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23.12.2016

Chinas Investitionen in die Infrastruktur steigen deutlich an

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Umweltschutz wird zunehmend ernst genommen / Chancen für deutsche Unternehmen / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - In China stiegen die Investitionen in die Infrastruktur im 1. Halbjahr 2016 deutlich an. Angetrieben wird das Wachstum unter anderem von der anhaltenden Verstädterung. Die Verkehrsinfrastruktur wird stark ausgebaut. Die Regierung treibt zudem den Aufbau der Wasserver- und Entsorgungssysteme voran. Fachleute sehen hier Geschäftschancen für deutsche Unternehmen. Im Energiebereich setzt sich der Trend vom Energieträger Kohle hin zu alternativen Energieträgern fort.

Marktlage und Marktentwicklung

Im 1. Halbjahr 2016 verzeichnete China einen satten Anstieg der Infrastrukturinvestitionen von 20%. Dabei wird der Begriff "Konjunkturprogramm" sorgfältig vermieden. Die derzeit von offizieller Seite getätigten Investitionen laufen vielfach unter den Überschriften der drei nationalen Initiativen "Ein Gürtel, eine Straße" (One Belt, One Road -OBOR; chinesisch "yi dai yi lu"), der Entwicklung des Beijing-Tianjin-Hebei-Clusters und der Yangtze River Economic Zone. Abgesehen von diesen nicht zuletzt politisch motivierten Maßnahmen ist nach wie vor die anhaltende Urbanisierung der große Wachstumstreiber für Infrastrukturmaßnahmen.

Allein für OBOR hat China im Rahmen des 2014 aufgelegten Seidenstraßenfonds 40 Mrd. US-Dollar bereitgestellt. Sie sollen in die Errichtung neuer Straßen, Eisenbahnstrecken, Pipelines oder Häfen fließen (wobei der Infrastrukturbau nur einen Aspekt der OBOR-Initiative umfasst, welche noch - etwa in Form angestrebter Freihandelsabkommen - weit darüber hinaus verweist. Neben dem Seidenstraßenfonds soll die 2014 auf Initiative Beijings gegründete Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB) als weiteres Finanzierungsvehikel dienen.

Allerdings sind die Chancen deutscher Firmen, Ausschreibungen im Rahmen der OBOR-Infrastrukturmaßnahmen zu gewinnen, eher gering. Dies liegt nicht daran, dass etwa wegen der Einlagenhöhe der Chinesen (die Volksrepublik hat bei einer Gesamteinlagenhöhe von 100 Mrd. US$ selbst 29,8 Mrd. US$ eingebracht) chinesische Firmen besonders bevorzugt würden. Tatsächlich wurde bei Formulierung der Bankensatzung größter Wert darauf gelegt, die Ausschreibungsverfahren nach internationalen Standards ablaufen zu lassen (wobei es zu früh ist, die Projektabwicklung in der Praxis zu beurteilen).

Der Hauptgrund besteht darin, dass - so die Meinung von Experten - die deutsche Bauwirtschaft für Großprojekte im Infrastrukturbau eher schlecht aufgestellt ist: Es fehlt an Großfirmen, die in der Lage sind, Projekte in den erforderlichen Größenordnungen zu stemmen. Mehr Chancen bestehen indessen im Energiebereich (Energieversorgung, -verteilung, -speicherung) sowie als Subunternehmen für andere Generalunternehmer. Auch im Bereich Hafenausbau werden für Maschinen- und Anlagenbauer gewisse Absatzmöglichkeiten gesehen.

Grundsätzlich wird die Umsetzung vieler der von der Zentralregierung aufgesetzten Infrastrukturmaßnahmen durch die Finanzknappheit auf lokaler Ebene zumindest erschwert, wenn nicht gänzlich in Frage gestellt. Diese kämpfen seit den großen Konjunkturprogrammen von 2008/09 mit klaffenden Löchern im Haushaltsbudget. Dabei wurden viele Kredite über Schattenbanken finanziert, sodass die Schuldenberge erst allmählich sichtbar werden. Für dieses Dilemma verantwortlich sind nicht zuletzt die unzureichenden Einnahmequellen der lokalen Gebietskörperschaften.

Schon seit vielen Jahren wird deshalb über eine notwendige Steuerreform diskutiert. Nun scheint etwas Bewegung in die verfahrene Situation zu kommen. Mitte August 2016 veröffentlichte der Staatsrat hierzu eine Leitlinie zur Entlastung hochverschuldeter Gebietskörperschaften auf Stadt-, Kreis- und Provinzebene. Danach soll die Zahlungsverantwortung von den Städten und den darunter liegenden administrativen Ebenen teilweise auf die Provinz- oder sogar auf die Zentralebene verlagert werden. Ziel ist es, bestimmte staatliche Leistungen im Sozial- und Gesundheitsbereich unabhängig der wirtschaftlichen Situation der Region, sicherzustellen. Die Reform soll bis 2020 abgeschlossen sein.

Transport

Die chinesische Verkehrsinfrastruktur wird weiter massiv ausgebaut. Im März 2016 veröffentlichten die National Development and Reform Comission (NDRC) und das Verkehrsministerium einen Aktionsplan der wichtigsten Verkehrsinfrastrukturprojekte, welche bis 2018 forciert werden sollen. Diese umfassen ein Investitionsvolumen von 4,7 Billionen Renminbi Yuan (RMB; rund 628 Mrd. Euro; Durchschnittskurs im September 2016: 1 Euro = 7,488 RMB). Die Gelder sollen unter anderem genutzt werden, um circa 20.000 km Bahnstrecken sowie mehr als 6.000 km Autobahnen neu-, um- oder auszubauen.

Mit 2,0 Bill. RMB ist knapp die Hälfte der Gelder für den Eisenbahnbau vorgesehen sowie weitere 1,6 Bill. für den städtischen Schienenverkehr. Für deutlich weniger dringlich werden auf dieser Basis Investitionen in den Straßenbau (0,58 Bill. RMB) oder in den Flugverkehr (0,46 Bill.) angesehen. In die Schifffahrt fließen gar nur 0,06 Billionen RMB).

Für die Finanzierung werden Private-Public-Partnership-Modelle begrüßt. Als Investoren kommen beispielsweise die großen Bauentwickler in Frage. So verhandelt China Vanke seit Sommer 2016 über den Einstieg bei der staatlichen U-Bahn von Shenzhen. Die Rede ist von einem Investitionsvolumen von 45,6 Mrd. RMB.

Wichtige Verkehrsinfrastrukturprojekte, die im Zeitraum 2016 bis 2018 besonders schnell vorangetrieben werden sollen
Baubereiche Anzahl der Projekte Investitionssumme in Bill. RMB (ungefähre Angaben)
Gesamt 303 4,70
.Eisenbahnbau 1) 86 2,00
.Straßenbau 2) 54 0,58
.Schifffahrt 10 0,06
.Flugverkehr 50 0,46
.Städtischer Schienenverkehr 103 1,60
Gesamt 303 4,70
.2016 131 2,10
.2017 92 1,30
.2018 80 1,30

1) Neu-, Um- und Ausbau von Bahnstrecken von insgesamt circa 20.000 km; 2) Neu-, Um- und Ausbau von Autobahnstrecken von insgesamt über 6.000 km

Quelle: Aktionsplan für wichtige Verkehrsinfrastrukturprojekte im Zeitraum 2016-2018 (Jiaotong Jichu Sheshi Zhongda Gongcheng Jianshe Sannian Xingdong Jihua), von NDRC und Ministry of Transport am 28.3.16, http://www.dcement.com/Item/145966.aspx

Schon in der Vergangenheit wurde massiv in innerstädtische Schienensysteme investiert. Allein 2015 kamen landesweit rund 285 km hinzu. Doch nach wie vor gibt es Millionenmetropolen, die nur über ein sehr rudimentäres U-Bahn-/S-Bahnnetz verfügen. In Xi´an, Hauptstadt der Provinz Shanxi, beispielsweise gibt es bislang nur zwei U-Bahnlinien. Darüber hinaus bauen die Städte der ersten Reihe unter dem Zwang, ihre Verkehrsprobleme zu lösen, ihr Netz weiter unter Hochdruck aus. So soll das U-Bahnnetz in Beijing laut Beijing Metro Company von 551,4 km Länge Ende 2015 bis 2020 auf 982 km vergrößert werden. Ziel ist es, dass jede Wohnung maximal 500 m von der nächsten U-Bahn-Station entfernt liegt.

Bis 2020 wird landesweit ein Zuwachs des innerstädtischen Schienennetzes (einschließlich U-Bahnen, Straßenbahnen, S-Bahnen, Monorail-Bahnen etc.) von circa 3.618 km (2015) auf 9.472 km erwartet, so eine gemeinsame Studie der China Association of Metros und der UBS (Daten für 2015 etwas nach oben abweichend von den NBS-Zahlen, siehe folgende Tabelle). Damit sollte der Markt vergleichbar groß werden wie der Eisenbahnmarkt, was den Fokus bisher auf den Eisenbahnsektor konzentrierter Baufirmen entsprechend verändern dürfte.

Entwicklung des innerstädtischen Schienenverkehrs 2012 bis 2015 (Länge in km zum Jahresende; Veränderung in % gegenüber dem Vorjahr)
2012 2013 2014 2015 Veränderung
Strecken städtischer Schienenverkehr 2.058 2.366 2.715 3.000 10,5

Quelle: China Statistical Yearbook 2012, 2013, 2014, 2015

Schwerpunkt bleibt der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes. Schon heute verfügt das Land über das weltweit größte Netz. Bis 2020 soll es von derzeit über 20.000 auf 30.000 km und bis 2025 auf 38.000 km erweitert werden. Zuletzt wurde im September 2016 die Eröffnung der 360 km langen Verbindung zwischen Zhengzhou, Hauptstadt der Provinz Henan, und Xuzhou in Jiangsu gefeiert. Laut China Railway nutzen täglich etwa 4,5 Mio. Fahrgäste Hochgeschwindigkeitszüge.

Darüber hinaus treibt China die Anbindung mit den Nachbarländern voran. Wie nach einem Treffen zwischen dem chinesischen Premierminister Li Keqiang und seinem nepalesischen Counterpart K.P. Sharma Oli im März 2016 bekannt wurde, ist die Verlängerung der 2006 bis zur tibetischen Hauptstadt Lhasa fertiggestellten und 2014 bis Shigatse (Xigaze) vorangetriebene Bahntrasse nach Katmandu im Gespräch. Die Strecke soll von Xigaze (rund 3.800 Meter über Normalnull) über den chinesisch-nepalesischen Grenzort Gyrong (auf 2.800 Höhenmetern) führen und bis zum Jahr 2022 Katmandu erreichen.

Im Zentrum des Ausbaus der chinesischen Wasserwege steht das Vorhaben der Yangtze River Economic Zone. Rund 60% des Binnenwasserfrachtverkehrs wird über den Jangtse abgewickelt. Nach offiziellen Angaben stieg die auf dem Fluss transportierte Warenmenge zwischen 2010 und 2015 um 45% auf 2,18 Mrd. t. Künftig soll es - offiziellen Meldungen zufolge - um den weiteren Ausbau von Häfen, um die bessere Verknüpfung des Schiffsverkehrs mit anderen Verkehrsmitteln und um eine stärkere Regulierung der eingesetzten Frachter hin zu mehr Umweltfreundlichkeit gehen. Über Konkretes schwiegen die Zeitungen.

Zur Förderung des Schiffsverkehrs auf dem Jangtse wird auch das neue Senkrecht-Schiffshebewerk beitragen, das Ende September 2016 am Drei-Schluchten-Staudamm in der Provinz Hubei seinen Probebetrieb aufnahm. Den Entwurf lieferte ein Team aus chinesischen und deutschen Ingenieuren ("German design Group" aus Spezialisten der Firmen Krebs + Kiefer sowie Lahmeyer International).

Der neue Schiffslift überwindet 113 Höhenmeter und ist damit der größte der Welt. Der Trog ist 113 m lang, 18 m breit und 3,5 m tief. Er kann Schiffe bis 3.000 t und einer Länge von bis zu 84,5 m, einer Breite bis zu 17,2 m und bis zu 2,65 m Tiefgang aufnehmen. Das Hebewerk ergänzt die seit 2003 in Betrieb befindliche Schleusentreppe, welche bereits am Kapazitätslimit arbeitet. Die bisherige Transferzeit in der Schleuse beträgt drei bis vier Stunden; der Lift benötigt 40 bis 60 Minuten.

Abgesehen vom Frachtverkehr wird weiter kräftig in die Kreuzschifffahrt investiert. Shanghai beispielsweise wird noch dieses Jahr zwei zusätzliche Terminals in Baoshan starten, sodass nach Fertigstellung je zwei 150.000 t und zwei 230.000 t schwere Kreuzfahrtschiffe anlegen können. Gegenwärtig sind die Anlagekapazitäten auf zwei begrenzt.

Allerdings mehrt sich die Kritik an der betriebenen Infrastrukturpolitik. Dabei geht es nicht nur um betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte. So soll die Hochgeschwindigkeitsverbindung Beijing-Shanghai offiziellen Angaben zufolge die einzige sein, die keine Verluste schreibt. Darüber hinaus hat die verstärkte Anbindung der Westprovinzen vor allem politische Gründe. Die Züge selbst fahren - zumindest derzeit - defizitär. Experten aus der Baubranche bezweifeln überdies die Nachhaltigkeit der Trassen. Es heißt, verwendete Materialien (etwa die Zusatzstoffe zur Aushärtung des Zements) seien von minderer Qualität, was einen Sanierungsbedarf in wenigen Jahren absehbar macht - oder die Züge dazu zwingt, langsamer zu fahren.

Einer Studie der britischen Universität Oxford zufolge generiert die Hälfte der chinesischen Investitionen in Infrastrukturprojekte keinen wirtschaftlichen Wert, sondern wirke sich sogar negativ aus. Die stark gestiegenen Ausgaben könnten zu einer Krise des Finanzsystems und damit der Volkswirtschaft insgesamt führen. Laut Gavekal Dragonomics liegt der Sprengstoff vor allem in der Differenz zwischen Zins und Ertrag: Während Staatsunternehmen für Kredite etwa 5% Zinsen aufbringen müssten, ließe sich mit Infrastrukturprojekten durchschnittlich nur ein Ertrag von 2% erwirtschaften.

Gegenwärtig überwiegen jedoch die positiven Schlagzeilen. So soll bis Ende des Jahres die welthöchste Brücke in der Provinz Guizhou für den Autoverkehr geöffnet werden. Die 1.341 m lange Beipanjiang-Brücke überspannt den Nizhu-Fluss-Canyon auf einer Höhe von 565 m. Baubeginn war vor drei Jahren, die Baukosten beliefen sich laut China Daily auf 1,03 Mrd. RMB. Die Brücke ist Teil der 3.404 km langen Hangzhou-Ruili-Autobahn, die von Hangzhou (Hauptstadt der Provinz Zhejiang) über Touristenziele wie den Huangshan oder Kunming und Dali bis Ruili in Yunnan als Ost-West-Achse ebenfalls zum Jahresende dem Verkehr freigegeben werden soll.

Wasser/Abwasser/Abfall

Lange Jahre stand Umweltschutz in China zwar vor allem auf dem Papier, doch inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass China in Sachen Umweltschutz ernst macht. Tatsächlich lassen sich die drängenden Probleme des Landes nicht mehr ignorieren. Die Städte ersticken im Smog, fast die Hälfte der Flüsse ist für menschlichen Kontakt ungeeignet und 80% der durch Oberflächenwasser gespeisten ländlichen Brunnen sind zur Trinkwasserversorgung unbrauchbar.

Die Regierung muss deshalb den Aufbau ländlicher und städtischer Wasserver- und Entsorgungssysteme vorantreiben. Econet Monitor sieht dabei Geschäftschancen für deutsche Unternehmen in der Zulieferung von Technologien und Komponenten für Kläranlagen, Anlagen zur Wasseraufbereitung sowie für Mess- und Regeltechnik.

Grundsätzlich werden seit Jahren die Auflagen und Standards im Umweltbereich kontinuierlich verschärft, allerdings konnte der Großteil der inländischen Industrie dies quasi nicht zuletzt wegen fehlender oder ineffizienter Kontrollen ignorieren. In Zukunft wird dies schwieriger. Immer konkreter formuliert die Regierung Umweltschutzvorgaben und verpflichtet Lokalregierungen sowie Firmen zu deren Einhaltung. Kenner rechnen daher mit steigenden Investitionen der Industrie in den Umweltschutz. Bislang stagnierten diese oder waren im Bereich Abwasserreinigung sogar rückläufig.

Allein die Ausgaben für die Luftreinhaltung erhöhten sich massiv. Als Hauptgrund wird die Umsetzung des Ende 2013 erlassenen "Air Pollution Prevention and Control Action Plan" gesehen mit konkreten Reduktionsvorgaben für die Region Beijing-Tianjin-Hebei, Shanxi und Shandong sowie die Innere Mongolei. Unter anderem beinhaltet er die Modernisierung der Stahl-, Zement- und Flachglasindustrie. Deren Unternehmen müssen in Mess- und Kontrollausrüstung sowie Filteranlagen investieren. Gleichzeitig nimmt der Aktionsplan Behörden für die Umsetzung in die Pflicht. Diese Grundsätze finden sich auch in den zwei weiteren Programmen, die inzwischen gefolgt sind.

Der im April 2015 erlassene "Water Ten Plan" enthält insgesamt 238 Einzelmaßnahmen. Umweltschützer sehen in ihm das bislang umfassendste politische Dokument. Es adressiere nicht nur Gewässerschutz, Wassermanagement, Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung, sondern auch politische Zuständigkeiten, notwendige industrielle Veränderungsprozesse sowie Innovationsfragestellungen. Das jüngste Aktionsprogramm ist der Ende Mai 2016 veröffentlichte "Soil Pollution Prevention and Control Action Plan". Sein Ziel ist unter anderem, bis 2017 ein Monitoring-System zur Bodenqualität auf nationaler Ebene zu etablieren.

Chinas drei Aktionsprogramme zum Umweltschutz 2013 bis 2016

Quelle: GTAI-Recherche, siehe auch https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=china-forciert-umweltschutz,did=1480830.html

Die drei Aktionsprogramme stellen einen umfangreichen Werkzeugkasten Chinas im Kampf gegen die Umweltverschmutzung dar. An Schlagkraft gewinnen sie weiter durch das seit 1.1.15 in Kraft getretene überarbeitete Umweltgesetz. Die im 13. Fünfjahresprogramm (2016 bis 2020) erneut verschärften Vorgaben zum Umweltschutz gewinnen vor diesem Hintergrund an Bedeutung. Die Zeiten, in denen Umweltschutzauflagen mit Hilfe lokaler Netzwerke ausgesessen werden konnten, nähern sich dem Ende. Erst am Anfang steht jedoch das Bewusstsein, dass sich Investitionen in integrierten Ressourcen- und Umweltschutz lohnen.

Die verschärften Zielvorgaben des 13. Fünfjahresplans zur effizienteren Ressourcennutzung rücken auch Themen wie Recycling und Kreislaufwirtschaft stärker in den Fokus. Nach dem geltenden Lenkungskatalog für ausländische Investitionen wird nicht nur der Bau und der Betrieb für Müllbehandlungsanlagen durch internationale Firmen begrüßt, sondern darüber hinaus werden ausländische Lösungen für Recycling, Plastik, Gummi, Metall, Gebäudeabfälle sowie Elektroschrott und Batterien unterstützt.

Bernhard Felizeter, Leiter der Umweltabteilung der AHK Greater China Beijing, sieht aufgrund der im Rahmen des neuen Umweltschutzgesetzes von 2015 deutlich verschärften Emissionsregelungen aussichtsreiche Marktchancen für deutsche Unternehmen, die auf lokale Anforderungen angepasste Lösungen zur Effizienzsteigerung und Umrüstung von chinesischen Industrieanlagen anbieten. Ein weiteres interessantes Betätigungsfeld böten der Aufbau eines effektiven Sammelsystems für gefährliche Abfälle, der Bau und Betrieb von Sortieranlagen sowie von Sondermüllverbrennungsanlagen und -deponien.

Vielen chinesischen Anbietern fehlt es derzeit noch an Know-how. Umso größer ist das Interesse, sich dieses über Kooperationen oder Zukäufe anzueignen. So wird sich die chinesische Familie Deng am Berliner Recycling-Unternehmen Alba beteiligen. Der Vertrag tritt zum Jahreswechsel in Kraft. Die Dengs sind kontrollierender Aktionär des Umweltunternehmens Techent in Chengdu. Wie die Nachrichten für Außenhandel berichteten, übernahm Techent bereits im März mit Bilfinger Water Technologies einen weltweiten Anbieter für Anlagen, Komponenten und Dienstleistungen im Bereich Wasser- und Abwassertechnologie für 200 Mio. Euro.

Energie

Der im März 2016 verabschiedete 13. Fünfjahresplan (2016 bis 2020) zielt nicht nur auf eine Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch, sondern enthält erstmals mit 5 Mrd. t Standardkohle eine Obergrenze für den Energieverbrauch. Generell setzt sich die Verlagerung vom dominierenden, aber schmutzigen Energieträger Kohle hin zu alternativen Energieträgern fort, wobei auch der Ausbau von Kernreaktoren forciert wird. Rund 500 Mrd. RMB Investitionen sind hierfür vorgesehen. Bis 2020 sollen Kapazitäten von 58 GW aus Kernkraftwerken bereitstehen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen jedes Jahr mindestens 10 GW installiert werden.

Geplant ist unter anderem ein Pilotreaktor in Shandong ("Shandong Rongcheng") mit der lokalen CAP1400-Technologie. In Zhejiang und Shandong sollen in den nächsten fünf Jahren die Kernkraftwerke "Sanmen" und "Hayang" fertiggestellt werden. Bis 2030 sollen in China 110 Kernkraftwerke in Betrieb sein, so die China Daily. Gemäß National Energy Administration befinden sich gegenwärtig 22 Kernreaktoren in Betrieb und 26 in Bau.

Darüber hinaus soll Erdgas zunehmend die Kohle ersetzen. Der Ölriese Sinopec kündigte an, die nationale Gasproduktion mit Milliardeninvestitionen in die Gewinnung von Gas aus Schiefergestein verdoppeln zu wollen. Zentrum der Gasexploration soll das bei Chongqing gelegene Fuling am Jangtse werden. Nach Sinopec-Angaben sollen dort 2016 über 5 Mrd. cbm Gas aus dem Gestein geholt werden, nach 3 Mrd. cbm im Vorjahr. 2017 soll die Produktionskapazität 7 Mrd. cbm übersteigen. Sinopec ist offensichtlich auch auf der Suche nach Alternativen, da die Rohölförderung des Konzerns nachlässt.

Weiter wachsend präsentiert sich der Energiespeichermarkt. Die National Energy Administration (NEA) will in Xinjiang, Gansu, Ningxia, Shanxi, Qinghai, Innere Mongolei, Shaanxi, Hebei, Heilongjiang, Liaoning und Jilin sowie in Beijing und Tianjin, jeweils bis zu fünf Speicherprojekte von bis zu 10 MW fördern. Energiespeicher sind umso wichtiger, da der Ausbau der Windenergie weiter vorangeht (zwischen Januar und Juni 2016 wurden Kapazitäten von 7 GW installiert, bis Ende 2016 sollen es 20 GW werden), aber die Abregelungsraten liegen bereits bei durchschnittlich 15%.

Für den Ausbau der Solarenergie setzte die NEA inzwischen für 2016 sogar eine Obergrenze von 18,1 GW. In Gansu, Yunnan und Xinjiang wurde aufgrund der hohen Abregelungsraten (in Xinjiang und Gansu im 1. Halbjahr 2016 jeweils 32%) sogar ein Baustopp erteilt.

Stromnetze

Die aktuell größte Herausforderung für das chinesische Stromnetz stellt die Integration der erneuerbaren Energieträger Wind und Sonne dar. Diese unterliegen naturbedingt starken Erzeugungsschwankungen. Aufgrund fehlender Energiespeicher und Übertragungskapazitäten kann ein großer Teil des grünen Stroms nicht genutzt werden. Insbesondere der Ausbau des ohnehin schon weltgrößten Übertragungsnetzes erfolgt deshalb mit Nachdruck: Im April 2016 startete beispielsweise der Bau der 3.324 km langen Ultrahochspanungsleitung Zhundong (Xinjiang) - Wannan (Anhui). Die Spannung beträgt 1.100 KV, die jährliche Elektrizitätsübertragung soll circa 66 TWh erreichen. Die Kosten liegen laut China Construction bei 40,7 Mrd. RMB.

Noch diskutiert wird der Fortgang der schon seit längerem geplanten und nun für 2017 erwarteten Strommarktreform, in deren Rahmen die Marktmechanismen gestärkt werden sollen.

Kommunikationsnetze

An der Fortentwicklung des 5G-Standards wird weiter unter Hochdruck gearbeitet. Versuchsläufe wurden 2016 gestartet und sind bis 2018 vorgesehen, die offizielle Einführung soll 2020 stattfinden.

Darüber hinaus geht der Breitbandausbau vor allem in ländlichen Regionen weiter. Ziel ist es, den Warenaustausch zwischen Stadt und Land zu fördern - und über Onlineshopping den Bauern einerseits den Verkauf ihrer Produkte zu erleichtern, um so zusätzliche Einkommen zu generieren, und ihnen andererseits dann den Kauf von Waren zu ermöglichen. So soll nicht zuletzt die dringend benötigte private Konsumnachfrage zusätzlich angekurbelt werden.

Projekte

Ausgewählte Großprojekte
Projekte Investition Projektstand; Quelle
Straßenbau in Qinghai 2016-2020:1) Um- und Neubau Autobahnen für 130,0 Mrd. RMB; 2)Umbau und Sanierung von Provinzstraßen (Shengdao)für 50 Mrd. RMB, Gesamtlänge 4.700 km; 3) Neu- und Ausbau von Landstraßen für 13,5 Mrd. RMB, Gesamtlänge 17.000 km 193,5 Mrd. RMB Einzelprojekte werden sukzessive ausgeführt. So wurde Ende 2015 mit dem Bau der achtspurigen Autobahnstrecke G6 von Zha Ma Long bis Dao Tang He wurde Ende Dezember 2015 begonnen; http://www.cnbidding.com/article/disp_aid_a56ab00b851832.html
Hochgeschwindigkeitsbahn Guiyang nach Nanning (Gesamtlänge 432 km, Höchstgeschwindigkeit 350 km/h) 41,4 Mrd. RMB Baubeginn 2. Halbjahr 2016, Bauperiode 6 Jahre; http://www.dcement.com/Item/143048.aspx;http://news.gxfdc.cn/news/News4_399359.shtml
Weltweit tiefster Bahnhof einer Hochgeschwindigkeitsbahn in Badaling auf der Strecke Beijing- Zhangjiakou, die beide Städte als Standorte für die Winterolympiade 2022 schneller verbinden soll; maximale Tiefe 102 Meter; unterirdische Baufläche von 36.000 qm offen Baubeginn 29.09.2016, geplante Fertigstellung 2019; http://www.guancha.cn/Project/2016_09_29_375778.shtml
Bau von 200 "Allzweckflughäfen" für Tourismus, Landwirtschaft, Luftbildaufnahmen etc. in Gansu 2016 bis 2020 20,0 Mrd. RMB Start des Bauvorhabens im 2. Halbjahr 2016; http://www.mei.net.cn/gcjx/201603/660717.html
Wulong Flughafen in der Stadt Chongqing (Kapazitätsauslegung: Anzahl Passagiere 600.000 in 2025, gebaut werden vor allem eine Startbahn mit 2.800 m, ein Terminal mit Baufläche von 6.000 qm sowie fünf Flugvorfelder) 1,64 Mrd. RMB Baugenehmigung Juni 2015 erteilt, Baubeginn 2. Halbjahr 2016. Fertigstellung voraussichtlich 2020; http://www.cq.gov.cn/today/news/2015/6/5/1376464.shtml;http://baike.baidu.com/link?url=G3fShWdHDQ210W3bN_jUeAJs8bKFM9dZGy3nOYXJlrhHJUYgOKr9vYlXzuIiqV8uDb6aBPfvDTU5G8FFEsKBca
Smart Grid Netzwerksbau in Shiyan (Provinz Hubei) 2016-2020, neu gebaut werden unter anderem Transformatoren von 3,104 Mio. KVA (GVA), 275 km Stromübertragungsleitungen (220 KV) sowie 616 km Leitungen (110KV) 9,0 Mrd. RMB http://www.mei.net.cn/dgdq/201602/653160.html

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

(GS)

Dieser Artikel ist relevant für:

China Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Kraftwerksbau, Deponie und Abfallaufbereitungsbau, Wasser-, Hafenbau, Kläranlagenbau

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