Suche

10.10.2018

Chinas IKT-Konzerne kämpfen mit Problemen

Huawei und ZTE stoßen im Auslandsgeschäft auf Widerstand / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Die Besorgnis über den Aufstieg Chinas zur technologischen Supermacht wächst. Viele Staaten wollen beim Aufbau ihrer 5G-Mobilfunknetze keine Konzerne von dort beteiligen.

Im Rahmen ihrer Strategie "Made in China 2025" will China in zehn Sektoren zum weltweiten Technologieführer aufsteigen. Auch der Informations- und Telekommunikationssektor (IKT) wird in dem Plan aufgeführt. Bis zur Mitte des folgenden Jahrzehnts sollen chinesische Produkte 80 Prozent des lokalen und 40 Prozent des weltweiten Bedarfs an IKT-Ausrüstungen abdecken.

Doch die Pläne haben in den Industrieländern Besorgnis hervorgerufen. Insbesondere in den USA war die Aufregung groß. Der sich immer weiter zuspitzende Zollkonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China findet auch hier seinen Ursprung. Letztendlich handelt es sich um einen Wettbewerb um Zukunftstechnologien.

Andere Länder entwickelten ähnliche Reflexe. Das hat auch die Regierung in Beijing bemerkt. Der Slogan "Made in China 2025" soll seit dem Sommer 2018 nicht mehr in den staatliche kontrollierten Medien (andere gibt es praktisch nicht) erscheinen. Doch das dürfte im Ausland kaum jemanden beruhigen, denn die Pläne wurden ja nicht zu den Akten gelegt.

Im Rahmen der Technologiestrategie spielen drei große Konzerne, die sich alle im südchinesischen Shenzhen befinden, eine herausragende Rolle: Die beiden Hersteller von IKT-Ausrüstungen Huawei und ZTE sowie der Internetkonzern Tencent, der zeitweilig gemessen am Börsenwert das teuerste Unternehmen Chinas war. Alle drei Anbieter haben allerdings seit 2018 mit zunehmenden Problemen zu kämpfen.

China will sich im Ausland beim Aufbau der 5G-Netze engagieren

Huawei und ZTE bauen aktuell im Reich der Mitte die fünfte Mobilfunkgeneration (5G) auf. Innerhalb weniger Jahre soll die Volksrepublik zum größten 5G-Markt aufsteigen. Das Investitionsvolumen und die Geschäftsmöglichkeiten sind gewaltig. Doch die beiden Gesellschaften wollen auch in anderen Ländern bei der Modernisierung der Netze mit von der Partie sein. Einige ausländische Regierungen streuen allerdings gehörig Sand ins Getriebe.

Im August 2018 erließ die US-Regierung ein Gesetz, demzufolge öffentliche Stellen keine Produkte mehr von Huawei oder ZTE benutzen dürften. Im Mobilfunknetz des Vereinigen Königreichs wurde bislang im großen Stil Technologie von Huawei verwendet. Im Sommer 2018 ließ dann aber eine Aufsichtsbehörde verlautbaren, dass sich Risiken für die nationale Sicherheit ergeben. London dürfte daher einem Engagement chinesischer Konzerne beim Aufbau des britischen 5G-Netzes ablehnend gegenüberstehen.

Auch das ferne Australien geht denselben Weg. Im Sommer 2018 entschied die dortige Regierung, dass sich Huawei und ZTE nicht beim Aufbau der G5-Mobilfunknetze beteiligen dürfen. Kurz darauf wurde bekannt, dass Japan mit entsprechenden Überlegungen liebäugelt. Im Gegensatz zu Australien verfügt Nippon aber über eigene Technologiekonzerne wie NEC oder Fujitsu, die diese Aufgabe übernehmen können.

Auch in Indien bildet sich Widerstand. New Delhi hat Huawei und ZTE bereits bei den 5G-Testversuchen ausgeschlossen. Stattdessen kamen Ericsson, Nokia, Samsung und Cisco zum Zuge. Wie Branchenkenner betonen, sollen Huawei und ZTE bereits einen Marktanteil am indischen Mobilfunkausrüstungssektor von rund 60 Prozent halten. In Japan liege die entsprechende Quote bei unter 10 Prozent.

Chinesische Produkte günstiger

Auf der einen Seite bestehen in ausländischen Regierungskreisen Sicherheitsbedenken vor chinesischer IKT-Ausrüstungen. Auf der anderen Seite sind diese besonders günstig, was den Fiskus freut. Zudem bringen Huawei und ZTE oft die entsprechende Finanzierung (von Seiten chinesischer Staatsbanken) mit.

Wer Premiumanbieter wie Nokia oder Ericsson wählt, muss tiefer in die Tasche greifen. Somit bleiben chinesische IKT-Hersteller für Schwellen- und Entwicklungsländer interessant. Laut Angaben von IHS Markit kamen Huawei und ZTE 2017 auf einen Anteil von 41 Prozent am weltweiten Markt von IKT-Ausrüstungen. Demzufolge wurde das Ziel von "Made in China 2025" bereits vorzeitig erfüllt. Doch die Quote könnte wieder fallen, wenn immer mehr Industrieländer der Volksrepublik die Mitarbeit am Aufbau ihrer 5G-Netze verweigern.

Anteil am weltweiten Markt für IKT-Ausrüstungen (in%) *)
Firmenname 2017
Huawei 28
Ericsson 27
Nokia 23
ZTE 13
Samsung 3
Andere 6

*) Das Marktvolumen belief sich auf 37,2 Milliarden US$.

Quelle IHS Markit

Derweil leidet auch der dritte im Bunde, der Internetkonzern Tencent, unter zunehmenden Problemen. Seine Bezahl-App wird laut offiziellen Schätzungen von rund einer Milliarde Chinesen benutzt. In vielen Geschäften kann man ohne sie gar nicht mehr einkaufen, selbst wenn man Bargeld hat.

Doch Tencent hat sich mit seinem Geschäftsmodell zu stark auf den chinesischen Markt konzentriert, wo das Unternehmen keine Angst vor unliebsamer Konkurrenz aus dem Ausland haben muss. Zudem hängt sein Umsatz stark von Computerspielen ab. Die Regierung in Beijing erkennt darin aber ein zunehmendes gesellschaftliches Problem. Immer mehr Versionen droht ein Zulassungsverbot.

Tencent ächzt zudem - wie so viele chinesische Konzerne - unter einer steigenden Verschuldung, die sich vor allem auf kostspielige, aber strategisch wenig sinnvolle Einkäufe im Ausland zurückführen lässt. So besitzt der Konzern unter anderem Anteile an Tesla.

Zusätzliche Probleme auf der Beschaffungsseite

Die chinesischen IKT-Konzerne haben nicht nur Probleme, ihre Produkte auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Sie stoßen zugleich bei der Beschaffung auf Widerstand. Sie hängen stark von im Ausland gefertigten elektronischen Bauelementen ab. So beliefen sich die Einfuhren von elektronischen Bauelementen (SITC 776) 2017 laut UN Comtrade auf fast 290 Milliarden US-Dollar (US$). Ein Großteil davon kommt aus Taiwan, Südkorea und Japan beziehungsweise aus den Fabriken, die diese drei Ländern in Südostasien betreiben.

Doch bei Hochleistungshalbleitern spielen auch die USA eine wichtige Rolle als Zulieferer. Die Vereinigten Staaten sind aber nur noch bedingt bereit, den Aufstieg Chinas mit der eigenen Hochtechnologie zu unterstützen. Im Frühjahr 2018 verhängten sie ein entsprechendes langjähriges Lieferverbot an ZTE. Als Grund wurden Verstöße gegen die Iran-Sanktionen aufgeführt.

Das Überleben des chinesischen Konzerns stand zwischenzeitlich sogar auf dem Spiel. US-Präsident Donald Trump intervenierte jedoch zu dessen Gunsten. Das Embargo wurde gegen eine Strafzahlung aufgehoben. Es gibt aber noch eine Reihe von Kongressabgeordneten und Senatoren, die weiterhin auf dem Lieferstopp beharren.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Huawei https://www.huawei.com/de/ (deutsche Startseite) Führender chinesischer Anbieter von Mobiltelefonen und IKT-Technologie
ZTE https://www.zte.com.cn/global/ Chinesischer Anbieter von IKT-Ausrüstungen
Tencent https://www.tencent.com/en-us/index.html Führender chinesischer Internetkonzern

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in China können Sie unter http://www.gtai.de/china abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

Dieser Artikel ist relevant für:

China Elektronische Bauelemente, Telekommunikations- u. Navigationstechnik (inkl. Mobilfunk), Digitalisierung

Funktionen

Christina Otte Christina Otte | © GTAI/Rheinfoto

Kontakt

Christina Otte

‎+49 (0)228 24 993-323

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche