternehmen steigt, entweder zu modernisieren oder sich zu konsolidieren. Die wichtigen Branchenindikatoren zeigten daher 2015 allesamt nach unten. Auch für 2016 sind die Einschätzungen aus der Branche verhalten. Eine stabile Entwicklung sei zu erwarten, äußerte sich die China Petroleum and Chemical Industry Association (CPCIA) zurückhaltend in der inländischen Presse.

Chinas Markt für chemische Erzeugnisse (ohne Petrochemie) (in Mrd. US$; Veränderung in %) 1)
2014 Veränderung 2014/2013 2015 Veränderung 2015/2014
Umsatz 1.432,6 9,3 1.422,6 -0,7 2)
Export 134,6 12,5 129,6 -3,7
Import 193,4 1,2 171,3 -11,4
Marktvolumen 1.491,4 8,0 1.464,3 -1,8

1) Umrechnung zu den jeweiligen Jahresdurchschnittskursen; 2014: 1 RMB = 0,16279; 2015: 1 RMB = 0,16093; 2) Unter Berücksichtigung der Wechselkursänderungen

Quellen: China Petroleum and Chemical Industry Federation (CPCIF), China Customs Statistics, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Der Umsatz der Gesamtbranche schrumpfte 2015 um 6,1% auf 12.740 Mrd. RMB. Dabei konnte der bescheidene Zuwachs von 1,9% der Chemiebranche auf 8.840 Mrd. RMB die deutlichen Einbußen in der Petrochemie um rund 20,5% nicht ausgleichen. Letztere musste ebenfalls einen Gewinneinbruch von über 50% hinnehmen. In der Chemiebranche stiegen hingegen die Gewinne um 6,3%.

Umsatz der chemischen und petrochemischen Industrie (in Mrd. RMB; Veränderung in %) 1)
Sparte Betriebe 2015 Veränderung 2015/2014 Veränderung 2014/2013
Erdöl- und Naturgasproduktion 144 777,5 -32,6 0,1
Erdölverarbeitung / petrochemische Erzeugnisse 1.409 2.441,5 -17,8 1,0
Basischemie und verarbeitende Chemie 23.638 2) 8,5
.Basischemikalien 5.885 2.461,8 -0,7 7,4
.Düngemittel 2.454 2) 947,7 3,7 4,9
.Pestizide 830 2) 310,7 5,1 7,5
.Farben und Lacke 3.307 2) 655,4 5,8 10,0
.Kunststoff/Synthetikmaterial 2.862 2) 1.325,4 -1,3 5,3
.Spezialchemikalien 6.865 2) 2.067,2 4,2 14,2
.Chemikalien des täglichen Lebensbedarfs 1.435 2) 374,5 2) 7,8 2) 9,7
Faserchemie 1.926 2) 729,3 2) 1,2 2) 3,5
Gummi-, Kunststofferzeugnisse 17.926 2) 3.086,7 2) 4,1 2) 8,0

1) Unternehmen mit einem Mindestjahresumsatz von 20 Mio. RMB; 2) Stand Oktober 2015

Quelle: China Economic Information Network (CEIN), http://www.chem.hc360.com

Impulse wichtiger Abnehmerbranchen fehlen

Die Zahlen zeigen deutlich die Schwäche der Gesamtkonjunktur der chinesischen Wirtschaft. Vor allem die verhaltene Nachfrage wichtiger Abnehmerbranchen wie des Bausektors schlägt sich nieder. Auch 2016 dürften von ihm kaum positive Impulse zu erwarten sein. Inwieweit die Elektronik- und Informationstechnologische (IKT)-Industrie wird zulegen können, muss sich ebenfalls erst zeigen. 2015 exportierte China mit 13,4 Mrd. Mobiltelefonen nur noch 2,7% mehr als im Vorjahr; der Wert stieg um 7,3%; der Binnenmarkt wird zunehmend durch Ersatz- und Zweitkäufe getrieben.

Ob sich die leicht positive Entwicklung des Kfz-Marktes seit dem letzten Quartal 2015 im Gesamtjahr 2016 fortsetzen wird, bleibt abzuwarten. Vor allem dem E-Mobilitätssegment trauen Marktkenner eine dynamische Entwicklung zu. Im Ausbau befindet sich weiterhin der Gesundheitssektor. Experten sehen auch für 2016 einen mäßigen zweistelligen Zuwachs voraus. Dabei muss sich die Pharmaindustrie auf die fortschreitende Reform des Gesundheitssektors einstellen. 2015 stieg ihr Umsatz um 9,1%. Für 2016 werden in der im internationalen Vergleich weiterhin stark fragmentierten Branche weitere Zusammenschlüsse und Unternehmenskäufe erwartet.

Chemiesektor steht vor großen Veränderungen

Trotz zum Teil stark unterschiedlicher Entwicklungen in einzelnen Sektoren dürfte daher für die Gesamtbranche 2016 nur ein geringes organisches Wachstum möglich sein. Vielmehr müssen Firmen ihre Portfolios bereinigen und Wachstumsmöglichkeiten durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse (M&A) suchen. Im fragmentierten und regional geprägten chinesischen Chemiemarkt wächst der Konsolidierungsdruck. Branchenkenner erwarten für 2016 mehr inländische M&A-Tätigkeiten als grenzüberschreitende. Dennoch sorgten die Übernahme der Kunststoffmaschinensparte von KrausMaffai sowie die verkündete Übernahme von Syngenta durch die China National Chemical Corporation (CNCC oder ChemChina) gleich zu Beginn 2016 für Paukenschläge.

Für die Chemie- und Petrochemiebranche verschärft sich 2016 das gesamtpolitische Klima. Erstmals hat Staats- und Parteichef Xi Jinping für das 13. Fünfjahresprogramm 2016 bis 2020 eine "angebotsseitige Reformpolitik" angekündigt. Damit nimmt er vor allem die Beseitigung bestehender Überkapazitäten ins Visier, wie sie auch in der Basis- und Agrochemie sowie im petrochemischen Sektor bestehen.

Gleichzeitig hat sich die die Kontrolle der Gesamtbranche durch die Umweltbehörden vor Ort deutlich verstärkt. Dabei können seit Inkrafttreten des neuen Umweltgesetzes zum 1.1.15 für gravierende Verstöße gegen den Umweltschutz im Unternehmen Verantwortliche strafrechtlich verfolgt werden. Dennoch kann ein erheblicher Anteil der existierenden Altanlagen bereits die derzeitigen Auflagen nicht einhalten - von verschärften Richtwerten ganz zu schweigen. Es fehlen die notwendigen technologischen Voraussetzungen. Gerade für kleinere Chemieproduzenten wird die Lage schwierig.

Um die Modernisierung und Einhaltung der Umweltschutzauflagen voranzutreiben, setzt die Regierung zunehmend auf die Verlagerung von Firmen in Industrieparks. So ist beispielsweise im Rahmen des gemeinsamen Entwicklungsplans für Beijing und Tianjin die Verlagerung zahlreicher Chemie- und Petrochemieunternehmen in die bereits existierende Petrochemiezone Caofeidian bei Tangshan in der Provinz Hebei geplant.

Ebenfalls müssen die großen Branchenfirmen ab 2017 einen Beitrag zur CO2-Minderung leisten. Bereits in der ersten Phase der Einführung des landesweiten CO2-Emissionshandels sind petrochemische und chemische Firmen mit einem jährlichen Energieverbrauch von über 10.000 t Kohleäquivalent pro Jahr beteiligt. Ab Juni 2016 sollen sie ihre CO2-Emissionen elektronisch erfassen und melden.

Investitionen der chemischen und petrochemischen Industrie (in Mrd. RMB; Veränderung in %) *)
Sektor 2014 Veränderung 2014/2013 2015 Veränderung 2015/2014
Insgesamt 3.404,7 10,6 3.441,0 0,9
Öl- und Gasproduktion 402,3 6,1 342,5 -5,7
Petrochemie 324,0 7,1 253,9 -20,9
Chemische Erzeugnisse 1.458,4 10,5 1.499,1 3,3
Arzneimittel 520,5 15,1 581,2 11,9
Kunststofffasern 108,1 3,1 111,2 1,2
Gummi-, Kunststofferzeugnisse 591,4 13,2 653,1 10,1

*) Erfasst werden Investitionen von jeweils über 5 Mio. RMB

Quelle: National Bureau of Statistics (NBS)

Gedämpfte Investitionsfreudigkeit

Insgesamt zeigt sich die Investitionsbereitschaft der Branche gedämpft. Nur im Arzneimittelbereich sowie in der Sparte Gummi- und Kunststofferzeugnisse legten die Investitionen knapp zweistellig zu. Die Lage dürfte 2016 schwierig bleiben. Die Zahl neuer Projekte ist im Vergleich zu dem rasanten Kapazitätsausbau der Vorjahre gering, was angesichts der schwierigen Konjunkturlage nicht überrascht.

Das Projekt zur Gasexploration in Chayouqianqi in der Inneren Mongolei mit einem geschätzten Gesamtinvestitionsvolumen von 2,2 Mrd. RMB ist Teil des Ausbaus der Gasversorgung Chinas. Die Gasförderung soll 2019 beginnen; anvisiert ist eine jährliche Fördermenge von rund 730 Mio. cbm. Ebenfalls plant die Jilin Connell Chemical Corp. an ihrem Heimatort ein großes Projekt. Bis 2017 soll eine neue MtO (Methanol to Olefine)-Produktionsanlage in Betrieb genommen werden.

Ausgewählte Neubauprojekte der chemischen Industrie (Investition in Mio. RMB; Produktionskapazität)
Produkte Unternehmen Standort Investition Produktionskapazität
Gasexploration Western Natural Gas Chayouqianqi (Provinz Innere Mongolei) 2.200 730 Mio.cbm
Kalziumkarbonat k.A. Jiujiang (Provinz Jiangxi) 600 k.A.
Ethylenproduktion k.A. Bazhou (Provinz Xnjiang) k.A. 0,8 Mio. Jahrestonnen (jato)
Projekt im Rahmen des nationalen Petrochemie-Integrationsprojekt Hebei Qianhai Group Caofeidian (Provinz Hebei) k.A. 15 Mio. jato Raffineriekapazität; darunter Herstellung von 2,6 Mio. jato P-Xylol
Hightech-Materialien für die Oberflächenbeschichtung Dow Coating Materials Chengdu (Provinz Sichuan) k.A. Umsatz ab 2018: 600 Mio. RMB
MtO-Projekt (Methanol to Olefine) Jilin Connell Chemical Corp. Jilin (Provinz Jilin) 3.000 600.000 jato

Quelle: Presseberichte

Inwieweit Chinas Chemiebranche von grenzüberschreitenden Initiativen wie "One Road, One Belt" (OBOR) profitieren wird, bleibt abzuwarten. Erste Projekte zeichnen sich ab. So sollen eine Reihe chinesischer Firmen sowie die China Exim Bank Interesse an der Schaffung eines Öl und Gas verarbeitenden petrochemischen Komplexes in Aserbaidschan gezeigt haben. Die Investitionen für die erste Phase sollen rund 8,45 Mrd. US$ betragen; für das Gesamtprojekt sind ungefähr 17,1 Mrd. US$ veranschlagt.

Steigende Kunstdüngerproduktion 2015

Durch Kapazitätsausbau hat sich das Land in den vergangenen Jahren weltweit in die Spitzengruppe der Absatzmärkte für Agrarchemikalien geschoben. Nun leidet China an Überkapazitäten - vor allem im Bereich der Vor- und Standardprodukte. Dennoch entwickelte sich vor allem die Kunstdüngerproduktion mit einem Plus von 7,3% deutlich besser als im Vorjahr. Vor allem phosphathaltige Düngemittel wurden in den ersten drei Quartalen rund 12,6% mehr produziert als im Vorjahreszeitraum. Die Pestizidproduktion stagnierte; am stärksten rückläufig war die Herstellung von Fungiziden.

Produktion der Agrarchemie (in 1.000 t; Veränderung in %) 1)
Sektor 2014 2015 Veränderung 2015/2014 Veränderung 2014/2013
Kunstdünger (pur) 69.335 76.274 7,3 -0,7
.Stickstoffdünger 46.517 40.778 2) 5,4 2) -3,4
.Phosphatdünger 16.697 16.587 2) 12,6 2) 2,6
.Kalidünger 6.105 5.021 2) 5,9 2) 13,5
Pestizide 3.744 3.741 0,0 1,4
.Insektizide 561 513 -4,3 -4,9
.Fungizide 230 182 -8,4 -1,2
.Herbizide 1.803 1.774 -1,5 2,8

1) Unternehmen mit einem Mindestjahresumsatz von 20 Mio. RMB; 2) Januar bis Oktober 2016

Quellen: China Economic Information Network (CEIN); CPCIF

Die Agrarchemie muss sich auf Reformen zur Reduzierung von Überkapazitäten sowie die Modernisierung der Landwirtschaft einstellen. Vor allem bei Ausgangsstoffen wie synthetischem Ammoniak oder Harnstoff bestehen gewaltige Überkapazitäten. Nach Aussagen der Nitrogen Fertilizer Industry Association werden manche Hersteller von synthetischem Ammoniak sowie Harnstoff angehalten, nur eine Auslastung von 20% zu erreichen. Der Schuldenstand läge in einigen Fällen bei über 100%; manche Unternehmen verließen sich nach wie vor auf staatliche Subventionen und Kredite. Der Verband erwartet daher, dass bereits 2016 Produktionskapazitäten in Höhe von rund 3,4 Mio. jato synthetischem Ammoniak sowie 3 Mio. jato Harnstoff geschlossen werden.

Im Rahmen des 13. Fünfjahresprogramms (2016 bis 2020) halten die Branchenkenner die Schließung von Kapazitäten zur Herstellung von 13 Mio. jato Harnstoff für möglich. Anvisiert wird für das Jahr 2018 eine Gesamtproduktionskapazität von 76 Mio. bis 78 Mio. jato Harnstoff bei Stilllegung von 10 Mio. jato veralteter Kapazitäten und von 60 Mio. jato Stickstoffdünger bei gleichzeitiger Schließung von einer Gesamtkapazität von 5 Mio. jato. Ebenfalls soll nach Aussagen der China Pesticide Industry Association bis 2020 die Zahl der Pestizidproduzenten um 30% verringert werden. Etwa die Hälfte soll dann innerhalb entsprechender Industrieparks produzieren. Damit versucht die Regierung, die Umweltbelastungen durch die Industrie zu reduzieren.

Darüber hinaus unterstützt das Landwirtschaftsministerium gezielt die Entwicklung und Produktion umweltfreundlicherer Insektizide, Fungizide und Pestizide. Explizit ist eine moderne Landwirtschaft als strategischer Schwerpunktbereich im Modernisierungsprogramm "Made in China 2025" aufgenommen. Bislang führt die Herstellung und Entwicklung umweltfreundlicherer Pestizide in China noch eher ein Nischendasein.

Vor diesem Hintergrund ist auch die laufende Übernahme des Weltmarktführers für Pflanzenschutz, Syngenta, durch den größten chinesischen Chemieriesen, die staatliche China National Chemical Corporation (kurz: ChemChina) zu sehen. Rund 43 Mrd. US$ soll ChemChina geboten haben. Wenn das Geschäft abgeschlossen wird, ist es laut Presse die größte bisherige chinesische Übernahme im Ausland. Es katapultiert ChemChina in die Spitzengruppe der Agrarchemiebranche - sowohl für Insektizide als auch genetisch verändertes Saatgut. Anfang 2016 hatte ChemChina bereits den Spritzgussmaschinenhersteller KraussMaffai für rund 925 Mio. Euro übernommen; 2015 hatte es sich den italienischen Markenhersteller Pirelli für 7 Mrd. Euro einverleibt.

Schwächeres Wachstum bei Farben und Lacken

Auch das Wachstum des bisherigen Branchenprimus Farben und Lacke drosselt sich. Das Umsatzplus 2015 schrumpfte auf 5,6%; noch im Vorjahr hatte es die 10%-Marke erreicht. Die Branche leidet unter dem anhaltend schwachen Immobilienmarkt, der trotz neuer Anreize nicht in Schwung kommt. Nun kommt die wachsende Sättigung des Kfz-Marktes bei steigenden Marktanteilen des Gebrauchtwagensegments hinzu. Betroffen ist sowohl die Herstellung von Farben und Lacken als auch Klebstoffen.

Angesichts der sich verlangsamenden inländischen Nachfrage sieht die China National Coatings Industry Association den kontinuierlichen Ausbau der Kapazitäten mit gewisser Sorge. In 2015 gab es Verbandsberichten zufolge 18 Neubauprojekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 6,38 Mrd. RMB in dem Segment. Davon gingen Anlagen mit einer Gesamtkapazität über 2,34 Mio. jato in Betrieb. Nach Angaben des chinesischen Statistikamtes (NBS) stieg die Produktion von Farben und Lacken 2015 um 4,2% auf rund 17,2 Mio. t. Die Gewinne kletterten noch um knapp 11% auf 30,6 Mrd. RMB.

Etwa 55% des weltweiten Bedarfs an Eisenoxidpigmenten entfielen 2015 nach Angaben des Unterverbandes Eisenoxidpigmente in der China National Coatings Industry Association auf die Volksrepublik. Doch sowohl Inlandsmarkt wie Außenhandel waren 2015 rückläufig. Auch 2016 sind Branchenkenner nur moderat optimistisch. Insgesamt geht die Fachgruppe des Verbands von rund 60 Herstellern von Eisenoxidpigmenten in China aus. Bei einer Gesamtkapazität von 0,75 Mio. bis 0,8 Mio. t beziffert der Verband die Überschusskapazität auf rund 0,1 Mio. bis 0,15 Mio. t - das entspricht rund 20%. Durch Schließung sogenannter "Unternehmensleichen" soll diese im Laufe des 13. Fünfjahresprogramms beseitigt werden.

Entwicklung der Produktion von Eisenoxidpigmenten (in 1.000 t; Veränderung in %)
2015 2014 Veränderung 2015/2014
Produktionskapazität 750 800 k.A.
Produktion 660 680 -2,94
Absatz 605 630 -4,0
.inländisch 310 330 -6,1
.Export 299 321 -6,6
Import 202 223 -9,3

Quelle: Fachbereich Eisenoxidpigmente in der China National Coatings Industry Association, auf http://www.chinacoatingnet.com

Trotz drohender Überkapazitäten investieren auch ausländische Hersteller weiter in China. So hat Lanxess im 1. Quartal 2016 eine neue Anlage zur Produktion sowie Mischung und Mahlung von Eisenoxidpigmenten in Betrieb genommen. Und Wacker Chemie baut in Nanjing in der Provinz Jiangsu einen neuen Pilotreaktor für Vinylacetat-Ethylen-Copolymer (VAE)-Dispersionen. Der Konzern investiert rund 2,4 Mio. Euro. Die Anlage soll im 2. Halbjahr 2016 in Betrieb gehen. Auch kündigte der zur Continental Gruppe gehörende Kfz-Zulieferer Benecke-Kaliko seine in der Unternehmensgeschichte größte Investition in den Bau einer Fabrik zur Herstellung von schadstoffarmen und antiallergischen Materialien in Changzhou in der Provinz Jiangsu an.

Sinkende Produktion bei Industriechemikalien

Die Sparte leidet unter der schwächer werdenden Nachfrage - national wie international. Generell schwächte sich die Konjunktur im Jahresverlauf ab. Dieser Trend dürfte sich 2016 fortsetzen. Die Produktion ging 2015 in einigen Segmenten wie kaustische Soda oder synthetischer Kautschuk zurück. Eine Ausnahme bildete der zweistellige Produktionszuwachs von Kunststoffen in Primärform sowie von Polymeren synthetischer Chemiefasern. Allerdings fiel der Umsatz im Bereich Faserchemie im Gesamtjahr um 1,2% und auch der Umsatz von Kunststoffen und synthetischen Materialien war rückläufig.

Produktion ausgewählter Industriechemikalien (in 1.000 t; Veränderung zum Vorjahr in %) 1)
Sektor 2014 2015 Veränderung
Basischemikalien
.Schwefelsäure 88.463 89.757 4,0
.konzentrierte Salpetersäure 2.881 2.224 2) -6,2 2)
.kaustische Soda 31.801 30.282 -1,4
.kalzinierte Soda 25.147 25.918 3,1
Kunststoffe
.in Primärform 69.507 76.911 10,5
.Monomere synthetischer Chemiefaser 22.829 18.664 2) 5,1 2)
.Polymere synthetischer Chemiefaser 17.211 15.278 2) 13,3 2)
.synthetischer Kautschuk 5.324 4.266 2) -1,6 2)

1) Unternehmen mit einem Mindestjahresumsatz von 20 Mio. RMB; 2) Januar bis Oktober

Quelle: CEIN

Aufgrund des Aufbaus gewaltiger inländischer Kapazitäten hat China in den vergangenen Jahren seine Importabhängigkeit von einigen Vorprodukten deutlich verringert. Ein Beispiel dafür ist ABS. Seit 2009 nahm der Import kontinuierlich ab; inzwischen dominiert die inländische Produktion den Markt. Die im März 2016 durch die European Chamber of Commerce in China (EUCCC) vorgelegte Studie verweist auf eine weitere Verringerung des Auslastungsgrades beispielsweise für die Herstellung von Terephthalsäure (PTA) und Styrol-Butadien (SBR) im Verlauf 2015/2016.

Branchenkenner rechnen 2016 mit einer deutlich steigenden Produktion von Primärkunststoffen wie Polyethylen (PE) oder Polyvinylchlorid (PVC). Denn zahlreiche Projekte zur Gewinnung von Olefinen auf Kohlebasis befinden sich in Planung und Bau. Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Platts Petrochemical Analytics dürfte Chinas PE-Importbedarf von 6,7 Mio. t in 2015 auf 6,2 Mio. t in 2016 sinken. Die derzeitigen Projekte zur PE-Gewinnung auf Kohlebasis sollen sich auf rund 4,6 Mio. jato belaufen. Platts geht von einer Auslastungsrate von 60 bis 80% aus. Allerdings haben sie angesichts des anhaltend niedrigen Ölpreises ihren komparativen Preisvorteil fast verloren. Sollten alle Projekte gemäß dem ursprünglichen Zeitplan umgesetzt werden, rechnet das Unternehmen mit einer um 30% steigenden PE-Produktion in China.

Erdöl- und Erdgasförderung 2015 um ein Drittel zurückgegangen

Chinas Petrochemie hat ein schlechtes Jahr 2015 hinter sich mit einem Umsatzrückgang um rund 18%. Die Erdöl- und Erdgasförderung brach im Vergleich zum Vorjahr um fast 33% ein. Auch 2016 bleiben die Rahmenbedingungen schwierig. Der Ölpreis verharrt auf niedrigem Niveau, der Preisdruck auf petrochemische Produkte erhöht sich. Die Überkapazitäten steigen weiter.

Nach Angaben des China Economic Information Network (CEIN) befand sich im Oktober 2015 knapp über ein Fünftel der erfassten Petrochemie-Unternehmen mit einem Mindestjahresumsatz von 20 Mio. RMB in den roten Zahlen. Die Investitionen der Branche fielen 2015 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 21%; in die Gas- und Ölförderung wurden 5,9% weniger investiert. Einige importierte petrochemische Ausrüstungen sowie Anlagen für die Öl- und Gasförderung können von der Mehrwertsteuer befreit werden.

Produktion petrochemischer Erzeugnisse (in 1.000 t; Veränderung in %) *)
Erzeugnis 2014 2015 Veränderung 2015/2014
Verarbeitung von Rohöl 502.774 521.990 3,8
Benzin 110.299 121.036 9,4
Kerosin 30.010 36.586 21,9
Diesel 176.353 180.079 1,4
Schmieröl 5.687 5.590 -1,7
Heizöl 25.417 23.130 -9,0

*) Unternehmen mit einem Mindestjahresumsatz von 20 Mio. RMB

Quellen: CEIN, NBS

Die Öl- und Gasförderung in China stagniert mehr oder weniger seit zwei Jahren. Gemäß NBS sank die Ölfördermenge 2015 um 1,7% auf 214,7 Mio. t. Dazu trägt der billige Ölpreis ebenso bei wie die kontrollierte Förderungsdrosselung in Chinas größtem, aber sich langsam erschöpfenden Ölfeld Daqing. Das Land ist daher zunehmend auf den Import angewiesen: Die Einfuhr von Öl stieg 2015 um 8,8% auf 335,5 Mio. t und von Flüssiggas um 17,8% auf 32 Mio. Megatonnen (mt). Das Land nutzt dabei den billigen Ölpreis auch zur Auffüllung seiner strategischen Reserven.

Gleichzeitig kommt die Förderung von Schiefergas trotz laut vorhandener förderfähiger Lager mit rund 32 Mrd. Barrel nicht richtig voran. Für Unternehmen - selbst für staatliche - sind derzeit Kosten und Risiko zu hoch. Nicht-staatliche und ausländische Firmen halten sich zurück, obwohl der Sektor inzwischen für sie geöffnet worden ist. Insgesamt stieg die konventionelle Gasförderung 2015 lediglich um 2,9% auf 127 Mrd. cbm. Die durch Kohlevergasung gewonnene Menge legte in den ersten zehn Monaten (jüngst verfügbare Daten) um 14,4% auf 6,3 Mrd. cbm zu.

(April 2016)

(C.A.)

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China Chemische Industrie, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie, Kunststoffe und Gummi, Petrochemie, Industriechemikalien, Agrarchemikalien, Farben u. Lacke, Pigmente, Kunststoff- und Gummimaschinen

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